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  • Der Psalter (Ps 78)

Schuld, Gericht und Gnade in Israels Geschichte

781 Eine Unterweisung Asafs.

Höre, mein Volk, meine Unterweisung,

neiget eure Ohren zu der Rede meines Mundes!

2 Ich will meinen Mund auftun zu einem Spruch

und Geschichten verkünden aus alter Zeit.

3 Was wir gehört haben und wissen

und unsre Väter uns erzählt haben,

4 das wollen wir nicht verschweigen ihren Kindern;

wir verkündigen dem kommenden Geschlecht den Ruhm des Herrn und seine Macht und seine Wunder, die er getan hat.

5 Er richtete ein Zeugnis auf in Jakob

und gab ein Gesetz in Israel und gebot unsern Vätern, es ihre Kinder zu lehren,

6 auf dass es die Nachkommen lernten,

die Kinder, die noch geboren würden; die sollten aufstehen und es auch ihren Kindern verkündigen,

7 dass sie setzten auf Gott ihre Hoffnung / und nicht vergäßen die Taten Gottes,

sondern seine Gebote hielten

8 und nicht würden wie ihre Väter,

ein abtrünniges und ungehorsames Geschlecht, dessen Herz nicht fest war und dessen Geist sich nicht treu an Gott hielt,

9 wie die Söhne Ephraim, wohl gerüstete Bogenschützen,

abfielen zur Zeit des Streits;

10 sie hielten den Bund Gottes nicht

und wollten nicht in seinem Gesetz wandeln

11 und vergaßen seine Taten und seine Wunder,

die er sie hatte sehen lassen.

12 Vor ihren Vätern tat er Wunder

in Ägyptenland, im Gefilde von Zoan.

13 Er zerteilte das Meer und führte sie hindurch

und ließ das Wasser stehen wie eine Mauer.

14 Er leitete sie bei Tage mit einer Wolke

und die ganze Nacht mit einem hellen Feuer.

15 Er spaltete die Felsen in der Wüste

und tränkte sie reichlich wie mit Fluten;

16 er ließ Bäche aus den Felsen hervorbrechen

und Wasser hinabfließen wie Ströme.

17 Dennoch sündigten sie weiter wider ihn

und empörten sich in der Wüste gegen den Höchsten;

18 sie versuchten Gott in ihrem Herzen,

als sie Speise forderten für ihre Seelen,

19 und redeten wider Gott und sprachen:

Kann Gott wohl einen Tisch bereiten in der Wüste?

20 Siehe, er hat wohl den Felsen geschlagen,

dass Wasser strömten und Bäche sich ergossen; kann er aber auch Brot geben und seinem Volk Fleisch verschaffen?

21 Da das der Herr hörte, entbrannte er im Grimm,

und Feuer brach aus in Jakob, und Zorn kam über Israel,

22 weil sie nicht glaubten an Gott

und nicht hofften auf seine Hilfe.

23 Und er gebot den Wolken droben

und tat auf die Türen des Himmels

24 und ließ Manna auf sie regnen zur Speise

und gab ihnen Himmelsbrot.

25 Brot der Engel aßen sie alle,

er sandte ihnen Speise in Fülle.

26 Er ließ wehen den Ostwind unter dem Himmel

und erregte durch seine Stärke den Südwind

27 und ließ Fleisch auf sie regnen wie Staub

und Vögel wie Sand am Meer;

28 mitten in sein Lager ließ er sie fallen,

rings um seine Wohnung her.

29 Da aßen sie und wurden sehr satt;

und was sie verlangten, gewährte er ihnen.

30 Sie hatten ihr Verlangen noch nicht gestillt,

ihre Speise war noch in ihrem Munde,

31 da kam der Zorn Gottes über sie / und brachte ihre Vornehmsten um

und schlug nieder die Besten in Israel.

32 Bei dem allen sündigten sie noch mehr

und glaubten nicht an seine Wunder.

33 Darum ließ er ihre Tage dahinschwinden ins Nichts

und ihre Jahre in Schrecken.

34 Wenn er den Tod unter sie brachte, suchten sie ihn

und fragten wieder nach Gott

35 und dachten daran, dass Gott ihr Hort ist

und Gott, der Höchste, ihr Erlöser.

36 Doch sie betrogen ihn mit ihrem Munde

und belogen ihn mit ihrer Zunge.

37 Ihr Herz hing nicht fest an ihm,

und sie hielten nicht treu an seinem Bunde.

38 Er aber war barmherzig und vergab die Schuld

und vertilgte sie nicht und wandte oft seinen Zorn ab und ließ nicht seinen ganzen Grimm an ihnen aus.

39 Denn er dachte daran, dass sie Fleisch sind,

ein Hauch, der dahinfährt und nicht wiederkommt.

40 Wie oft trotzten sie ihm in der Wüste

und betrübten ihn in der Einöde!

41 Sie versuchten Gott immer wieder

und kränkten den Heiligen Israels.

42 Sie dachten nicht an seine Hand,

an den Tag, da er sie erlöste von den Feinden,

43 wie er seine Zeichen in Ägypten getan hatte

und seine Wunder im Lande Zoan.

44 Er verwandelte ihre Ströme in Blut,

dass sie aus ihren Flüssen nicht trinken konnten.

45 Er schickte Ungeziefer unter sie, das sie fraß,

und Frösche, die ihnen Verderben brachten,

46 und gab ihr Gewächs den Raupen

und ihre Saat den Heuschrecken.

47 Er schlug ihre Weinstöcke mit Hagel

und ihre Maulbeerbäume mit Schloßen.

48 Er gab ihr Vieh dem Hagel preis

und ihre Herden dem Wetterstrahl.

49 Er sandte die Glut seines Zorns unter sie,

Grimm und Wut und Drangsal, eine Schar Verderben bringender Engel.

50 Er ließ seinem Zorn freien Lauf / und bewahrte ihre Seele nicht vor dem Tode

und gab ihr Leben der Pest preis.

51 Er schlug alle Erstgeburt in Ägypten,

die Erstlinge ihrer Kraft in den Zelten Hams.

52 Er ließ sein Volk ausziehen wie Schafe

und führte sie wie eine Herde in der Wüste;

53 und er leitete sie sicher, / dass sie sich nicht fürchteten;

aber ihre Feinde bedeckte das Meer.

54 Er brachte sie in sein heiliges Land,

zu dem Berg, den seine Rechte erworben hat,

55 und vertrieb vor ihnen her die Völker / und verteilte ihr Land als Erbe

und ließ in ihren Zelten die Stämme Israels wohnen.

56 Aber sie versuchten Gott und trotzten dem Höchsten

und hielten seine Gebote nicht;

57 sie fielen ab und waren treulos wie ihre Väter

und versagten wie ein schlaffer Bogen;

58 sie erzürnten ihn mit ihren Höhen

und reizten ihn zum Zorn mit ihren Götzen.

59 Da Gott das hörte, entbrannte sein Grimm,

und er verwarf Israel ganz.

60 Er gab seine Wohnung in Silo dahin,

das Zelt, in dem er unter Menschen wohnte.

61 Er gab seine Macht in Gefangenschaft

und seine Herrlichkeit in die Hand des Feindes.

62 Er übergab sein Volk dem Schwert

und ergrimmte über sein Erbe.

63 Ihre junge Mannschaft fraß das Feuer,

und ihre Jungfrauen mussten ungefreit bleiben.

64 Ihre Priester fielen durchs Schwert,

und die Witwen konnten die Toten nicht beweinen.

65 Da erwachte der Herr wie aus dem Schlaf,

wie ein Starker, der vom Wein fröhlich ist,

66 und schlug seine Feinde zurück

und hängte ihnen ewige Schande an.

67 Er verwarf das Zelt Josefs

und erwählte nicht den Stamm Ephraim,

68 sondern erwählte den Stamm Juda,

den Berg Zion, den er liebt.

69 Er baute sein Heiligtum wie Himmelshöhen,

wie die Erde, die er gegründet hat für immer,

70 und erwählte seinen Knecht David

und nahm ihn von den Schafhürden;

71 von den säugenden Schafen holte er ihn,

dass er sein Volk Jakob weide und sein Erbe Israel.

72 Und er weidete sie mit aller Treue

und leitete sie mit kluger Hand.