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Gott und die Götter

Gott und die Götter im Neuen Testament

»... so haben wir doch nur einen Gott, den Vater!« Gott und seine Konkurrenten

Dämonen, finstere Mächte, übersinnliche Phänomene, Magie oder Astrologie haben wieder einmal Konjunk­tur. Die Medien sind voll davon. Auch viele Christen lassen sich zunehmend beeindrucken. Wie kann man sich schützen, was muss man vermeiden, worüber sollte man Bescheid wissen? Wie stark ist die ›Konkurrenz‹ Gottes, die uns möglicherweise an den Kragen will?

»Es gibt keine Götzen in der Welt.« Und: »Es gibt kei­nen Gott außer dem Einen.« So viel an Aufgeklärtheit lernen wir von Paulus (1Kor 8,4). Er hat gute Gründe, so zu sprechen. Denn für seine Gemeinde in Korinth sind das keine theoretischen Überlegungen. Die Korinther leben in einer Stadt, in der es von Tempeln, Göttersta­tuen, Kultorten, heiligen Hainen usw. nur so wimmelt. Ihr Alltag ist geprägt von ständigen Konfrontationen mit einer Welt voller Götter. Kein Wunder, dass sich der aktuelle Konflikt in 1Kor 8 auch an einem ganz prakti­schen Problem entzündet: Es geht um den Genuss von Fleisch. Man verzehrt davon in der Antike sehr viel we­niger als heute. Vor allem bei Angehörigen der sozialen Unterschicht gibt es nur selten eine Gelegenheit, Fleisch zu essen. Entweder nehmen sie an Kultmahlzeiten in Tempeln teil, oder sie werden zu privaten Mählern ein­geladen. Zum Kauf auf dem Markt reichen die Mittel nicht aus. In allen Fällen aber stammt das Fleisch aus Schlachtungen, die mit kultischen Ritualen verbunden sind. Deshalb wird es in der christlichen Gemeinde auch als ›Götzenopferfleisch‹ bezeichnet. Darf man das es­sen? Haftet dem Fleisch nicht eine dämonische Qualität an, mit der man sich beim Verzehr gleichsam infiziert?

Hier gibt es unterschiedliche Ängste und unterschiedli­che Auffassungen.

Paulus hat eine einfache und klare Antwort: »Speise wird uns nicht vor Gottes Gericht bringen.« (1Kor 8,8) Fleisch ist Fleisch, egal, woher es stammt und wem da bei seiner Schlachtung geopfert worden ist. Nichts, was man mit Danksagung vor Gott genießt, kann einem schaden (1Kor 10,30). Denn: Es gibt keine Götzen, Gott ist nur ein Einziger (1Kor 8,4). So weit so gut. Angesichts der Lebenswelt der Korinther erfährt diese theologisch fundierte Sicht dann allerdings doch eine Relativierung: »Denn selbst wenn es auch sogenannte Götter gibt, sei es im Himmel, sei es auf Erden, wie es ja (tatsächlich) viele Götter und Kyrioi gibt, ...« – fährt Paulus fort und muss also zugestehen, dass der Anspruch auf Göttlich­keit von vielen erhoben wird, auch wenn sie natürlich nur ›sogenannte‹ Götter sind. Dann aber folgt sogleich die maßgebliche Orientierung: »... so haben wir doch nur den einen Gott, den Vater ... und einen Kyrios, Jesus Christus ...« Alle anderen Größen, so bedrohlich oder faszinierend sie scheinen mögen, können den Christen gleichgültig sein. Einzig und allein auf ihre Zugehörig­keit kommt es an (1Kor 8,4–6).

Ganz so einfach ist die Sache nun aber auch wieder nicht. Paulus weiß wohl: Götzen, Götter und Kyrioi gibt es zwar nicht – sie gewinnen aber dort an Realität, wo man sie ihnen zugesteht. Dann sind sie durchaus ernst zu nehmen. Denn jede Verehrung, die man diesen ›Nichtsen‹ entgegen bringt, wird dem einzigen Gott vor­enthalten. Deshalb fragt Paulus diejenigen, die als Chri­sten in aller Öffentlichkeit auch weiterhin an Kultmahl­zeiten teilnehmen: »Wollen wir etwa Gott eifersüchtig machen?« (1Kor 10,22) An der Herkunft des Fleisches liegt nichts, wohl aber an dem Rahmen, in dem es ver­zehrt wird. Der einzige Gott ist grundsätzlich konkur­renzlos. Konkurrenz entsteht ihm nur durch ›sogenann­te‹ Götter, die erst von Menschen aufgrund ihrer Ehrer­bietung, Angst oder durch ihr schlichtes Für-wahr-halten zu solchen gemacht werden. Der Grat zwischen Aufklärung und Aberglaube war und bleibt schmal.

Vor Dämonen und allen möglichen Mächten aber braucht sich niemand zu fürchten. Das Grundbekennt­nis Israels (Dtn 6,4–5) bleibt eine ausreichend starke Bastion: »Höre, Israel! JHWH, unser Gott, JHWH ist ein­zig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.« Davor muss selbst ›das Böse‹ in dieser Welt – in welcher Gestalt auch immer – kapitulieren.

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