• Erkenntnis

Das hebräische Wort für Erkenntnis meint nicht durch Nachdenken – mit dem Verstand – gewonnene Erkenntnis, sondern durch Umgang und Erfahrung gewonnene Einsicht. Erkenntnis dieser Art setzt ein inneres Angerührtsein von der Sache oder eine gewisse Selbsterschließung der Person voraus, um deren »Erkenntnis« es geht. Daher gilt Erkenntnis in Dingen des christlichen Glaubens als eine der wichtigsten Gaben des Geistes Gottes (1Kor 1,5; 12,8; 14,6; 2Kor 8,7) – die freilich auch Gefahren und Probleme mit sich bringen kann: Eine »Erkenntnis«, die dazu verführt, dass man gegen die Liebe verstößt (1Kor 8; 13,2) oder sich über zentrale Inhalte apostolischer Verkündigung hinwegsetzt (1Kor 1,17-25; 2Tim 2,14-18; 1Joh 2,20-25), hat mit dem Geist Gottes nichts mehr zu tun. Solche fehlgeleitete »Erkenntnis« wird schon an einzelnen Stellen des 1. Korintherbriefes, vor allem aber im Johannes-Evangelium, dem 1. Johannesbrief, dem Judasbrief und in den Pastoralbriefen (1Tim 6,20) bekämpft (es handelt sich hier um Frühformen der Gnosis).

Quelle: Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart