Die Jüdin Ester wird persische Königin
Der König von Persien feiert ein Fest
Es war in der Zeit, als Xerxes König von Persien war.
Das war der Xerxes, der über 127 Provinzen herrschte,
von Indien bis Kusch.
Sein Königsthron stand in der befestigten Stadt Susa.
Im dritten Jahr seiner Regierungszeit gab er ein Fest.
Dazu kamen seine hohen Beamten und Diener,
die Heerführer von Persien und Medien,
die Verwalter der Provinzen
und andere vornehme Männer.
So zeigte Xerxes Pracht und Macht,
Glanz und Größe seines Königtums.
Es war ein langes Fest, es dauerte 180 Tage.
Als diese Tage vergangen waren,
feierte der König noch ein kleineres Fest.
Dazu kamen die Bewohner der Festung Susa.
Alle, Groß und Klein, fanden sich dazu ein.
Sieben Tage lang feierten sie
in den Gärten des königlichen Palastes.
Dort waren weiße und violette Tücher aufgespannt.
Sie waren an Säulen aus Alabaster befestigt,
mit weißen und roten Schnüren oder silbernen Ringen.
Liegen aus Gold und Silber standen auf dem Fußboden.
Der war aus grünem Marmor und Alabaster,
aus Perlmutt und schwarzen Edelsteinen.
Man trank aus goldenen Bechern.
Kein Becher war wie der andere.
Königlichen Wein gab es in Mengen,
wie es sich bei einem König gehört.
Beim Trinken gab es keine Regeln.
Der König hatte alle seine Bediensteten angewiesen,
sich ganz nach den Wünschen der Gäste zu richten.
Auch Waschti, die Königin, gab ein Fest.
Dazu lud sie Frauen in den Palast von König Xerxes ein.
Königin Waschti missachtet einen Befehl des Königs
König Xerxes hatte sieben Eunuchen,
die ihn persönlich bedienten.
Sie hießen Mehuman, Biseta, Harbona, Bigta,
Abagta, Setar und Karkas.
Am siebten Tag seines Festes,
als Xerxes vom Wein berauscht war,
gab er ihnen einen Befehl.
Sie sollten Königin Waschti zu ihm bringen,
und sie sollte eine Krone tragen.
Das Volk und die hohen Beamten
sollten ihre Schönheit bewundern.
Sie war wirklich eine schöne Frau.
Aber Königin Waschti weigerte sich.
Sie kam nicht, obwohl es ein Befehl des Königs war,
den die Eunuchen ihr überbracht hatten.
Da wurde der König sehr zornig auf sie.
Er kochte vor Wut.
Sofort beriet sich der König mit seinen Ratgebern,
die sich mit Recht und Gesetz auskannten.
Solche Angelegenheiten des Königs
wurden stets mit denen besprochen,
die sich auch mit der Geschichte auskannten.
Die sieben Verwalter der Provinzen
aus Persien und Medien standen dem König sehr nahe.
Sie hießen Karschena, Schetar, Admata, Tarschisch,
Meres, Marsena und Memuchan.
Sie nahmen den ersten Rang im Königreich ein
und hatten das volle Vertrauen des Königs.
Er fragte sie: »Was soll nach Recht und Gesetz
nun mit Königin Waschti geschehen?
Sie hat einen Befehl des Königs Xerxes missachtet,
den ihr seine Eunuchen überbracht haben.«
Memuchan antwortete dem König
und den hohen Beamten:
»Die Verfehlung von Königin Waschti
trifft nicht nur den König allein.
Sie trifft auch alle hohen Beamten
und das ganze Volk in den Provinzen von König Xerxes.
Denn der Vorfall mit der Königin
wird sich bei allen Frauen herumsprechen.
Dann werden sie ihre Männer verachten, weil sie sagen:
König Xerxes hat der Königin Waschti befohlen,
vor ihm zu erscheinen.
Aber sie ist nicht gekommen!
Die Frauen der hohen Beamten von Persien und Medien
werden von dem Vorfall mit der Königin hören.
Sie werden es ihren Männern immer vorhalten,
obwohl die doch hohe Beamte des Königs sind.
Es wird viel Ärger und böses Blut geben.
Wenn es dem König recht ist,
soll ein königlicher Erlass verbreitet werden:
›Waschti darf nicht mehr vor König Xerxes treten.
Ihre königliche Würde gibt der König einer anderen,
die besser ist als sie.‹
Das sollte in Persien und Medien als Gesetz gelten,
das nicht übertreten werden darf.
So wird diese Bestimmung des Königs überall bekannt,
so groß das Königreich auch ist.
Alle Frauen werden ihre Männer achten,
bei den vornehmen wie bei den einfachen Leuten.«
Der Vorschlag gefiel dem König und den hohen Beamten.
Der König machte es so, wie Memuchan es vorgeschlagen hatte.
Er sandte Schreiben in alle seine Provinzen –
in jede Provinz in ihrer eigenen Schrift
und an jedes Volk in seiner eigenen Sprache:
»Jeder Mann hat in seinem Haus das Sagen.
Er soll dabei in seiner eigenen Sprache reden.«