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Einführung: Die prophetischen Bücher

Die prophetischen Bücher bilden den dritten Teil des Alten Testaments. Dazu gehören die Bücher der vier »großen Propheten« Jesaja, Jeremia, Ezechiel und Daniel sowie die zwölf »kleinen Propheten« von Hosea bis Maleachi.

6.2. Der Prophet Jeremia (Jer)

Der Prophet Jeremia („JHWH erhöht“) stammt, so die Überschrift, aus einer priesterlichen Familie aus dem Ort Anatot bei Jerusalem. Jeremia wirkte von 627–587, seine Wirksamkeit ist in vier Phasen zu unterteilen:

Jeremia 1,4-10 | 9. Sonntag nach Trinitatis | 02.08.2026

Das Jeremiabuch hat in der Methodendiskussion innerhalb der alttestamentlichen Wissenschaft in den vergangenen drei Jahrzehnten eine wichtige Rolle gespielt. Es liegt in zwei Ausgaben vor: einmal in der hebräisch überlieferten Fassung des Masoretischen Textes und einmal in der griechisch überlieferten der Septuaginta, und beide unterscheiden sich nicht unwesentlich voneinander. Der MT bietet nicht nur ein Siebtel bis ein Sechstel mehr Text als LXX, sondern beide Ausgaben folgen auch ab Kapitel 26 einem je unterschiedlichen Aufbau. Grob gesagt, hat LXX die Fremdvölkerorakel in der Mitte, vor den Prophetenerzählungen, während sie im MT am Ende stehen und auf die narrativen Teile folgen. Der Umstand, dass von den in Höhle 4 von Qumran gefundenen Jer-Rollen eine (4QJera) eindeutig den protomasoretischen Text hat, während eine andere, leider sehr spärlich erhaltene (4QJerb), die hebräische Vorlage der Septuaginta zu belegen scheint, illustriert, dass später kanonische Bücher noch länger „offen“ waren als früher angenommen. Zugleich wurde deutlich, dass die Unterschiede zwischen JerMT und JerLXX im Großen und Ganzen nicht auf absichtliche oder unabsichtliche Auslassungen bei der Übersetzung zurückgehen, sondern in unterschiedlichen hebräischen Vorlagen begründet liegen. Damit begannen die klassischen methodischen Grenzen zwischen Textkritik und Literarkritik zu verschwimmen. So gesehen, stellt die Mehrzahl der masoretischen Textüberhänge vielmehr einen wichtigen Beleg dafür dar, dass und wie noch in sehr später Zeit an und in den Büchern durch kleinteilige Bearbeitungen die prophetische Überlieferung interpretierend fortgeschrieben wurde. Die Redaktionsgeschichte des Buches ragt so in die Textgeschichte des Buches hinein – die innerbiblische Auslegung geht nahtlos in die außerbiblische Auslegung über. Diese Erkenntnis ist hermeneutisch wichtig – im Fach für die Diskussion zwischen entstehungsgeschichtlich interessierter und am vermeintlichen kanonischen Endtext orientierter Methodik – und sie ist homiletisch wichtig, wenn es um das Selbstverständnis der Predigenden in ihrer Beziehung zur biblischen Überlieferung geht.

Norden

Die geheimnisvoll-unbestimmte Ankündigung eines Feindes »aus dem Norden« spielt in der biblischen Prophetie vor allem bei Jeremia eine Rolle (siehe Jer 1,14 und Vergleichsstellen dazu). Feindliche Heere konnten Israel/Juda aufgrund der geografischen Gegebenheiten nur von Süden (Ägypter) oder Norden (Assyrer, Babylonier) erreichen; im Osten bildete die syrisch-arabische Wüste eine unüberwindliche Barriere.

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Juda (Südreich)

Bezeichnung für das Königreich im Süden mit Jerusalem als Hauptstadt.

heilig

Menschen oder Dinge, die zu Gott gehören und mit ihm in Verbindung stehen.

Vision

Eine Erscheinung, in der Gott zu verstehen gibt, was er vorhat.

Verbannung (nach Babylon)

Meint die Zeit zwischen 586 und 538 v. Chr., in der ein Teil des Volkes Israel gezwungen war, in Babylonien zu leben.

Priester

Bringt Opfer im Heiligtum dar und deutet den Willen Gottes.

Prophet

Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat.

Verbannung

Assyrer

Militärische Großmacht, deren Kerngebiet im heutigen Irak lag.

Räucheropfer

Verbrennen von Weihrauch oder anderen Duftharzen auf einem Räucheraltar.

Priester, Priesterdienst, Priestertum

Im Alten Testament Personen, die aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und ihrer besonderen Weihe dazu bestimmt waren, die Gottesdienste zu leiten, → Opfer darzubringen und den Willen Gottes zu deuten. Nach dem → Gesetz durften nur Nachkommen Aarons den Priesterdienst verrichten (Ex 40,12-15; Num 18,1-7), während die → Leviten für die übrigen Dienste im Heiligtum zuständig waren. Die Priester wurden in 24 Dienstgruppen eingeteilt (1 Chr 24,1-19), die sich in festgelegter Reihenfolge im Tempeldienst ablösten. An der Spitze der Priesterschaft stand in der Zeit nach dem → Exil der → Oberste Priester (herkömmlich »Hohepriester«).

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Israel (Nordreich)

Bezeichnung für das Königreich im Norden (926–722 v. Chr.).