Die zweite Rede des Zofar
Da antwortete Zofar aus Naama und sagte:
Was du da sagst, regt mich sehr auf.
Deswegen kann ich kaum an mich halten.
Muss ich mir das wirklich anhören,
deine Beschimpfungen und Zurechtweisungen?
Ich aber lass mich von meinem Verstand leiten
und will dir schon die rechte Antwort geben.
Weißt du denn nicht, was immer schon gilt,
seit es Menschen auf der Erde gibt:
Der Jubel der Frevler ist nicht von Dauer
und die Freude des Gottlosen ist im Nu vorbei.
Mag auch sein Hochmut bis zum Himmel reichen,
sein Stolz schwindelnde Höhen erklimmen:
Am Ende bleibt von ihm nur ein Häuflein Dreck.
Die ihn kannten, fragen sich: »Wo ist er denn?«
Wie ein Traum löst er sich auf.
Weder hier noch dort kann man ihn finden,
wie ein Nachtgespenst, das man verscheucht.
Wer ihn gesehen hat, sieht ihn nicht mehr.
Und wo er gelebt hat, ist er schon vergessen.
Seine Kinder müssen bei armen Leuten betteln gehen,
denn sein Vermögen gab er aus der Hand.
Seine Glieder strotzten vor jugendlicher Kraft,
doch jetzt liegen sie mit ihm im Grab.
Gut schmeckt das Böse im Mund des Frevlers,
er lässt es sich auf der Zunge zergehen.
Er behält es im Mund, schluckt’s nicht hinunter,
spart es sich für den Gaumen auf.
Gelangt das Böse dann doch in den Magen,
verwandelt es sich dort zu Schlangengift.
Was er an fremden Gütern verschlungen hat,
muss er erbrechen.
Gott treibt es aus seinem Bauch heraus.
Das Gift, das er sich einverleibte,
ist für ihn tödlich wie ein Schlangenbiss.
Am Überfluss wird er sich nicht mehr freuen,
an Milch und Honig, die in Strömen fließen.
Was er erworben hat, muss er zurückerstatten.
Nichts davon darf er für sich behalten.
Und hat er Güter im Tausch an sich gebracht,
darf er sie nicht genießen.
Denn er hat die Schwachen wehrlos gemacht.
Er hat Häuser geraubt, die er nicht gebaut hat.
Er kann den Hals nicht voll genug bekommen,
aber seine Schätze werden ihn nicht retten.
Seine Fresslust kennt keine Grenzen,
aber sein Wohlstand bleibt so nicht bestehen.
Seine maßlose Besitzgier bringt ihn zu Fall.
Das Unheil trifft ihn mit voller Wucht.
Dass er sich den Bauch vollschlägt, hat Folgen:
Gott lässt seinen glühenden Zorn auf ihn los.
Verderben lässt er auf ihn herabprasseln.
Will er vor der eisernen Rüstung fliehen,
durchbohrt ihn die harte Spitze des Pfeils.
Das Geschoss tritt aus seinem Rücken hervor,
wie ein Blitz durchdringt es seine Eingeweide.
Todesschrecken brechen über ihn herein.
Nichts als Finsternis wartet auf ihn.
Feuer, das kein Mensch entzündet hat, frisst ihn,
und keiner in seinem Zelt entrinnt der Vernichtung.
Der Himmel enthüllt die Schuld des Frevlers,
die Erde tritt als Zeugin gegen ihn auf.
Eine Flutwelle reißt sein Haus mit sich fort,
es wird weggeschwemmt am Tag von Gottes Zorn.
Das also hat der Frevler von Gott zu erwarten.
Das ist die Zukunft, die Gott ihm angedroht hat.