Die dritte Rede des Elifas
Da antwortete Elifas aus Teman und sagte:
Wie kann ein Mensch für Gott von Nutzen sein?
Wer vernünftig handelt, nützt nur sich selbst.
Was hilft’s dem Allmächtigen, wenn du recht tust?
Was hat er denn davon, wenn du vorbildlich lebst?
Straft er dich, weil du Ehrfurcht vor ihm hast?
Meinst du, dass er darum mit dir ins Gericht geht?
Nein! Es kann doch nur an deiner Bosheit liegen
und an dem vielen, das du verbrochen hast.
Du hast von deinen Brüdern ein Pfand verlangt,
obwohl du das nicht nötig hattest.
Und wer als Pfand nur seine Kleidung hatte,
den hast du nackt zurückgelassen.
Du hast dem Durstigen kein Wasser gegeben
und dem Hungernden ein Stück Brot verweigert.
Du hast dich an den Wahlspruch gehalten:
»Wer Gewalt ausübt, dem gehört das Land!
Wer sich ihm unterwirft, darf darin wohnen!«
Du hast Witwen mit leeren Händen fortgeschickt
und den Waisen ihre Lebensgrundlage entzogen.
Deshalb sitzt du jetzt in der Falle
und erschrickst plötzlich über deine Lage.
Das Licht hat sich in Dunkelheit verwandelt,
sodass du nichts mehr sehen kannst.
Das Wasser steht dir bis zum Hals.
Ja, Gott thront ganz oben im Himmel!
Sieh doch, wie hoch die höchsten Sterne stehn!
Du aber dachtest: »Was weiß denn Gott?
Sitzt er über den Wolken und will Gericht halten?
Durch das Wolkendunkel sieht er doch nichts,
nur im Umkreis des Himmels geht er spazieren.«
Willst du den ausgetretenen Pfaden folgen,
auf denen die Frevler schon immer gingen?
Werden sie nicht aus dem Leben gerissen,
bevor ihre Zeit gekommen ist?
Sie dachten, ihr Haus sei auf festem Grund gebaut,
doch eine Flutwelle spülte es fort.
Sie sagten zu Gott: »Lass uns in Ruhe!
Was kann der Allmächtige uns denn schon antun?«
Es wird behauptet, Gott selbst sei verantwortlich,
dass sie in ihren Häusern glücklich leben.
Doch dieses Denken liegt mir fern!
Die Gerechten werden es sehen und sich darüber freuen.
Die Unschuldigen werden über die Frevler spotten:
»Seht her, ihr Glück war nicht von langer Dauer.
Sie wurden vernichtet, den Rest fraß das Feuer!«
So vertrag dich wieder mit Gott und schließ Frieden!
Tust du das, wird das Glück zu dir zurückkehren.
Kommt von ihm eine Weisung, nimm sie an!
Seine Worte sollst du in deinem Herzen bewegen.
Wenn du zum Allmächtigen umkehrst,
richtet er dich wieder auf.
Halte Unrecht von deinem Haus fern!
Befrei dich vom Gold, wirf’s in den Staub!
Ist’s Ofir-Gold, leg es zu den Kieseln im Bach!
Dann wird der Allmächtige dein Gold sein.
So kostbar wird er für dich sein wie reines Silber.
Dann freust du dich über den Allmächtigen,
blickst voller Vertrauen zu Gott auf.
Er tut, worum du ihn gebeten hast.
Zum Dank erfüllst du deine Gelübde.
Was du dir vornimmst, wird dir gelingen,
und über allen deinen Wegen strahlt ein Licht.
Denn es heißt: »Gott demütigt den Stolzen.
Wer aber die Augen niederschlägt, dem hilft er.«
So rettet er den Menschen, der ohne Schuld ist.
Wenn deine Hände rein sind, spricht er dich frei.