Stichwort: Samariter

Die Bewohner der Provinz Samarien.

Als Samariter bezeichnet man die Bewohner des mittelpalästinischen Berglandes in und um die Stadt Samaria.

Im Jahr 722 v. Chr. hatten die Assyrer dieses Gebiet erobert und zu einer Verwaltungseinheit zusammengefasst, der Provinz Samarien. Um Aufstände in besiegten Ländern von vornherein zu unterbinden, nahmen die Assyrer oft eine Umsiedlung der Bevölkerung vor. So auch hier: Die Oberschicht der Israeliten wurde nach Assyrien gebracht und durch fremde Völker aus anderen unterworfenen Ländern ersetzt. (2. Könige 17,5-6 2. Könige 17,24)

In Samarien lebte nun eine Mischbevölkerung aus verbliebenen Israeliten und Fremden. Sie verehrten sowohl den Gott Israels als auch die Götter aus den verschiedenen Herkunftsländern (2. Könige 17,24-41). Von den aus dem babylonischen Exil zurückgekehrten Judäern wurden die Samariter nicht als Israeliten anerkannt, und ihre Mithilfe beim Wiederaufbau des Tempels wurde zurückgewiesen (Esra 4,1-5).

Um 440 v. Chr. gab es in Jerusalem eine Erneuerungsbewegung: Esra und Nehemia wandten sich unter anderem gegen Mischehen zwischen Israeliten und Nicht-Israeliten, vor allem bei den Priestern. Eine Gruppe von Priestern (die zum Teil selbst solche Mischehen führten) verließ daraufhin den Tempel in Jerusalem und schloss sich den Samaritern an. Auf dem Berg Garizim gründeten sie ein eigenes Heiligtum. Dies führte zur endgültigen Trennung der Samariter von der Jerusalemer Gemeinde. Denn für die Judäer stand unumstößlich fest, dass der Jerusalemer Tempel der einzige rechtmäßige Ort ist, um Gott Opfer darzubringen.

Die Samariter verstanden sich als Bewahrer des alten Glaubens. Den Berg Garizim deuteten sie als den schon in 5. Mose/Deuteronomium 12,5-12 vorgeschriebenen einen Ort für den Gottesdienst. Als Heilige Schriften erkannten sie nur die fünf Bücher Mose an. Spätere Schriften, vor allem die Propheten-Bücher, lehnten sie ab. Den Judäern warfen sie vor, sich in der Zeit des babylonischen Exils vom alten israelitischen Glauben entfernt zu haben.

128 v. Chr. wurde der Tempel auf dem Garizim durch den Hasmonäers Hyrkan zerstört. An der Bedeutung des Berges hielten die Samariter dennoch fest. Die römische Herrschaft über Samarien ab 63 v. Chr. gab der heidnischen Bevölkerung und auch den Samaritern wieder größere Unabhängigkeit.

Die Samariter erwarteten ähnlich wie die Juden einen Retter. Im Gegensatz zu den Juden jedoch keinen König, sondern einen Propheten wie Mose.

Zur Zeit von Jesus galten die Samariter bei den Juden als Irrgläubige. Sie und ihr Land wurden von den Frommen verachtet und gemieden. Jesus dagegen ist den Samaritern nicht ausgewichen. Nach dem Lukasevangelium ist er auf dem Weg von Galiläa nach Jerusalem mitten durch das Gebiet der Samariter gezogen und hat die Begegnung mit Samaritern nicht gescheut (Lukas 9,52-56). Auch sie können zum Glauben kommen (Lukas 17,11-19; Johannes 4,1-42). Die Erzählung vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,29-37) hält allen Frommen vor Augen, dass auch die, von denen man es nicht erwartet, beispielhafte Nächstenliebe zeigen können.

Noch heute gibt es eine kleine Glaubensgemeinschaft von Samaritern.

Hauptstadt des Nordreichs Israel, von den Assyrern 722 v. Chr. erobert.
Bezeichnung für das mittelpalästinische Bergland nach der Eroberung durch die Assyrer im Jahr 722 v. Chr.Geburt, Kindheit und Taufe von JesusDas Wirken von Jesus in Galiläa und sein Weg nach JerusalemDas Auftreten von Jesus nach dem JohannesevangeliumDie erste christliche Mission