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Die Revision der Lutherbibel

Keine Übersetzung hat die deutsche Sprache und Literatur so geprägt wie die Lutherbibel. Die neue Revision ist sich dieser besonderen traditionellen Bedeutung bewusst: Die Lutherbibel kehrt wieder mehr zu Luther selbst zurück.

Über fünf Jahre lang haben rund 70 Theologinnen und Theologen den Text intensiv geprüft und, wo nötig, überarbeitet. Ziel war es, eine größere sprachliche Genauigkeit herzustellen und gleichzeitig der Sprachkraft Martin Luthers gerecht werden. 

Die neue Lutherbibel wird die offizielle Bezeichnung „revidiert 2017“ tragen. Und das, obwohl die Arbeiten im Jahr 2010 ausdrücklich als „Durchsicht“ starteten. Beschlossen wurde diese anfängliche Bezeichnung vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland  (EKD) bereits zwei Jahre zuvor und sollte das Merkmal des Projekts widerspiegeln, die Lutherbibel auf Texttreue hin zu überprüfen und nicht an ein modernes Deutsch anzugleichen.

Mit Annahme des überarbeiteten Textes am 11. September 2015 beschloss nun der Rat der EKD, dass nicht mehr von einem „durchgesehenen“, sondern von einem „revidierten“ Text gesprochen werden müsse. Grund dafür ist der Umfang der Änderungen, der zu Beginn der Arbeiten noch nicht abzusehen war. Dennoch war die größere Zahl der Überarbeitungen notwendig, um den zuvor aufgestellten Richtlinien gerecht zu werden.

Darüber hinaus spielen verlagsrechtliche Gründe eine Rolle: Die Bezeichnung „Revision“ macht deutlich, dass es sich bei der „Lutherbibel 2017“ um die Bearbeitung eines Werkes handelt, das aufgrund individueller schöpferischer Leistung einen eigenständigen Urheberrechtsschutz genießt. So vermutete der Vorsitzende des Lenkungsausschusses Landesbischof i. R. Christoph Kähler bereits 2013, dass die neue Ausgabe werde „am Ende auch aus verlagsrechtlichen Gründen wieder die Bezeichnung ‚Revision‘ tragen müssen.“


Zur Bedeutung der Lutherbibel

Sie ist „das Original“ unter den deutschsprachigen Bibeln. Keine Übersetzung hat die deutsche Sprache und Literatur so geprägt wie die Lutherbibel – bis in die heutige Zeit.

Als Martin Luther 1522 die Arbeiten an seiner ersten Übersetzung des Neuen Testaments beendete, schuf er nicht nur einen Bestseller des frühen Buchdrucks, sondern prägte die Entwicklung der deutschen Sprache – bis in die heutige Zeit. Wir „tragen jemanden auf Händen“ (Ps 91,12), hüten etwas „wie unseren Augapfel“ (Dtn 32, 10), arbeiten „im Schweiße unseres Angesichts“ (Gen 3,19) oder rennen von „Pontius zu Pilatus“ (Lk 23,6-12). All diese Redewendungen sind die Erfindung von Martin Luther.

Untrennbar verbunden mit ihrer Sprachkraft ist die Bedeutung der Lutherbibel für den christlichen Glauben im deutschsprachigen Raum. Die „kernige Luthersprache“ verbindet den teils sperrigen Wortlaut mit dem reformatorischen Anliegen – der Rechtfertigung des Menschen allein aus Gottes Gnade. Auch heute ist er der vertraute Text für evangelische Christinnen und Christen. Mit seinem gehobenen und feierlichen Klang eignet er sich zum Beten, Meditieren und Auswendiglernen. Außerdem ist er der empfohlene Text für den Gottesdienst von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Nachdem die Revisionen des 20. Jahrhunderts versuchten, die Übersetzung sprachlich zu modernisieren, wird die Lutherbibel in der Revision von 2017 dieser traditionellen Bedeutung Rechnung tragen und an vielen Stellen die Formulierungen des Reformators wieder herstellen. Die Lutherbibel kehrt zu Luther selbst zurück.

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Die Chronologie der Ereignisse

Mit der Übergabe des Manuskripts vom Lenkungsausschuss an den Rat der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) und weiter an die Deutsche Bibelgesellschaft (DBG) zur Drucklegung kommt ein fast zehnjähriger Überarbeitungsprozess zu seinem Abschluss.

Von der Anregung zur Durchsicht bis zum Abschluss einer Revision sind das die Ereignisse in chronologischer Reihenfolge:

Anregung einer Durchsicht

Im März 2006 richtet die Deutsche Bibelgesellschaft (DBG) eine offiziellen Anfrage an den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) als Herausgeber der Lutherbibel und regt eine kritische Überprüfung des Textes in seiner letzten Fassung an (Altes Testament 1964; Apokryphen 1970 und Neues Testament 1984). Der Initiative gehen eigene Vorarbeiten voraus: An einigen Stellen in den Büchern Samuel und Richter kamen von der DBG mit einem Gutachten beauftragte Theologen zu dem Ergebnis, dass der Text an einer beachtlichen Reihe von Stellen nicht dem aktuellen Stand der Forschung gerecht wird und daher eine erneute Durchsicht der Lutherbibel in Betracht gezogen werden muss. Auch wurde die Frage gestellt, ob die Textfassung des Alten Testamentes von 1964 mit der Revision des Neuen Testamentes von 1984 ausreichend harmoniere.

Daraufhin beschließt der Rat der EKD im Oktober 2006 die Bildung einer Expertengruppe, die stichprobenartig Texte des Alten und Neuen Testaments auf Richtigkeit und Genauigkeit hin überprüft. Diese solle sich außerdem über Notwendigkeit und Umfang einer möglichen Durchsicht ein Urteil bilden und anschließend den Rat informieren.

„Probebohrungen“

Ende 2007 präsentiert die eingesetzte Steuerungsgruppe schließlich ihr Ergebnis: Demnach besteht definitiv Handlungsbedarf. Besonders das Alte Testament, dessen Revision von 1964 bereits fast ein halbes Jahrhundert zurückliegt, gebe Anlass zur umfassenden Überprüfung. Diese Revision sei schließlich unter grundsätzlich anderen Vorzeichen durchgeführt worden. An vielen Stellen habe man damals die Grundlage des hebräischen Textes verlassen und sich Konjekturen angeschlossen, das heißt,  einem vermuteten Wortlaut des hebräischen Textes, der jedoch keine klare Grundlage im Grundtext hat. Schätzungsweise 2.000 Stellen im Alten Testament müssten demnach kontrolliert und gegebenenfalls angepasst werden.

Im Neuen Testament seien es vor allem textkritische Befunde und syntaktische Anpassungen der 1984er Revision, die von den Experten als überarbeitungsbedürftig eingestuft werden. Ihre Empfehlung lautet: Damit die Lutherbibel als verlässliche Grundlage in Liturgie, Katechese, Wissenschaft und Kultur Bestand hat, ist eine Überprüfung und Wiederannäherung an die biblischen Grundtexte unausweichlich. Dabei gibt die Gruppe die Empfehlung: Es solle so viel korrigiert werden wie nötig, aber so wenig wie möglich der Luthertext verändert werden. Das Projekt der Durchsicht steht damit vor der Herausforderung, der philologischen Genauigkeit im gleichen Maße gerecht zu werden wie der Sprache Martin Luthers.

Beginn einer „Durchsicht“

Als Reaktion auf den Bericht beschließt der Rat der EKD im April 2008 die Ausarbeitung konkreter Kriterien und Richtlinien für eine Durchsicht des 1984er Luthertextes. Diese umfassen einen Zeitplan, Vorgaben zur Überprüfung und Anpassung der Texte sowie einen Verfahrensplan, der die Durchführung des Projekts zwischen EKD und DBG regelt. Die Kirchenkonferenz der EKD, d.h. die Vertreter der evangelischen Landeskirchen, begrüßt im Juni 2008 „eine am Kriterium der Texttreue orientierte Durchsicht der Lutherübersetzung“.
In den darauffolgenden Monaten werden zahlreiche Theologinnen und Theologen für das Vorhaben gewonnen. Ein mehrstufiges Verfahren wird entwickelt, das neben verschiedenen Arbeitsgruppen für die Textprüfung und -übersetzung einen „Lenkungsausschuss“ als gesamtverantwortliche Redaktionsgruppe vorsieht, der abschließend über die Änderungen entscheidet. Neben Fragen der Übersetzung werden hier auch Anforderungen wie der Gebrauch der Texte im Gottesdienst oder die germanistische Dimension des Lutherdeutschs diskutiert.

Im Januar 2010 beruft der Rat der EKD die Mitglieder des Lenkungsausschusses und bittet sie, die Arbeit an dem Projekt aufzunehmen. Im Verlauf des Jahres 2010 beginnt die inhaltliche Arbeit mit der Zielsetzung, noch vor Beginn des Jubiläumsjahres 2016/17 die durchgesehene Fassung veröffentlichen zu können. Dabei gilt es immer wieder Hürden zu nehmen und Kompromisse zu finden, denn nicht immer herrscht Einigkeit bei den Änderungsvorschlägen. Ob eine Anpassung zwingend erforderlich ist, oder der traditionelle Wert einer Bibelstelle gegenüber der philologischen Exaktheit stärker zu gewichten sei, ist nicht selten Gegenstand intensiver Diskussion. Ungeachtet dessen wird deutlich, dass die Zahl der überarbeitungsbedürftigen Stellen die vorherige Prognose bei Weitem übersteigt. Aus der Durchsicht wird mit der Zeit eine Revision.

Abschluss einer „Revision“

Im Juni 2015 wird die Bearbeitung der Veränderungsvorschläge durch den Lenkungsausschuss mit dem Matthäus-Evangelium abgeschlossen. Es folgen noch Rückmeldungen der Bearbeiter an den Lenkungsausschuss und Korrekturen an der vorliegenden Neufassung. Auf der Wartburg, wo Martin Luther selbst einst seine erste Bibelübersetzung verfasste, übergibt am 16. September 2015 der Lenkungsausschuss das Manuskript mit der revidierten Textfassung an den Ratsvorsitzenden der EKD Heinrich Bedford-Strohm. In einem nächsten Schritt übergibt der Ratsvorsitzende wiederum das Manuskript an den Generalsekretär der DBG Christoph Rösel.

Damit geht eine so intensive wie umfassende Überarbeitung der Lutherbibel zu Ende, wie sie in der bisherigen Revisionsgeschichte einmalig ist. In nur fünf Jahren wurden die Bücher des Alten und Neuen Testaments sowie der Apokryphen vollständig durchgesehen und korrigiert. Das Ergebnis ist eine umfassende, in sich geschlossene Revision, bei der die verschiedenen Teile erstmals einen einheitlichen Stand widerspiegeln. Die aktuellen wissenschaftlichen Befunde finden genauso Berücksichtigung wie die Pflege der Sprache Martin Luthers und ihre Wirkungsgeschichte. Zudem nimmt sie ausdrücklich Rücksicht auf die Bedeutung des Textes für den Gebrauch im evangelischen Gottesdienst und seinen traditionellen Wert für Christinnen und Christen.

Zurück in Stuttgart

Mit der Übergabe des Manuskripts im September 2015 beginnen damit wieder die Arbeiten für die Deutsche Bibelgesellschaft. Ihr wurde von der EKD das Verlagsrecht für die „Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers“ übertragen. Ziel ist eine ganz neue und doch vertraute Ausgabe zu schaffen. Neben einer neuen klassischen Gestaltung erfolgt ein vollständig neuer Satz des Textes mit einer eigens entwickelten Typographie. Inklusive der Korrekturarbeiten wird diese abschließende Etappe abermals ein Jahr in Anspruch nehmen und im Sommer 2016 abgeschlossen sein.

500 Jahre nach den Anfängen der Reformation und zehn Jahre nach den ersten Bestrebungen um eine erneute Durchsicht erscheint die revidierte Lutherbibel 2017 pünktlich zu Beginn des Jubiläumsjahres im Oktober 2016.

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Durchsicht oder Revision?

Die neue Lutherbibel wird die offizielle Bezeichnung „revidiert 2017“ tragen. Und das, obwohl die Arbeiten im Jahr 2010 ausdrücklich als „Durchsicht“ starteten. Beschlossen wurde diese anfängliche Bezeichnung vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland  (EKD) bereits zwei Jahre zuvor und sollte das Merkmal des Projekts widerspiegeln, die Lutherbibel auf Texttreue hin zu überprüfen und nicht an ein modernes Deutsch anzugleichen.

Mit Annahme des überarbeiteten Textes am 11. September 2015 beschloss nun der Rat der EKD, dass nicht mehr von einem „durchgesehenen“, sondern von einem „revidierten“ Text gesprochen werden müsse. Grund dafür ist der Umfang der Änderungen, der zu Beginn der Arbeiten noch nicht abzusehen war. Dennoch war die größere Zahl der Überarbeitungen notwendig, um den zuvor aufgestellten Richtlinien gerecht zu werden.

Darüber hinaus spielen verlagsrechtliche Gründe eine Rolle: Die Bezeichnung „Revision“ macht deutlich, dass es sich bei der „Lutherbibel 2017“ um die Bearbeitung eines Werkes handelt, das aufgrund individueller schöpferischer Leistung einen eigenständigen Urheberrechtsschutz genießt. So vermutete der Vorsitzende des Lenkungsausschusses Landesbischof i. R. Christoph Kähler bereits 2013, dass die neue Ausgabe werde „am Ende auch aus verlagsrechtlichen Gründen wieder die Bezeichnung ‚Revision‘ tragen müssen.“

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Die Verfahren der Revision

Die Revision der Lutherbibel 2017 erfolgte in sechs Verfahrensschritten. An der eigentlichen Überarbeitung waren insgesamt 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in drei Ebenen beteiligt. In einem ersten Schritt erarbeiteten rund 50 Einzelbearbeiterinnen und -bearbeiter Änderungsvorschläge und geben diese in einem zweiten Schritt in Arbeitsgruppen weiter. Diese Fachgruppen – unterteilt nach Altem Testament, Apokryphen und Neuem Testament – bestehen wiederum aus Experten der jeweiligen Disziplin und diskutieren, ob ein Vorschlag weiterverfolgt wird. Dazu bedarf es einer 2/3-Mehrheit innerhalb der jeweiligen Gruppe.

Im Falle eines positiven Beschlusses wird der Änderungsvorschlag an das oberste redaktionelle Gremium, den „Lenkungsausschuss zur Durchsicht der Lutherbibel“, weitergegeben. Bestehend aus Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), den Koordinatoren der einzelnen Fachgruppen sowie weiteren Experten, die abschließend über die Annahme des Vorschlags diskutieren und gegebenenfalls abstimmen.

Daraufhin wird der beschlossene Text noch einmal den Einzelbearbeiterinnen und -bearbeitern zur Ansicht vorgelegt. Sie verfügen an dieser Stelle über ein Remonstrationsrecht, das heißt, sie dürfen an einzelnen, wichtigen Stellen noch einmal ihre Position und Argumente dafür einbringen. Die abschließende Entscheidung obliegt dennoch dem Lenkungsausschuss.

Nach der endgültigen Feststellung des Textes wird dieser in einem letzten Schritt dem Rat der EKD vorgelegt, der die Annahme der Lutherbibel 2017 beschließt.

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Der Lenkungsausschuss

Dem Gremium obliegt die redaktionelle Verantwortung der Revision und des überarbeiteten Textes.

Prof. Dr. Christoph Kähler, früherer Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche,  übergab ihn stellvertretend für die Mitglieder des Lenkungsausschusses an den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Nach fünfjähriger Arbeit wurde am 16. September 2015 der überarbeitete Text der Lutherbibel auf der Wartburg bei Eisenach dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland übergeben.

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