Lutherbibel 1984 (LU84)
13

Jesu Abschiedsreden

(Kapitel 13,1–17,26)

Die Fußwaschung

131Vor dem Passafest aber erkannte Jesus,

13,1
Kap
dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt ginge zum Vater; und wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. 2Und beim Abendessen, als schon
13,2
Lk 22,3
der Teufel dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz gegeben hatte, ihn zu verraten, 3Jesus aber wusste, dass ihm
13,3
Kap
der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und dass er
13,3
Kap
von Gott gekommen war und zu Gott ging, 4da stand er vom Mahl auf, legte sein Obergewand ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. 5Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war.

6Da kam er zu Simon Petrus; der sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die Füße waschen? 7Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. 8Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir. 9Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! 10Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füße gewaschen werden; denn er ist ganz rein. Und

13,10
Kap
ihr seid rein, aber nicht alle. 11Denn er kannte seinen Verräter; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein.

12Als er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe? 13Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin’s auch.

13,13
Mt 23,810
14Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch
13,14
Lk 22,27
die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. 15Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.
13,15
Phil 2,5
1. Petr 2,21
16Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:
13,16
Mt 10,24
Der Knecht ist nicht größer als sein Herr und der Apostel nicht größer als der, der ihn gesandt hat. 17Wenn ihr dies wisst – selig seid ihr, wenn ihr’s tut.
13,17
Mt 7,24

18Das sage ich nicht von euch allen; ich weiß, welche ich erwählt habe. Aber es muss die Schrift erfüllt werden (Ps 41,10): »Der mein Brot isst, tritt mich mit Füßen.« 19Jetzt sage ich’s euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschehen ist, glaubt, dass ich es bin. 20Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer jemanden aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.

13,20
Mt 10,40

Jesus und der Verräter

(Mt 26,21-25; Mk 14,18-21; Lk 22,21-23)

21Als Jesus das gesagt hatte, wurde er

13,21
Kap
betrübt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. 22Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. 23Es war aber
13,23
Kap
einer unter seinen Jüngern, den Jesus lieb hatte, der lag bei Tisch an der Brust Jesu. 24Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. 25Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist’s? 26Jesus antwortete: Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. 27Und als der den Bissen nahm, fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald!

28Aber niemand am Tisch wusste, wozu er ihm das sagte. 29Einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. 30Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

Die Verherrlichung und das neue Gebot

31Als Judas nun hinausgegangen war, spricht Jesus:

13,31
Kap
Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm. 32Ist Gott verherrlicht in ihm, so
13,32
Kap
wird Gott ihn auch verherrlichen in sich und wird ihn bald verherrlichen. 33Liebe Kinder, ich bin noch eine kleine Weile bei euch. Ihr werdet mich suchen. Und
13,33
Kap
wie ich zu den Juden sagte, sage ich jetzt auch zu euch: Wo ich hingehe, da könnt ihr nicht hinkommen.

34Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt.

13,34
Kap
35Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

Die Ankündigung der Verleugnung des Petrus

(Mt 26,33-35; Mk 14,29-31; Lk 22,31-34)

36Spricht Simon Petrus zu ihm: Herr, wo gehst du hin? Jesus antwortete ihm: Wo ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht folgen; aber

13,36
Kap
du wirst mir später folgen. 37Petrus spricht zu ihm: Herr, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben für dich lassen. 38Jesus antwortete ihm: Du willst dein Leben für mich lassen? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal verleugnet hast.

14

Jesus der Weg zum Vater

141Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! 2In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? 3Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und

14,3
Kap
euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. 4Und wo ich hingehe, den Weg wisst ihr.

5Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen? 6Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben;

14,6
Kap
niemand kommt zum Vater denn durch mich. 7Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Und von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.

8Spricht zu ihm Philippus: Herr, zeige uns den Vater und es genügt uns. 9Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch und du kennst mich nicht, Philippus?

14,9
Kap
Wer mich sieht, der sieht den Vater! Wie sprichst du dann: Zeige uns den Vater? 10Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir?
14,10
Kap
Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst aus. Und der Vater, der in mir wohnt, der tut seine Werke. 11Glaubt mir, dass ich im Vater bin und der Vater in mir; wenn nicht, so
14,11
Kap
glaubt doch um der Werke willen.

12Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der

14,12
Mt 28,19
wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater. 13
14,13-14
Kap
Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. 14Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun.

Die Verheißung des Heiligen Geistes

15Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten.

14,15
Kap
16Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern
14,16
Kap
Tröster14,16 Andere Übersetzungen: »Fürsprecher«, »Beistand« (vgl. Kap 15,26; 16,7). geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17den
14,17
Kap
Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.

18Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. 19Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen.

14,19
Kap
Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben. 20An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. 21Wer
14,21
1. Joh 5,3
meine Gebote hat und hält sie, der ist’s, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der
14,21
Kap
wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

22Spricht zu ihm Judas, nicht der Iskariot: Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt? 23Jesus antwortete und sprach zu ihm:

14,23
Spr 8,17
Eph 3,17
Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. 24Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und
14,24
Kap
das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.

25Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Der Friede Christi

27Den Frieden lasse ich euch,

14,27
Kap
meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. 28Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe hin und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. 29Und jetzt habe ich’s euch gesagt, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es nun geschehen wird.

30Ich werde nicht mehr viel mit euch reden, denn es kommt

14,30
Kap
der Fürst dieser Welt. Er hat keine Macht über mich; 31aber die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und
14,31
Kap
tue, wie mir der Vater geboten hat. Steht auf und lasst uns von hier weggehen.

15

Der wahre Weinstock

151

15,1-6
Ps 80,9-12
Jes 5,1-7
Jer 2,21
Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. 3Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
15,3
Kap
4Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.

5Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn

15,5
2. Kor 3,5-6
ohne mich könnt ihr nichts tun. 6Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen. 7Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben,
15,7
Mk 11,24
werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.
15,8
Mt 5,16

Das Gebot der Liebe

9Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! 10Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. 11Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde.

15,11
Kap

12Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe.

15,12
Kap
13Niemand hat größere Liebe als die,
15,13
Kap
dass er sein Leben lässt für seine Freunde. 14Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete.
15,14
Kap
15Ich sage hinfort nicht, dass ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, dass ihr Freunde seid; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan.

16Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er’s euch gebe.

17Das gebiete ich euch, dass ihr euch untereinander liebt.

Der Hass der Welt

18Wenn euch die Welt hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat.

15,18
Kap
19Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.
15,19
Kap
20Gedenkt an das Wort, das ich euch gesagt habe:
15,20
Kap
Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten. 21Aber das alles werden sie euch tun um meines Namens willen; denn
15,21
Kap
sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.

22Wenn ich nicht gekommen wäre und hätte es ihnen gesagt, so hätten sie keine Sünde; nun aber können sie nichts vorwenden, um ihre Sünde zu entschuldigen.

15,22
Kap
23Wer mich hasst, der hasst auch meinen Vater.
15,23
Lk 10,16
24Hätte ich nicht die Werke getan unter ihnen, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde. Nun aber haben sie es gesehen, und doch hassen sie mich und meinen Vater. 25Aber es muss das Wort erfüllt werden, das in ihrem Gesetz geschrieben steht: »Sie hassen mich ohne Grund« (Ps 69,5).

26Wenn aber der

15,26
Kap
Tröster kommen wird,
15,26
Lk 24,49
den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir. 27Und auch ihr seid
15,27
Apg 1,821-22
5,32
meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen.