Mythos (AT)
(erstellt: Januar 2013)
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1. Grundbestimmungen des Mythosbegriffs
Das aus dem Griechischen stammende Wort Mythos bzw. latinisiert Mythus wird in heutiger Alltagssprache und in den Medien sehr frei gebraucht und umfasst eine große Bandbreite von Bedeutungen: von einer traditionellen Bedeutung als Erzählung von Göttern, Heroen und anderen Gestalten und Geschehnissen aus vorgeschichtlicher Zeit bis hin zu Mythos als Berühmtheit, Objekt der Verehrung und Bewunderung, Ideal, Wunschbild, unzutreffendes, verklärendes Bild, Leitbild, politischer Glaube, Ideologie usw. (73 Bedeutungen nennt P. Tepe 2001!). Mythos gehört − auch in der Bibelwissenschaft − noch immer zu den „slippery words“ (J.W. Rogerson 1978-79, 10-14). Ziel bibelwissenschaftlicher Mythosforschung ist ein der Sprachwelt, der literarischen Art und Struktur, dem Inhalt und der Funktion biblischer Texte gemäßes Verstehen dessen, was in einem heutigen Verstehenshorizont − nicht schon im Sinne der primären Verfasser, ihrer Lebens- und Denkwelt bzw. ihrer Traditionen − als „mythische“ Phänomene und Dimensionen in biblischen Texten bezeichnet werden kann. Dies setzt eine literatur-, kultur- und religionswissenschaftlich begründete Bestimmung von Mythos und Mythischem voraus, d.h. nicht notwendig eine umfassende definitorische Festlegung, wohl aber ein begründetes Vorverständnis, einen nach Kriterien anwendbaren Mythosbegriff, der wesentlich von Texten der kulturell-religiösen Mit- und Umwelt des alten Israel und dann auch von Texten und Traditionen in der Bibel her gewonnen ist.
1.1. Sprachlicher und kulturwissenschaftlicher Zugang
1.1.1. Lexikalisches und Begriffliches in Antike und Bibel
1.1.1.1. Antike. Das griechische Wort μῦθος mythos bedeutet ursprünglich allgemein „Wort / Rede / Geschichte / Erzählung / Sage“ und kann in dieser Bedeutung synonym zu „Epos“ verwendet werden. Dem entspricht weithin das lateinische Wort „fabula“. Obwohl das Wort λόγος logos primär auch „Wort / Rede“ bedeutet, entwickelt sich in der griechischen Antike (F. Graf 1992; ders. 2002) seit Plato ein Gegensatz von „Mythos“ als einer traditionellen, nicht rational fassbaren und nicht beglaubigten, anschaulich-bildhaften und so auch reizvollen Erzählung von Göttern und Heroen bzw. numinosen Wesen gegenüber dem „Logos“ als der glaubhaften Erzählung, der rationalen Rede, dem begrifflichen Sinn oder dem vernünftigen („logischen“) Argument (vgl. z.B. G. Stählin 1942, 776f; H. Cancik 1995, 864; A. Schmitt 2004, bes. 59-75; B. Zimmermann 2008, 7; ders. 2011, 18f zur Unterscheidung von traditionellen und frei erfundenen philosophischen Mythen). Seit der radikalen Kritik der Göttermythen in der griechischen Sophistik im späten 5. Jh. v. Chr. haftet dem Wort „Mythos“ häufig eine mehr oder weniger negative Konnotation im Sinne von „nicht geschehen, nicht beglaubigt“ bis „unfromm und unmoralisch“ an, ohne dass dem Mythos eine hintergründige Wahrheit oder ein belehrender und orientierender Zweck generell abgesprochen würde. Eine Rehabilitierung erfährt der Mythos durch Aristoteles (4. Jh. v. Chr.), der ihn im Zusammenhang seiner Auffassung von Dichtung als eine literarische Größe behandelt: Mythos ist die erzählende Nachahmung (Mimesis) einer Handlung, und zwar einer einzigen und ganzen Handlung, eines ganzheitlichen Geschehens, durch einen Dichter (Aristoteles, Poetik, 1450a, 4f; 1451a, 31f): die Fabel, die Handlungsstruktur oder der plot einer Geschichte (B. Zimmermann 2008, 7; ders. 2011, 19f). Im dichterischen Mythos geht es nicht darum darzustellen, was sich tatsächlich ereignet hat, sondern was geschehen könnte, d.h. was nach Wahrscheinlichkeit oder Notwendigkeit möglich ist; der Dichter redet mehr vom Allgemeinen, nicht wie der Geschichtsschreiber vom je Besonderen (Poetik, 1451a 36 − 1451b 6). Der dichterische Mythos spricht nicht von historisch Wirklichem, sondern vergegenwärtigt bildhaft Allgemeingültiges, Wahres. Im 4. Jh. n. Chr. stellt der Neuplatoniker Salustios, der Autor der griechischen Schrift „Über die Götter und die Welt (Kosmos)“, das immer Gültige, das Archetypische des im Mythos bildhaft Erzählten heraus: „Dies aber geschah zwar niemals, ist aber immer“ (Kap. 4,9, Z. 5-6, auch Kap. 2,1, Z. 2-3; G. Rochefort (Hg.), Saloustios. Des dieux et du monde, 2. Aufl., Paris 1983).
1.1.1.2. Bibel. Einen dem antiken Wort μῦθος mythos und seinem begrifflichen Inhalt entsprechenden Terminus kennt die hebräische Bibel nicht. Die griechische Bibel des Alten Testaments (→ Septuaginta
Die negative Färbung als unglaubwürdige Geschichte, die der Mythos vorab in der sophistischen Kritik des 5. Jh.s v. Chr. erhalten hatte, zeigt sich unter anderen Bedingungen in Belegen des Wortes μῦθος mythos in nachpaulinischen Briefen des Neuen Testaments (in Evangelien, Apostelgeschichte und primären Paulusbriefen kommt das Wort μῦθος mythos nicht vor; vgl. G. Sellin 2002 zum „Mythos“ im Neuen Testament). Charakteristisch stehen die „ausgeklügelten Mythen“ in 2Petr 1,16
1.1.2. Zur Mythosforschung in Kulturwissenschaften
Der Mythosbegriff wurde schon seit der Epoche der Aufklärung in die Bibelwissenschaft eingeführt (s.u. 2.1.1.). Gleichwohl ist die Problematik, die sich mit der Anwendung von Ausdruck und Begriff des Mythos auf biblische Texte stellt, immer noch nicht allgemein konsensfähig gelöst. Sie hängt nicht zuletzt mit der Tatsache zusammen, dass in der Mythos-Forschung in den verschiedenen Wissenschaftsgebieten unterschiedliche bzw. unterschiedlich akzentuierte Mythos-Begriffe ausgebildet wurden, die ihrerseits auf das Verständnis von Mythos in der Bibelwissenschaft einwirken. So lassen sich u.a. allegorische, mythopoetische, ritualbezogene, soziologische, tiefenpsychologische, strukturalistische und phänomenologische Zugänge bzw. Bedeutungen und Funktionen von Mythos unterscheiden (K. Hübner 1985, 48-92; ders. 1994, 597-599; R.A. Oden 1992, 949-955; A. Groenewald 2007, 14-17).
Exkurs: Überblick über Ansätze der Mythos-Deutung in den Kulturwissenschaften
Gewichtig sind die Erträge der Mythosforschung in der Klassischen (griechisch-römischen) Philologie und Altertumswissenschaft für die Bibelwissenschaft. Die Mythos-Diskussion wird durch die begrifflichen und literarischen Wandlungen des Mythosbegriffs in der Antike herausgefordert und inspiriert: von den Göttermythen, theogonischen und kosmogonischen (Entstehung von Göttern und Welt erzählenden) Mythen sowie Heroenmythen bis hin zur Erschütterung der Glaubwürdigkeit von Mythen bes. in der sophistischen Kritik (5. Jh. v. Chr.), der Mythenkritik Platos, der Erweiterung des Mythenbegriffs bei Aristoteles, der Ablösung des Mythos von möglichen (aber nicht notwendigen) rituellen Zusammenhängen, bis zum Gebrauch von Mythen als Fundus von Dichtern in der hellenistischen Zeit und der (schon älteren) allegorischen Deutung von Mythen, wie sie in Alexandrien formalisiert wurde (W. Burkert 1979; ders. 1993; F. Graf 1985; A. Schmitt 2004; B. Zimmermann 2008; ders. 2011). Im Blick auf den paradigmatischen Fundus griechischer Mythen hebt W. Burkert (1993, bes. 13-18) das Verständnis der Mythen als traditionelle bedeutsame Erzählungen hervor, die wie speicherbare und abrufbare „Programme“ wirken und seelisches Erleben, Verhalten und Wirklichkeitserfahrung von Menschen in einem Kulturkreis steuern können. U. Reinhardt (2011, 28-86) weist nach, dass die Ursprünge des frühgriechischen Mythos vorwiegend im altorientalischen und altägyptischen Erbe liegen.
Durch den bedeutenden Erforscher alter deutscher Volkspoesie und Sagen Jacob Grimm (zusammen mit seinem Bruder Wilhelm Grimm) in der ersten Hälfte des 19. Jh.s wurde die Bestimmung des Mythos als „Göttergeschichte“ verbreitet, wie sie vor allem in der „Religionsgeschichtlichen Schule“ des 19. Jh.s und am Beginn des 20. Jh.s geläufig war (J.W. Rogerson 1974, 27.60.146.178). In der neueren Religionswissenschaft und Ethnologie wird Mythos im Allgemeinen als traditionelle sakrale Erzählung verstanden. Der Mythos erzählt, wie eine Wirklichkeit zu sein angefangen hat und erklärt und begründet zugleich, warum etwas ins Dasein getreten ist, sei es die Welt, der Kosmos insgesamt oder Naturabläufe, Jahreszeiten, ein bestimmtes Phänomen in der Natur oder auch ein Volk, eine menschliche Einrichtung, ein Kult, eine Dynastie oder Grundbestimmungen des Menschenlebens wie Geburt und Tod (vgl. z.B. M. Eliade 1977, 11f; ders. 1998, 14.17). Um in möglichst vielen Kulturen vergleichbare Sachverhalte zu erfassen, wird Mythos als „Begriff religionswissenschaftlicher Metasprache“ definiert; so verstanden verweist Mythos nicht unmittelbar auf eine anthropologische Konstante, die bestimmte Erlebens- und Denkformen impliziert (F. Stolz 1994, 609 [608-625]). Dem steht ein philosophischer Ansatz gegenüber, der Mythos als „ein weitgehend kohärentes Erfahrungssystem“ begreift: „es beruht auf Grundvorstellungen, mit denen das Seiende und Wirkliche aufgenommen, geordnet und gedeutet wird“ (K. Hübner 1994, 599). Diesem Ansatz gemäß liegt dem Mythos eine bestimmte „Ontologie“ (Seins- und Wirklichkeitsauffassung) zugrunde, wonach alles Gegenständliche als eine Einheit von Materiellem (Erde, Himmel, Meer usw.) und Ideellem bzw. Numinosen erscheint (ebd. 599f; K. Hübner 1985, 95-108.109ff). Soziologisch-funktionalen Analyseansätzen stehen auch in der Interpretation von Mythen des vorderen Alten Orients strukturalistische Zugänge (C. Lévi-Strauss, dazu z.B. K. Hübner 1985, 66-71), die auf deren Eigenbedeutung und verbindende Modelle abheben, gegenüber (R.A. Oden 1966).
In literaturwissenschaftlicher Hinsicht ist die Abgrenzung des Mythos von der Sage bedeutsam (→ erzählende Gattungen
1.2. Grundmodelle des Mythosverständnisses
Als literatur- und religionswissenschaftlich orientierte Grundmodelle von Begriff und Deutung des Mythos lassen sich folgende hervorheben:
1.2.1. Drei Grundauffassungen von Mythos
Teils konkurrierend, teils komplementär stehen drei Grundauffassungen von Mythos nebeneinander und sind je auf ihre Weise in der biblischen Exegese bedeutsam (W.H. Schmidt 1994, 626-628; vgl. ders. 1967, 237-242):
1.2.1.1. Mythos als Wort-Geschichte oder Erzählung. „Ursprüngliche Mythen“ (R. Brandt 2004, 10-12) sind primär mündliche Erzählungen vom Ursprung der Welt, der Götter, Heroen, Zwischenwesen, aber auch vom Ursprung der Menschen, von Pflanzen und Tieren. Als Erzählungen von einer anfänglichen Geschichte, die grundsätzlich vor der Überprüfbarkeit und vor der Verschriftlichung liegt, vergegenwärtigen sie zugleich das Vergangene in der Imagination. Darin liegt „die magische, belehrende, bewegende und das Leben mitgestaltende Kraft des Mythos“ (ebd. 10) für den Einzelnen wie im kollektiven Leben. Mythen können außer in mündlichen und (dann auch) schriftlichen Erzählungen auch in Malerei und Plastik bildlich geformt oder in Riten und Kult ritualisiert-mimetisch dargestellt werden.
Als „traditionelle Erzählungen“ reden Mythen von Vergangenem in grenzüberschreitender Weise, von einer Zeit jenseits der gegenwärtigen Wirklichkeit. Sie beschreiben überindividuelle, kollektiv bedeutsame Wirklichkeit und verstehen sich als das wahre, Wirklichkeit stiftende Wort. Als „angewandte Erzählungen“ (W. Burkert 1993, 17f) dienen sie den Interessen ihrer Trägergruppen, der Legitimierung, Begründung, Belehrung, Unterhaltung, der wirkkräftigen Begleitung rituell-kultischer Vorgänge wie ferner auch der religiösen und politischen Propaganda. Der ursprüngliche mündliche Mythos fungiert vorab als ein magisches → Ritual
1.2.1.2. Mythos als Denk- oder Vorstellungsweise. Traditionelle Erzählungen basieren auf „mythischem Denken“ (W. Burkert 1979; E. Cassirer 1925). Als mythische „Denkform“ oder „Mentalitätsstrukturen“ bezeichnet „Mythos“ eine „Verstehensform“, deren Gehalte grundsätzlich als rational nicht verfügbar oder fassbar gehalten werden (H.-F. Richter 1988, 24-27). Ein nicht-rationales „mythopoetisches“ Denken lässt sich jedoch keineswegs auf sog. „primitive“ Volksgemeinschaften festlegen. Eine „mythische Denkstruktur“, d.h. eine dem Mythos eigene Sehweise der Welt und Art des Denkens wird von „mythologischen“ Inhalten des Denkens, d.h. Vorstellungen polytheistischer religiöser Phantasie unterschieden (A. Ohler 1969, 8f). Allgemeiner kann man von einem mythischen Weltverständnis und einer entsprechenden Lebensauffassung reden, die in narrativen Mythen-Texten enthalten sind (J.W. Rogerson 1978-79, 10; s. auch u. 2.1.4. zu R. Bultmann).
1.2.1.3. Mythos als genuiner Ausdruck von Religion. Dieser sehr weite Begriff von Mythos wurde in der Exegese insbesondere von → S. Mowinckel
1.2.2. Sieben Mythosbegriffe (A. und J. Assmann)
In sieben Mythosbegriffen fassen A. und J. Assmann die in den Kulturwissenschaften vorgeschlagenen Mythosverständnisse zusammen. Den gemeinsamen Nenner in dieser Vielfalt sehen sie in dem einer Menschengruppe vorgegebenen Fundus an Bildern und Geschichten (1998, 179-181): polemischer, historisch-kritischer, funktionalistischer Begriff (fundierende, legitimierende und weltmodellierende Erzählung), Alltags-Mythos, narrativer Begriff (Gestaltungsart einer Erzählung), literarische Mythen und schließlich „Ideologien“ bzw. „Große Erzählungen“ (neue individuelle große Entwürfe der Welt-, Geschichts- und Naturdeutung).
2. Mythosforschung in der Bibelwissenschaft
2.1. Etappen bibelwissenschaftlicher Mythosforschung
2.1.1. In der Zeit der Aufklärung
C.H. Hartlich / W. Sachs (1952, bes. 11-19) haben nachgewiesen, dass der Göttinger klassische Philologe Christian Gottlob Heyne (1729-1812) als der eigentliche Begründer der mythologischen Studien in der klassischen Altertumswissenschaft seit der Zeit der Aufklärung zu gelten hat (vgl. bes. auch F. Graf 1993, 284-294). Seine Untersuchungen zur griechischen Mythologie haben eine entscheidende Neubestimmung des Mythos als einer eigenständigen narrativen Redeform eingeführt, die der poetischen Phantasie und Produktion von Dichtern vorausliegt. Heyne betont den geschichtlich notwendigen und universalen Charakter mythischer Rede; sie ist nach ihm die eigentümliche Denk- und Ausdrucksform auf einer Frühstufe der Völkergeschichte. Das Verdienst, die von Heyne entwickelte Auffassung des Mythos auf das Alte Testament übertragen und insbesondere in der Exegese der biblischen Urgeschichte fruchtbar gemacht zu haben, kommt → Johann Gottfried Eichhorn
2.1.2. Hermann Gunkel (1862-1932)
Die nachhaltige Wirkung, die → H. Gunkel
„Eine erstaunliche Fülle mythischen Stoffes aber ist uns bei den hebräischen Dichtern aus allen Zeiten überliefert; haben doch die Dichter aller Völker stets die altererbten, herrlichen Mythen geliebt. Und was für ein dankbarer Stoff sind diese altorientalischen Mythen mit ihren brennenden Farben und ihrer gewaltigen Leidenschaft! Ja, selbst Propheten haben trotz ihres entschiedenen Monotheismus, wenn sie nur ein Dichterherz im Leibe hatten, die heidnischen Stoffe nicht verschmäht! So ist denn die poetische Sprache im Hebräischen des Mythischen übervoll …“ (H. Gunkel 1925, 17).
2.1.3. Mythos und Ritual / Kult
Als Programm religionsgeschichtlich orientierter Bibelwissenschaft hat sich in der ersten Hälfte des 20. Jh.s vor allem in Großbritannien und Amerika (S.H. Hooke, T.H. Gaster) sowie Skandinavien (→ S. Mowinckel
Unter den skandinavischen Forschern entfaltete das Werk des Norwegers → Sigmund Mowinckel
2.1.4. Neuere Beiträge zur Mythosdiskussion in der Bibelwissenschaft und die Frage der „Entmythologisierung“
Die Bibelwissenschaft insgesamt, nicht nur die neutestamentliche Exegese, sah sich seit den 40er Jahren des 20. Jh.s durch Rudolf Bultmanns (1884-1976) Programm der „Entmythologisierung“ des Neuen Testaments herausgefordert. Bultmann (1941/1948) verstand Mythos als eine objektivierende und symbolisierende Weise der Vorstellung von Welt und Wirklichkeit in einer Kultur, wie sie sich im mythischen „Weltbild“ des Neuen Testaments manifestiert. In seinem Programm der „Entmythologisierung“ des Neuen Testaments, die „mythologische“ Elemente nicht eliminieren, sondern in „existentialer Interpretation“ deuten will, geht Bultmann vom Mythos als einer Seins- und Wirklichkeitsauffassung, einem Weltverständnis aus, das erzählerisch in Texten symbolisiert bzw. mythologisch „objektiviert“ ist: „Mythologisch ist die Vorstellungsweise, in der das Unweltliche, Göttliche als Weltliches, Menschliches, das Jenseitige als Diesseitiges erscheint, in der z.B. Gottes Jenseitigkeit als räumliche Ferne gedacht wird…“ (R. Bultmann 1948, 23 Anm. 2). Nach Verstehensvoraussetzungen und Inhalten wurde Bultmanns Programmatik mehrfach mit gewichtigen Einwänden kritisch gewürdigt, so etwa mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit und Angemessenheit unterschiedlicher Ebenen objektivierender Rede vom Wirken Gottes oder insbesondere aus alttestamentlicher Sicht mit dem Hinweis auf mangelnde Berücksichtigung des integrativen Weltbezugs, der sozialen, ökonomischen und geschichtlichen Aspekte des Menschseins in der existenzphilosophisch begründeten „existentialen Interpretation“ der Bibel (vgl. z.B. K.-H. Bernhardt 1969; H.-P. Müller 1998a; K. Koch 2004, 91f; K. Hübner 1994, 607). Ein bleibend gültiges Anliegen der „Entmythologisierung“ ist „die hermeneutische Unterscheidung zwischen Botschaft und mythologischer Darstellungsweise“ in der Bibel (I.U. Dalferth 1998, 79) und damit auch die Wahrung der für die monotheistischen Religionen konstitutiven Differenz zwischen Schöpfer und Geschöpf, zwischen Gott und der Welt (vgl. E. Jüngel 2000, 51-55).
Dass „Mythisches“ in der Bibel nicht exegetisch „beseitigt“ werden kann und soll, wohl aber hermeneutisch in heutiges Verstehen „übersetzt“ werden muss, wurde vielfach hervorgehoben (s.u. Lit. 4: J.L. McKenzie 1959; ders. 1963; J. Barr 1959; B.S. Childs 1962; J. Schreiner 1971; H. Graf Reventlow 1982; ders. 1990; M. Görg 2005; ders. 2010, bes. 325-334).
In der religionsgeschichtlichen und bibelwissenschaftlichen Forschung seit dem späten 18. Jh. hat John W. Rogerson (1974, 174-178) zwölf unterschiedliche Bedeutungen von Mythen herausgestellt, von ihrem ursprungserklärenden Sinn bis hin zum Mythos als Geschichte von Göttern. Genauer unterscheidet er (ders. 1978-79, 10) zwischen „myths“ / Mythen im Plural als Texten, in denen Götter oder andersweltliche Kräfte handeln und „myth“ / Mythos, von dem man konsensfähig nur sagen könne, dass er das sei, was Mythen hervorbringt, bzw. das Weltverständnis, das in Mythen enthalten ist. Claus Petersen (1982) geht von typischen Merkmalen als „mythisch“ anerkannter altorientalischer Texte aus der unmittelbaren Umwelt des alten Israel aus, um Kriterien für „Mythos“ im Alten Testament zu finden, ein Verfahren, das in neuerer bibelwissenschaftlicher Mythosforschung längst anerkannt und unabdingbar ist (s.u. 4.!). Für einen „Mythos“ und ein „mythisches Element“ müssen nach Petersen (1982, 23-33.46f) drei Kriterien gegeben sein: Schilderung von Geschehnissen, Beteiligung eines oder mehrerer Götter, Geschehnisse jenseits der geschichtlichen Zeit.
Schon bei Hermann Gunkel (s.o. 2.1.2.) begegnet die von ihm noch nicht terminologisch verstandene Unterscheidung zwischen der erzählenden Gattung Mythos und dem „Mythischen“, eine Unterscheidung, die Hans-Peter Müller in mehreren intensiven Studien zur Mythos-Frage terminologisch aufgenommen und begrifflich geklärt hat. Im Gegensatz zum Mythos als einer „Elementarform religiöser Rede“ (s.o. 1.2.1.3.), einer vorliterarischen bzw. literarischen narrativen Gattung bestimmt Müller „das Mythische“ als „Inbegriff der in der Gattung Mythos zur Geltung kommenden Inhalte und Funktionen, bzw. des ihnen entsprechenden Selbst- und Wirklichkeitsverständnisses“ (H.-P. Müller 1979, 10f; ders. 1991b, 4 Anm. 3; ders. 2004, 45, s.u. 2.2.2.!).
2.2. Resümee: ein operationabler Mythosbegriff in der Bibelwissenschaft
2.2.1. Konstitutive Merkmale von Mythen
Der Terminus Mythos bezeichnet einen komplexen Begriff, der sich sowohl auf eine Welt- und Lebensauffassung, eine mythische „Denkform“ oder „Mentalitätsstrukturen“ als auch auf eine dem entsprechende Redeform von primär mündlichen Erzählüberlieferungen bzw. auf ihre schriftlich gestaltete Textform und auf Textstrukturen bezieht. Allerdings ist uns „Mythos“ im vorderaltorientalischen und im biblischen Bereich nur in schriftlicher Textform, in literarischer Gestaltung zugänglich. Was mythische „Denkform“ ist oder sein könnte, ist nur an deren Ausprägung in Texten (erzählend in Prosa oder Poesie), ferner in bildlichen Darstellungen und Bildkonstellationen sowie (möglicherweise) an der Symbolik von Riten ablesbar. Nun können aber „Mythen“ als mündliche oder schriftliche Texte jedenfalls prinzipiell gattungskritisch erfasst werden. Zwar kaum in dem Sinne, dass wir in den verschiedenen altorientalisch (und biblisch) überlieferten Mythentexten einen durchaus einheitlichen Redestrukturtyp herausstellen könnten, wohl aber im weiteren Sinn eines komplexen Redetyps oder einer komplexen literarischen „Gattung“ mit nach Redeform, Thema und Funktion unterscheidbaren Unterarten (vgl. H.-P. Müller 1995, 4-9, zum Mythos als Gattung; C. Westermann 1999 zur Gliederung der Mythen). Ein in der Bibelwissenschaft operationabler, nach Kriterien anwendbarer und literaturwissenschaftlich begründeter Begriff von „Mythos“ versteht Mythos als Textsorte, als im weiteren Sinn „Gattung“ literarisch gestalteter Mythentexte, wie sie im vorderaltorientalischen Überlieferungsraum und kulturellen Bereich vertreten sind (vgl. T. Stordalen 1998, 284-287). Für den altorientalischen (s.u. 3.1.-3.3.) und dann auch alttestamentlichen Bereich (s.u. 4.) lassen sich konsensfähig folgende, hier in sieben Punkten zusammengefasste Merkmale als Charakteristika von Mythen benennen (H. Irsigler 2004a, 10-18 mit Lit. S. 12f; vgl. A. Groenewald 2007, 13-19):
1) Mythos ist primär eine narrative Redeform in mündlicher Überlieferung, sekundär eine literarische Textsorte, als eine im Rahmen einer Kultur traditionelle, für das kollektive Selbstverständnis bedeutsame Erzählung, Geschichte oder narrative Sequenz, die bildhaft von Geschehnissen, Handlungsfolgen und Ereignissen spricht, nicht vorrangig zuständliche Gegebenheiten schildert.
2) An den erzählten Geschehnissen sind numinose Wesen, eine Gottheit oder mehrere Götter in ihrem Verhältnis zueinander oder auch zu Menschen beteiligt. Die Gottheit gehört zur vorgestellten Welt; sie denkt, redet, handelt wie Menschen.
3) Der als Mythos erzählte Vorgang verläuft in der Regel unumkehrbar von einem Zustand der Veränderungsoffenheit, der Labilität hin zu einem (positiven oder negativen) Zustand der Stabilität.
4) Die Geschehnisse werden als einmalige Ereignisse erzählt, auch wenn sie sachlich regelhafte Abläufe in Natur- und Menschenwelt referieren.
5) Die Handlungszeit des Mythos liegt außerhalb oder jenseits der als geschichtlich oder alltäglich begriffenen Menschen-Zeit, in einer „Urzeitlichkeit“, einer Vorzeit oder einer „prototypische(n) Zeit, in der eine gegenwärtige Existenz begründet wird“ (H.-P. Müller 1995, 6). Die Urzeitlichkeit des Mythos hat immer auch das Hier und Jetzt der den Mythos (re)produzierenden Erzähl- und Traditionsgemeinschaft von Menschen im Blick (vgl. oben 1.1.1.1. die „Definition“ des Salustios). „Indem der Mythos Gegenwart begründet und die Gegenwart selbst im Mythos gründet, ist der Mythos geprägt von der Zeitstruktur der ewigen Wiederkehr des Uranfänglichen im Gegenwärtigen“ (E.-J. Waschke 2001, 194). Die erzählten oder geschilderten Vorgänge haben den Charakter eines „Urgeschehens“, auch wenn es als eine Art mythische Gegenwart dramatisiert werden kann (so im Mythos vom Sonnenlauf in Ägypten und vielleicht im ugaritischen Baal-Zyklus). Dieses Urgeschehen kann (in der Apokalyptik) Stoff und Bildelemente für ein ebenfalls jenseits geschichtlicher Zeit liegendes mythisch gefärbtes Endzeitgeschehen bereitstellen.
6) Was den Handlungsraum angeht, so ist er grundsätzlich nicht begrenzt, nicht abgrenzbar, hat aber numinose Qualität (Götterberg, Gottesgarten, Tempel u.a.) und liegt nicht selten außerhalb unmittelbar zugänglicher Erfahrung (Himmel, Unterwelt), kann indes in den menschlichen Lebensbereich hineinwirken.
7) In funktionaler Hinsicht geht es im Mythos wesentlich darum, Grunderfahrungen des Menschen in einer ihm geheimnisvollen und oft bedrohlichen Welt offenbar und verstehbar zu machen. Der Mythos beschreibt eine gründende Ordnung in Welt und Gesellschaft; er ist Rede, die gegenwärtige Wirklichkeit stiftet, begründet, legitimiert oder deutet. Mündlich erzählter Mythos kann ursprünglich als magisches Ritual wirken (s.o. 2.1.3.). Der Mythos kann nur im weiteren Sinn „ätiologisch“ (so E.-J. Waschke 2001, 193.194) genannt werden. Er fragt gerade nicht nach einer kausalen Entwicklung der Dinge, nicht nach einer zeitlich ersten „Ursache“ (αἰτία aitía; causa), von der her sich Gegenwärtiges in einer Ursachenkette erklärt, sondern nach dem einen Urgeschehen als bleibend gültigem „Ursprung“ und „Urgrund“ (ἀρχή archē; principium), in dem Welt und Mensch schon immer gründen. Die im Mythos als prototypisch erzählten Ereignisse wirken als exemplarische Modelle menschlicher Existenz und Tätigkeiten fort und gewinnen in einer Erzählgemeinschaft und Kultur tragende und motivierende Bedeutung.
Mythen als bildhafte Geschichten von prototypischen gründenden Ereignissen und Handlungen sind in Bilder konvertierbar und umgekehrt (A. und J. Assmann 1998, 189). Bildsymbolische Darstellungen in altorientalischer und palästinisch / israelitischer Ikonographie (O. Keel 5. Aufl. 1996; O. Keel / C. Uehlinger 5. Aufl. 2001; S. Schroer / O. Keel 2005ff.) können in kondensierter Form Mythen verkörpern und widerspiegeln, indem sie sich auf den Fundus an kollektivem Wissen einer Kultur beziehen. Wirkkräftige mythische Bilder als bildhafte mythische Konstellationen, die geprägte Beziehungen zwischen Göttern / numinosen Wesen (und auch Menschen und Welt) bzw. zwischen deren Rollen in einem Handlungszusammenhang darstellen (z.B. → Baal
2.2.2. Mythisches
Mit der Rede vom Mythos sind weitere häufig gebrauchte Termini verbunden. Als ein „mythisches Element“ kann (hier im Anschluss an C. Petersen 1982, 32f) ein in der Hauptsache nur quantitativ vom Mythos unterschiedenes Textelement bezeichnet werden, das wesentliche Merkmale eines Mythos impliziert („urzeitliches“ Geschehen unter Einbezug einer Gottheit). Ein „mythisches Motiv“ (bzw. „Mythem“) als elementarer kombinationsfähiger Bestandteil eines mythischen Erzählstoffs ist in einem belegbaren oder doch erschließbaren Mythos verankert, kann aber in einem nicht-mythischen Text bzw. Redekontext in veränderter Funktion auftreten (vgl. H. Cancik 1995, 866). Ein ursprünglich mythisches Motiv wie „himmlischer Hofstaat“ oder „Gottesberg“ kann so in einem neuen Kontext (als „mythologisches Motiv bzw. Element “, s.u. 2.2.3.!) Teil nicht-mythischer religiöser Sprache sein. Mythos, mythische Elemente und Motive verweisen auf eine mythische Denk- und Vorstellungsweise, eine wenigstens ansatzweise erschließbare „mythische Vorstellungswelt“, in der sie ihre primäre Funktion und ihren Sinn erhalten.
Gerade im Hinblick auf monotheistisch geprägte biblische Texte empfiehlt es sich, die wichtige Unterscheidung von Mythos und „dem Mythischen“, die H.-P. Müller vorgeschlagen hat (s.o. 2.1.4.!), aufzunehmen. „Das Mythische“ als Inbegriff der Inhalte, Motive und Funktionen von Mythen bzw. der Wirklichkeitswahrnehmung in Mythen einer Kultur lebt in Prosa und Poesie, in unterschiedlichen literarischen Formen weiter, wenn die komplexe Gattung Mythos in mündlicher und auch in schriftlicher Form nicht mehr produktiv ist. „Das Nachleben des Mythischen jenseits des produktiven Mythos bezeugt den bleibenden Bedarf an mythischer Wirklichkeitswahrnehmung …“ (H.-P. Müller 2004, 46). Die Bestimmung des „Mythischen“ sollte allerdings eng an die oben genannten Kriterien für den „Mythos“ gebunden sein. Dann lässt sich eine „personhafte Gottesvorstellung“ kaum generell als Element des Mythischen verstehen (anders Müller ebd.).
2.2.3. Mythologie
„… Mytho-Logie ist entweder die Gesamtheit von Mythen oder aber die wissenschaftliche Untersuchung der Mythen, der ‚logos’ über die Mythen“ (R. Brandt 2004, 9). Von einer „Mythologie“ wird (entgegen der ursprünglichen Bedeutung „Vortrag eines Mythos“) terminologisch meist dann gesprochen, wenn ein Zusammenhang, eine Gesamtheit von Mythen, mythischer oder mythisch geprägter Überlieferung einer Epoche, eines Kulturraums oder eines Volks bzw. einer Gemeinschaft im Blick steht oder ein Element aus dieser Gesamtheit referiert wird (vgl. zur Mythologie in einer Mythostheorie J. Mohn 1998, 80-82). So spricht man von der Mythologie der Griechen, der Kanaanäer usw. Mythologien als Zusammenschau von Mythen, als Systeme von mythischen Gestalten und Handlungen / Geschehnissen setzen den Polytheismus voraus und haben so in Israel keine Entsprechung (H.-P. Müller 1998b, 600). Der Mythologie eignet ein „schöpferisch-künstlerischer Charakter“ (K. Kerényi, Bd. I, 23. Aufl. 2003, 9). Das führt auf ein weiteres Verständnis von „Mythologie“. Der Terminus Mythologie kann auch das reflexive Verhältnis zum Mythos betonen, den Logos vom Mythos, d.h. seine rationale Reflexion, seine wissenschaftliche Analyse oder einen vernünftigen, rationalen Zugang zum Mythos bezeichnen (J. Mohn 1998, 81f). So verstanden ist Mythologie „Arbeit am Mythos“ (nach H. Blumenberg 2006; vgl. M. Görg 2004, 69f; ders. 2010, 326f.331). Sie zeigt sich bereits in den uns überlieferten schriftlichen Zeugnissen von Mythen im nahen Vorderen Orient, die als deren „reflektierte“ Rezeptionsformen bestimmt werden müssen (s.u. 3.2.). Insgesamt lässt sich eine (noch unmittelbar) „mythische“, eine „mythologische“ (mehr oder weniger reflektierte, literarisch gezielt gestaltete, ästhetisierende) und noch weitergehend eine „mythenkritische“ Rezeption des Mythos unterscheiden (E. Jüngel 2000, 43f). Die beiden letzteren Rezeptionsformen sind für das Verständnis des Mythischen in der Bibel besonders bedeutsam. Als „mythologische Elemente bzw. Motive“ oder „Mythologeme“ lassen sich dann solche Textelemente bzw. Motive oder Konstellationen bezeichnen, die ein Element aus einer Gesamtheit von Mythen referieren (z.B. „Götterversammlung“ in mesopotamischen Mythentexten) oder allgemeiner solche Elemente aus mythischem Vorstellungsgut, die Mythisches in textlichen Sprachbildern vermitteln, vergegenwärtigen, aktualisieren oder metaphorisieren, kurz, die bereits eine Form der „Arbeit am Mythos“ in Texten erkennen lassen.
3. Die Bedeutung vorderaltorientalischer Mythentexte für das Alte Testament
Ein breites Spektrum von Literaturen aus Ugarit, Kanaan-Syrien, Mesopotamien, Ägypten und Griechenland, ferner auch von Hurritern und Hethitern hat sich als Vergleichsgrundlage und Motivquelle für die Mythosforschung in der Hebräischen Bibel erwiesen.
Vgl. die Artikel zur Mythologie in RLA, Bd. 8 (1997): in Mesopotamien (W. Heimpel, 537-564); bei den Hethitern (G. Beckmann, 564-572); in der mesopotamischen Kunst (A. Green, 572-586), in der Kunst Kleinasiens (M.N. van Loon, 586-589); vgl. resümierend auch H. Cancik / E. Cancik-Kirschbaum 1995, 866-872; H-.P. Müller 2002, 1689-1691; F. Graf 2002, 1692-1695.
Vor allem kanaanäische (bes. ugaritische) und mesopotamische (bes. babylonische) Mythentexte haben sich für die Erforschung des „Mythischen“ in alttestamentlichen Texten als aufschlussreich erwiesen (s.o. 2.1.3. und 2.1.4.; vgl. u. Lit. 3 und 4: bes. F.M. Cross, W.G. Lambert, O. Loretz, H.-P. Müller, M.S. Smith, W. von Soden). Mythentexte des alten Vorderen Orients sind als dichterische Produkte nicht nur reflektierte Rezeptionsformen von mündlichen „ursprünglichen Mythen“, vielmehr sind sie zu einem Teil auch von vornherein schriftlich abgefasste Werke, „konstruierte“ Mythen; auch sie dürften auf mündlichen Vortrag angelegt sein (W. von Soden 1984; bes. M.S. Smith 2008, 491-498). Auffallende Ähnlichkeiten von mythischen Motiven oder Stoffen in verschiedenen vorderaltorientalischen Kulturen (z.B. → Sintflut
3.1. Kanaanäische (ugaritische) Mythen und Götter
3.1.1. Die wichtigsten Mythentexte als narrative Poesie sind:
- der umfangreiche auf ursprünglich eigenständige Mythen zurückgehende Baal-Zyklus auf sechs Tafeln (KTU 1.1-6);
- der Text vom Wasserspender Baal (KTU 1.12), der mit einer kultisch-magischen Handlung (Ausgießen von Wasser im Tempel) verbunden ist;
- der Mythos von der Geburt der Götter Schachar „Morgenröte“ und Schalim „Abenddämmerung“ (KTU 1.23; bes. Z. 30-76);
- die Mythos und Ritual verbindende Dichtung von der Heirat des Mondgottes Jarich mit seiner Braut Nikkal wa-Ib (KTU 1.24), einer Dichtung, die eine menschliche Eheschließung unter den Schutz des gütigen obersten Gottes El und der Koscharot (Glücksgöttinnen) stellt (TUAT Ergänzungslieferung, 203-207).
Grundzüge des polytheistischen Mythos sind auch in großen epischen Dichtungen lebendig, die sich von der westsemitischen Königsideologie her verstehen lassen:
- Im Keret-Epos (KTU 1.14-1.16) tritt der Gott El, der oberste Herr des Pantheons, als Schützer und Segensspender für das irdische Königtum hervor.
- Im Epos vom Helden Aqhat und seinem (königlichen) Vater Danil (KTU 1.17-1.19) scheint der Kult der königlichen Ahnen (rpum „Heiler“, vgl. KTU 1.20-1.22) als der Garanten des Fortbestands der Herrscherfamilie eine bedeutsame Rolle zu spielen; zugleich tritt der Wettergott Baal als Fürsprecher und Vermittler des Segens Els auf (vgl. TUAT III/6, 1255f).
3.1.2. Zwei im Baal-Zyklus dominant vertretene Motivkomplexe haben zusammen mit Vorstellungen von den Göttern → El
3.1.3. Für das Königtum Gottes im Alten Testament sind sowohl der im Mythos geschilderte Aufstieg Baals zum Götterkönig als auch mythische Vorstellungen vom Königtum Els bedeutsam geworden. (vgl. W.H. Schmidt 1966; D. Kinet 1981, 135-144; O. Loretz 1990, 66-78; R.G. Kratz 2003; B. Willmes 2004, 111-117). → El
„Fürst Baal“ hingegen, der Gott des Gewitters und Regens, der „Wolkenfahrer“ (rkb ʻrpt KTU 1.3 II 40 u.ö.; vgl. Ps 68,5
Wie beide Arten des göttlichen Königtums im Bild des einen Königtums JHWHs im Alten Testament zusammenwirken und einander ergänzen, zeigt sich exemplarisch etwa an Ps 29
3.1.4. Die kanaanäische Göttin Aschirat (Aṯiratu), Els durchaus eigenständig auftretende Gattin, ist Mutter der Götter, welche „die siebzig Söhne“ der Aschirat“ (KTU 1.4 VI 46) heißen (vgl. die 70 Völker in der Völkertafel Gen 10
Besondere Brisanz hat die Frage nach dem Verhältnis JHWHs zu Aschera durch frühe althebräische Inschriften gewonnen: mehrere in Kuntillet ‘Aǧrūd (→ Kuntillet ‘Aǧrūd
3.1.5. Auf Elemente einstiger israelitischer Volksreligion führen auch ägyptisch-aramäische Texte aus der jüdischen Militärkolonie von Elephantine (5. Jh. v. Chr.; → Elephantine
3.2. Mesopotamische Mythen
3.2.1. Eine beträchtliche und immer noch anwachsende Zahl an Mythen-Dichtungen ist uns von der Mitte des 3. bis weit ins 1. Jahrtausend v. Chr. aus den altorientalischen Stammländern des Zweistromlandes in Sumerisch und Akkadisch (Babylonisch und Assyrisch) überliefert; darüber hinaus aus in enger Verbindung mit Mesopotamien stehenden Ländern, Völkern und Kulturen wie dem altsyrischen Stadtstaat → Ebla
Ein sumerischer oder akkadischer Terminus für eine Gattung „Mythos“ ist nicht belegt. Wohl aber ist auffällig, dass Mythentexte als „(Preis-)Lieder“ und „heilige Lieder“ verstanden werden konnten, wie aus Beischriften hervorgeht (W. Heimpel 1997, 551.552; M.S. Smith 2008, 492f). Die überlieferten Mythentexte verraten als literarische Produkte nicht selten Merkmale von Komposition und Redaktion ursprünglich separater Göttergeschichten. Sie sind weitgehend „reflektierte Mythen“, die dichterische Gestaltung auch mit belehrender Absicht unter bestimmten Leitgedanken, nur noch selten aber mündliche Vorstadien erkennen lassen. Schließlich wurden in späterer Zeit von vornherein schriftliche Mythendichtungen, „Konstruierte Mythen“ geschaffen (zu beiden Arten vgl. bes. W. von Soden 1984; ders. 1985, 199). Zu Letzteren gehört das sog. Erra-Epos vom zerstörerischen Pestgott Erra und seinem Wesir Ischum, „das letzte große Werk der akkadischen Literatur“ (TUAT III/4, 781). Mythen sind gleichwohl in altmesopotamischer religiöser Praxis, im Alltag, im medizinisch-magischen Bereich sehr lebendig. Auch Enuma Elisch, das babylonische „Nationalepos“, ein reflektierter, literarisch geprägter Mythentext, wurde am 4. Nisan (und noch am 4. Tag des Monats Kislimmu) von einem Priester vor der Marduk-Statue im Tempel → Esangila
3.2.2. In den Schöpfungsmythen der Sumerer wie im altorientalischen Raum insgesamt geht es nicht nur um das Werden oder die Erschaffung, sondern vorab um die Ordnung der Welt. Für sumerische kosmogonische Mythen ist die Vorstellung von der Trennung von Himmel und Erde (vgl. Scheidungsmotiv in Gen 1,3-10
Ein singulärer Einfluss des sumerisch-babylonischen Gottes Dumuzi, u.a. eines Typs des jährlich (mit der Sommerdürre) im 4. Monat (Tammus) sterbenden und dann (nach halbjährigem Verschwinden in der Unterwelt) wieder in die Oberwelt zurückkehrenden Gottes mit entsprechendem mythisch-rituellem Hintergrund, zeigt sich in Ez 8,14
3.2.3. Der altbabylonische Mythos vom Sintfluthelden Atra(m)-Chasis (dem „überragend Weisen“; → Atra-Chasis
3.2.4. Deutlich jünger als das Atra-Chasis-Epos ist das babylonische „Schöpfungs- und Nationalepos“ Enuma Elisch (enūma eliš „Als oben …“, entstanden ca. 12. Jh. v. Chr.; → Enuma Elisch
Das Götterkampfmythologem ist ähnlich wie in Enuma Elisch vertreten im hethitischen Mythos vom Kampf des „Wettergotts des Himmels“ mit dem Schlangendämon Illuyanka (TUAT III/4, 808-811; → Wettergott
3.2.5. Die existenzielle Frage, weshalb der Mensch vom ewigen Leben der Götter ausgeschlossen ist, begegnet in drei babylonischen Mythentexten von Lebenssuchern (W. von Soden 1985, 206-209; H.-P. Müller 1984; ders. 1991a) in je eigenständiger Ausprägung und wieder anders biblisch in Gen 2-3
Was Gilgamesch, Adapa und Gen 2-3
3.3. Mythos im Alten Ägypten
3.3.1. Die umfassende Präsenz und Wirksamkeit von mythischem Denken und Weltverstehen im alten Ägypten ist (gegenüber häufigen bildlichen Darstellungen mit erläuternden Beischriften) auffällig selten in zusammenhängenden Erzählungen über fundierende Ereignisse in der Götterwelt schriftlich dokumentiert, erst vereinzelt seit dem → Neuen Reich
→ Osiris
Dieses „scheinbare Mythendefizit“ (TUAT III/5, 879) hat Jan Assmann (1977) „die Verborgenheit des Mythos in Ägypten“ genannt. Assmann (1982, 14) plädiert dafür, „dass hinter Texten, die augenscheinlich die Sprache des Mythos reden, ohne jedoch narrative Zusammenhänge zu entfalten, nicht unbedingt Mythen stehen müssen, sondern so etwas wie vormythische Sinnkomplexe, die sich erst im Laufe der Geschichte fallweise zu ganzen Mythen entfalten“; er schlägt dafür den Terminus „Konstellationen“ vor (z.B. die Konstellation von totem Vater und lebendem Sohn im Osirismythos). Es sind geprägte Beziehungen und Handlungsrollen von Göttern in mythischen Bildern oder „Ikonen“ („Beziehungsbildern“). Die Funktion der „Ikonen“ aber ist es, unterschiedliches menschliches Handeln zu fundieren (ders. 2004, 24). Verdeutlicht wird dieses Verständnis von Mythos, das seine Ikonizität gegenüber der Narrativität in den Vordergrund rückt, durch den Bilderzyklus von der Geburt des Gottkönigs bzw. von der göttlichen Zeugung des Sohnes, der mythischen Legitimierung der Vorstellung von der Gottessohnschaft des Pharao (J. Assmann 1982, 15-42 [13-61]; vgl. transformiert in alttestamentlicher Königstheologie Ps 2,6-7
Nach Assmann gibt es in Ägypten eigentlich nur drei dominierende mythische Komplexe: „die Kosmogonie von → Heliopolis
3.3.2. Bedeutsame kosmogonische Mythenkomplexe sind in den religiösen Traditionen von → Heliopolis
4. Mythos und Mythisches im Alten Testament
4.1. Vorkommen und Art des Mythischen im Alten Testament
Eigenständige Mythen im engsten Sinn als wirklichkeitsstiftende oder wirklichkeitsbegründende Götter-Erzählungen, d.h. Erzählungen von einmaligen „urzeitlichen“ Geschehnissen des Zusammenspiels verschiedener numinoser Wesen (und Menschen) sind im Alten Testament so gut wie nicht zu finden. Immerhin lässt etwa die Kurzerzählung von den „Ehen“ der „Gottessöhne“ (oder → „Göttersöhne
Die wehrlosen schönen Menschentöchter, welche von den Elohimwesen, den Göttern, als Objekt ihrer Begierde gewaltsam als Frauen ausgewählt wurden, gebaren „die Helden der Urzeit, die berühmten Männer“, die hier mit den „Riesen“ (die → Septuaginta
Wieder anders, nämlich zu einem prophetisch vorwegnehmenden Klagelied über den Sturz des Königs von → Tyrus
Schon diese Beispiele deuten darauf hin, dass man im alten Israel derartige Mythen kannte und erzählte. Dass sie genuin israelitisch seien, wird man in keinem Fall behaupten können. Eine ursprüngliche eigenständige Mythenbildung in Israel lässt sich aus dem Alten Testament nicht (mehr) erschließen. Vielmehr teilt das alte Israel ganz selbstverständlich einen reichen Wissensfundus an mythischem Erzählgut und mythischer Bildsprache mit seiner altorientalischen Mit- und Umwelt (s.o. 2.1.2. schon H. Gunkel). Im Alten Testament finden sich mythische Erzählungen in theologischer Umformung in der biblischen → Urgeschichte
Biblische Texte bezeugen durchaus unterschiedlich akzentuierte Weltbilder. Das eine geschlossene → Weltbild
Mythos ist im Alten Testament wesentlich in der Weise des „Mythischen“ (H.-P. Müller, s.o. 2.1.4. und 2.2.2.) präsent als Inbegriff von mythischen Redestrukturen, von mythischen Stoffen und Motiven, bildhaften Personen- und Handlungskonstellationen und Funktionen von Mythen. Mythisches begegnet in unterschiedlichen literarischen Arten, wenn die komplexe Gattung Mythos in mündlicher und auch in schriftlicher Form nicht mehr produktiv ist, weiter erzählt und angewandt wird. Ein produktives Weitererzählen ursprünglicher Mythen lässt sich so im Alten Testament nicht (mehr) feststellen. Von einer ausgebildeten „Mythologie“ des Alten Testaments und insofern des alten Israel im Sinne einer Gesamtheit oder Zusammenschau von Mythen und mythischen Überlieferungen (s.o. 2.2.3.) kann man daher nicht reden − anders als von einer Mythologie der Kanaanäer, der Babylonier, der Griechen usw. Gewiss nimmt das Alte Testament zahlreiche „mythologische Elemente bzw. Motive“ auf, wie sie in solchen komplexen „Mythologien“ vertreten sind. Mythisches ist im Alten Testament indes in unterschiedlicher Weise funktionalisiert eingesetzt und in aller Regel mit nicht-mythischen Redeweisen und Themen verbunden. Insofern lässt sich Mythisches im Alten Testament als „mythologische“ Rede vorrangig im Sinne einer „Arbeit am Mythos“ verstehen.
Die Frage, inwieweit sich im alten Israel Perioden unterschiedlich intensiver Verwendung des Mythischen abzeichnen, ist durch die bekannten Schwierigkeiten der Datierung biblischer Texte belastet. Gut begründet ist indes die Beobachtung, dass mythische Stoffe und Motive verstärkt in der exilisch-babylonischen Epoche des 6. Jh.s v. Chr. und in der nachexilischen Zeit aufgegriffen werden. So begegnet Mythisches auffallend bei → Ezechiel
4.2. Mythos und Geschichte im Alten Testament
4.2.1. Mythisches in der biblischen Urgeschichte (Gen 1-9/11)
4.2.1.1. Die biblische Urgeschichte, traditionell abgegrenzt als Gen 1-11
Gattungsmerkmale des Mythos findet H.-P. Müller (1988, 7-12) in der Urgeschichte unter folgenden drei Gesichtspunkten:
- Handlungsträger ist eine personhafte Gottheit;
- deren Handeln zeigt mangelhafte Souveränität (so in der Sintfluterzählung: mangelnde Begründung der Menschenschuld − das universale Unheil wird in Gen 6,5-8
nur konstatiert − wie der Rettung Noahs); - Zeit und Raum der Handlungen ist die Urzeit bzw. die prototypische Zeit.
Als „frühkulturelle Mythen“ bezeichnet H.-P. Müller (1995, 4f) die Menschenschöpfungserzählung Gen 2,5-24
Nun haben die Welt- und Menschenschöpfung in Gen 1,1-2,4a
4.2.1.2. Ein anthropologischer Grundtext par excellence ist die mythisch fundierte und weisheitlich geprägte Erzählung von Schöpfung und Fall des Menschen in Gen 2,5-3,24:
Die Erzählung (→ Paradieserzählung
Mit der mythisch-empirischen „Paradiesgeographie“ in Gen 2,10-14
Eklatant unterschiedlich fällt die Bestimmung des Menschen in mesopotamischen Menschenschöpfungsmythen und in der Menschenschöpfungserzählung von Gen 2-3
4.2.1.3. Der sog. Schöpfungsbericht der Priesterschrift in Gen 1,1-2,4a darf nicht nur als Einzeltext betrachtet werden. Die → Priesterschrift
Dabei enthält der Text im religionsgeschichtlichen Vergleich durchaus mythische Motive, die kontextuell als Mythologeme charakteristische textliche Einarbeitung und Transformation erkennen lassen: So erinnert die Schilderung des Vorweltzustands in Gen 1,2
Die Schöpfung durch Wort und Tat Gottes integriert aber auch urtümliche mythische Vorstellungen von der gebärenden Erde (Gen 1,11
4.2.1.4. Insgesamt gesehen sind in Gen 1-11
4.2.2. Mythisierung identitätsstiftender Geschichte und Historisierung mythischer Überlieferung
Die Überlieferungen von der Vor- und Frühgeschichte Israels, wie sie (u.a.) im Pentateuch bzw. der Tora als erstem Teil der Hebräischen Bibel enthalten sind, werden von einigen Forschern als „Mythen“ bezeichnet. Der Grund für diese Bezeichnung liegt nicht im Inhalt als vielmehr in der Funktion als „fundierende Erzählungen“ (J. Assmann 2004, 29f Anm. 31), die in einer für das spätere Israel „prototypischen“ Zeit spielen (H.-P. Müller 1995, 5: „in die Vor- und Frühgeschichte Israels versetzte Mythen; ebd. 10: „Heilsgeschichte als Mythos von Israels Urgeschichte“). Nun können die großen Themen des Pentateuchs im Anschluss an die biblische Urgeschichte − die Väter- oder Erzelterngeschichte, der Exodus, die Wüstenwanderung, das Sinai-Geschehen und die Landgabe JHWHs − funktional analog zu den Mythen im oben beschriebenen Sinn (2.2.1.) mit Vorbehalt als identitätsstiftende fundierende „Mythen“ Israels bezeichnet werden.
Gleichwohl, Einschränkungen sind notwendig. Sie liegen schon in der literarischen Gestalt der Pentateuchtexte. Narrative Textkomplexe leiten sich aus unterschiedlichen Überlieferungen, Erzählsträngen und Bearbeitungen her und verraten vielfach reflektierte Gestaltung, gezielte Komposition. Dahinter lassen sich in Gen 12-50
Was wir im Pentateuch und darüber hinaus in prophetischen und poetischen Schriften der Bibel mehrfach finden, sind Merkmale einer Mythisierung von Geschichte und einer Historisierung des Mythos. Beides kann unmittelbar ineinandergreifen. Eine mythisierende Darstellung, die den urzeitlich-überzeitlich gültigen „archetypischen“ Charakter oder die hohe Bedeutsamkeit von vorgegebenen geschichtlichen Ereignissen und Taten hervorhebt (vgl. H.-P. Müller 2003b), zeigt sich insbesondere in der für Israel grundlegenden → Exodusüberlieferung
Ob das Motiv von der Austrocknung des Meeres (Ex 14,21
Auf eine Historisierung von vorgegebenen mythischen Vorstellungen lässt hingegen z.B. die Ehemetapher → Hoseas
Im prophetischen Spottlied Jes 14,3-21
4.3. Mythisches und Mythisierung in prophetischen und poetischen Texten
4.3.1. Prophetische Texte
4.3.1.1. Nicht geschlossene Mythentexte, wohl aber den Zielen prophetischer Rede eingeordnete Rezeptionen und Anspielungen auf mythische Motive, Vorstellungen und Konstellationen finden sich als Mythologeme schon in der Gerichtsprophetie des Amos (8. Jh. v. Chr.; → Amos
4.3.1.2. Mythisches scheint hinter dem geschichtlichen Verhältnis JHWH − Israel in der Ehemetapher des Hosea (Hos 1-3
Anders als die Ehemetapher in Hos 1-3