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  • Die Psalmen (Ps 22,2)

Gottverlassenheit und Heilsgewissheit

221 [Für den Chormeister. Nach der Weise «Hinde der Morgenröte». Ein Psalm Davids.]

2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, /

bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage?

3 Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort; /

ich rufe bei Nacht und finde doch keine Ruhe.

4 Aber du bist heilig, /

du thronst über dem Lobpreis Israels.

5 Dir haben unsre Väter vertraut, /

sie haben vertraut und du hast sie gerettet.

6 Zu dir riefen sie und wurden befreit, /

dir vertrauten sie und wurden nicht zuschanden.

7 Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, /

der Leute Spott, vom Volk verachtet.

8 Alle, die mich sehen, verlachen mich, /

verziehen die Lippen, schütteln den Kopf:

9 «Er wälze die Last auf den Herrn, /

der soll ihn befreien! Der reiße ihn heraus, / wenn er an ihm Gefallen hat.»A

10 Du bist es, der mich aus dem Schoß meiner Mutter zog, /

mich barg an der Brust der Mutter.

11 Von Geburt an bin ich geworfen auf dich, /

vom Mutterleib an bist du mein Gott.

12 Sei mir nicht fern, denn die Not ist nahe /

und niemand ist da, der hilft.

13 Viele Stiere umgeben mich, /

Büffel von Baschan umringen mich.

14 Sie sperren gegen mich ihren Rachen auf, /

reißende, brüllende Löwen.

15 Ich bin hingeschüttet wie Wasser, /

gelöst haben sich all meine Glieder. / Mein Herz ist in meinem Leib wie Wachs zerflossen.

16 Meine Kehle ist trocken wie eine Scherbe, /

die Zunge klebt mir am Gaumen, / du legst mich in den Staub des Todes.A

17 Viele Hunde umlagern mich, /

eine Rotte von Bösen umkreist mich. / Sie durchbohren mir Hände und Füße.A

18 Man kann all meine Knochen zählen; /

sie gaffen und weiden sich an mir.

19 Sie verteilen unter sich meine Kleider /

und werfen das Los um mein Gewand.

20 Du aber, Herr, halte dich nicht fern! /

Du, meine Stärke, eil mir zu Hilfe!

21 Entreiße mein Leben dem Schwert, /

mein einziges Gut aus der Gewalt der Hunde!

22 Rette mich vor dem Rachen des Löwen, /

vor den Hörnern der Büffel rette mich Armen!A

23 Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden, /

inmitten der Gemeinde dich preisen.

24 Die ihr den Herrn fürchtet, preist ihn, /

ihr alle vom Stamm Jakobs, rühmt ihn; / erschauert alle vor ihm, ihr Nachkommen Israels!

25 Denn er hat nicht verachtet, /

nicht verabscheut das Elend des Armen. Er verbirgt sein Gesicht nicht vor ihm; / er hat auf sein Schreien gehört.

26 Deine Treue preise ich in großer Gemeinde; /

ich erfülle meine Gelübde vor denen, die Gott fürchten.

27 Die Armen sollen essen und sich sättigen; /

den Herrn sollen preisen, die ihn suchen. / Aufleben soll euer Herz für immer.

28 Alle Enden der Erde sollen daran denken /

und werden umkehren zum Herrn: / Vor ihm werfen sich alle Stämme der Völker nieder.A

29 Denn der Herr regiert als König; /

er herrscht über die Völker.

30 Vor ihm allein sollen niederfallen die Mächtigen der Erde, /

vor ihm sich alle niederwerfen, die in der Erde ruhen. [Meine Seele, sie lebt für ihn; /A

31 mein Stamm wird ihm dienen.] Vom Herrn wird man dem künftigen Geschlecht erzählen, /

32 seine Heilstat verkündet man dem kommenden Volk; /

denn er hat das Werk getan.