Logo
  • Das Buch Hiob (Ijob) (Hiob 18,1-19,29)

Bildads zweite Rede

181 Da antwortete Bildad von Schuach und sprach:

2 Wie lange noch? Macht den Worten ein Ende! Kommt zur Einsicht; danach wollen wir reden!

3 Warum werden wir geachtet wie Vieh und sind so töricht in euren Augen?

4 Willst du vor Zorn bersten? Soll um deinetwillen die Erde veröden und der Fels von seiner Stätte weichen?

5 Dennoch wird das Licht der Frevler verlöschen, und der Funke seines Feuers wird nicht leuchten.

6 Das Licht wird finster werden in seiner Hütte und seine Leuchte über ihm verlöschen.

7 Seine kräftigen Schritte werden kürzer, und sein eigener Plan wird ihn fällen.

8 Denn mit seinen Füßen gerät er ins Netz, und über Fanggruben führt sein Weg.

9 Das Netz wird seine Ferse festhalten, und die Schlinge wird ihn fangen.

10 Versteckt liegt der Fallstrick am Boden und die Falle auf seinem Weg.

11 Um und um schreckt ihn jähe Angst, dass er nicht weiß, wo er hinaus soll.

12 Unheil hungert nach ihm, und Unglück steht bereit zu seinem Sturz.

13 Die Glieder seines Leibes werden verzehrt; seine Glieder wird verzehren der Erstgeborene des Todes.

14 Er wird aus seiner Hütte verjagt, auf die er vertraute, und hingetrieben zum König der Schrecken.

15 In seiner Hütte wird wohnen, was nicht zu ihm gehört; über seine Stätte wird Schwefel gestreut.

16 Unten verdorren seine Wurzeln, und oben verwelken seine Zweige.

17 Sein Andenken wird vergehen im Lande, und er wird keinen Namen haben auf der Gasse.

18 Er wird vom Licht in die Finsternis vertrieben und vom Erdboden verstoßen werden.

19 Er wird keine Kinder haben und keine Enkel unter seinem Volk; es wird ihm keiner übrig bleiben in seinen Wohnungen.

20 Die im Westen werden sich über seinen Tag entsetzen, und die im Osten wird Furcht ankommen.

21 Ja, so geht's der Wohnung des Gottlosen und so der Stätte dessen, der Gott nicht kennt.

Hiobs zweite Antwort an Bildad

191 Hiob antwortete und sprach:

2 Wie lange plagt ihr meine Seele und peinigt mich mit Worten?

3 Ihr habt mich nun zehnmal verhöhnt und schämt euch nicht, mir so zuzusetzen.

4 Habe ich wirklich geirrt, so trage ich meinen Irrtum selbst.

5 Wollt ihr euch wirklich über mich erheben und wollt mir meine Schande beweisen?

6 So merkt doch endlich, dass Gott mir unrecht getan hat und mich mit seinem Jagdnetz umgeben hat.

7 Siehe, ich schreie »Gewalt!« und werde doch nicht gehört; ich rufe, aber kein Recht ist da.

8 Er hat meinen Weg vermauert, dass ich nicht hinüberkann, und hat Finsternis auf meine Steige gelegt.

9 Er hat mir mein Ehrenkleid ausgezogen und die Krone von meinem Haupt genommen.

10 Er hat mich zerbrochen um und um, dass ich dahinfuhr, und hat meine Hoffnung ausgerissen wie einen Baum.

11 Sein Zorn ist über mich entbrannt, und er achtet mich seinen Feinden gleich.

12 Vereint kommen seine Kriegsscharen und haben ihren Weg gegen mich gebaut und sich um meine Hütte her gelagert.

13 Er hat meine Brüder von mir entfernt, und meine Verwandten sind mir fremd geworden.

14 Meine Nächsten haben sich zurückgezogen, und meine Freunde haben mich vergessen.

15 Meinen Hausgenossen und meinen Mägden gelte ich als Fremder; ich bin ein Unbekannter in ihren Augen.

16 Ich rief meinen Knecht und er antwortete mir nicht; ich musste ihn anflehen mit eigenem Munde.

17 Mein Atem ist zuwider meiner Frau, und die Söhne meiner Mutter ekelt's vor mir.

18 Selbst die Kinder geben nichts auf mich; stelle ich mich gegen sie, so geben sie mir böse Worte.

19 Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt.

20 Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon.

21 Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen!

22 Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch?

23 Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift,

24 mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen!

25 Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.

26 Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen.

27 Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

28 Wenn ihr sprecht: Wie wollen wir ihn verfolgen und eine Sache gegen ihn finden!,

29 so fürchtet euch selbst vor dem Schwert; denn das sind Missetaten, die das Schwert straft, damit ihr wisst, dass es ein Gericht gibt.