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Lutherbibel 1984

Bis 2016 war die Lutherbibel in ihrer Textfassung von 1984 der offiziell zum Gebrauch empfohlene Bibeltext der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Auch heute noch ist diese klassische deutsche Bibelübersetzung weit verbreitet und bei Bibelleserinnen und -lesern beliebt.

  • DAS BUCH JESUS SIRACH
  • Sir 38,1-15

Lob des Arztes

381 Ehre den Arzt mit gebührender Verehrung, damit du ihn hast, wenn du ihn brauchst;

2 denn der Herr hat ihn geschaffen, und die Heilung kommt von dem Höchsten, und Könige ehren ihn mit Geschenken.

3 Die Kunst des Arztes erhöht ihn und macht ihn groß bei Fürsten und Herren.

4 Der Herr lässt die Arznei aus der Erde wachsen, und ein Vernünftiger verachtet sie nicht.

5 Wurde nicht das bittere Wasser süß durch Holz, damit man seine Kraft erkennen sollte?

6 Und er hat solche Kunst den Menschen gegeben, um sich herrlich zu erweisen durch seine wunderbaren Mittel.

7 Damit heilt er und vertreibt die Schmerzen, und der Apotheker macht Arznei daraus,

8 damit Gottes Werke kein Ende nehmen und es Heilung durch ihn auf Erden gibt.

9 Mein Kind, wenn du krank bist, so missachte dies nicht; sondern bitte den Herrn, dann wird er dich gesund machen.

10 Lass ab von der Sünde und handle rechtschaffen und reinige dein Herz von aller Missetat.

11 Opfre lieblichen Geruch und feinstes Mehl zum Gedenkopfer, und gib ein fettes Opfer, als müsstest du sterben.

12 Danach lass den Arzt zu dir, denn der Herr hat ihn geschaffen; und weise ihn nicht von dir, denn du brauchst auch ihn.

13 Es kann die Stunde kommen, in der dem Kranken allein durch die Hand der Ärzte geholfen wird;

14 denn auch sie werden den Herrn bitten, dass er's ihnen gelingen lässt, damit es sich mit ihm bessert und er gesund wird und wieder für sich sorgen kann.

15 Wer vor seinem Schöpfer sündigt, der soll dem Arzt in die Hände fallen!

Von der Trauer um einen Toten

16 Mein Kind, wenn einer stirbt, so beweine ihn und klage wie einer, dem großes Leid geschehen ist, und verhülle seinen Leib, wie es ihm zukommt, und bestatte ihn mit Ehren.

17 Du sollst bitterlich weinen und von Herzen betrübt sein und Leid tragen, wie er es verdient hat,

18 etwa einen Tag oder zwei, damit man nicht schlecht von dir redet; und tröste dich auch wieder, damit du nicht allzu traurig wirst.

19 Denn vom Trauern kommt der Tod, und die Traurigkeit des Herzens schwächt die Kräfte.

20 In der Anfechtung bleibt die Traurigkeit, und ein Leben in Armut tut dem Herzen weh.

21 Lass die Traurigkeit nicht in dein Herz, sondern weise sie ab und denk ans Ende und vergiss es nicht;

22 denn es gibt kein Wiederkommen. Du hilfst ihm nicht, und dir tust du Schaden.

23 Denke daran: wie er gestorben, so musst du auch sterben. Gestern war's an mir, heute ist's an dir.

24 Weil der Tote nun seine Ruhe hat, so höre auch du auf, ihn zu beklagen, und tröste dich wieder, weil sein Geist von ihm geschieden ist.

Vom Erlernen der Weisheit

25 Wer Weisheit lernt, braucht viel Zeit, und nur wer sonst nichts zu tun hat, wird Weisheit gewinnen.

26 Wie kann der Weisheit erlernen, der den Pflug führt und stolz die Ochsen mit dem Stecken antreibt und nur mit solchen Arbeiten umgeht und mit nichts anderm als mit Ochsen zu reden weiß?

27 Er muss daran denken, wie er ackern soll, und muss spät und früh den Kühen Futter geben.

28 Ebenso geht es den Zimmerleuten und Baumeistern, die Tag und Nacht arbeiten, oder denen, die Siegel stechen und fleißig Bilder malen; die müssen daran denken, dass das Bild ähnlich wird, und früh und spät darauf bedacht sein, dass sie es vollenden.

29 Ebenso geht es dem Schmied bei seinem Amboss, der auf das Schmiedewerk achtet und vom Feuer versengt wird und sich in der Hitze des Ofens müde arbeitet.

30 Das Hämmern dröhnt ihm in die Ohren, und er sieht darauf, wie er das Werk richtig macht,

31 und muss daran denken, wie er's fertig bringt, und früh und spät darauf bedacht sein, dass es schön aussieht.

32 Ebenso geht es dem Töpfer; der muss bei seiner Arbeit sitzen und die Scheibe mit seinen Füßen drehen und muss immer um sein Werk besorgt sein und sein bestimmtes Maß an Arbeit tun.

33 Er muss mit seinen Armen aus dem Ton sein Gefäß formen und muss sich mit seinen Füßen abmühen.

34 Er muss daran denken, wie er's fein glasiert, und früh und spät den Ofen fegen.

35 Diese alle vertrauen auf ihre Hände, und jeder versteht sich auf sein Handwerk.

36 Man kann sie beim Bau der Stadt nicht entbehren,

37 sie sind weder Beisassen noch brauchen sie umherzuziehen – doch zur Beratung des Volks werden sie nicht herangezogen, und in der Gemeinde treten sie nicht hervor;

38 auf dem Stuhl des Richters sitzen sie nicht, auf Bund und Gesetz verstehen sie sich nicht; sie können Recht und Gerechtigkeit nicht lehren,

39 und weise Sprüche werden bei ihnen nicht gefunden: doch sie stützen den Bestand der Welt und denken daran, wie sie ihre Arbeit verrichten können.

Copyright Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart


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