• Pharis√§er

Das Wort bedeutet »Abgesonderte«. Seit den Makkabäerkriegen die stärkste religiöse Partei, die das Erbe Israels in Ehren hielt und mit leidenschaftlichem Eifer für die pünktliche Beobachtung des Gesetzes bis in die Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens hinein kämpfte. Ihr Ziel war es, durch Gesetzestreue die Vorbedingung für die Erfüllung der messianischen Verheißungen zu schaffen. (Überlieferter Ausspruch eines jüdischen Rabbis: »Wenn die Israeliten nur zwei Sabbate vorschriftsmäßig halten würden, so würden sie sofort erlöst werden.«)
Die Pharisäer suchten die Reinheitsvorschriften, wie sie für die Dienst tuenden Priester im Jerusalemer Tempel galten, für das ganze Volk in seinem alltäglichen Leben verbindlich zu machen. Ganz Israel sollte als ein priesterlich reines, auch und gerade in diesem Sinn heiliges Volk dem Kommen des Messias und der Königsherrschaft Gottes entgegenleben. Dabei galt es, nicht nur das im Gesetz Moses Niedergeschriebene, sondern auch die mündlich überlieferten genauen und strengen Anwendungsregeln zu beachten, die von den früheren Gesetzeslehrern aufgestellt worden waren (vgl. Mk 7,5par; Gal 1,14).
Den Zusagen Gottes vertrauend, glaubten die Pharisäer im Unterschied zu den Sadduzäern an die Auferstehung der Toten und an die Existenz von Engeln (vgl. Apg 23,8).
Zunächst eine Laienbewegung, waren die Pharisäer doch bald eng verbunden mit dem Stand der ordinierten Gesetzeslehrer. Nach der Eroberung Jerusalems durch die Römer 70 n.Chr. wurden sie die für die Neugestaltung des Judentums entscheidende Kraft.
Vor allem im Matthäus-Evangelium wird den Pharisäern formalistische Gesetzeserfüllung, Blindheit für den eigentlichen Willen Gottes, Scheinheiligkeit und Hochmut vorgeworfen (Mt 23). Ihre minutiöse Behandlung aller nur denkbaren Einzel- und Grenzfälle führe nur dazu, den elementaren Gotteswillen, der in den Geboten laut wird, zu verdunkeln und das von Gott her Gemeinte – besten Gewissens – gerade nicht zu tun (Mt 23,23-24). Damit wird eine Gefahr angesprochen, in der gerade Fromme stehen, die es mit dem Willen Gottes sehr ernst nehmen, und in der auch Christen oftmals stehen. Das Pharisäertum zur Zeit von Jesus darf jedoch nicht allein von solchen Auswüchsen her beurteilt werden. Der ehemalige Pharisäer Paulus gibt den Blick auf ein Pharisäertum anderer Art frei (Phil 3,5-6; Röm 10,2).

Quelle: Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart