Gleichnisse über Schuld, Umkehr und Gericht
Das Gleichnis von Adler, Zeder und Weinstock
Das Wort des Herrn kam zu mir:
Du Mensch, gib den Israeliten ein Rätsel auf
und erzähl ihnen ein Gleichnis.
Sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr!
Ein großer Adler flog ins Libanongebirge.
Er hatte riesige Flügel mit großer Spannweite
und ein volles, farbenprächtiges Gefieder.
Auf dem Libanon nahm der Adler den Wipfel einer Zeder.
Ihren obersten Zweig riss er ab.
Er brachte ihn in das Land der Händler
und setzte ihn in die Stadt der Kaufleute.
Dann nahm er einen Steckling aus dem Land Israels.
Er pflanzte ihn in guten Boden mit reichlich Wasser.
Direkt ans Wasser pflanzte der Adler den Steckling.
Er sollte zu einem üppigen Weinstock heranwachsen
und doch keine große Höhe erreichen.
Seine Ranken sollten sich zu dem Adler hinwenden
und seine Wurzeln unter ihm bleiben.
Und der Steckling wurde zu einem Weinstock,
bildete Triebe und streckte Zweige aus.
Doch es gab noch einen anderen großen Adler,
mit riesigen Flügeln und vollem Gefieder.
Da streckte der Weinstock seine Wurzeln zu diesem Adler hin.
Auch seine Ranken wandte er ihm zu,
um von ihm getränkt zu werden.
Der Weinstock wandte sich weg von dem Boden,
in den er gepflanzt war.
In guten Boden mit reichlich Wasser
war er gepflanzt worden.
Er sollte Zweige bilden und Früchte tragen.
Ein prächtiger Weinstock sollte er werden.
Sag zu den Israeliten: So spricht Gott, der Herr!
Kann das gut gehen?
Wird nicht der erste Adler
die Wurzeln des Weinstocks herausreißen
und seine Trauben abrupfen?
Seine frischen Triebe werden alle verdorren.
Um den Weinstock von seinen Wurzeln wegzureißen
braucht man weder große Kraft noch viele Leute.
Und selbst wenn er neu eingepflanzt wird,
kann das gut gehen?
Nein, wenn der glühend heiße Ostwind weht,
wird der Weinstock völlig verdorren.
Auf dem guten Boden, auf dem er gewachsen war,
wird er verdorren.
Erklärung des Gleichnisses von Adler, Zeder und Weinstock
Das Wort des Herrn kam zu mir:
Frag doch die widerspenstigen Israeliten:
Versteht ihr nicht, worum es in diesem Gleichnis geht?
Der König von Babylonien kam nach Jerusalem.
Dort nahm er den König und dessen Oberste
und brachte sie zu sich nach Babylon.
Dann nahm er einen aus der königlichen Familie
und schloss mit ihm einen Vertrag.
Auch ließ er ihn einen Eid schwören.
Die einflussreichen Männer aber brachte er weg.
Der neue König sollte keine große Macht haben
und keinen Aufstand anzetteln.
Er sollte darauf achten,
dass der Vertrag nicht gebrochen wird.
Aber er widersetzte sich dem König von Babylonien
und sandte Boten nach Ägypten.
Die Ägypter sollten ihm Pferde schicken
und ein großes Heer.
Kann das gut gehen?
Wie soll jemand davonkommen, der so etwas tut?
Kann jemand einen Vertrag missachten
und trotzdem davonkommen?
Bei meinem Leben, spricht Gott, der Herr.
Der König von Babylonien setzte den neuen König ein.
Doch der neue König hat seinen Eid gebrochen
und den Vertrag missachtet.
Deshalb wird er in Babylonien sterben!
Der Pharao wird ihm in diesem Krieg nicht helfen.
Er wird kein starkes Heer mit vielen Soldaten schicken.
Die Feinde dagegen werden einen Wall bauen,
eine Belagerungsrampe aufschütten und viele töten.
Der neue König hatte einen Schwur geleistet.
Doch er hat seinen Eid gebrochen
und den Vertrag missachtet.
Weil er das alles getan hat,
wird er nicht davonkommen!
Deshalb schwört Gott, der Herr: Bei meinem Leben!
Meinen Eid hat er gebrochen
und unser Bündnis missachtet.
Das lasse ich jetzt auf ihn selbst zurückfallen.
Ich werfe mein Netz über ihn,
und darin wird er sich verfangen.
Dann bringe ich ihn nach Babylon.
Dort werde ich ihn richten,
weil er mir die Treue gebrochen hat.
Die besten Soldaten seines Heeres werden getötet,
die Überlebenden in alle Winde zerstreut.
Dann wird man erkennen, dass ich der Herr bin,
der das gesagt hat.
So spricht Gott, der Herr:
Ich selbst nehme einen Trieb vom Wipfel der hohen Zeder
und pflanze ihn ein.
Ich pflücke einen zarten Trieb aus ihrer Spitze.
Ich selbst pflanze ihn
auf einen hohen und herausragenden Berg.
Auf dem hohen Berg Israels werde ich ihn pflanzen.
Er wird Zweige bilden, Früchte tragen
und zu einer prächtigen Zeder heranwachsen.
Viele verschiedene Vögel werden in ihr Nester bauen
und im Schatten ihrer Zweige leben.
Dann werden alle Bäume des Feldes erkennen,
dass ich der Herr bin.
Ich mache den hohen Baum niedrig
und lasse den niedrigen Baum hoch wachsen.
Den grünen Baum lasse ich verdorren,
aber den verdorrten Baum bringe ich zum Blühen.
Ich, der Herr, habe es angekündigt und werde es tun.