Epheser 2
Das neue Leben als Geschenk der Gnade
Die Einheit der Gemeinde aus Juden und Heiden
Sachwissen
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4.05. Der Epheserbrief (Eph)
Der Eph erhebt im Präskript den Anspruch, ein in der Gefangenschaft abgefasstes Schreiben des Apostels Paulus zu sein (1,1; vgl. 3,1; 4,1; 6,20). Dagegen spricht eine ganze Reihe von gewichtigen Gründen. Der Brief unterscheidet sich in Sprache und Stil, Theologie und vorausgesetzter Gemeindestruktur ganz erheblich von den authentischen Paulusbriefen. Zudem wird in 3,1ff. die Heidenmission des Apostels Paulus bereits in die Heilsgeschichte eingeordnet.
Geist Gottes, Heiliger Geist
Kraft, durch die Gott in der Welt wirkt.
Heiliger Geist
Das hebräische Wort für Geist bedeutet ursprünglich »Wind, Hauch«. Gemeint ist damit das Lebensprinzip, das der Schöpfung zugrunde liegt (Gen 1,2), das Gott seinen Geschöpfen verliehen hat und über das er jederzeit verfügt (vgl. Ps 104,29-30). Vom Geist Gottes gehen aber auch spezielle Wirkungen auf bestimmte Menschen aus: Der Geist kommt über einen Menschen und treibt ihn zu einer bestimmten Tat (Ri 3,10; 13,25). Er beseelt die ekstatischen Prophetengemeinschaften (1 Sam 10,10-12) und kann einen → Propheten ganz real an einen anderen Ort versetzen (1 Kön 18,12; vgl. Ez 8,3). Wenn der Geist Gottes für dauernd von einem Menschen Besitz ergreift wie von David (1 Sam 16,13) oder einer prophetischen Gestalt (Jes 42,1; 61,1), ist dies das Zeichen einer besonderen Verbundenheit mit Gott und Beauftragung durch ihn (vgl. Joh 1,32-34).
Himmel
Im übertragenen Sinn beschreibt »Himmel« den Bereich, in dem Gott wohnt.
Jesus
Der Name bedeutet so viel wie »der HERR rettet«. Christen glauben an ihn als Sohn Gottes, in dem sich die Verheißungen des Alten Testaments erfüllen. Um 30 n. Chr. wirkte Jesus in der Art eines jüdischen Lehrers in Galiläa und Judäa.
Heiden
Unter »Heiden« verstehen wir heute Menschen oder Völker, die nicht den christlichen Glauben teilen. Im Ansatz gibt es diesen Sprachgebrauch schon im Neuen Testament (1 Petr 2,12; 3 Joh 7 [Übersetzung: »Ungläubige«]). Vorherrschend ist dagegen vom Alten Testament her die Vorstellung einer Zweiteilung der Menschheit in das Gottesvolk Israel und die übrigen »Völker« (so die wörtliche und genaue Übersetzung; doch wird für diese Völker ein anderes Wort gebraucht als für das »Volk« Israel, nämlich gojim). Was das Gottesvolk von all diesen Völkern trennt, ist, dass es den einen Gott kennt und verehrt und sein → Gesetz besitzt und befolgt (vgl. Röm 9,1-5), kurz: dass es das von Gott »erwählte Volk« ist. Durch Jesus Christus ist diese Zweiteilung der Menschheit an ihr Ende gekommen: Das Heil wird allen Völkern angeboten (Röm 1,16), und auch dem Gottesvolk Israel wird es nur durch das neue Gnadenangebot Gottes zuteil (Röm 3,19-20; 11,32; Gal 2,16-17). Deshalb werden durch Christus »Juden und Heiden« zu dem einen neuen Gottesvolk (Eph 2,11-18).
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Fleisch
»Fleisch« ist im Hebräischen ein grundlegender Begriff zur Bezeichnung der Seinsart des Menschen. Er wird in dieser Übersetzung je nach Zusammenhang unterschiedlich wiedergegeben. Zunächst bezeichnet »Fleisch« den ganzen Menschen als leiblich-seelische Einheit. So sind Mann und Frau in ihrer Verbindung »ein Fleisch« (und nicht nur ein Leib; Gen 2,24); »alles Fleisch« bedeutet: alle Menschen.
Säulen
Ehrenname für Jakobus, Petrus und Johannes als Führer der Jerusalemer Urgemeinde. Er erinnert an das Bild von der Gemeinde als → Tempel Gottes (1 Kor 3,16; Offb 3,12) und bezeichnet die drei als tragende Glieder der Gemeinschaft (vgl. das Bild vom Fundament in Eph 2,20). Mit Jakobus ist der Bruder von Jesus gemeint (Mk 6,3par).
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Welt, diese
Die neutestamentliche Redeweise von »dieser Welt« bezeichnet die Menschenwelt als eine, die sich von Gott abgewandt hat und seinen → Sohn, in dem er der Welt seine Liebe zugewandt hat (Joh 3,16), abweist. Dadurch wird der Bereich, in dem die Menschen leben, zu einer Welt, die unter Gottes Gericht steht (Joh 3,19) und vom Bösen beherrscht ist (Gal 1,4; Eph 6,12; → Herrscher dieser Welt).
rühmen, Ruhm
Es ist natürlich, dass ein Mensch sich seiner Vorzüge und Leistungen »rühmt«. Vor Gottes Urteil wird solcher Ruhm relativiert oder zunichte, sofern nicht anerkannt wird, dass alles, was Menschen von sich rühmen, Geschenk der Gnade ist (1 Kor 4,7; Röm 3,27-28). Deshalb ist das rechte Rühmen ein solches, das die Taten Gottes rühmt (1 Kor 1,31 nach Jer 9,22-23; Gal 6,14). Weil Paulus von einer Tat Gottes weiß – und von einer in ihr begründeten Hoffnung –, die alles, was Menschen leisten und erreichen können, verblassen lässt, »rühmt« er sich paradoxerweise seiner Leiden und Schwächen, weil die Kraft Gottes über sie, ja gerade in ihnen triumphiert (Röm 5,3-5; 2 Kor 12,9-10). Er kann aber auch voller Stolz auf sein Missionswerk blicken und in den Gemeinden, die er Christus als ein heiliges Volk zuführt, seinen »Ruhm« vor dem Richterstuhl Gottes sehen (Phil 2,16; 1 Thess 2,19) – einen Ruhm, den er letztlich nicht sich selbst zuschreibt, sondern der Gnade Gottes, die durch ihn gewirkt hat (Röm 15,17-19; 2 Kor 10,13-18).
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Sünde, Schuld
Sünde beschreibt die Trennung des Menschen von Gott; Schuld bezieht sich im Unterschied dazu auf konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können.
Gesetz
Das Judentum bezeichnete die fünf Mosebücher als »Gesetz« (Tora = Weisung) und umschrieb das Alte Testament mit »das Gesetz und die Propheten« (vgl. Mt 5,17; 7,12; 22,40; Röm 3,21). Der Begriff »Gesetz« konnte aber auch auf das ganze Alte Testament ausgedehnt werden. Seit der Zeit Esras (vgl. Neh 8–10) bestimmte das Mosegesetz das gesamte Leben des jüdischen Volkes und grenzte es streng gegen die übrigen Völker ab. Von besonderer Bedeutung wurden dafür die Gesetze über die → Beschneidung und den → Sabbat sowie die Reinheitsvorschriften (→ rein). Die Frage nach der bleibenden Geltung des Mosegesetzes führte in der Urchristenheit zu ernsten Auseinandersetzungen (Apg 15; Gal 2).
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Gesetz
Die Lebensvorschriften des Alten Testaments, besonders die fünf Bücher Mose.
Vater
Vertrauensvolle Anrede oder Bezeichnung für Gott.
Gnade
Liebevolle Zuwendung Gottes, die er den Menschen ohne Vorbedingung schenkt.
Bund
Vertrag, mit dem zwei Partner eine gegenseitige Verpflichtung eingehen. Ist Gott einer der Partner, kann er sich auch einseitig zur Treue gegenüber seinem Volk oder einzelnen Menschen verpflichten.
Fleisch
Gemeint ist der ganze Mensch mit Leib und Seele. Das Fleisch gehört zur Erde, im Gegensatz dazu gehört der Geist zum Bereich Gottes.
Juden
Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten.
Welt, diese Welt
Die von griechischer Kultur geprägte Umwelt der frühen Gemeinden, die sich nicht an christlichen Maßstäben orientierte.
Herr
(Jesus Christus) Unter den Würdetiteln, die zum Ausdruck bringen, was Jesus für das Heil der Menschen bedeutet (→ Christus, → Menschensohn), nimmt der Titel »Herr« eine herausragende Stellung ein. Er kann ganz allgemein als Anrede an Höhergestellte gebraucht werden; in der »heidnischen« Umwelt des Neuen Testaments wurden die verschiedensten Götter mit diesem Titel bedacht (vgl. 1 Kor 8,5). Ihnen gegenüber ist Jesus in einzigartiger Weise »der Herr« (1 Kor 8,6). Für die inhaltliche Füllung dieses Titels ist jedoch entscheidend, dass das Wort »Herr« in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments an die Stelle des Gottesnamens Jahwe getreten ist (→ Herr). Damit ist die Möglichkeit gegeben, Aussagen des Alten Testaments über Gott direkt auf Jesus zu beziehen (z.B. Joël 3,5 in Apg 2,21 und in Röm 10,9-13 oder Jes 45,23-24 in Phil 2,10-11) und so – ohne Jesus mit Gott gleichzusetzen – seine entscheidende Heilsbedeutung zum Ausdruck zu bringen.
Blut
Das Blut gilt als Quelle und Sitz des Lebens. Da Gott der Lebensspender ist, gehört es ihm und darf von Menschen nicht gegessen oder getrunken werden. Das führt in Israel zu der Forderung, nur solches Fleisch zu essen, in dem keinerlei Blut zurückgeblieben ist (Gen 9,4), und damit zu einer Form des Schlachtens, bei der das gesamte Blut des Tieres ausfließt (Schächtung). Bei der rituellen Schlachtung (Opferung) wird das Blut der Opfertiere aufgefangen und an den Altar gegossen. Außerdem wird bei bestimmten Opferarten (→ Opfer) das Opferblut als Sühnemittel verwendet, um die verunreinigende Wirkung menschlicher Verfehlungen aufzuheben. Von daher wird im Neuen Testament der Opfertod von Jesus als → Sühne für die Sünden der Menschen verstanden (Hebr 9–10). In anderem Zusammenhang dient das Blut von Opfertieren zur Besiegelung des → Bundes zwischen Gott und seinem Volk (Ex 24,6-8). Auf diesem Hintergrund deutet Jesus seinen Tod als Inkraftsetzung des neuen Bundes (Lk 22,20).
Apostel
Wörtlich »Ausgesandte«. Menschen, die dazu berufen sind, die Gute Nachricht von Jesus Christus zu verkünden. Im engeren Sinn die zwölf Jünger von Jesus, die ihn während seines Lebens begleiteten.
Leib (von Christus)
Paulus nennt die Gemeinde den »Leib von Christus«. In 1 Kor 12,12-31 ist »Leib« ein Bild für die Einheit eines aus verschiedenen Teilen bestehenden Ganzen (Organismus). Es handelt sich jedoch um mehr als ein Bild. Die Kirche ist nicht nur wie der Leib, sie ist der Leib von Christus (1 Kor 12,27). Im Epheserbrief und im Kolosserbrief wird dagegen zwischen Christus als Haupt und der Gemeinde als Leib unterschieden (Eph 1,10; 4,15-16; Kol 1,18; 2,19).
Glaube (Vertrauen)
»Glaube(n)« ist ein vieldeutig schillerndes Wort. Im Sprachgebrauch der Bibel bezeichnet es nicht ein Wissen mit geringerem Sicherheitsgrad, sondern das unerschütterliche Vertrauen auf Gott und seine Heilszusagen. Von solchem Vertrauen kündet schon das Alte Testament (Gen 15,6; Ex 14,31; Ps 27,13-14; 116,10; Jes 7,9; 28,16), im Neuen wird es zum beherrschenden Thema. Es wird dort in verschiedener Weise entfaltet:
Glaube, glauben
Meint das tiefe Vertrauen auf Gott, das zu einem Leben nach seinem Willen führt.
Beschneidung, beschneiden, beschnitten
Die Beschneidung ist für Israel Zeichen des → Bundes zwischen Gott und seinem Volk. Vollzogen wird sie durch das Abtrennen der Vorhaut am männlichen Glied, nach Gen 17,9-14 am 8. Tag nach der Geburt.
Prophet
Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat.
Satan, Teufel
Gegenspieler Gottes. Er versucht, die Menschen zu einem Verhalten zu bewegen, das Gottes Willen widerspricht.
Frieden
Umfassender Zustand von Glück und Wohlergehen des Einzelnen und der Gemeinschaft, der aus der Beziehung mit Gott hervorgeht.
Christus
Bedeutet übersetzt »der Gesalbte«. Im Alten Testament werden Könige, aber auch Propheten und Priester bei Amtsantritt gesalbt. Später wird der von Gott zum Herrscher der Welt bestimmte Retter so genannt. Im Neuen Testament ist das Jesus.
Zorn Gottes
Sein Wille, Gericht zu halten.
Frieden
Anders als im abendländischen Denken ist Frieden im orientalisch-biblischen nicht einfach die Abwesenheit von Krieg, sondern ein viel weiterer und vornehmlich positiv gefüllter Begriff. »Frieden« (hebräisch schalom) meint: umfassendes Glück, Wohlergehen des Einzelnen und der Gemeinschaft, gelungenes Leben in gelungenen Beziehungen – zueinander, zu sich selbst, zur Umwelt, zu Gott. Ein Idealbild dessen, was »Frieden« in diesem Sinne heißt, zeichnet Ps 72, wo das Wort an zentralen Stellen, in Vers 3 und in Vers 7 (dort mit »Wohlstand« übersetzt), vorkommt. Für biblisches Denken hat die gelungene Beziehung zu Gott grundlegende Bedeutung für alle anderen Beziehungen. Heilvolles Leben in allen Dimensionen, die das Leben ausmachen, ist nur möglich, wo Gott geehrt wird und seine Rechts- und Lebensordnungen bewahrt werden (Ps 85,9-14; 119,165; 147,10-14; Jes 32,15-18; 48,18; 54,13; 57,21).
Eckstein
Ein Stein, der durch seine besondere Beschaffenheit für das Bauwerk unverzichtbar ist, entweder als besonders großer Grundstein, der das Gebäude trägt, oder als Stein, der zwei aneinanderstoßende Mauern verbindet, oder auch als besonders behauener krönender Schlussstein, der das Gewölbe trägt oder die Mauerkrone ziert. Beim bildhaften Gebrauch des Wortes klingen alle diese Eigenschaften an.
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)