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Aus: Bibelreport, Deutsche Bibelgesellschaft.

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Ein offenes Ohr für die Bibel

Könnte ich doch hören, was Gott der HERR redet.
Psalm 85,9

Dieser sehnliche Wunsch gehört im Kalender der Kirchen in die Zeit des Advents. Es ist ein Wunsch nach Worten, die von Frieden künden. Die Sehnsucht nach Sätzen, die Heil bringen und heil machen. Hören, was Gott redet: Das ist nicht leicht. Da ist so viel äußerer Lärm. Da gibt es hasserfüllte Parolen, wüste Beschimpfungen. Da werden immer neue Forderungen und verwirrende Meinungen laut, es gibt Skandale und Katastrophen. Wie sollte man da die Stimme Gottes heraushören? Und da ist so viel innere Unruhe, so viel Gequassel in mir selbst.

Dazu kommt die bittere Erfahrung, dass dem eigenen Leben und dem eigenen Glauben manchmal so gar nichts von Gott abzulauschen ist. Da nagt das ernüchternde Erleben, dass mein Gebet – kaum hat es Herz und Lippen verlassen – anscheinend an der Zimmerdecke kleben bleibt, dass Gott schweigt – so, als sei ihm der Lärm, den wir machen, zu viel geworden, als würde er sagen: „Macht doch, was ihr wollt. Ihr redet ja selbst ununterbrochen. Mir seid ihr zu laut und zu taub.“

Der Mensch, der im 85. Psalm sein Herz auftut und seine Stimme erhebt, hat offenbar solche Erfahrungen gemacht. „Hilf uns, Gott, unser Heiland, und lass ab von deiner Ungnade über uns!“, ruft er aus. Und fragt flehentlich: „Willst du denn ewiglich über uns zürnen und deinen Zorn walten lassen für und für?“ (V.5f)

Seltsam – und zugleich tröstlich! –, dass die Bibel, die das Wort Gottes ist und das Buch von Gottes Reden, solche zutiefst menschlichen Erfahrungen kennt und sogar ausspricht. In ihrer berührenden Menschlichkeit schlägt das Herz eines großen Geheimnisses. Denn ein großes Geheimnis ist und bleibt es ja, wie und warum der Glaube dieses menschliche Buch als Wort Gottes hört und erfährt. Ausgerechnet die Worte von Menschen sind es – zu Gott und über Gott und vor Gott gesprochen –, die wieder neu zu Gottes Wort werden, wenn wir sie unsererseits vor Gott hören und lesen und weitersprechen.

Nichts anderes tun wir im Gottesdienst, im Religionsunterricht, in Bibelstunden, in Seelsorgegesprächen ... Wenn ich den menschlichen Worten der Bibel mein Ohr, meinen Kopf, meine Gedanken und meine Stimme leihe; wenn ich auch meine Zweifel in sie lege, meine Klage, meine Enttäuschung über Gottes Schweigen – dann antworten sie. Das ist die Erfahrung insbesondere des protestantischen Glaubens. „Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten“, so bekennt es der Psalmbeter schon im nächsten Vers.

Die Bibel ist ein mächtiges Buch. Und sie ist mächtig als offenes Buch; deshalb liegt sie offen auf unseren Altären und Abendmahlstischen, auf Schreibtischen, Nachttischen und Sitzungstischen. Wer die Bibel vor allem dazu benutzt, sie anderen um die Ohren zu schlagen, der hat sie vorher zugeklappt. Es ist nicht unsere Aufgabe, immer schon zu wissen, was Gott geredet hat.

Aber sein Reden wird zum Segen, wo Menschen wirklich und ehrlich danach fragen, „was Gott der HERR redet.“ Jetzt. Zu mir und zu uns. Denn – so formuliert es Martin Luther – „das Wort Gottes ist eine Speise. Wer sie isset, den hungert noch mehr danach ... Wir haben die gewisseste Verheißung und den Trost, dass sein Wort nicht müßig sein wird, wenn wir fleißig damit umgehen“.

„Bibel persönlich“ von Annette Kurschus (Vorsitzende der Vollversammlung und des Aufsichtsrates ist die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen) aus: Bibelreport 4/2017

Über die Autorin

Annette Kurschus ist evangelische Theologin und Pfarrerin. Seit 2012 ist sie Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, womit dieses Amt erstmals von einer Frau bekleidet wird. Seit 2015 ist sie zudem Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und dessen stellvertretende Vorsitzende. Im Mai 2017 wurde sie zur Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Deutschen Bibelgesellschaft gewählt. Sie ist Mit-Herausgeberin des Monatsmagazins chrismon.


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