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  • DAS BUCH JESUS SIRACH (Sir 4,32)

Vom rechten Verhalten gegen die Armen

41 Liebes Kind, lass den Armen nicht Not leiden, und sei nicht hart gegen den Bedürftigen.

2 Verachte den Hungrigen nicht, und betrübe den Menschen nicht in seiner Armut.

3 Einem betrübten Herzen füge nicht noch mehr Leid zu, und lass den Notleidenden auf deine Gabe nicht warten.

4 Die Bitte des Elenden schlage nicht ab, und wende dein Angesicht nicht weg von dem Armen.

5 Wende deine Augen nicht weg von dem Bittenden, und gib ihm keinen Anlass, dir zu fluchen.

6 Denn der ihn gemacht hat, erhört sein Gebet, wenn er mit bitterem Herzen dich verflucht.

7 Mach dich nicht unbeliebt in der Gemeinde, und vor einem Großen beuge dein Haupt.

8 Höre den Armen an, und antworte ihm freundlich auf seinen Gruß.

9 Rette den, dem Gewalt geschieht, vor dem, der ihm Unrecht antut; und sei unerschrocken, wenn du ein Urteil sprechen sollst.

10 Sei zu den Waisen wie ein Vater, und tritt für ihre Mutter ein, als wärst du ihr Mann,

11 dann wird der Höchste dich Sohn nennen, und er wird dich lieber haben als dich deine Mutter hat.

Vom Wert der Weisheit

12 Die Weisheit erhöht ihre Kinder und nimmt die auf, die sie suchen.

13 Wer sie lieb hat, der hat das Leben lieb; und wer sie eifrig sucht, wird große Freude haben.

14 Wer fest an ihr hält, der wird große Ehre erlangen; und wo er einkehrt, da segnet der Herr.

15 Wer ihr dient, der dient dem heiligen Gott; und wer sie lieb hat, den hat der Herr auch lieb.

16 Wer ihr gehorcht, der wird Völker regieren; und wer sich zu ihr hält, der wird sicher wohnen.

17 Wenn er ihr vertraut, wird er sie erlangen; und auch seine Nachkommen werden sie besitzen.

18 Und wenn sie sich auch anfangs verstellt

19 und ihm Angst und Bange macht und ihn mit Strenge erzieht und ihn mit ihren Forderungen versucht, bis sie ihm vertrauen kann,

20 so wird sie doch dann wieder zu ihm kommen und sich nicht mehr verstellen und ihn erfreuen

21 und ihm ihre Geheimnisse offenbaren.

22 Wenn er aber abirrt, wird sie ihn verlassen und ihn dahingeben, sodass er fallen muss.

Vom mutigen Auftreten

23 Liebes Kind, tu nichts zur Unzeit und hüte dich vor Unrecht,

24 und um deines Heiles willen schäme dich nicht, die Wahrheit zu sagen.

25 Denn man kann sich so schämen, dass man in Sünde gerät, und man kann sich auch so schämen, dass man Gnade und Ehre davon hat.

26 Sieh nicht die Person an zum Schaden deiner Seele, und weiche nicht vom Recht dir zum Verderben.

27 Halt dein Wort nicht zurück,

28 wenn du andern damit helfen kannst;

29 denn im Wort gibt sich die Weisheit kund und Einsicht in dem, was die Zunge spricht.

30 Widersprich nicht der Wahrheit, sondern dulde den Spott, wenn du die Sache nicht getroffen hast.

31 Schäme dich nicht zu bekennen, wenn du gesündigt hast, sonst versuchst du vergeblich, den Lauf eines Stromes zu hemmen.

32 Mach dich nicht zum Diener eines Narren und nimm auf einen Mächtigen keine Rücksicht,

33 sondern verteidige die Wahrheit bis in den Tod, so wird Gott der Herr für dich streiten.

34 Sei nicht wie die, die große Worte machen, aber träge und lässig sind in ihren Taten.

35 Sei nicht wie ein Löwe in deinem Hause und kein Wüterich gegen deine Hausgenossen.

36 Deine Hand soll nicht offen sein, wenn's ums Nehmen geht, aber auch nicht geschlossen, wenn's ans Geben geht.