Logo
  • Die Sprüche Salomos (Proverbia) (Spr 8,1-9,18)

Einladung und Verheißung der Weisheit

81 Ruft nicht die Weisheit, und lässt nicht die Klugheit sich hören?

2 Öffentlich am Wege steht sie und an der Kreuzung der Straßen;

3 an den Toren am Ausgang der Stadt und am Eingang der Pforte ruft sie:

4 O ihr Männer, euch rufe ich und erhebe meine Stimme zu den Menschenkindern!

5 Merkt, ihr Unverständigen, auf Klugheit, und ihr Toren, nehmt Verstand an!

6 Hört, denn ich rede, was edel ist, und meine Lippen sprechen, was recht ist.

7 Denn mein Mund redet die Wahrheit, und meine Lippen hassen, was gottlos ist.

8 Alle Reden meines Mundes sind gerecht, es ist nichts Verkehrtes noch Falsches darin.

9 Sie sind alle recht für die Verständigen und richtig denen, die Erkenntnis gefunden haben.

10 Nehmt meine Zucht an lieber als Silber und achtet Erkenntnis höher als kostbares Gold.

11 Denn Weisheit ist besser als Perlen, und alles, was man wünschen mag, kann ihr nicht gleichen.

12 Ich, die Weisheit, wohne bei der Klugheit und finde Einsicht und guten Rat.

13 Die Furcht des Herrn hasst das Arge; Hoffart und Hochmut, bösem Wandel und verkehrter Rede bin ich feind.

14 Mein ist beides, Rat und Tat, ich habe Verstand und Macht.

15 Durch mich regieren die Könige und setzen die Ratsherren das Recht.

16 Durch mich herrschen die Fürsten und die Edlen richten auf Erden.

17 Ich liebe, die mich lieben, und die mich suchen, finden mich.

18 Reichtum und Ehre ist bei mir, bleibendes Gut und Gerechtigkeit.

19 Meine Frucht ist besser als Gold und feines Gold, und mein Ertrag besser als erlesenes Silber.

20 Ich wandle auf dem Wege der Gerechtigkeit, mitten auf der Straße des Rechts,

21 dass ich versorge mit Besitz, die mich lieben, und ihre Schatzkammern fülle.

Weisheit und Schöpfung

22 Der Herr hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her.

23 Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war.

24 Als die Tiefe noch nicht war, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen.

25 Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren,

26 als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens.

27 Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über der Tiefe,

28 als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe,

29 als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte,

30 da war ich beständig bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit;

31 ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.

32 So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten!

33 Hört die Zucht und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind!

34 Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore!

35 Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom Herrn.

36 Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod.

Weisheit und Torheit laden zum Mahle

91 Die Weisheit hat ihr Haus gebaut und ihre sieben Säulen behauen.

2 Sie hat ihr Vieh geschlachtet, ihren Wein gemischt und ihren Tisch bereitet

3 und sandte ihre Mägde aus, zu rufen oben auf den Höhen der Stadt:

4 »Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!«, und zum Toren spricht sie:

5 »Kommt, esst von meinem Brot und trinkt von dem Wein, den ich gemischt habe!

6 Verlasst die Torheit, so werdet ihr leben, und geht auf dem Wege der Klugheit.«

7 Wer den Spötter belehrt, der trägt Schande davon, und wer den Frevler zurechtweist, holt sich Schmach.

8 Rüge nicht den Spötter, dass er dich nicht hasse; rüge den Weisen, der wird dich lieben.

9 Gib dem Weisen, so wird er noch weiser werden; lehre den Gerechten, so wird er in der Lehre zunehmen.

10 Der Weisheit Anfang ist die Furcht des Herrn, und den Heiligen erkennen, das ist Verstand.

11 Denn durch mich werden deine Tage viel werden und die Jahre deines Lebens sich mehren.

12 Bist du weise, so bist du's dir zugut; bist du ein Spötter, so musst du's allein tragen.

13 Frau Torheit ist unbändig, trügerisch und weiß nichts.

14 Sie sitzt vor der Tür ihres Hauses auf einem Thron auf den Höhen der Stadt,

15 einzuladen alle, die vorübergehen und richtig auf ihrem Wege wandeln:

16 »Wer noch unverständig ist, der kehre hier ein!«, und zum Toren spricht sie:

17 »Gestohlenes Wasser ist süß, und heimliches Brot schmeckt fein.«

18 Er weiß aber nicht, dass dort nur die Schatten wohnen, dass ihre Gäste in der Tiefe des Todes hausen.