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Aus: Bibelreport, Deutsche Bibelgesellschaft.

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Auf den Geschmack gekommen

„Bibel persönlich“ von Stephan Zeipelt aus: Bibelreport 3/2018


Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig.
Psalm 119,103


Wenn ich durch die Buchhandlung meines Vertrauens schlendere, fällt mir oft direkt eine Bibel ins Auge: „Weber’s Grillbibel“. Nicht das, was ich erwarte, wenn ich an Bibel denke. Aber dieses Buch zeigt: Der Begriff „Bibel“ ist heute noch etwas wert. Im gut sortierten Zeitschriftenladen und Buchhandel stößt man noch auf jede Menge anderer „Bibeln“: die iPhone-Bibel, die Mode-Bibel, die Auto-Bibel, die Foto-Bibel und vieles mehr.

Der Kunde soll sofort wissen: Hier findet er alles Wichtige zu dem betreffenden Thema oder Produkt. Das Wort „Bibel“ steht für ein Kompendium des Wissens, für aussagekräftige Aufbereitung. Nur bei der „Bibel“-Bibel scheint das nicht zu funktionieren. Vielleicht sollten in Zukunft die „Menschen“-Bibel, die „Lebens“-Bibel und die „Sinn“-Bibel angeboten werden, um deutlich zu machen, was die Heilige Schrift alles enthält.

Als ich am Anfang meines Theologiestudiums war, musste ich zuerst die Ursprachen Hebräisch und Griechisch lernen und darin eine Prüfung ablegen. Ich war nie besonders sprachbegabt und so ging ich mit großer Nervosität auf meine Hebräisch-Klausur zu. Es sollte irgendein Text des Alten Testaments übersetzt werden. Ich hatte vor, meiner Unkenntnis ein wenig nachzuhelfen. So kaufte ich mir eine kleine „Senfkornbibel“; die ich auf der Toilette deponieren wollte, um in einer Pause während der Klausur im Text nachzuschlagen.

Während ich die Schummelei plante, blätterte ich in meiner neuen Ausgabe. Wenn man die Bibel in der Mitte aufschlägt, landet man ja meistens bei den Psalmen – jedenfalls bei Ausgaben ohne die Apokryphen. Ich landete bei Psalm 119, Vers 9: „Wie wird ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich hält an dein Wort.“ Und da wusste ich: Der Weg, den ich gehen wollte, war nicht „unsträflich“. Das wäre Betrug und nicht mit Gottes Wort vereinbar. So verzichtete ich auf den Plan und bat Gott um seine Hilfe für die Klausur. Ich las noch hier und da andere Stellen. In der Klausur am nächsten Tag kam dann genau einer dieser Texte dran, den ich am Abend zuvor gelesen hatte! Meine Note war nicht überragend, aber ich bestand die Prüfung – auch dank Gottes Wort und Hilfe.

Nach dieser Erfahrung fiel mir mein Konfirmationsspruch wieder ein. Er steht in Josua 1,9: „Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“ (Luther 1984) Wir durften uns damals die Konfirmationssprüche selbst aussuchen. Allerdings sollten wir drei Verse auswählen, von denen dann einer genommen wurde. Ich wollte eigentlich einen anderen, dieser hier aus Josua 1,9 war nur dritte Wahl. Aber ich hatte damals den abzugebenden Zettel nicht verstanden: Ich schrieb meine ausgesuchten drei Verse in biblischer Reihenfolge auf und nicht nach meiner Wunsch-Rangliste.

Daher war ich zuerst auch enttäuscht, dass ich diesen Vers zugesprochen bekam. Aber im Laufe meines Lebens wurde und wird er mir immer wichtiger. Es war so, wie der Psalmbeter beschreibt: „Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig.“ (Psalm 119,103). Süße entfaltet sich manchmal auch erst nach längerem Kauen. So war es mit mir und meinem Konfirmationsspruch. Wie wäre es, wenn wir das wiederentdecken würden: die Bibel lesen, jeden Tag ein Häppchen, und dann darauf kauen? Ob sich dann nicht mit der Zeit der Geschmack von Gottes Wort verbreitet, süß wie Honig? Auf jeden Fall bekommen oder behalten wir dann einen Blick dafür, auf welches Buch es wirklich ankommt, und finden neben „Weber’s Grillbibel“ die eine Bibel: die Lebensbibel, Sinnbibel – oder: die Bibelbibel.


Über den Autor

Stephan Zeipelt, geboren 1972 in Lüdenscheid, verheiratet, zwei Kinder, ist Pfarrer im Amt für missionarische Dienste der Ev. Kirche von Westfalen in Dortmund und Geschäftsführer der von Cansteinschen Bibelanstalt in Westfalen e.V. Er ist zuständig für die Werkstatt Bibel (Bibelpädagogik), für die Hauskreisarbeit sowie für Seminare für Küsterinnen und Küster. Außerdem arbeitet er bei Glaubenskursen und Großprojekten mit.


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