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Einführung: Der Brief von Jakobus

Der Brief von Jakobus ist nach seinem Absender benannt: Jakobus. Er war der Bruder von Jesus (Markus 6,3) und leitete gemeinsam mit Petrus und Johannes die Gemeinde in Jerusalem (Galater 2,9). Ob der Brief tatsächlich von Jakobus, dem Bruder von Jesus, stammt, ist aber umstritten. Wahrscheinlich ist er erst zwischen 80 und 90 n. Chr. entstanden. Empfänger sind »die zwölf Stämme Israels, die über die ganze Welt verstreut leben« (1,1). Damit sind Menschen gemeint, die an Jesus Christus glauben und als das neue Gottesvolk unter Menschen anderen Glaubens leben. Der Schreiber des Briefes ermahnt sie, am Glauben festzuhalten und diesen durch entsprechende Taten zu bewähren. 

5.1. Der Jakobusbrief (Jak)

Der Jak ist an „die zwölf Stämme, die in der Zerstreuung leben“ (1,1), adressiert, d. h. er wendet sich an die gesamte Christenheit außerhalb Palästinas. Als Absender nennt das Präskript „Jakobus, Knecht Gottes und Jesu Christi, des Herrn“. Damit ist offenbar der Bruder Jesu gemeint (vgl. Gal 1,19; Apg 15,13 u. ö.), denn der Brief will von einem in der ganzen Frühchristenheit anerkannten Lehrer (vgl. 3,1) geschrieben sein. An der Authentizität dieser Angabe bestehen erhebliche Zweifel. Zum einen schreibt der Autor ein gutes Griechisch und besitzt eine gewisse rhetorische Bildung, was bei Jakobus nicht unbedingt zu erwarten ist. Zum anderen – und dieser Grund ist gewichtiger – setzt der Brief eine Gemeindesituation voraus, die in die Zeit nach dem Tod des Jakobus im Jahr 62 weist. Da der Briefschreiber einem weisheitlich geprägten Judenchristentum zuzurechnen ist, hat er bewusst an die Autorität des Jakobus angeknüpft, denn dieser genoss vor allem im Judenchristentum hohes Ansehen.

Jesus

Der Name bedeutet so viel wie »der HERR rettet«. Christen glauben an ihn als Sohn Gottes, in dem sich die Verheißungen des Alten Testaments erfüllen. Um 30 n. Chr. wirkte Jesus in der Art eines jüdischen Lehrers in Galiläa und Judäa.

Stämme Israels

Israel versteht sich als Verband von zwölf Stämmen, die auf die Nachkommen der Söhne Jakobs zurückgehen.

Schlange

Die Schlange im Paradies ist nicht eine Verkörperung des Teufels, sondern – wie der Text Gen 3,1 eindeutig sagt – ein Geschöpf Gottes. Die biblische Erzählung kann so verstanden werden, dass sich im Gespräch Evas mit der Schlange ein innerer Vorgang (Dialog) im Menschen selbst spiegelt (vgl. Jak 1,13-14). An der Frage nach dem Ursprung des Bösen ist der biblische Erzähler nicht interessiert.

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Wahrheit

Mit den Wörtern »wahr/Wahrheit« bezeichnen wir in der Regel die Übereinstimmung zwischen einer Aussage und dem entsprechenden Sachverhalt, denken also an ein Verhältnis zwischen der Wirklichkeit und unserem Denken und Sprechen über sie. Nach hebräischer Auffassung ist Wahrheit jedoch eine Eigenschaft, die eine Sache oder Person oder ein Wort selbst hat oder nicht hat. »Wahr« ist etwas, wenn es hält, was es verspricht. Wahrheit meint Zuverlässigkeit, eine vor allem im Verlauf der Geschichte immer neu erfahrene Zuverlässigkeit, also: Beständigkeit, Treue, haltgebende Wirklichkeit (so wie wir von einem »wahren Freund« oder einem »wahren Wort« sprechen).

Welt, diese

Die neutestamentliche Redeweise von »dieser Welt« bezeichnet die Menschenwelt als eine, die sich von Gott abgewandt hat und seinen → Sohn, in dem er der Welt seine Liebe zugewandt hat (Joh 3,16), abweist. Dadurch wird der Bereich, in dem die Menschen leben, zu einer Welt, die unter Gottes Gericht steht (Joh 3,19) und vom Bösen beherrscht ist (Gal 1,4; Eph 6,12; → Herrscher dieser Welt).

Erstgeburt

Bezeichnet den ersten Sohn, den eine Frau zur Welt bringt, oder das erste männliche Tier, das von einem Muttertier geboren wird. Sie ist für Gott bestimmt.

rühmen, Ruhm

Es ist natürlich, dass ein Mensch sich seiner Vorzüge und Leistungen »rühmt«. Vor Gottes Urteil wird solcher Ruhm relativiert oder zunichte, sofern nicht anerkannt wird, dass alles, was Menschen von sich rühmen, Geschenk der Gnade ist (1 Kor 4,7; Röm 3,27-28). Deshalb ist das rechte Rühmen ein solches, das die Taten Gottes rühmt (1 Kor 1,31 nach Jer 9,22-23; Gal 6,14). Weil Paulus von einer Tat Gottes weiß – und von einer in ihr begründeten Hoffnung –, die alles, was Menschen leisten und erreichen können, verblassen lässt, »rühmt« er sich paradoxerweise seiner Leiden und Schwächen, weil die Kraft Gottes über sie, ja gerade in ihnen triumphiert (Röm 5,3-5; 2 Kor 12,9-10). Er kann aber auch voller Stolz auf sein Missionswerk blicken und in den Gemeinden, die er Christus als ein heiliges Volk zuführt, seinen »Ruhm« vor dem Richterstuhl Gottes sehen (Phil 2,16; 1 Thess 2,19) – einen Ruhm, den er letztlich nicht sich selbst zuschreibt, sondern der Gnade Gottes, die durch ihn gewirkt hat (Röm 15,17-19; 2 Kor 10,13-18).

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Sünde, Schuld

Sünde beschreibt die Trennung des Menschen von Gott; Schuld bezieht sich im Unterschied dazu auf konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können.

Gute Nachricht

Wörtliche Übersetzung von »Evangelium«. Steht für Gottes Willen, die Menschen mit sich zu versöhnen und in Gemeinschaft mit sich leben zu lassen.

Diener Gottes

Bezeichnung für eine Person, die Gott als ihren Herrn anerkennt. Sie handelt in seinem Namen, ist aber auch abhängig von ihm.

Gesetz

Das Judentum bezeichnete die fünf Mosebücher als »Gesetz« (Tora = Weisung) und umschrieb das Alte Testament mit »das Gesetz und die Propheten« (vgl. Mt 5,17; 7,12; 22,40; Röm 3,21). Der Begriff »Gesetz« konnte aber auch auf das ganze Alte Testament ausgedehnt werden. Seit der Zeit Esras (vgl. Neh 8–10) bestimmte das Mosegesetz das gesamte Leben des jüdischen Volkes und grenzte es streng gegen die übrigen Völker ab. Von besonderer Bedeutung wurden dafür die Gesetze über die → Beschneidung und den → Sabbat sowie die Reinheitsvorschriften (→ rein). Die Frage nach der bleibenden Geltung des Mosegesetzes führte in der Urchristenheit zu ernsten Auseinandersetzungen (Apg 15; Gal 2).

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Gesetz

Die Lebensvorschriften des Alten Testaments, besonders die fünf Bücher Mose.

Vater

Vertrauensvolle Anrede oder Bezeichnung für Gott.

gerecht, Gerechtigkeit

Meint ein Leben nach dem Willen Gottes.

Welt, diese Welt

Die von griechischer Kultur geprägte Umwelt der frühen Gemeinden, die sich nicht an christlichen Maßstäben orientierte.

Herr

(Jesus Christus) Unter den Würdetiteln, die zum Ausdruck bringen, was Jesus für das Heil der Menschen bedeutet (→ Christus, → Menschensohn), nimmt der Titel »Herr« eine herausragende Stellung ein. Er kann ganz allgemein als Anrede an Höhergestellte gebraucht werden; in der »heidnischen« Umwelt des Neuen Testaments wurden die verschiedensten Götter mit diesem Titel bedacht (vgl. 1 Kor 8,5). Ihnen gegenüber ist Jesus in einzigartiger Weise »der Herr« (1 Kor 8,6). Für die inhaltliche Füllung dieses Titels ist jedoch entscheidend, dass das Wort »Herr« in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments an die Stelle des Gottesnamens Jahwe getreten ist (→ Herr). Damit ist die Möglichkeit gegeben, Aussagen des Alten Testaments über Gott direkt auf Jesus zu beziehen (z.B. Joël 3,5 in Apg 2,21 und in Röm 10,9-13 oder Jes 45,23-24 in Phil 2,10-11) und so – ohne Jesus mit Gott gleichzusetzen – seine entscheidende Heilsbedeutung zum Ausdruck zu bringen.

Siegeskranz

Die Sieger in den Olympischen und anderen Wettkämpfen wurden durch einen auf dem Kopf getragenen Kranz aus Ölbaum- oder Lorbeerzweigen geehrt.

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Glaube, glauben

Meint das tiefe Vertrauen auf Gott, das zu einem Leben nach seinem Willen führt.

Bruder, Schwester

Wörtlich »Bruder«. Das griechische Wort bezeichnet männliche und weibliche Mitglieder der Gemeinde.

ewiges Leben

Leben im Reich Gottes und in unmittelbarer Gemeinschaft mit Gott nach der Auferstehung vom Tod.

Witwe

Frau, deren Mann verstorben ist und die dadurch rechtlich, sozial und wirtschaftlich in eine schwierige Lage geriet. Von der Gemeinschaft wird gefordert, dass sie Witwen versorgt und niemand ihre schwache Stellung ausnutzt.

Erstling, Erstlingsgabe

Erster Teil der Ernte (→ Früchte, erste) oder → Erstgeburt beim Vieh, die Gott als Gabe oder → Opfer dargebracht wurden (Ex 23,19; 13,11-12) zum Zeichen dafür, dass ihm die gesamte Ernte bzw. der ganze Nachwuchs der Tiere gehört. Im übertragenen Sinn werden die Erstbekehrten christlicher Gemeinden (Röm 16,5; 1 Kor 16,15 wörtlich) so bezeichnet, auch die Christen insgesamt als »Erstlinge« der Völker (Offb 14,4 wörtlich) und als »Erstlinge« von Gottes neuer Schöpfung (Jak 1,18 wörtlich; 2 Thess 2,13 [Anmerkung]). Wenn Christus »Erstling der Toten« genannt wird (1 Kor 15,20.23 wörtlich), wird damit die Gewissheit zum Ausdruck gebracht, dass alle Verstorbenen, die im → Glauben mit Christus verbunden waren, so wie er Gott gehören und zum neuen Leben auferweckt werden.

(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Weiser, Weisheit

Als weise gilt im alten Israel, wer geübt und fähig ist, etwas richtig, meisterhaft zu tun. So zeigt sich Weisheit schon in der Beherrschung irgendeiner geistigen und handwerklichen Fähigkeit (Ex 31,1-11; Jer 9,16 wörtlich). Vor allem aber zeigt sie sich in der Fähigkeit, den Zusammenhang von Ursachen und Wirkungen im eigenen Leben und im Zusammenleben der Menschen zu erkennen und das eigene Leben und das der Gemeinschaft diesen Erkenntnissen entsprechend zu gestalten. Letztlich geht es der Weisheit darum, zu erkennen, wie Welt und Leben eigentlich geordnet sind und wie der Mensch sich diesen Ordnungen am besten einzufügen hat – zum eigenen Wohl und zum Wohl aller.

Weisheit

Lebenspraktisches Wissen oder handwerkliches Können, das durch Erfahrung erworben oder von Gott geschenkt wird.

Christus

Bedeutet übersetzt »der Gesalbte«. Im Alten Testament werden Könige, aber auch Propheten und Priester bei Amtsantritt gesalbt. Später wird der von Gott zum Herrscher der Welt bestimmte Retter so genannt. Im Neuen Testament ist das Jesus. 

Gute Nachricht

(Evangelium, griechisch euangelion) Das Wort hat innerhalb der Bibel seine Vorgeschichte in der Heilsverkündigung im zweiten Teil des Jesaja-Buches (Jes 52,7-10; 40,9-11). Im Neuen Testament wird es zuerst und vor allem auf die Botschaft von der Auferweckung und Erhöhung des gekreuzigten Jesus angewandt (1 Kor 15,1-5; Röm 1,1-4) bzw. auf die Botschaft von dem dadurch erschlossenen Heil (Röm 1,16-17; 1 Thess 1,10; Apg 5,42; 17,18; 20,24). In Jesus Christus, vornehmlich in seinem Tod und in seiner Auferweckung, hat Gott seine endzeitliche → Königsherrschaft aufgerichtet (vgl. Jes 52,7) und lässt dies in der »Guten Nachricht« verkünden.