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  • Der Psalter (Ps 10,1-11)

Klage und Zuversicht beim Übermut der Frevler

101 Herr, warum stehst du so ferne,

verbirgst dich zur Zeit der Not?

2 Weil der Frevler Übermut treibt, müssen die Elenden leiden;

sie werden gefangen in den Ränken, die er ersann.

3 Denn der Frevler rühmt sich seines Mutwillens,

und der Habgierige sagt dem Herrn ab und lästert ihn.

4 Der Frevler meint in seinem Stolz, Gott frage nicht danach.

»Es ist kein Gott«, sind alle seine Gedanken.

5 Er fährt fort in seinem Tun immerdar. / Deine Gerichte sind ferne von ihm,

er handelt gewaltsam an allen seinen Feinden.

6 Er spricht in seinem Herzen: »Ich werde nimmermehr wanken,

es wird für und für keine Not haben.«

7 Sein Mund ist voll Fluchens, voll Lug und Trug;

seine Zunge richtet Mühsal und Unheil an.

8 Er sitzt und lauert in den Höfen, / er mordet die Unschuldigen heimlich,

seine Augen spähen nach den Armen.

9 Er lauert im Verborgenen wie ein Löwe im Dickicht, / er lauert, dass er den Elenden fange;

er fängt ihn und zieht ihn in sein Netz.

10 Er duckt sich, kauert nieder,

und durch seine Gewalt fallen die Schwachen.

11 Er spricht in seinem Herzen: »Gott hat's vergessen,

er hat sein Antlitz verborgen, er wird's nimmermehr sehen.«