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Seit am 9. November 2020 ein Waffenstillstand unterzeichnet wurde, konnten von den 100.000 Flüchtlingen, die nach Armenien gekommen sind, immerhin ca. zwei Drittel zurückkehren. Doch für ca. 25.000 bis 30.000 von ihnen, darunter vor allem Frauen und Kinder, ist dies nicht möglich, da ihre Häuser oder sogar ganze Dörfer zerstört wurden. Sie haben alles verloren; wenn sie nicht bei Verwandten unterkommen konnten, halten sie sich in Lagern auf, die zum Beispiel in Schulen oder Hotels eingerichtet wurden. Sie haben mit schweren psychischen Traumata zu kämpfen, viele Kinder haben einen oder sogar beide Elternteile verloren.


Eines der Kinder im Camp

Hilfe für geflüchtete Menschen

Bereits kurz nach Ausbruch des Krieges setzte sich die Bibelgesellschaft von Armenien in Zusammenarbeit mit vielen christlichen Kirchen des Landes für die Flüchtlinge ein und verteilte Hilfsgüter. Seit Oktober wurden über 2.600 Bibeln, Gebetsbücher und Kindermaterialien weitergegeben. Was das für die Flüchtlinge bedeutet, zeigt die Geschichte von Nellie (65 Jahre). Sie stammt aus dem Dorf Sarushen in Bergkarabach. Bereits im Krieg in den 90er Jahren verlor sie zwei ihrer Brüder. Sie heiratete und bekam eine Tochter. Langsam heilten die schmerzlichen Verluste. Doch bei erneuten Gefechten vor einigen Jahren kam auch ihre Tochter ums Leben.

Am Sonntag, 27.9.20, stand sie früh auf, um in den Sonntagsgottesdienst zu gehen. Doch dazu kam es nicht. „Um 6.30 Uhr hörte ich etwas wie Donnergrollen. Ich ging in den Hof und mir wurde klar, dass die Geräusche von allen Seiten kamen. Ich wollte nicht glauben, dass das Krieg bedeuten konnte. Angst ergriff mich. Ich schrie und schrie. Es schien mir, als hätte Gott mich vergessen.“

Nellies Haus wurde bombardiert, sie verlor alles. „Dieser Schmerz war zu viel für mich. Ich war so wütend und wollte diejenigen, die dafür verantwortlich waren, umbringen, ihren Familien dasselbe antun. Ich hasste die ganze Welt, einfach alle Menschen. Alles schien mir so sinnlos. Doch dann erinnerte Gott mich daran, dass ich auch meine Feinde lieben soll, dass am Ende die Liebe siegt. Ich wandte mich ihm wieder zu.“


 

„Die Bibel, sonst nichts.“

Nellie kam in ein Lager in Saghmosavan. Sie kümmerte sich dort vor allem um die Kinder und kochte für sie. Obwohl sie alles verloren hatte, investierte sie sich dort in andere. Als Marianna, Mitarbeiterin der Bibelgesellschaft, das Lager besuchte und Nellie kennenlernte, fragte sie sie: „Was brauchen Sie? Gibt es etwas, das wir Ihnen beim nächsten Mal mitbringen können?“

„Ja, bitte bringen Sie mir eine Bibel mit“, antwortete Nellie. Ich musste meine eigene Bibel zurücklassen. Ich brauche nur die Heilige Schrift, sonst nichts.“ Als ihr später die Bibel sowie ein Buch mit biblischen Geschichten überreicht wurden, meinte sie, dass dies die ersten Geschenke ihres Lebens seien. Sie möchte nun nach Bergkarabach zurückkehren, um dort Kindern die biblische Botschaft der Heilung und Versöhnung nahezubringen. Die Bibelgesellschaft wird ihr Kinderbibeln zur Verfügung stellen. Für die Mitarbeitenden ist es ein Wunder, woher sie die Kraft dazu nimmt.

Gottes Trost und Beistand erfahren

Nellie nahm außerdem, so wie viele andere, an den Traumabegleitungsprogrammen teil, die die Bibelgesellschaft in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kirchen anbietet. Seit Ausbruch des Krieges hat sie ca. 100 Kursleiter geschult, damit diese in den Camps Seminare durchführen können. Dort kommen die Teilnehmenden in Gruppen zusammen. Sie werden ermutigt, das Erfahrene und ihre Gefühle in Worte zu fassen und darüber zu sprechen. Außerdem lesen sie zusammen in der Bibel, z.B. die Geschichte von Naomi und Ruth, mit der sie sich gut identifizieren können. Auch Gottes Trost und Beistand sowie die Themen Hass und Vergebung spielen eine Rolle. Unter den Leitern sind Priester, ausgebildete Psychologen, Sozialarbeiter, Ärzte sowie Kunsttherapeuten. Letztere setzen z.B. auch das traditionelle armenische Handwerk des Teppichwebens bei den Kursen ein. Noch mindestens im ersten Halbjahr 2021 sollen die Aktivitäten weitergehen. Denn das Interesse an weiteren Leiterschulungen ist groß – beispielsweise möchte die Armenische Apostolische Kirche in jeder ihrer Diözesen Priester und deren Ehefrauen ausbilden lassen. Außerdem sollen speziell Familien erreicht und Seelsorgefreizeiten angeboten werden.


Kursleiter bei der Schulung

Hilfe für die Menschen in Aserbaidschan

Auch auf aserbaidschanischer Seite gibt es Opfer zu beklagen, mussten Menschen fliehen und sind in der Folge traumatisiert. Daher setzt sich auch die Aserbaidschanische Bibelgesellschaft für die vom Krieg Betroffenen ein. Ab März soll es eine größere Verteilaktion von speziell produzierten biblischen Schriften geben. Außerdem arbeiten Psychologen mit Familien, damit diese das Erlebte aufarbeiten können. Die Weltbibelhilfe der Deutschen Bibelgesellschaft unterstützt auch dieses Projekt in dem mehrheitlich muslimischen Land.

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