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  • Die Sprüche Salomos (Proverbia) (Spr 5,1-7,27)

Warnung vor der Verführerin

51 Mein Sohn, merke auf meine Weisheit; neige dein Ohr zu meiner Einsicht,

2 dass du behaltest guten Rat und dein Mund wisse Erkenntnis zu bewahren!

3 Denn die Lippen der fremden Frau sind süß wie Honigseim, und ihre Kehle ist glatter als Öl,

4 hernach aber ist sie bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert.

5 Ihre Füße laufen zum Tode hinab; ihre Schritte führen ins Totenreich,

6 so bahnt sie nicht den Weg des Lebens; haltlos sind ihre Tritte, sie erkennt es nicht.

7 So gehorcht mir nun, meine Söhne, und weicht nicht von der Rede meines Mundes.

8 Lass deine Wege ferne von ihr sein und nahe nicht zur Tür ihres Hauses,

9 dass du nicht andern gebest deine Kraft und deine Jahre einem Unbarmherzigen;

10 dass sich nicht Fremde von deinem Vermögen sättigen und, was du mühsam erworben, nicht komme in eines andern Haus,

11 und müssest hernach seufzen, wenn dir Leib und Leben vergehen,

12 und sprechen: »Ach, wie konnte ich die Zucht hassen, und wie konnte mein Herz die Warnung verschmähen,

13 dass ich nicht gehorchte der Stimme meiner Lehrer und mein Ohr nicht kehrte zu denen, die mich lehrten!

14 Ich wäre fast ganz ins Unglück gekommen inmitten der Versammlung und Gemeinde.«

15 Trinke Wasser aus deiner Zisterne und was quillt aus deinem Brunnen.

16 Deine Quellen sollen herausfließen auf die Straße und Wasserbäche auf die Gassen!

17 Habe du sie allein und kein Fremder mit dir.

18 Dein Brunnen sei gesegnet, und freue dich der Frau deiner Jugend.

19 Sie ist lieblich wie eine Gazelle und holdselig wie ein Reh. Lass dich von ihrer Anmut allezeit sättigen und ergötze dich allewege an ihrer Liebe.

20 Mein Sohn, warum willst du dich an der Fremden ergötzen und herzest eine andere?

21 Denn eines jeden Wege liegen offen vor dem Herrn, und er hat acht auf aller Menschen Gänge.

22 Den Frevler werden seine Missetaten fangen, und er wird mit den Stricken seiner Sünde gebunden.

23 Er wird sterben, weil er Zucht nicht wollte, und um seiner großen Torheit willen taumelt er.

Warnung vor Bürgschaften, vor Faulheit und Falschheit

61 Mein Sohn, hast du gebürgt für deinen Nächsten und hast du Handschlag gegeben für einen andern,

2 so bist du gebunden durch die Rede deines Mundes und gefangen in den Reden deines Mundes.

3 Deshalb tu doch dies, mein Sohn, und rette dich; denn du bist in deines Nächsten Hand: Geh hin, dränge und bestürme deinen Nächsten!

4 Lass deine Augen nicht schlafen noch deine Augenlider schlummern.

5 Errette dich wie ein Reh aus der Schlinge und wie ein Vogel aus der Hand des Fängers.

6 Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh ihre Wege an und werde weise!

7 Wenn sie auch keinen Fürsten noch Hauptmann noch Herrn hat,

8 so bereitet sie doch ihr Brot im Sommer und sammelt ihre Speise in der Ernte.

9 Wie lange liegst du, Fauler! Wann willst du aufstehen von deinem Schlaf?

10 Ja, schlafe noch ein wenig, schlummre ein wenig, schlage die Hände ineinander ein wenig, dass du schläfst,

11 so wird dich die Armut übereilen wie ein Räuber und der Mangel wie ein gewappneter Mann.

12 Ein heilloser Mensch, ein nichtswürdiger Mann, wer einhergeht mit trügerischem Munde,

13 wer winkt mit den Augen, gibt Zeichen mit den Füßen, zeigt mit den Fingern,

14 trachtet nach Bösem und Verkehrtem in seinem Herzen und richtet allezeit Streit an.

15 Darum wird plötzlich sein Verderben über ihn kommen, und er wird schnell zerschmettert werden, und keine Hilfe ist da.

16 Diese sechs Dinge hasst der Herr, diese sieben sind ihm ein Gräuel:

17 stolze Augen, falsche Zunge, Hände, die unschuldiges Blut vergießen,

18 ein Herz, das arge Ränke schmiedet, eilige Füße, die zum Bösen laufen,

19 ein falscher Zeuge, der frech Lügen redet, und wer Streit zwischen Brüdern anrichtet.

Warnung vor Ehebruch

20 Mein Sohn, bewahre das Gebot deines Vaters und lass nicht fahren die Weisung deiner Mutter.

21 Binde sie dir aufs Herz allezeit und hänge sie um deinen Hals,

22 dass sie dich geleiten, wenn du gehst; dass sie dich bewachen, wenn du dich legst; dass sie zu dir sprechen, wenn du aufwachst.

23 Denn das Gebot ist eine Leuchte und die Weisung ein Licht, und die Vermahnung ist der Weg des Lebens,

24 auf dass du bewahrt werdest vor der bösen Frau, vor der glatten Zunge der Fremden.

25 Lass dich nach ihrer Schönheit nicht gelüsten in deinem Herzen, und lass dich nicht fangen durch ihre Augenlider.

26 Denn eine Hure bringt einen nur ums Brot, aber eines andern Ehefrau um das kostbare Leben.

27 Kann auch jemand ein Feuer unterm Gewand tragen, ohne dass seine Kleider brennen?

28 Oder könnte jemand auf Kohlen gehen, ohne dass seine Füße verbrannt würden?

29 So geht es dem, der zu seines Nächsten Frau geht; es bleibt keiner ungestraft, der sie berührt.

30 Es ist für einen Dieb nicht so schmachvoll, wenn er stiehlt, um seine Gier zu stillen, weil ihn hungert;

31 wenn er ergriffen wird, ersetzt er's siebenfach und gibt her alles Gut seines Hauses.

32 Aber wer mit einer Frau die Ehe bricht, dem fehlt der Verstand. Wer sein Leben ins Verderben bringen will, der tut das.

33 Schläge und Schande treffen ihn, und seine Schmach ist nicht zu tilgen.

34 Denn Eifersucht erweckt den Grimm des Mannes, und er schont nicht am Tage der Rache

35 und achtet kein Sühnegeld und nimmt nichts an, wenn du auch viel schenken wolltest.

71 Mein Sohn, behalte meine Rede und verwahre meine Gebote bei dir.

2 Behalte meine Gebote, so wirst du leben, und hüte meine Weisung wie deinen Augapfel.

3 Binde sie an deine Finger, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens.

4 Sprich zur Weisheit: Du bist meine Schwester, und nenne die Klugheit deine Freundin,

5 dass sie dich behüte vor der fremden Frau, vor der Fremden, die glatte Worte gibt.

6 Denn am Fenster meines Hauses guckte ich durchs Gitter

7 und sah einen unter den Unverständigen und erblickte unter den jungen Leuten einen Jüngling ohne Verstand.

8 Der ging über die Gasse zu ihrer Ecke und schritt daher auf dem Wege zu ihrem Hause

9 in der Dämmerung, am Abend des Tages, als es Nacht wurde und dunkel war.

10 Und siehe, da begegnete ihm eine Frau im Hurengewand, listig,

11 wild und unbändig, dass ihre Füße nicht in ihrem Hause bleiben können.

12 Jetzt ist sie draußen, jetzt auf der Gasse und lauert an allen Ecken.

13 Und sie erwischt ihn und küsst ihn, wird dreist und spricht:

14 »Ich hatte Dankopfer zu bringen, heute habe ich meine Gelübde erfüllt.

15 Darum bin ich ausgegangen, dir entgegen, um nach dir zu suchen, und habe dich gefunden.

16 Ich habe mein Bett schön geschmückt mit bunten Decken aus Ägypten.

17 Ich habe mein Lager mit Myrrhe besprengt, mit Aloe und Zimt.

18 Komm, wir wollen uns satt trinken an der Liebe bis zum Morgen, lass uns die Liebe genießen.

19 Denn der Mann ist nicht daheim, er ist auf eine weite Reise gegangen.

20 Er hat den Geldbeutel mit sich genommen; er wird erst zum Vollmond wieder heimkommen.«

21 Sie überredet ihn mit vielen Worten und gewinnt ihn mit ihrem glatten Munde.

22 Er folgt ihr alsbald nach, wie ein Stier zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Hirsch, der ins Netz rennt,

23 bis ihm der Pfeil die Leber spaltet; wie ein Vogel zur Schlinge eilt und weiß nicht, dass es das Leben gilt.

24 So hört nun auf mich, meine Söhne, und merkt auf die Rede meines Mundes.

25 Lass dein Herz nicht abweichen auf ihren Weg und irre nicht ab auf ihre Bahn.

26 Denn zahlreich sind die Erschlagenen, die sie gefällt hat, und viele sind, die sie getötet hat.

27 Ihr Haus ist der Weg ins Totenreich, da man hinunterfährt in des Todes Kammern.