Johannes 2
Das erste Zeichen Jesu in Kana in Galiläa: 2,1–12
Das erste Paschafest. Die Tempelreinigung: 2,13–25
Sachwissen
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2.5. Das Johannesevangelium (Joh)
Das Joh unterscheidet sich erheblich von den synoptischen Evangelien. Das betrifft zunächst den Rahmen der Wirksamkeit Jesu. Im Joh wandert Jesus mehrfach zwischen Galiläa und Judäa bzw. Jerusalem hin und her. Er wirkt mehr als zwei Jahre, denn der Evangelist erwähnt drei Paschafeste (2,13; 6,4; 11,55). Auch das Todesdatum Jesu differiert im Joh von dem der Synoptiker. Nach diesen wird Jesus am Tag des Paschafestes gekreuzigt. Das Joh dagegen datiert seinen Tod auf den Tag vor dem Paschafest (vgl. 18,28; 19,31).
Jesus
Der Name bedeutet so viel wie »der HERR rettet«. Christen glauben an ihn als Sohn Gottes, in dem sich die Verheißungen des Alten Testaments erfüllen. Um 30 n. Chr. wirkte Jesus in der Art eines jüdischen Lehrers in Galiläa und Judäa.
Wunderzeichen
Alle Wunder, die Jesus wirkt, haben den Charakter von »Zeichen«: Sie weisen voraus auf das Heil der im Kommen begriffenen → Königsherrschaft Gottes und lassen von ihr schon etwas erfahrbar werden in der gegenwärtigen Welt. Sie können → Glauben wecken (Joh 2,11) oder den Glauben stärken, sie sind aber auch immer so oder so »erklärbar« (vgl. Mk 3,22; Apg 2,12-13). Sie taugen also nicht als zwingender Beweis und sind auch niemals so gemeint. Jesus lehnt es ab, sich und seine Botschaft den Gegnern gegenüber durch Wunder zu legitimieren (Mk 8,11-13). Andererseits sind seine Taten insgesamt eindeutig genug, sodass denen, die Jesus ablehnen und nur immer neue Beglaubigungswunder verlangen, das Gericht droht (Lk 11,16.29-30).
Sohn Gottes
Titel, der das besondere Vertrauensverhältnis eines Menschen zu Gott zum Ausdruck bringt. Im Neuen Testament wird der Titel ausschließlich für Jesus verwendet.
Heilige Schriften
Die Bücher, die heute in unserem Alten Testament zusammengefasst sind, waren für das Judentum zur Zeit von Jesus und ebenso für die frühe Christenheit die »Heilige Schrift«. Doch wurden zu ihr auch noch eine Reihe von sehr spät entstandenen Büchern gerechnet, die von den Juden des 1. Jh. n.Chr. aus dem »Kanon« ihrer Heiligen Schriften ausgeschieden worden sind. Diese Spätschriften des Alten Testaments – wie die Deuterokanonischen Schriften bzw. Apokryphen in dieser Bibelausgabe heißen – blieben in der christlichen Kirche bis zur Reformationszeit allgemein als Heilige Schrift anerkannt. (In der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen sind sie es weiterhin; in den evangelischen Kirchen werden sie unterschiedlich beurteilt.) Im Neuen Testament werden darüber hinaus sogar noch weitere frühjüdische Schriften als »heilige« zitiert (vgl. Jak 4,5; Jud 14-15). Die neutestamentlichen Schreiber sprechen von »der (heiligen) Schrift« als einem einheitlichen Gotteswort in der Einzahl. Die Übersetzung verwendet trotzdem die Mehrzahl »Schriften«, da »die Heilige Schrift« für heutige Christen die Bibel aus Altem und Neuem Testament bezeichnet.
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Jünger
Wörtlich »Schüler«. Frauen und Männer, die ihrem Lehrer folgten und von ihm lernten.
Gesetz
Das Judentum bezeichnete die fünf Mosebücher als »Gesetz« (Tora = Weisung) und umschrieb das Alte Testament mit »das Gesetz und die Propheten« (vgl. Mt 5,17; 7,12; 22,40; Röm 3,21). Der Begriff »Gesetz« konnte aber auch auf das ganze Alte Testament ausgedehnt werden. Seit der Zeit Esras (vgl. Neh 8–10) bestimmte das Mosegesetz das gesamte Leben des jüdischen Volkes und grenzte es streng gegen die übrigen Völker ab. Von besonderer Bedeutung wurden dafür die Gesetze über die → Beschneidung und den → Sabbat sowie die Reinheitsvorschriften (→ rein). Die Frage nach der bleibenden Geltung des Mosegesetzes führte in der Urchristenheit zu ernsten Auseinandersetzungen (Apg 15; Gal 2).
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Heilige Schrift
Für das Judentum und für das frühe Christentum die Bücher, die sich im Alten Testament finden.
Galiläa
Das Gebiet zwischen dem See → Gennesaret und der Küstenebene, ursprünglich Siedlungsgebiet der Stämme Ascher, Sebulon und Naftali. Es wurde 733 v.Chr. Provinz des → Assyrerreichs und stand von da an unter der Oberherrschaft der verschiedenen Nachfolgereiche. Seit 104 v.Chr. wieder unter jüdischer Herrschaft; Einwanderer aus → Judäa stärkten das jüdische Element, neben dem es jedoch geschlossene heidnische Bevölkerungsgruppen gab. Zur Zeit von Jesus ist Galiläa Basis militanter nationalistischer jüdischer Gruppen (Apg 5,37; → Zeloten).
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
rein (unrein)
Wegen der → Heiligkeit Gottes muss der Mensch, der sich ihm naht – sei es in der anbetenden Gemeinde, sei es beim Privatopfer –, rein sein. Dabei ist »rein« zunächst kein moralischer Begriff, sondern bezieht sich auf körperliche Vorgänge, die von der Nähe Gottes fernzuhalten sind – vermutlich weil sie zur Einflusssphäre dämonischer Naturmächte gehören, denen sich die Menschen der Frühzeit ausgesetzt sahen. Dazu zählt alles, was mit den Bereichen von Tod und Sexualität zu tun hat, aber auch Hautkrankheiten (→ Aussatz). Auch jede Berührung mit Menschen, die die Reinheitsvorschriften des → Gesetzes nicht beachteten, machte »unrein«. Ein wichtiges Gebiet waren die Bestimmungen über reine und unreine Speisen (→ Nahrungsvorschriften).
Juden
Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten.
Passafest, Passamahl
Frühjahrsfest zur Erinnerung an den Auszug Israels aus Ägypten (Ex 12,1-28). Der Name »Passa« (hebräisch pesach, aramäisch pas’cha; so auch die griechisch-lateinische Wiedergabe), über dessen ursprünglichen Sinn sich nichts Sicheres sagen lässt, wird in Ex 12,27 als gnädiger, die Israeliten verschonender »Vorübergang« des Herrn gedeutet.
Passafest
Fest, das jährlich im Frühjahr gefeiert wird und an die Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten erinnert.
Auferstehung/Aufwerweckung
Meint die Auferstehung bzw. Auferweckung vom Tod und das ewige Leben im Reich Gottes.
Bruder
»Bruder« bezeichnet in der Sprache des Alten Testaments nicht nur den leiblichen Bruder oder Stiefbruder, sondern auch allgemeiner den Blutsverwandten (z.B. Neffen: Gen 13,8) und des Weiteren den Angehörigen desselben Stammes oder Volkes (Ex 2,11; Dtn 15,3.7; → Mitmensch). Im 5. Mose-Buch (Deuteronomium) findet sich das Wort gehäuft, um die geschwisterliche Zusammengehörigkeit der Glieder des Gottesvolkes zum Ausdruck zu bringen bzw. an sie zu appellieren.
Tempel (Jerusalem)
Das zentrale Heiligtum in Jerusalem. Der Tempel galt als Wohnung Gottes und war Zufluchtsort für Verfolgte.
Glaube (Vertrauen)
»Glaube(n)« ist ein vieldeutig schillerndes Wort. Im Sprachgebrauch der Bibel bezeichnet es nicht ein Wissen mit geringerem Sicherheitsgrad, sondern das unerschütterliche Vertrauen auf Gott und seine Heilszusagen. Von solchem Vertrauen kündet schon das Alte Testament (Gen 15,6; Ex 14,31; Ps 27,13-14; 116,10; Jes 7,9; 28,16), im Neuen wird es zum beherrschenden Thema. Es wird dort in verschiedener Weise entfaltet:
Galiläa
Gebiet zwischen dem See Gennesaret und der nördlichen Küstenebene.
Vorhang
Mit dem Tempelvorhang, der beim Sterben von Jesus zerriss (Mk 15,38par), dürfte der Vorhang vor dem → Allerheiligsten gemeint sein. Das Zeichen ist wahrscheinlich im Licht von Mk 15,29; 14,58; 13,2 zu verstehen; es bedeutet den Untergang des → Tempels. Dieser Tempel kann und soll – nach allem, was Jesus und damit Gott angetan worden ist – nicht mehr der Ort sein, an dem Gott seinem Volk nahe ist, das Volk seine Gottesdienste feiert und Versöhnung erfährt (→ Versöhnungstag); dieser »Ort« wird in Zukunft allein noch Jesus sein, der Gekreuzigte und Auferstandene (vgl. Mk 14,58; Joh 2,19-22).
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Herrlichkeit
Bezeichnet das, was einer Person Ansehen und Macht verleiht. Gottes Herrlichkeit stellt man sich auch als strahlenden Lichtglanz vor.
Herrlichkeit
Das zugrunde liegende hebräische Wort bezeichnet im Alten Testament das, was einer Person oder Sache Gewicht und Ansehen verleiht und damit auch Macht und Autorität. Wo von der »Herrlichkeit des → Herrn« die Rede ist, geht es zusätzlich um die sichtbare Erscheinung der göttlichen Majestät (Ex 16,10; Lev 9,6.23; Ez 1,27-28a), die als strahlender Lichtglanz zu denken ist. Nach Ex 33,18-23 und anderen Stellen ist der Anblick dieser Lichterscheinung für sterbliche Menschen tödlich. Aber in prophetischen Visionen wird sie von Jesaja (6) und Ezechiël (1–3) geschaut und beschrieben.
Geldwechsler
Wechsler gab es im → Tempel, weil die → Tempelsteuer in tyrischen Schekeln, der damals wertvollsten Währung, bezahlt werden musste. Ebenso wie die Händler, die Tauben, Schafe und Rinder für das → Opfer verkauften, hatten sie ihren Platz im äußeren Vorhof des Tempels.
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Jünger
Ähnlich wie die → Gesetzeslehrer (vgl. Mt 22,16; Mk 2,18) und der → Täufer Johannes (Mt 11,2; Mk 2,18; Lk 11,1; Joh 1,35) hatte auch Jesus »Schüler« (so wörtlich), die ihm auf seinen Wanderungen folgten und sich seiner Autorität unterstellten. Jünger von Jesus sind im Neuen Testament nicht nur die zwölf → Apostel, sondern darüber hinaus noch ein weiterer Kreis von Männern (Mk 2,15). Auch viele Frauen befanden sich im Gefolge von Jesus; der geprägte und für die Jüngerschaft typische Ausdruck »Nachfolge/nachfolgen« wird auf sie ebenso angewandt wie auf die Männer (Mk 15,41par). Wo Lukas von der »großen Menge der Jünger« spricht (Lk 6,17; 19,37), sind sie zweifellos mitgemeint (siehe Anmerkung zu Lk 6,17), und in der Apostelgeschichte von Lukas wird »die Jünger« vollends zur Bezeichnung für die Gemeinde als ganze, Männer und Frauen, weshalb diese Übersetzung die Frauen einschließende Mehrzahlform hier auch mit »Jünger und Jüngerinnen« wiedergibt (vgl. Apg 6,1 und Anmerkung dort; siehe ferner Mt 28,19 und Anmerkung).
Münzen
Zahlungsmittel in Form unterschiedlicher Münzen mit einem jeweils einheitlichen Wert.
Tempel
Der Tempel in Jerusalem war – wie schon das → Heilige Zelt – nicht Versammlungshaus der Gemeinde, sondern Wohnung Gottes (Ex 40,34; 1 Kön 8,13). Der Tempel Salomos war ein Langhausbau, der aus drei Teilen bestand: Vorhalle, Heiliges und → Allerheiligstes, und der mit 30 m Gesamtlänge etwa die Größe einer Dorfkirche hatte (ausführliche Beschreibung in 1 Kön 6; die Einrichtung entspricht der des Heiligen Zeltes in Ex 40). Der Tempel war von zwei Vorhöfen umgeben: einem inneren, in dem der große → Brandopferaltar stand, und einem äußeren, dessen Umfassungsmauer den südlich des Tempels gelegenen Königspalast mit einschloss. Nebukadnezzar zerstörte den ersten Tempel 586 v.Chr. Nach der Rückkehr der Judäer aus der Verbannung wurde er an der alten Stelle in bescheidenerer Ausstattung wieder aufgebaut (Tempelweihe 515 v.Chr.).