Stichwort: Babylon

Hauptstadt des babylonischen Reiches. Nach der Eroberung Jerusalems wurden Juden als Kriegsgefangene dorthin verschleppt.

Babylon war eine Stadt in Mesopotamien. Sie lag am Fluss Eufrat, etwa 90 km südlich von Bagdad im heutigen Irak.

»Babylon« ist die griechische Bezeichnung der Stadt, im Hebräischen hieß sie »Babel«. Die ursprüngliche Herkunft des Namens ist unbekannt. Die Babylonier selbst deuteten ihn als »Tor Gottes«, in Israel brachte man ihn mit dem hebräischen Wort für »Verwirrung« in Zusammenhang (1. Mose/Genesis 11,1-9).

Im 3. Jahrtausend v. Chr. war Babylon noch eine unbedeutende Kleinstadt. Im 2. Jahrtausend v. Chr. wurde es Hauptstadt des babylonischen Reiches und sowohl Herrschaftszentrum als auch kulturelles Zentrum des Vorderen Orients. Es behielt seine Bedeutung bis zum 2. Jahrhundert v. Chr.

Die Stadt wurde mehrfach erobert. Besonders schwer traf sie die Eroberung durch den assyrischen König Sanherib im Jahr 689 v. Chr. Babylon wurde vollständig zerstört, seine Einwohner ermordet oder verschleppt. Sanherib ließ die Mauern der Stadt in den Eufrat werfen und leitete schließlich sogar das Wasser des Flusses über die Stadt. Sein Sohn Asarhaddon dagegen baute ab 680 v. Chr. die Stadt wieder auf. Er versuchte damit eine Wiedergutmachung für die zerstörten Tempel Babylons, denn die Assyrer verehrten zum Teil die gleichen Götter wie die Babylonier.

Ihre größte – und zugleich letzte – Blütezeit erlebte die Stadt unter dem Herrscherhaus der Chaldäer. König Nebukadnezzar II. (605–562 v. Chr.) ließ die Stadt prachtvoll ausbauen. Sie bildete ein Rechteck von 2600 x 1500 Metern, war von einer doppelten Lehmziegelmauer eingefasst und von einem Wassergraben umgeben. Die Stadtmauer besaß neun Tore. Das berühmteste war das Ischtartor, das mit bunt glasierten Ziegeln geschmückt war. Eine breite Prozessionsstraße führte durch das Tor hindurch in die Stadt hinein. Sie verlief am Königspalast vorbei und führte zu dem Tempelbezirk und dem gewaltigen Tempelturm des Stadtgottes Marduk. Dieser Turm – ein Stufenturm, der im Laufe der Zeit immer wieder neu aufgebaut wurde und zeitweise als gigantische Bauruine dastand – diente als Vorbild für die biblische Erzählung vom »babylonischen Turm« (1. Mose/Genesis 11,1-9). Der Königspalast besaß ebenso wie das Ischtartor Wandschmuck aus farbigen Ziegeln. Zum Palast gehörten fünf Höfe, ein 52 Meter langer Thronsaal und die »Hängenden Gärten der Semiramis«, die zu den Sieben Weltwundern zählten.

Im Jahr 539 v. Chr. geriet Babylon unter die Herrschaft der Perser. 331 v. Chr. eroberte Alexander der Große die Stadt. Nach Alexanders Tod verlor sie nach und nach ihre Bedeutung.

Im Alten Testament spielt Babylon vor allem eine Rolle als Ort der babylonischen Gefangenschaft: Als Nebukadnezzar II. Juda besiegte und Jerusalem zerstörte, wurde die Oberschicht der jüdischen Bevölkerung nach Babylon gebracht.

Im Neuen Testament steht Babylon als Deckname für die römische Weltmacht und ihre Hauptstadt Rom (1. Petrus 5,13; Offenbarung 14,8; Offenbarung 18,2). Vergleichspunkt ist die Feindschaft gegen das Gottesvolk: Die Babylonier haben Jerusalem zerstört und die Juden in die Verbannung geführt, der römische Kaiser lässt die Christen verfolgen.

Meint die Zeit zwischen 587 und 538 v. Chr., in der ein Teil des Volkes Israel in Babylonien im Exil leben musste.