• Täufer

(Johannes) Im Vorfeld des Auftretens von Jesus kündigte Johannes das Kommen der Königsherrschaft Gottes an und rief zu radikaler Umkehr auf. Die Taufe, die er spendete (das griechische Wort bedeutet »Eintauchen/Untertauchen«), unterscheidet sich von allen rituellen Waschungen und Tauchbädern jener Zeit, z.B. auch in Qumran. Während diese »Taufen« von den Menschen an sich selbst und wiederholt vollzogen wurden und auf kultische Reinheit (rein) abzielten, handelt hier der Täufer in prophetischer Vollmacht an den Täuflingen, und die Taufe ist ein einmaliger Akt, mit dem die zu Taufenden sich angesichts des bevorstehenden Gottesgerichts als Sünder bekennen, zur Umkehr bereit erklären und durch das Untertauchen im Wasser schon vorweg zeichenhaft dem Gericht unterwerfen, damit ihnen, wenn es dann wirklich kommt, Vergebung ihrer Sünden und Rettung zuteil werden.
Der Täufer weist – ursprünglich wohl drohend – auf den »Mächtigeren« hin, der nach ihm kommt (Mk 1,7par). Damit meint er offenbar den zum Gericht kommenden Menschensohn, der die Menschen »mit Geist und Feuer taufen« werde (Mt 3,11; Lk 3,16). Im Mund des Täufers ist »taufen« hierbei ein Bild für den Vollzug des Gerichts, und »Geist« meint wahrscheinlich »Sturm« (das griechische wie das entsprechende hebräische Wort kann beides bedeuten). Sturm und Feuer sind Bilder für die Wucht, mit der das Endgericht alles Gottwidrige treffen und vernichten wird. (Die Christen hätten, wenn diese Annahmen zutreffen, aufgrund ihrer Erfahrung mit Jesus und dem von ihm gesandten Geist in dem Täuferwort einen Hinweis auf die Ausgießung des Heiligen Geistes entdeckt; vgl. Apg 2,2-4.)
Das Auftreten von Jesus, in dem die Gnade Gottes das Gericht sozusagen überholte und Gottes Herrschaft ganz anders aufleuchtete, konnte der Täufer offenbar nicht verstehen, ohne durch eine schwere innere Krise zu gehen (vgl. Mt 11,2-6par). In den Augen von Jesus ist der Täufer Johannes dennoch von allen Menschen, die bis dahin gelebt hatten, der bedeutendste
(Mt 11,9-11par).

Quelle: Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart