Logo
  • Das Buch Hiob (Ijob) (Hiob 38,1-39,30)

Die Antwort Gottes (Kapitel 38,1–42,17)

Die erste Rede des Herrn aus dem Sturm

381 Und der Herr antwortete Hiob aus dem Sturm und sprach:

2 Wer ist's, der den Ratschluss verdunkelt mit Worten ohne Verstand?

3 Gürte deine Lenden wie ein Mann! Ich will dich fragen, lehre mich!

4 Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sage mir's, wenn du so klug bist!

5 Weißt du, wer ihr das Maß gesetzt hat oder wer über sie die Messschnur gezogen hat?

6 Worauf sind ihre Pfeiler eingesenkt, oder wer hat ihren Eckstein gelegt,

7 als die Morgensterne miteinander jauchzten und alle Gottessöhne jubelten?

8 Wer hat das Meer mit Toren verschlossen, als es herausbrach wie aus dem Mutterschoß,

9 als ich's mit Wolken kleidete und in Dunkel einwickelte wie in Windeln,

10 als ich ihm seine Grenze bestimmte und setzte ihm Riegel und Tore

11 und sprach: »Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hier sollen sich legen deine stolzen Wellen!«?

12 Hast du zu deiner Zeit dem Morgen geboten und der Morgenröte ihren Ort gezeigt,

13 damit sie die Enden der Erde fasste und die Frevler von ihr abgeschüttelt würden?

14 Sie wandelt sich wie Ton unter dem Siegel und färbt sich bunt wie ein Kleid.

15 Und den Frevlern wird ihr Licht genommen und der erhobene Arm zerbrochen werden.

16 Bist du zu den Quellen des Meeres gekommen und auf dem Grund der Tiefe gewandelt?

17 Haben sich dir des Todes Tore je aufgetan, oder hast du gesehen die Tore der Finsternis?

18 Hast du erkannt, wie breit die Erde ist? Sage es, wenn du das alles weißt!

19 Welches ist der Weg dahin, wo das Licht wohnt, und welches ist die Stätte der Finsternis,

20 dass du sie zu ihrem Gebiet bringen könntest und kennen die Pfade zu ihrem Hause?

21 Du weißt es ja, denn zu der Zeit wurdest du geboren, und deine Tage sind sehr viel!

22 Bist du gewesen, wo der Schnee herkommt, oder hast du gesehen, wo der Hagel herkommt,

23 die ich verwahrt habe für die Zeit der Trübsal und für den Tag des Streites und Krieges?

24 Welches ist der Weg dahin, wo das Licht sich teilt und der Ostwind hinfährt über die Erde?

25 Wer hat dem Platzregen seine Bahn gebrochen und den Weg dem Blitz und Donner,

26 dass es regnet aufs Land, wo niemand ist, in der Wüste, wo kein Mensch ist,

27 damit Einöde und Wildnis gesättigt werden und das Gras wächst?

28 Hat der Regen einen Vater? Wer hat die Tropfen des Taus gezeugt?

29 Aus wessen Schoß geht das Eis hervor, und wer hat den Reif unter dem Himmel geboren,

30 dass das Wasser sich verbirgt, als wäre es Stein, und der Wasserspiegel gefriert?

31 Kannst du die Bande des Siebengestirns zusammenbinden oder den Gürtel des Orion auflösen?

32 Kannst du die Sterne des Tierkreises aufgehen lassen zur rechten Zeit oder die Bärin samt ihren Jungen heraufführen?

33 Weißt du des Himmels Ordnungen, oder bestimmst du seine Herrschaft über die Erde?

34 Kannst du deine Stimme zu der Wolke erheben, dass dich die Menge des Wassers überströme?

35 Kannst du die Blitze aussenden, dass sie hinfahren und sprechen zu dir: »Hier sind wir«?

36 Wer hat dem Ibis Weisheit verliehen, und wer gab dem Hahn Einsicht?

37 Wer ist so weise, dass er die Wolken zählen könnte? Wer schüttet die Krüge des Himmels aus,

38 wenn der Erdboden hart wird, als sei er gegossen, und die Schollen fest aneinanderkleben?

39 Kannst du der Löwin ihren Raub zu jagen geben und die jungen Löwen sättigen,

40 wenn sie sich legen in ihren Höhlen und lauern in ihrem Versteck?

41 Wer bereitet dem Raben die Speise, wenn seine Jungen zu Gott rufen und irrefliegen, weil sie nichts zu essen haben?

391 Weißt du die Zeit, wann die Gämsen gebären, oder hast du aufgemerkt, wann die Hirschkühe kreißen?

2 Zählst du die Monde, die sie erfüllen müssen, oder weißt du die Zeit, wann sie gebären?

3 Sie kauern sich nieder, werfen ihre Jungen und werden los ihre Wehen.

4 Ihre Jungen werden stark und groß im Freien und gehen davon und kommen nicht wieder zu ihnen.

5 Wer hat dem Wildesel die Freiheit gegeben, wer hat ihm die Bande gelöst,

6 dem ich die Steppe zum Hause gegeben habe und die Salzwüste zur Wohnung?

7 Er verlacht das Lärmen der Stadt, die Schreie des Treibers hört er nicht;

8 er durchstreift die Berge, wo seine Weide ist, und sucht, wo es grün ist.

9 Meinst du, der Wildstier wird dir dienen wollen und nachts bleiben an deiner Krippe?

10 Kannst du ihm das Seil anknüpfen, um Furchen zu machen, oder wird er hinter dir in den Tälern den Pflug ziehen?

11 Kannst du dich auf ihn verlassen, weil er so stark ist, und kannst du ihn für dich arbeiten lassen?

12 Kannst du ihm trauen, dass er dein Korn einbringt und in deine Scheune sammelt?

13 Der Fittich der Straußin hebt sich fröhlich; aber ist er wie die Schwinge eines Storchs oder Falken?

14 Lässt sie doch ihre Eier auf der Erde liegen zum Ausbrüten auf dem Boden

15 und vergisst, dass ein Fuß sie zertreten und ein wildes Tier sie zerbrechen kann!

16 Sie ist so hart gegen ihre Jungen, als wären es nicht ihre; es kümmert sie nicht, dass ihre Mühe umsonst war.

17 Denn Gott hat ihr die Weisheit versagt und hat ihr keinen Verstand zugeteilt.

18 Doch wenn sie auffährt, verlacht sie Ross und Reiter.

19 Kannst du dem Ross Kräfte geben oder seinen Hals zieren mit einer Mähne?

20 Kannst du es springen lassen wie die Heuschrecken? Schrecklich ist sein prächtiges Schnauben.

21 Es stampft auf den Boden und freut sich, mit Kraft zieht es aus, den Geharnischten entgegen.

22 Es spottet der Furcht und erschrickt nicht und flieht nicht vor dem Schwert.

23 Über ihm klirrt der Köcher und glänzen Spieß und Lanze.

24 Mit Donnern und Tosen fliegt es über die Erde dahin und lässt sich nicht halten beim Schall der Trompete.

25 Sooft die Trompete erklingt, wiehert es »Hui!« und wittert den Kampf von ferne, das Rufen der Fürsten und Kriegsgeschrei.

26 Fliegt der Habicht empor dank deiner Einsicht und breitet seine Flügel aus, dem Süden zu?

27 Fliegt der Adler auf deinen Befehl so hoch und baut sein Nest in der Höhe?

28 Auf Felsen wohnt er und nächtigt auf Zacken der Felsen und steilen Klippen.

29 Von dort schaut er aus nach Beute, und seine Augen sehen sie von ferne.

30 Seine Jungen gieren nach Blut, und wo Erschlagene liegen, da ist er.