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  • Das Buch Hiob (Ijob) (Hiob 40,1-42,17)

Hiobs erste Antwort an den Herrn

401 Und der Herr antwortete Hiob und sprach:

2 Wer da meint, alles besser zu wissen, sollte der mit dem Allmächtigen rechten? Wer Gott zurechtweist, der antworte!

3 Hiob aber antwortete dem Herrn und sprach:

4 Siehe, ich bin zu gering, was soll ich dir antworten? Ich will meine Hand auf meinen Mund legen.

5 Einmal hab ich geredet und will nicht mehr antworten, ein zweites Mal geredet und will's nicht wieder tun.

Zweite Rede des Herrn aus dem Sturm

6 Und der Herr antwortete Hiob aus dem Sturm und sprach:

7 Gürte wie ein Mann deine Lenden! Ich will dich fragen; lehre mich!

8 Willst du mein Urteil zunichtemachen und mich schuldig sprechen, dass du recht behältst?

9 Hast du einen Arm wie Gott, und kannst du mit gleicher Stimme donnern wie er?

10 Schmücke dich mit Pracht und Hoheit; zieh Glanz und Herrlichkeit an!

11 Streu aus den Zorn deines Grimmes; schau an alle Hochmütigen und demütige sie!

12 Ja, schau alle Hochmütigen an und demütige sie und zertritt die Frevler, wo sie sind!

13 Verscharre sie miteinander in der Erde, und versenke sie ins Verborgene,

14 so will auch ich dich preisen, dass dir deine rechte Hand helfen kann.

15 Siehe da den Behemot, den ich geschaffen habe wie auch dich! Er frisst Gras wie ein Rind.

16 Siehe, welch eine Kraft ist in seinen Lenden und welch eine Stärke in den Muskeln seines Bauchs!

17 Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder; die Sehnen seiner Schenkel sind dicht geflochten.

18 Seine Knochen sind wie eherne Röhren, seine Gebeine wie eiserne Stäbe.

19 Er ist das erste der Werke Gottes; der ihn gemacht hat, gab ihm sein Schwert.

20 Denn die Berge bringen ihm Tribut, und alle wilden Tiere spielen dort.

21 Er liegt unter Lotosbüschen, im Rohr und im Schlamm verborgen.

22 Lotosbüsche bedecken ihn mit Schatten, und die Bachweiden umgeben ihn.

23 Siehe, der Strom schwillt gewaltig an: er dünkt sich sicher, auch wenn ihm der Jordan ins Maul dringt.

24 Kann man ihn fangen Auge in Auge und ihm einen Strick durch seine Nase ziehen?

25 Kannst du den Leviatan am Haken ziehen und sein Maul mit einem Strick niederhalten?

26 Kannst du ihm ein Binsenseil an die Nase legen und mit einem Haken ihm die Backen durchbohren?

27 Meinst du, er wird dich lang um Gnade bitten oder dir süße Worte geben?

28 Meinst du, er wird einen Bund mit dir schließen, dass du ihn für immer zum Knecht bekommst?

29 Kannst du mit ihm spielen wie mit einem Vogel oder ihn für deine Mädchen anbinden?

30 Meinst du, die Zunftgenossen werden um ihn feilschen und die Händler ihn verteilen?

31 Kannst du mit Spießen spicken seine Haut und mit Fischerhaken seinen Kopf?

32 Lege deine Hand an ihn! An diesen Kampf wirst du denken und es nicht wieder tun!

411 Siehe, jede Hoffnung wird an ihm zuschanden; schon wenn einer ihn sieht, stürzt er zu Boden.

2 Niemand ist so kühn, dass er ihn zu reizen wagt. – Wer ist denn, der vor mir bestehen könnte?

3 Wer kann mir entgegentreten und ich lasse ihn unversehrt? Alles unter dem Himmel ist mein!

4 Ich will nicht schweigen von seinen Gliedern, wie groß, wie mächtig und wohlgeschaffen er ist.

5 Wer kann ihm den Panzer ausziehen, und wer darf es wagen, ihm zwischen die Zähne zu greifen?

6 Wer kann die Tore seines Rachens auftun? Um seine Zähne herum herrscht Schrecken.

7 Sein Rücken ist eine Reihe von Schilden, wie mit festem Siegel verschlossen.

8 Einer reiht sich an den andern, dass nicht ein Lufthauch hindurchgeht.

9 Es haftet einer am andern, sie schließen sich zusammen und lassen sich nicht trennen.

10 Sein Niesen lässt Licht aufleuchten; seine Augen sind wie die Wimpern der Morgenröte.

11 Aus seinem Rachen fahren Fackeln, und feurige Funken schießen heraus.

12 Aus seinen Nüstern fährt Rauch wie von einem siedenden Kessel und Binsenfeuer.

13 Sein Odem ist wie lichte Lohe, und aus seinem Rachen schlagen Flammen.

14 Auf seinem Nacken nächtigt die Stärke, und vor ihm her tanzt die Angst.

15 Die Wampen seines Fleisches haften an ihm, fest angegossen, ohne sich zu bewegen.

16 Sein Herz ist so hart wie ein Stein und so fest wie der untere Mühlstein.

17 Wenn er sich erhebt, so entsetzen sich die Starken, und wenn er hervorbricht, weichen sie zurück.

18 Trifft man ihn mit dem Schwert, so richtet es nichts aus, auch nicht Spieß, Geschoss und Speer.

19 Er achtet Eisen wie Stroh und Erz wie faules Holz.

20 Kein Pfeil wird ihn verjagen; die Schleudersteine sind ihm wie Spreu.

21 Die Keule achtet er wie Stoppeln; er spottet der bebenden Lanze.

22 Unter seinem Bauch sind scharfe Spitzen; er fährt wie ein Dreschschlitten über den Schlamm.

23 Er macht, dass die Tiefe brodelt wie ein Topf, und rührt das Meer um, wie man Salbe mischt.

24 Er lässt hinter sich eine leuchtende Bahn; man denkt, die Flut sei Silberhaar.

25 Auf Erden ist nicht seinesgleichen; er ist ein Geschöpf ohne Furcht.

26 Er sieht allem ins Auge, was hoch ist; er ist König über alle Stolzen.

Hiobs letzte Antwort an den Herrn

421 Und Hiob antwortete dem Herrn und sprach:

2 Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer.

3 »Wer ist der, der den Ratschluss verhüllt mit Worten ohne Verstand?« Darum hab ich ohne Einsicht geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe.

4 »So höre nun, lass mich reden; ich will dich fragen, lehre mich!«

5 Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.

6 Darum gebe ich auf und bereue in Staub und Asche.

Gott rechtfertigt Hiob

7 Als nun der Herr diese Worte mit Hiob geredet hatte, sprach er zu Elifas von Teman: Mein Zorn ist entbrannt über dich und über deine beiden Freunde; denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob.

8 So nehmt euch nun sieben junge Stiere und sieben Widder und geht hin zu meinem Knecht Hiob und opfert Brandopfer für euch; aber mein Knecht Hiob soll für euch bitten; denn ihn will ich erhören, dass ich euch nichts Schlimmes antue. Denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob.

9 Da gingen hin Elifas von Teman, Bildad von Schuach und Zofar von Naama und taten, wie der Herr ihnen gesagt hatte. Und der Herr erhörte Hiob.

10 Und der Herr wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde bat. Und der Herr gab Hiob doppelt so viel, wie er gehabt hatte.

11 Und es kamen zu ihm alle seine Brüder und alle seine Schwestern und alle, die ihn früher gekannt hatten, und aßen mit ihm in seinem Hause und sprachen ihm zu und trösteten ihn über alles Unglück, das der Herr über ihn hatte kommen lassen. Und ein jeder gab ihm ein Goldstück und einen goldenen Ring.

12 Und der Herr segnete Hiob fortan mehr als zuvor, er besaß vierzehntausend Schafe und sechstausend Kamele und tausend Joch Rinder und tausend Eselinnen.

13 Und er bekam sieben Söhne und drei Töchter

14 und nannte die erste Jemima, die zweite Kezia und die dritte Keren-Happuch.

15 Und es fanden sich so schöne Frauen wie die Töchter Hiobs im ganzen Land nicht. Und ihr Vater gab ihnen Erbteil unter ihren Brüdern.

16 Und Hiob lebte danach hundertvierzig Jahre und sah seine Kinder und Kindeskinder bis in das vierte Glied.

17 Und Hiob starb alt und lebenssatt.