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  • DAS BUCH JESUS SIRACH (Sir 18,12)

181 Der ewig lebt, der hat alles miteinander geschaffen.

2 Der Herr allein ist gerecht. Niemand kann seine Werke aufzählen. Wer kann seine großen Taten erforschen?

3 Wer kann seine große Macht ermessen?

4 Wer kann seine große Barmherzigkeit genug preisen?

5 Man kann sie weder vermindern noch vermehren und kann seine großen Wunder nicht erforschen.

6 Selbst wenn ein Mensch dabei sein Bestes getan hat, so ist's noch kaum angefangen; und wenn er aufhört, merkt er erst, wie viel noch fehlt.

7 Aber was ist der Mensch? Wozu taugt er? Was kann er nutzen oder schaden?

8 Wenn er lange lebt, so lebt er hundert Jahre. Wie ein Tröpflein Wasser im Meer und wie ein Körnlein Sand, so gering sind seine Jahre im Vergleich mit der Ewigkeit.

9 Darum hat Gott Geduld mit den Menschen und schüttet seine Barmherzigkeit über sie aus.

10 Er sieht und weiß, wie bitter ihr Ende ist;

11 darum erbarmt er sich umso herzlicher über sie.

12 Die Barmherzigkeit eines Menschen gilt allein seinem Nächsten; aber Gottes Barmherzigkeit gilt der ganzen Welt.

13 Er weist zurecht, erzieht und belehrt und führt zurück wie ein Hirt seine Herde.

14 Er erbarmt sich über alle, die sich erziehen lassen und eifrig auf sein Wort hören.

Vom Wohltun mit Worten und Werken

15 Mein Kind, wenn du jemand Gutes tust, so tu's nicht mit tadelnden Worten; und wenn du jemand etwas gibst, so kränke ihn nicht dabei.

16 Wie der Tau die Hitze kühlt, so ist ein gutes Wort besser als eine Gabe.

17 Ja, ein Wort ist oft wichtiger als eine große Gabe, und ein freundlicher Mensch gibt sie beide.

18 Ein Narr aber macht lieblose Vorwürfe, und eine unfreundliche Gabe führt zu Tränen.

Mahnung zur Bereitschaft für die Zukunft

19 Unterrichte dich, bevor du das Wort nimmst;

20 sorge für deine Gesundheit, bevor du krank wirst;

21 prüfe dich selbst, bevor das Gericht kommt, so wirst du in der Stunde der Heimsuchung Gnade finden.

22 Demütige dich vor Gott, noch bevor du krank wirst, und kehre um, sobald du gesündigt hast. Lass dich nicht aufhalten, dein Gelübde bald zu erfüllen, und warte nicht bis an den Tod, um es einzulösen.

23 Bevor du ein Gelübde tust, überlege dir's gut, damit du Gott nicht versuchst.

24 Denk an den Zorn, der am Ende kommen wird, und an die Stunde der Strafe, in der er sein Antlitz abwendet.

25 Wenn man satt ist, soll man bedenken, dass man vielleicht wieder hungern muss; und wenn man reich ist, soll man bedenken, dass man wieder arm werden kann.

26 Denn es kann vor Abend ganz anders werden, als es am Morgen war; so schnell wandelt sich alles vor Gott.

Vom Leben des Weisen

27 Ein weiser Mensch ist in allem sorgsam, und wenn andre sündigen, hütet er sich vor Verfehlungen.

28 Wer verständig ist, ehrt die Weisheit und preist den, der sie gefunden hat.

29 Wer Weisheitslehren recht versteht, der ist selbst ein Weiser und kann andere mit trefflichen Sprüchen stärken.

Warnung vor bösen Leidenschaften

30 Folge deinen bösen Leidenschaften nicht, sondern zügle dein Verlangen.

31 Denn wenn du deinen bösen Leidenschaften folgst, so wirst du dich deinen Feinden selbst zum Spott machen.

32 Sei kein Prasser und gewöhne dich nicht ans Schlemmen,

33 damit du nicht zum Bettler wirst, der andre auf Borgen bewirtet, weil er selber kein Geld mehr im Beutel hat.