• Gleichnis

Das Wort bezeichnet die verschiedensten Formen bildlicher Rede. Ein Gleichnis im engeren Sinn ist ein als kurze, fiktionale Erzählung ausgeführter Vergleich, wobei zur Veranschaulichung gern Vorgänge des alltäglichen Lebens als Bild benutzt werden (z.B. Saat und Ernte in Mk 4,26-32, Suchen und Finden in Lk 15,4-10). Eine Parabel dagegen nimmt als Vergleichsgröße einen einmaligen, außergewöhnlichen Fall (z.B. Mt 20,1-15; Lk 15,11-32; 16,1-8). Bei Gleichnis und Parabel kommt es darauf an, jeweils den Vergleichspunkt oder »springenden Punkt« zu finden; es sollen nicht alle Einzelzüge des Bildes ausgedeutet werden (z.B. das Auskehren des Hauses in Lk 15,8!).
Bei der Allegorie dagegen besitzt die Erzählung Einzelzüge, die jeweils als Einzelne eine bestimmte Bedeutung tragen. Für das Verständnis der Gesamtaussage ist es hier wichtig, den Sinn dieser Einzelzüge zu kennen (z.B. Mk 12,1-12 die Bedeutung des Weinbergs, des Besitzers, der Pächter usw.). Manche Gleichnisse von Jesus sind schon früh als Allegorien verstanden und allegorisch ausgedeutet worden (vgl. Mk 4,3-9 mit Mk 4,13-20 oder Lk 14,16-24 mit Mt 22,1-14).
Eine eigene Gruppe bilden die Beispielerzählungen: Erzählungen, die die gemeinte Sache an einem praktischen Fall vorführen, der je nachdem als einladendes oder abschreckendes Beispiel dient (z.B. Lk 10,29-37; 12,16-21; 16,19-31; 18,9-14).
Die Gleichnisse von Jesus sind ganz geprägt vom drängenden Ernst seiner Verkündigung vom nahen Anbruch der Königsherrschaft Gottes und stehen in ihrem Dienst. Sie sind ein Appell, der die Hörer zum Mitdenken, Weiterdenken und Umdenken auffordert.

Quelle: Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart