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  • Das Buch Hiob (Ijob) (Hiob 25,1-27,23)

Bildads letzte Rede

251 Da antwortete Bildad von Schuach und sprach:

2 Herrschaft und Schrecken ist bei ihm, der Frieden schafft in seinen Höhen.

3 Wer will seine Scharen zählen? Und über wem geht sein Licht nicht auf?

4 Und wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott? Und wie kann rein sein ein vom Weibe Geborener?

5 Siehe, auch der Mond scheint nicht hell, und die Sterne sind nicht rein vor seinen Augen –

6 wie viel weniger der Mensch, eine Made, und das Menschenkind, ein Wurm!

Hiobs dritte Antwort an Bildad

261 Hiob antwortete und sprach:

2 Wie sehr stehst du dem bei, der keine Kraft hat, hilfst du dem, der keine Stärke in den Armen hat!

3 Wie gibst du Rat dem, der keine Weisheit hat, und lehrst ihn Einsicht in Fülle!

4 Zu wem redest du? Und wessen Geist geht von dir aus?

Die Schöpfermacht Gottes

5 Die Schatten drunten erbeben, unter dem Wasser und seinen Bewohnern.

6 Das Totenreich ist aufgedeckt vor ihm, und der Abgrund hat keine Decke.

7 Er spannt den Norden aus über dem Leeren und hängt die Erde über das Nichts.

8 Er fasst das Wasser zusammen in seine Wolken, und die Wolken zerreißen darunter nicht.

9 Er verhüllt seinen Thron und breitet seine Wolken davor.

10 Er hat am Rande des Wassers eine Grenze gezogen, wo Licht und Finsternis sich scheiden.

11 Die Säulen des Himmels zittern und entsetzen sich vor seinem Schelten.

12 Durch seine Kraft hat er das Meer erregt, und durch seine Einsicht hat er Rahab zerschmettert.

13 Am Himmel wurde es schön durch seinen Wind, und seine Hand durchbohrte die flüchtige Schlange.

14 Siehe, das sind nur die Enden seiner Wege, und nur ein leises Wörtlein davon haben wir vernommen. Wer will aber den Donner seiner Macht verstehen?

Hiob beteuert seine Unschuld

271 Und Hiob fuhr fort mit seinem Spruch und sprach:

2 So wahr Gott lebt, der mir mein Recht verweigert, und der Allmächtige, der meine Seele betrübt –

3 solange noch mein Odem in mir ist und der Hauch von Gott in meiner Nase –:

4 Meine Lippen reden nichts Unrechtes, und meine Zunge sagt keinen Betrug.

5 Das sei ferne von mir, dass ich euch recht gebe; bis ich sterbe, will ich von meiner Unschuld nicht lassen.

6 An meiner Gerechtigkeit halte ich fest und lasse sie nicht; mein Gewissen beißt mich nicht wegen eines meiner Tage.

Das Ende der Frevler

7 Meinem Feind soll es gehen wie dem Frevler und dem, der sich gegen mich auflehnt, wie dem Ungerechten.

8 Denn was ist die Hoffnung des Ruchlosen, wenn Gott mit ihm ein Ende macht und sein Leben von ihm fordert?

9 Meinst du, dass Gott sein Schreien hören wird, wenn die Angst über ihn kommt?

10 Oder kann er an dem Allmächtigen seine Lust haben und Gott allezeit anrufen?

11 Ich will euch über Gottes Tun belehren, und wie der Allmächtige gesinnt ist, will ich nicht verhehlen.

12 Siehe, ihr habt es alle gesehen; warum bringt ihr dann so unnütze Dinge vor?

13 Das ist der Lohn eines Frevlers bei Gott und das Erbe der Tyrannen, das sie vom Allmächtigen bekommen:

14 Wird er viele Kinder haben, so werden sie eine Beute des Schwerts; und seine Nachkommen werden an Brot nicht satt.

15 Die ihm übrig bleiben, wird die Seuche ins Grab bringen, und seine Witwen werden nicht weinen.

16 Wenn er Geld zusammenbringt wie Staub und schafft Kleider an, wie man Lehm aufhäuft,

17 so wird er's zwar anschaffen, aber der Gerechte wird's anziehen, und dem Unschuldigen wird das Geld zuteil.

18 Er baut sein Haus wie eine Spinne und wie ein Wächter eine Hütte macht.

19 Reich legt er sich nieder, aber wird's nicht noch einmal tun können; tut er seine Augen auf, dann ist nichts mehr da.

20 Es wird ihn Schrecken überfallen wie Wasserfluten; des Nachts nimmt ihn der Sturmwind fort.

21 Der Ostwind wird ihn wegführen, dass er dahinfährt, und wird ihn von seinem Ort hinwegfegen.

22 Er wirft sich auf ihn ohne Mitleid; vor solcher Gewalt flieht er eilends.

23 Man wird über ihn mit den Händen klatschen und über ihn zischen, wo er gewesen ist.