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6.6.03. Der Prophet Amos (Am)

Amos („der [von JHWH] Getragene“) ist der älteste Prophet, von dem ein eigenes Buch erhalten blieb. Er wirkte um 750 im Nordreich Israel (kurz vor Hosea), obwohl er offenbar aus Tekoa im Südreich Juda stammte. Amos war kein Prophet, sondern er wird als Schafzüchter vorgestellt (1,1; 7,14). Er fühlte sich von JHWH in den Norden gesandt, wo er zur Zeit der wirtschaftlichen Blüte unter Jerobeam II. gegen die ausbeuterischen Methoden der Oberschicht das Gericht über dieses Land prophezeien sollte. Die Frage, ob Amos auch eine Heilsperspektive für Israel hatte (vgl. 5,4-7.14f.; 9,11ff.), ist außerordentlich umstritten. Sicher ist, dass auch er die besondere Erwählung Israels durch JHWH formuliert hat, aus der dann auch eine besondere Verantwortung Israels resultiert, vgl. 3,2: „Euch allein habe ich erwählt von allen Geschlechtern der Erde, darum suche ich an euch heim all eure Schuld.“

Zebaot

Der Beiname bedeutet übersetzt »(Gott) der himmlischen Heere« und bringt die Fülle von Gottes Macht zum Ausdruck.

Amos 5,21-24 | Estomihi | 11.02.2024

Die Schrift, die dem Propheten Amos zugeschrieben wird, hat sich immer großer Popularität erfreut. Amos gilt als der erste „Schriftprophet“. Darunter versteht man einen Propheten, der nicht nur mündlich aufgetreten ist, sondern der auch eine ganze Schrift verfasst hat. Die Überschrift (Am 1,1) nennt einen gewissen „Amos aus Tekoa“ als Autor der Schrift. Es gibt keinen wirklichen Grund zu bezweifeln, dass die älteste Schicht der Amosschrift von der Persönlichkeit des historischen Amos geprägt ist. Im Visionszyklus (Am 7–9) ist der Name „Amos“ sicher in zwei von Amos selbst in der Ich-Perspektive berichteten Visionen verankert („Was siehst du, Amos?“ Am 7,8; 8,2), hinzu kommen Hinweise auf den Namen von dritter Seite in Am 7,10.11.12.14. Die Grundschicht enthält poetisch geformte Sprüche von hoher Prägnanz und emotionaler Härte. Das bietet die Gewähr dafür, dass die literarischen Sprüche auch in der mündlichen Verkündigung gegenüber bestimmten Hörern genau so vorgebracht wurden, wie sie schriftlich vorliegen.

Totenklage

Die Trauer um einen Verstorbenen wurde im Altertum durch laut ausgestoßene Klagerufe zum Ausdruck gebracht (Mk 5,38-39). Die persönliche Klage wurde verstärkt und unter Umständen stellvertretend übernommen von eigens dafür bestellten Personen (Jer 9,16). Die normale Dauer der Totenklage betrug sieben Tage, für besonders angesehene Verstorbene dreißig Tage (Dtn 34,8). Ein Beispiel für eine ganz knapp formulierte Klage bietet Jer 22,18, für ein ausführliches → Totenklagelied 2 Sam 1,17-27.

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Name (von Gott, von Jesus)

Für biblisches Denken ist der Name nicht eine austauschbare Äußerlichkeit (Faust: »Schall und Rauch«), sondern aufs Engste mit der Person des Namensträgers, dessen Wesen und Wirken verbunden. Es hat deshalb eine entscheidende Bedeutung, dass Gott im Alten Testament, wie alle Götter des Altertums, einen Eigennamen trägt (Jahwe; → Herr). Durch das betende Anrufen und feierliche Aussprechen des Gottesnamens wird Gott selbst gegenwärtig, z.B. im Segenszuspruch der Priester (Num 6,22-27) oder wenn der Name als Akt der Besitzergreifung über etwas ausgerufen wird (Jes 43,7; Jer 14,9; Am 9,12). In älterer Zeit wurde der Name Gottes zur Beteuerung der Wahrheit einer Aussage im Schwur angerufen, später aus Scheu vor Missbrauch (Ex 20,7) überhaupt nicht mehr ausgesprochen, nur noch vom → Obersten Priester bei der Erteilung des in Num 6,22-26 überlieferten Segens (Sir 50,20). Wenn der → Tempel in Jerusalem als Wohnsitz für Gottes »Namen« bezeichnet wird (Dtn 12,5), so bedeutet dies, dass Gott dort für sein Volk zu finden ist und ihm seine ganze Heils- und Segensfülle zuwenden will (1 Kön 8,27-53).

Moloch

Ein Gott Moloch, dem Kinder geopfert wurden, ist außerhalb der Bibel nicht bezeugt; jedoch ist aus Phönizien ein Begriff für eine Opferart (mlk) bekannt, der damit in Zusammenhang stehen könnte. In Apg 7,43 wird Am 5,25-27 nach der griechischen Übersetzung zitiert, in der »Moloch« für die assyrische Sterngottheit Sakkut eingesetzt ist. Die Namensform »Moloch« stammt aus der alten griechischen Übersetzung; die jüdischen Überlieferer haben zu den Konsonanten mlk die Vokale des Wortes Schande (boschet) hinzugefügt, sodass die Form »Molech« entstanden ist (vgl. Anmerkung zu 1 Chr 8,33). Dass Gott eigentlich jeder erstgeborene Sohn »gehört«, ist auch in Israel anerkannt, doch wird dafür ein Ersatztier geopfert (Ex 13,1.11-13; vgl. Gen 22,13).

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Brandopfer

Das geschlachtete Opfertier wird mit Ausnahme der Haut bzw. des Fells vollständig auf dem Brandopferaltar verbrannt.

Damaskus

Bedeutende Handelsstadt am Rand der syrischen Wüste.

Totenklage

Laute Klagerufe, mit denen die Trauer um einen Verstorbenen zum Ausdruck gebracht wurde.

Speiseopfer

Naturalien (Getreide, Backwerk, Feldfrüchte) als selbstständiges Opfer oder Beigabe zu anderen Opfergaben (→ Opfer).

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Speiseopfer

Besteht aus Getreide, Mehl, ungesäuerten Backwaren und Öl. Ein Teil wird auf dem Altar verbrannt.

Opfermahl

Israel (Nordreich)

Bezeichnung für das Königreich im Norden (926–722 v. Chr.).