Stichwort: Schöpfung, Schöpfer

Für die Bibel ist es Gott, der am Anfang die Welt geschaffen hat und der sie in der Gegenwart erhält.

Am Anfang erschuf Gott den Himmel und die Erde – so beginnt das erste Buch der Bibel (1. Mose/Genesis 1,1). Gleich in den ersten Erzählungen der Bibel wird Gott als der Schöpfer der gesamten Welt vorgestellt. Er hat alles gemacht: den Himmel, die Erde, die Menschen und alle anderen Lebewesen.

Im Unterschied zum damaligen Weltbild vieler anderer Völker rund um Israel, drücken die biblischen Schöpfungserzählungen die Überzeugung aus, dass die Welt selbst nicht göttlich ist. Weder der Himmel noch die Erde oder die Sonne sind Gottheiten, sondern sie alle sind Geschöpfe, die der eine und einzige Gott geschaffen hat.

Auch die Art und Weise des Erschaffens ist bedeutsam. In babylonischen Schöpfungserzählungen zum Beispiel ist die Erschaffung der Welt mit einem Kampf der verschiedenen Götter verbunden: Der Gott Marduk besiegt die Meeresgöttin Tiamat und formt aus ihrem Leib Himmel und Erde. In den biblischen Erzählungen dagegen gibt es keinen solchen Kampf. Ja, Gott benutzt nicht einmal irgendeinen »Stoff«, aus dem er die Welt formt. Er erschafft die Welt allein durch sein Wort (»Gott sprach…« – »So geschah es.«). Darin drückt sich das Vertrauen auf die Souveränität und Macht des Schöpfer-Gottes aus, das die biblische Schöpfungsgeschichte zugleich zu einem Glaubensbekenntnis macht.

Auf Gottes fortdauernde Fürsorge und Zuwendung bleibt die ganze Schöpfung für immer angewiesen, sonst würde sie wieder im Chaos versinken (Psalm 104,5-9 Psalm 89,9-13). Die ständige Erhaltung der Schöpfung gehört also ebenfalls zur biblischen Vorstellung des Schöpfers.

Unter allen Geschöpfen hat der Mensch eine besondere Stellung: Mann und Frau sind als Ebenbild Gottes geschaffen (1. Mose/Genesis 1,27). Das meint zum einen, dass der Mensch für Gott ein vollwertiges »Gegenüber« ist, das auf Gottes Ansprache antworten kann. (»Kaum geringer als Gott – so hast du den Menschen geschaffen.« Psalm 8,6). Zum anderen bedeutet die Gottebenbildlichkeit, dass der Mensch wie ein Repräsentant oder Stellvertreter Gottes auf Erden über die Welt herrschen soll (1. Mose/Genesis 1,28). Das heißt allerdings nicht, dass er die Welt ausbeuten oder unterdrücken darf, sondern dass er für sie sorgen soll wie ein guter König für sein Land oder ein Hirt für seine Herde. Dennoch bleiben auch die Menschen von Gottes fortwährender Zuwendung abhängig.

Die besondere Nähe zwischen Gott und Mensch ist im Hinblick auf Gott zugleich der Grund dafür, dass die Bibel von ihm sehr menschlich sprechen kann: Ihm werden Körperteile wie Augen, Ohr, Mund, Hand und Arm oder Gefühle wie Liebe und Zorn zugesprochen.

Im Buch Jesaja ist das Reden vom Schöpfer eng mit dem Heilshandeln Gottes verbunden. Dabei geht es zunächst um die Befreiung des Volkes Israel aus dem Exil: Die Macht des Schöpfers, die jeden Tag aufs Neue erfahren wird, kann das Vertrauen darauf stärken, dass Gott sein Volk auch aus dem Exil retten kann und wird (Jesaja 40,12-26 Jesaja 44,24-28). Zugleich wird betont, dass Gott als der Schöpfer des Volkes Israel seinem Volk immer zugewandt bleibt, ihm hilft und beisteht, sodass es sich nicht zu fürchten braucht (Jesaja 43,1-7 Jesaja 44,2). Schließlich schafft Gott das neue Heil, zu dem auch das Neuwerden der Natur gehört (Jesaja 40,2-3 Jesaja 40,9-10 Jesaja 43,19-20).

Das Neue Testament nimmt weitgehend die Vorstellungen des Alten Testaments von Schöpfer und Schöpfung auf. Hier wie dort ist es Gottes Wort, das die Welt schafft und erhält (Johannes 1,1-2; Hebräer 1,3), und der Mensch ist das Ebenbild seines Schöpfers (1. Korinther 11,7). Zugleich bringt das Neue Testament die Schöpfungsvorstellung jedoch mit JesusChristus in Verbindung und eröffnet damit einen neuen Deutungshorizont: Wenn mit Jesus die Herrschaft Gottes anbricht, so kommt darin der Wille Gottes mit seiner Schöpfung zum Ziel (Matthäus 6,30-33; Markus 10,2-9). Nach dem Johannesevangelium (Johannes 1,1-13) und den Paulusbriefen war Christus bereits bei der Schöpfung am Werk (1. Korinther 8,6; Kolosser 1,16-17; Hebräer 1,2) und wird am Ende der Zeit über die Schöpfung herrschen (Kolosser 1,18-20; Hebräer 1,3). Wenn jemand zu Christus gehört, gehört er bereits jetzt zur neuen Schöpfung (2. Korinther 5,17), auch wenn deren Vollendung in einem neuen Himmel und einer neuen Erde (Offenbarung 21,1-5) noch aussteht.

Beiname des israelitischen Stammvaters Jakob. Als Volksname bezeichnet er das gesamte Zwölf-Stämme-Volk.
Der König ist nach dem Verständnis des Alten Testaments ein von Gott eingesetzter Herrscher, der im Staat für Gerechtigkeit und Ordnung zu sorgen hat. »König« kann auch als Ehrenbezeichnung für Gott selbst verwendet werden.Blick auf die sogenannte DavidsstadtDarstellung einen judäischen Königs auf ScherbeJerusalem um 950 v. Chr.
Sein Wille, Gericht zu halten.
Meint die Zeit zwischen 587 und 538 v. Chr., in der ein Teil des Volkes Israel in Babylonien im Exil leben musste.
Griechische Namensform des hebräischen Namens Jeschua.
Bezeichnet ursprünglich den durch Salbung im Auftrag Gottes eingesetzten König Israels, dann den von Gott versprochenen Retter für die Menschen.