Stichwort: Ehebruch

Außerehelicher Geschlechtsverkehr von Verheirateten.

Als Ehebruch wird im Alten Testament nicht jeder Seitensprung eines oder einer Verheirateten verstanden. Ein Mann konnte mehrere Frauen heiraten. Durch eine Geschlechtsbeziehung zu einer anderen Frau brach er seine Ehe nicht. Wenn eine verheiratete Frau allerdings eine Beziehung zu einem anderen Mann aufnahm, brach sie dadurch ihre Ehe. Das hat damit zu tun, dass der Ehemann ein »Besitzrecht« an seiner Frau hatte, welches durch ihren Seitensprung verletzt wurde. Ein »Besitzrecht« der Frau an ihrem Ehemann gab es dagegen nicht. Streng genommen konnte daher immer nur die Ehe der Frau gebrochen werden. Der daran beteiligte Mann brach auch in dem Fall, dass er selbst verheiratet war, nur die Ehe der Frau, nicht seine eigene.

Für verlobte, also fest versprochene Frauen galten die gleichen Regeln wie für verheiratete.

Ehebruch wird in den Zehn Geboten untersagt (2. Mose/Exodus 20,14). Auf Ehebruch stand für beide Beteiligten die Todesstrafe (3. Mose/Levitikus 20,10; 5. Mose/Deuteronomium 22,22-27).

Wenn ein Mann den Verdacht hegte, dass seine Frau ihm untreu geworden war, konnte er vom Priester eine Art Gottesurteil vollziehen lassen. Der Priester gab der Frau ein speziell zubereitetes Getränk und sprach einen Fluch aus. War die Frau schuldig, so sollte das Getränk sie krank und unfruchtbar machen. War sie unschuldig, sollte es wirkungslos bleiben. (4. Mose/Numeri 5,11-31)

Im Neuen Testament gilt das Verbot des Ehebruchs weiter. Jesus verharmlost den Ehebruch nicht; auch seine Stellungnahme zum Fall der Ehebrecherin von Johannes 8,1-11 darf nicht dahin missverstanden werden. Der Begriff des Ehebruchs wird vielmehr ausgeweitet: Ein Mann kann nun auch seine eigene Ehe brechen (Markus 10,11). Und das Verbot wird verschärft: Der Ehebruch beginnt für Jesus bereits mit dem Begehren (vgl. die Bergpredigt: Matthäus 5,27-30). Jesus setzt sich dafür ein, eheliche Liebe und Treue so ernst zu nehmen, wie Gott sie von Anfang an gedacht und gewollt hat. Die Ehe ist und bleibt für ihn unauflöslich (Markus 10,6-9). In diesem Sinn spricht er sich auch gegen die jüdische Praxis der Ehescheidung aus, in der ein Mann seine Frau durch eine Scheidungsurkunde aus der Ehe entlassen konnte. Wer eine auf diese Art geschiedene Frau heiratet, begeht Ehebruch, und der frühere Ehemann macht sich schuldig, seine Frau in den Ehebruch zu treiben (Matthäus 5,31-32).

Seit den Propheten des Alten Testaments ist Ehebruch auch ein Bild, mit dem die Untreue des Gottesvolks gegenüber seinem Gott angeprangert wird (Hosea 1–3; Jeremia 3,8-9; Jeremia 13,27; vgl. im Neuen Testament Matthäus 12,39; Matthäus 16,4; Jakobus 4,4).