Jesaja 55
Einladung zum Gnadenbund Gottes
Gottes wunderbarer Weg
Sachwissen
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6.1. Das Jesajabuch
Grundlegend für die Erarbeitung des Jesaja-Buches ist die Erkenntnis, dass das Buch aus verschiedenen Sammlungen besteht, die an- und ineinander gefügt wurden. Diese Erkenntnis stützt sich darauf, dass einzelne Abschnitte in ihrer Sprache, ihrer Thematik und ihren historischen Verankerungen sehr unterschiedlich sind. In der älteren Forschung hat man drei große Buchteile unterschieden. Nur für den ersten Teil ist der Name des Autors, nämlich Jesaja „JHWH hat geholfen“, bekannt. Für die anderen Teile behilft sich die Forschung mit den Bezeichnungen Deutero- und Tritojesaja, zweiter/dritter Jesaja. In jüngerer Zeit geht man von deutlich komplexeren Wachstumsprozessen aus, etwa dass Deutero- und Tritojesaja nicht als eigenständige Schriften, sondern als Bearbeitungen des ersten Jesaja anzusehen sind. Da die klassische Dreiteilung die Orientierung erleichtert, wird ihr hier der Vorzug gegeben.
Bund
Vertrag, mit dem zwei Partner eine gegenseitige Verpflichtung eingehen. Ist Gott einer der Partner, kann er sich auch einseitig zur Treue gegenüber seinem Volk oder einzelnen Menschen verpflichten.
Frevler
Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen.
Verbannung (nach Babylon)
Meint die Zeit zwischen 586 und 538 v. Chr., in der ein Teil des Volkes Israel gezwungen war, in Babylonien zu leben.
Bund
Das Wort bezeichnet ursprünglich ein Rechtsverhältnis auf Vertragsbasis unter Gleichberechtigten oder einen Vasallenvertrag zwischen einem stärkeren und einem schwächeren Partner. Der Bund zwischen Gott und seinem Volk ist nicht ein Vertrag zwischen gleichgestellten Partnern. Immer geht die Initiative von Gott aus, der mit einem Einzelnen oder dem ganzen Volk Israel in ein besonderes Verhältnis tritt. Dieses Verhältnis umfasst von Gott her die Zusicherung von Heil und Segen (z.B. Land- und Nachkommenschaftszusage), vom Menschen her die Verpflichtung zur Treue gegenüber Gott und seinen Geboten.
6.1.2. Das Deuterojesajabuch (DtJes)
Im Unterschied zum ersten Jesaja setzen die Kapitel 40-55 voraus, dass die früher angesagte Katastrophe bereits eingetreten ist, viel mehr noch: die Zeit ist nun reif für eine grundsätzliche Wende zum Guten. Diese Kapitel sind demnach deutlich später entstanden, sie setzen die Situation des Exils voraus und verweisen bereits auf den Perserkönig Kyrus, der dem neubabylonischen Reich, das Jerusalem zerstört hatte, das Ende bereiten wird. Die Rückwanderung der Exulanten nach Israel wird nur erwartet, nicht als geschehen beschrieben, daher ist ein Kernbestand der Texte wohl vor 539 v. Chr. entstanden, wahrscheinlich in Babylonien. Es ist möglich, dass „Deuterojesaja“ nicht ein einzelner Autor war, sondern dass eine Schule von Propheten hinter diesen Texten steht.
Jesaja 55,1-5 | 2. Sonntag nach Trinitatis | 29.06.2025
Das Jesajabuch ist mit seinen 66 Kapiteln das längste Prophetenbuch der Bibel. Die masoretische und griechische Fassung weisen im Wesentlichen Übereinstimmungen, nur in bestimmten Fällen Abweichungen voneinander auf. Die berühmte Jesajarolle aus Qumran (1Q Jesa) zeigt dabei eine Nähe zur Septuagintafassung. Umstellungen oder längere fehlende oder „überschüssige“ Textpassagen gibt es in der Septuaginta-Fassung nicht.