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  • Das Buch Hiob (Ijob) (Hiob 32,1-34,37)

Die Reden des Elihu (Kapitel 32,1–37,24)

Elihus erste Rede

321 Da hörten die drei Männer auf, Hiob zu antworten, weil er sich für gerecht hielt.

2 Aber Elihu, der Sohn Barachels des Busiters, aus dem Geschlecht Ram, ward zornig. Er ward zornig über Hiob, weil er sich selber für gerechter hielt als Gott.

3 Auch ward er zornig über seine drei Freunde, weil sie keine Antwort fanden und doch Hiob verdammten.

4 Elihu aber hatte gewartet, bis sie mit Hiob geredet hatten, weil sie älter waren als er.

5 Als Elihu nun sah, dass die drei Männer keine Antwort mehr hatten, ward er zornig.

6 Und Elihu, der Sohn Barachels des Busiters, hob an und sprach:

Ich bin jung an Jahren, ihr aber seid alt; darum hab ich mich gescheut und gefürchtet, mein Wissen euch kundzutun.

7 Ich dachte: Lass das Alter reden, und die Menge der Jahre lass Weisheit beweisen.

8 Wahrlich, es ist der Geist im Menschen und der Odem des Allmächtigen, der sie verständig macht.

9 Die Betagten sind nicht die Weisesten, und die Alten verstehen nicht, was das Rechte ist.

10 Darum sage ich: Höre mir zu; auch ich will mein Wissen kundtun.

11 Siehe, ich habe gewartet, bis ihr geredet hattet; ich habe aufgemerkt auf eure Einsicht, bis ihr die rechten Worte treffen würdet,

12 und habe achtgehabt auf euch; aber siehe, da war keiner unter euch, der Hiob zurechtwies oder seiner Rede antwortete.

13 Sagt nur nicht: »Wir haben Weisheit gefunden; Gott muss ihn schlagen und nicht ein Mensch.«

14 Mich haben seine Worte nicht getroffen, und mit euren Reden will ich ihm nicht antworten.

15 Ach, betroffen stehen sie da und können nicht mehr antworten; sie wissen nichts mehr zu sagen.

16 Und da soll ich warten, weil sie nicht mehr reden, weil sie dastehen und nicht mehr antworten?

17 Auch ich will mein Teil antworten und will mein Wissen kundtun!

18 Denn ich bin voll von Worten, weil mich der Geist in meinem Inneren bedrängt.

19 Siehe, mein Inneres ist wie der Most, der zugestopft ist, der die neuen Schläuche zerreißt.

20 Ich muss reden, dass ich mir Luft mache, ich muss meine Lippen auftun und antworten.

21 Vor mir soll kein Ansehen der Person gelten, und ich will keinem Menschen schmeicheln.

22 Denn ich weiß nicht zu schmeicheln; sonst würde mich mein Schöpfer bald dahinraffen.

331 Höre doch, Hiob, meine Rede und merke auf alle meine Worte!

2 Siehe, ich tue meinen Mund auf, und meine Zunge redet in meinem Munde.

3 Mein Herz spricht aufrichtige Worte, und meine Lippen reden lautere Erkenntnis.

4 Der Geist Gottes hat mich gemacht, und der Odem des Allmächtigen hat mir das Leben gegeben.

5 Kannst du, so antworte mir; rüste dich gegen mich und stelle dich.

6 Siehe, vor Gott bin ich wie du, und aus Lehm bin auch ich gemacht.

7 Siehe, du brauchst vor mir nicht zu erschrecken, und mein Drängen soll nicht auf dir lasten.

8 Du hast geredet vor meinen Ohren, den Ton deiner Reden höre ich noch:

9 »Ich bin rein, ohne Missetat, unschuldig und habe keine Sünde.

10 Siehe, Gott erfindet Vorwürfe wider mich, er betrachtet mich als seinen Feind;

11 er hat meine Füße in den Block gelegt und hat acht auf alle meine Wege.«

12 Siehe, darin hast du nicht recht, muss ich dir antworten; denn Gott ist mehr als ein Mensch.

13 Warum willst du mit ihm hadern, weil er auf Menschenworte nicht Antwort gibt?

14 Denn auf eine Weise redet Gott und auf eine zweite; nur beachtet man's nicht.

15 Im Traum, im Nachtgesicht, wenn der Schlaf auf die Menschen fällt, wenn sie schlafen auf dem Bett,

16 da öffnet er das Ohr der Menschen und schreckt sie auf und warnt sie,

17 damit er den Menschen von seinem Vorhaben abwende und von ihm die Hoffart tilge

18 und bewahre seine Seele vor dem Verderben und sein Leben vor des Todes Geschoss.

19 Auch warnt er ihn durch Schmerzen auf seinem Bett und durch heftigen Kampf in seinen Gliedern,

20 dieses Leben verleidet ihm das Brot, seiner Kehle die Lieblingsspeise.

21 Sein Fleisch schwindet dahin, dass man's nicht ansehen kann, und seine Knochen stehen heraus, dass man lieber wegsieht;

22 so nähert er sich der Grube und sein Leben den Toten.

23 Kommt dann zu ihm ein Engel, ein Mittler, einer aus tausend, kundzutun dem Menschen, was für ihn recht ist,

24 so wird er ihm gnädig sein und sagen: »Erlöse ihn, dass er nicht hinunterfahre zu den Toten; denn ich habe ein Lösegeld gefunden.

25 Sein Fleisch blühe wieder wie in der Jugend, und er soll wieder jung werden.«

26 Er wird Gott bitten und der wird ihm Gnade erweisen und wird ihn sein Antlitz sehen lassen mit Freuden und wird dem Menschen seine Gerechtigkeit zurückgeben.

27 Er wird vor den Leuten lobsingen und sagen: »Ich hatte gesündigt und das Recht verkehrt, aber es ist mir nicht vergolten worden.

28 Gott hat mich erlöst, dass ich nicht hinfahre zu den Toten, sondern mein Leben das Licht sieht.«

29 Siehe, das alles tut Gott zwei- oder dreimal mit einem jeden,

30 dass er sein Leben zurückhole von den Toten und erleuchte ihn mit dem Licht der Lebendigen.

31 Merk auf, Hiob, und höre mir zu und schweige, damit ich reden kann!

32 Hast du aber etwas zu sagen, so antworte mir. Sage an, ich will dir gern recht geben!

33 Hast du aber nichts, so höre mir zu und schweige; ich will dich Weisheit lehren.

Elihus zweite Rede

341 Und Elihu hob an und sprach:

2 Höret, ihr Weisen, meine Rede, und ihr Verständigen, merkt auf mich!

3 Denn das Ohr prüft die Rede, wie der Gaumen die Speise schmeckt.

4 Lasst uns ein Urteil finden, dass wir miteinander erkennen, was gut ist.

5 Denn Hiob hat gesagt: »Ich bin gerecht, doch Gott verweigert mir mein Recht;

6 ich soll lügen, obwohl ich recht habe, und mich quält der Pfeil, der mich traf, obwohl ich doch ohne Schuld bin.«

7 Wo ist so ein Mann wie Hiob, der Hohn trinkt wie Wasser

8 und auf dem Wege geht mit den Übeltätern und wandelt mit den gottlosen Leuten?

9 Denn er hat gesagt: »Es nützt dem Menschen nichts, wenn er Gottes Wohlgefallen sucht.«

10 Darum hört mir zu, ihr weisen Männer: Es sei ferne, dass Gott sollte gottlos handeln und der Allmächtige ungerecht;

11 sondern er vergilt dem Menschen, wie er verdient hat, und trifft einen jeden nach seinem Tun.

12 Ohne Zweifel, Gott tut niemals Unrecht, und der Allmächtige beugt das Recht nicht.

13 Wer hat ihm die Erde anvertraut? Und wer hat den ganzen Erdkreis hingestellt?

14 Wenn er nur an sich dächte, seinen Geist und Odem an sich zöge,

15 so würde alles Fleisch miteinander vergehen, und der Mensch würde wieder zu Staub werden.

16 Hast du nun Verstand, so höre das und merke auf die Stimme meiner Reden!

17 Kann denn regieren, wer das Recht hasst? Oder willst du den verdammen, der gerecht und mächtig ist,

18 der zum König sagt: »Du heilloser Mann«, und zu den Fürsten: »Ihr Frevler«,

19 der nicht ansieht die Person der Fürsten und achtet den Vornehmen nicht mehr als den Armen? Denn sie sind alle seiner Hände Werk.

20 Plötzlich müssen die Leute sterben und zu Mitternacht erschrecken und vergehen; die Mächtigen werden weggenommen ohne Menschenhand.

21 Denn seine Augen sehen auf eines jeden Weg, und er schaut auf alle ihre Schritte.

22 Es gibt keine Finsternis und kein Dunkel, wo sich verbergen könnten die Übeltäter.

23 Denn es wird niemand gesagt, wann er vor Gott zum Gericht erscheinen muss.

24 Er bringt die Stolzen um, ohne sie erst zu verhören, und stellt andere an ihre Stelle;

25 denn er kennt ihre Werke und er stürzt sie des Nachts, dass sie zerschlagen werden.

26 Er urteilt sie ab wie die Frevler an einem Ort, wo viele es sehen,

27 weil sie von ihm gewichen sind und verstanden keinen seiner Wege,

28 sodass das Schreien des Armen vor ihn kommen musste und er das Schreien der Elenden hörte. –

29 Wenn er sich aber ruhig hält, wer will ihn verdammen? Und wenn er das Antlitz verbirgt, wer kann ihn schauen unter allen Völkern und Leuten? –

30 So lässt er denn nicht einen Frevler regieren, der ein Fallstrick ist für das Volk.

31 Wenn einer zu Gott sagt: »Ich habe geirrt, ich will kein Unrecht mehr tun;

32 was ich nicht sehe, das lehre du mich; hab ich unrecht gehandelt, ich will's nicht mehr tun«,

33 soll er dann nach deinem Sinn vergelten, weil du ja widerrufen hast? Denn du hast zu wählen und nicht ich, und was du erkannt, sage an!

34 Verständige Leute werden zu mir sagen und ein weiser Mann, der mir zuhört:

35 »Hiob redet mit Unverstand, und seine Worte sind nicht klug.«

36 Ja, Hiob sollte bis zum Äußersten geprüft werden, weil er Antwort gibt wie die Ruchlosen.

37 Denn zu seiner Sünde fügt er noch Frevel hinzu. Er treibt Spott unter uns und macht viele Worte wider Gott.