• Apostel

Der Titel »Apostel« (= Ausgesandter) ist von der jüdischen Einrichtung des »Gesandten« herzuleiten, der für bestimmte Aufträge mit der Vollmacht des Sendenden ausgestattet wurde (Mt 10,40; Joh 13,20).
(1) Im Urchristentum ist der Titel zunächst auf die Männer angewandt worden, die vom auferstandenen Herrn dazu berufen wurden, die Gute Nachricht zu verkünden. Hierzu zählen Petrus und die Zwölf (1Kor 15,5) sowie ein weiterer Personenkreis (1Kor 15,7; Röm 16,7), zu dem – als Letzter und doch die anderen weit überragend – auch Paulus gehört (1Kor 15,8-10; 9,1).
(2) Im Lukas-Evangelium und in der Apostelgeschichte wird der Titel auf den Kreis der Zwölf eingegrenzt (Lk 6,13). Die Zeugen der Auferstehung sollen zugleich Zeugen des Erdenlebens von Jesus sein und die Verlässlichkeit der Jesus-Überlieferung von ihrem ersten Anfang an garantieren können (Apg 1,21-26).
(3) In Apg 14,4.14 folgt Lukas einem weiter gefassten Sprachgebrauch, der offenbar in der Gemeinde von Antiochia ausgebildet worden war und nach dem der Aposteltitel die vom Geist Gottes Berufenen und von der Gemeinde ausgesandten Missionare bezeichnet (Apg 13,1-3 hierher gehören auch 1Kor 12,28; Eph 4,11).
(4) Der Titel des »Apostels«, vor allem in der unter (3) skizzierten Form, konnte leicht missbraucht werden von Leuten, deren geistliche Qualifikation und gemeindliche Herkunft und Legitimation fragwürdig waren. Mit solchen falschen »Aposteln« hatte Paulus sich in Korinth auseinander zu setzen (2Kor 11-12; siehe v.a. 11,5.13; 12,11; vgl. auch Offb 2,2).
In der Alten Kirche hat sich recht bald der Apostelbegriff von Lukas (2) durchgesetzt (siehe schon Offb 21,14). Doch wurde auch Paulus stets als Apostel anerkannt und wegen seiner überragenden Bedeutung an die Seite von Petrus gestellt.

Quelle: Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart