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  • Das Buch Hiob (Ijob) (Hiob 35,1-37,24)

Elihus dritte Rede

351 Und Elihu hob an und sprach:

2 Hältst du das für recht, nennst du das »meine Gerechtigkeit vor Gott«,

3 dass du sprichst: »Was nützt sie mir? Was habe ich davon, dass ich nicht sündige?«

4 Ich will dir antworten ein Wort und deinen Freunden mit dir.

5 Schau gen Himmel und sieh; und schau die Wolken an hoch über dir!

6 Sündigst du, was kannst du ihm schaden? Und wenn deine Missetaten viel sind, was kannst du ihm tun?

7 Und wenn du gerecht wärst, was kannst du ihm geben oder was wird er von deinen Händen nehmen?

8 Nur einem Menschen wie dir kann deine Bosheit etwas tun und einem Menschenkind deine Gerechtigkeit.

9 Man schreit, dass viel Gewalt geschieht, und ruft um Hilfe vor dem Arm der Großen;

10 aber man fragt nicht: »Wo ist Gott, mein Schöpfer, der Lobgesänge gibt in der Nacht,

11 der uns klüger macht als die Tiere auf Erden und weiser als die Vögel unter dem Himmel?«

12 Da schreien sie über den Hochmut der Bösen, doch er erhört sie nicht.

13 Denn Gott wird Nichtiges nicht erhören, und der Allmächtige wird es nicht ansehen.

14 Nun gar, wenn du sprichst, du könntest ihn nicht sehen – der Rechtsstreit liegt ihm vor, harre nur seiner!

15 Aber nun, da sein Zorn nicht heimsucht und er sich um Frevel nicht viel kümmert,

16 sperrt Hiob seinen Mund auf zu eitlem Gerede und macht viele Worte ohne Verstand.

Elihus letzte Rede

361 Elihu hob noch einmal an und sprach:

2 Warte noch ein wenig, ich will dich lehren; denn ich habe noch mehr für Gott zu sagen.

3 Ich will mein Wissen von weit herholen und meinem Schöpfer Recht verschaffen.

4 Meine Reden sind wahrlich nicht falsch; vor dir steht einer, der es wirklich weiß.

5 Siehe, Gott ist mächtig und verwirft niemand; er ist mächtig an Kraft des Herzens.

6 Den Frevler erhält er nicht am Leben, sondern schafft dem Elenden Recht.

7 Er wendet seine Augen nicht von dem Gerechten, sondern mit Königen auf dem Thron lässt er sie sitzen immerdar, dass sie groß werden.

8 Und wenn sie gefangen liegen in Ketten und elend, gebunden mit Stricken,

9 so hält er ihnen vor, was sie getan haben, und ihre Sünden, dass sie sich überhoben haben,

10 und öffnet ihnen das Ohr zur Warnung und sagt ihnen, dass sie sich von dem Unrecht bekehren sollen.

11 Gehorchen sie und dienen ihm, so vollenden sie ihre Tage im Guten und ihre Jahre in Wonne.

12 Gehorchen sie nicht, so laufen sie in den Tod und vergehen in Unverstand.

13 Die Ruchlosen verhärten sich im Zorn. Sie flehen nicht, auch wenn er sie gefangen legt;

14 so wird ihre Seele in der Jugend sterben und ihr Leben unter den Hurern im Tempel.

15 Aber den Elenden wird er durch sein Elend erretten und ihm das Ohr öffnen durch Trübsal.

16 So reißt er auch dich aus dem Rachen der Angst in einen weiten Raum, wo keine Bedrängnis mehr ist; und deinen Tisch füllt er mit Gutem.

17 Wenn du aber richtest wie ein Frevler, so halten dich Gericht und Recht fest.

18 Sieh zu, dass nicht dein Zorn dich verlockt oder die Menge des Lösegeldes dich verleitet.

19 Wird dein Geschrei dich aus der Not bringen oder alle kräftigen Anstrengungen?

20 Sehne dich nicht nach der Nacht, die Völker wegnimmt von ihrer Stätte!

21 Hüte dich und kehre dich nicht zum Unrecht, denn Unrecht wählst du lieber als Elend!

22 Siehe, Gott ist groß in seiner Kraft; wo ist ein Lehrer, wie er ist?

23 Wer will ihm weisen seinen Weg, und wer will zu ihm sagen: »Du tust Unrecht«?

24 Denk daran, dass du sein Werk preisest, von dem die Menschen singen.

25 Denn alle Menschen sehen es, der Mensch schaut's nur von ferne.

26 Siehe, Gott ist groß und unbegreiflich; die Zahl seiner Jahre kann niemand erforschen.

27 Er zieht empor die Wassertropfen und treibt seine Wolken zusammen zum Regen,

28 dass die Wolken überfließen und Regen triefen lassen auf die Menge der Menschen.

29 Wer versteht, wie er die Wolken türmt und donnern lässt aus seinem Gezelt?

30 Siehe, er breitet sein Licht um sich und bedeckt alle Tiefen des Meeres.

31 Denn damit regiert er die Völker und gibt Speise die Fülle.

32 Er bedeckt seine Hände mit Blitzen und bietet sie auf gegen den, der ihn angreift.

33 Ihn kündet an sein Donnern, wenn er mit Zorn eifert gegen den Frevel.

371 Darüber entsetzt sich mein Herz und fährt bebend hoch.

2 O hört doch, wie sein Donner rollt und was für Gedröhn aus seinem Munde geht!

3 Er lässt ihn hinfahren unter dem ganzen Himmel und seinen Blitz über die Enden der Erde.

4 Ihm nach brüllt der Donner, und er donnert mit seinem großen Schall; und wenn sein Donner gehört wird, hält er die Blitze nicht zurück.

5 Gott donnert mit seinem Donner wunderbar und tut große Dinge, die wir nicht begreifen.

6 Er spricht zum Schnee: »Falle zur Erde!«, und zum Platzregen, so ist der Platzregen da mit Macht.

7 Aller Menschen Hand hat er versiegelt, dass die Leute erkennen, was er tun kann.

8 Die wilden Tiere gehen in die Höhle und legen sich auf ihr Lager.

9 Aus seinen Kammern kommt der Sturm und von Norden her die Kälte.

10 Vom Odem Gottes kommt Eis, und die weiten Wasser liegen erstarrt.

11 Die Wolken beschwert er mit Wasser, und durch das Gewölk bricht sein Licht.

12 Er kehrt die Wolken, wohin er will, dass sie alles tun, was er ihnen gebietet auf dem Erdkreis:

13 Zur Züchtigung für ein Land oder zum Segen lässt er sie kommen.

14 Das vernimm, Hiob, steh still und merke auf die Wunder Gottes!

15 Weißt du, wie Gott ihnen Weisung gibt und wie er das Licht aus seinen Wolken hervorbrechen lässt?

16 Weißt du, wie die Wolken schweben, die Wunder des Allwissenden?

17 Du, dem schon die Kleider heiß werden, wenn das Land still liegt unterm Südwind,

18 kannst du gleich ihm die Wolkendecke ausbreiten, die fest ist wie ein gegossener Spiegel?

19 Zeige uns, was wir ihm sagen sollen; denn wir können nichts vorbringen vor Finsternis.

20 Wenn jemand redet, muss es ihm gesagt werden? Hat je ein Mensch gesagt, er wolle vernichtet werden?

21 Eben sah man das Licht nicht, das hinter den Wolken hell leuchtet; als aber der Wind daherfuhr, da wurde es klar.

22 Von Norden kommt goldener Schein; um Gott her ist schrecklicher Glanz.

23 Den Allmächtigen erreichen wir nicht, der so groß ist an Kraft und reich an Gerechtigkeit. Das Recht beugt er nicht.

24 Darum sollen ihn die Menschen fürchten, und er sieht keinen an, wie weise sie auch sind.