Zürcher Bibel (ZB)
71

Verwirf mich nicht in der Zeit des Alters

711Bei dir, Herr, suche ich Zuflucht,

ich will nicht zuschanden werden auf ewig.

71,1-3
31,2-4

2In deiner Gerechtigkeit rette und befreie mich,

neige zu mir dein Ohr und hilf mir.

3Sei mir ein Fels, eine Wohnung,

zu der ich immer kommen kann.

Du hast zugesagt, mir zu helfen,

denn du bist mein Fels und meine Burg.

71,3
18,3

4Mein Gott, befreie mich aus der Hand des Frevlers,

aus der Faust des Gewalttäters und Unterdrückers.

5Denn du bist meine Hoffnung, Herr, Herr, mein Gott,

meine Zuversicht von Jugend an.

6Auf dich habe ich mich verlassen vom Mutterleib an,

vom Schoss meiner Mutter hast du mich getrennt,

dir gilt mein Lobpreis allezeit.

71,6
22,11

7Ein Zeichen bin ich für viele,

du bist meine starke Zuflucht.

8Mein Mund sei voll deines Lobes,

deines Ruhms den ganzen Tag.

9Verwirf mich nicht in der Zeit des Alters,

wenn meine Kraft schwindet, verlass mich nicht.

71,9
Jes 46,4

10Denn meine Feinde reden über mich,

und die meinem Leben auflauern, ratschlagen miteinander.

11Sie sagen: Gott hat ihn verlassen,

verfolgt und greift ihn, denn da ist keiner, der rettet.

12Gott, sei nicht fern von mir,

eile, mein Gott, mir zu Hilfe.

71,12
22,20
71,12
22,12

13In Schmach sollen enden,

die mein Leben anfeinden,

in Schimpf und Schande sich hüllen,

die mein Unglück suchen.

71,13
35,471,24

14Ich aber will allezeit harren

und mehren all deinen Ruhm.

15Mein Mund tue deine Gerechtigkeit kund,

deine Hilfe den ganzen Tag,

ich kann sie nicht ermessen.

16Dank der Grosstaten Gottes des Herrn gehe ich hin,

deine Gerechtigkeit allein will ich rühmen.

17Gott, du hast mich gelehrt von Jugend an,

bis heute verkünde ich deine Wunder.

18Auch bis ins hohe Alter,

Gott, verlass mich nicht,

damit ich der Nachwelt deine Taten verkünde,

allen, die noch kommen werden, deine Macht.

71,18
22,31!-32

19Denn hoch reicht, Gott, deine Gerechtigkeit,

der du Grosses getan hast.

Gott, wer ist dir gleich?

71,19
86,8
Jer 10,6

20Der du uns viel Angst und Not hast erfahren lassen,

du wirst uns wieder beleben,

und aus den Fluten der Unterwelt

wirst du mich wieder heraufführen.

71,20
85,7
1Sam 2,6

21Bring mich zu Ehren,

und tröstend wende dich mir zu.

22Auch ich will dich preisen mit Harfenspiel,

deine Treue, mein Gott;

ich will dir spielen auf der Leier,

Heiliger Israels.

23Jubeln sollen meine Lippen, wenn ich dir spiele,

und meine Seele, die du erlöst hast.

24Auch meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit

den ganzen Tag,

denn in Schmach und Schande sind,

die mein Unglück suchen.

71,24
35,471,13

72

Gott, gib dein Recht dem König

721Von Salomo.

Gott, gib dein Recht dem König

und deine Gerechtigkeit dem Königssohn,

2dass er dein Volk richte in Gerechtigkeit

und deine Elenden nach dem Recht.

3Die Berge mögen Frieden tragen für das Volk

und die Hügel Gerechtigkeit.

4Er schaffe Recht den Elenden des Volkes,

helfe den Armen

und zermalme die Unterdrücker.

5Er möge leben, solange die Sonne scheint72,5 Der Massoretische Text wurde korrigiert; er lautet übersetzt: «Man möge dich fürchten, solange ...»

und der Mond, Generation um Generation.

72,5
89,37-38

6Er komme herab wie Regen auf die gemähte Flur,

wie Regengüsse, die die Erde tränken.

72,6
Hos 6,3

7Es sprosse in seinen Tagen der Gerechte

und Frieden in Fülle, bis der Mond nicht mehr ist.

8Er herrsche von Meer zu Meer

und vom Strom bis an die Enden der Erde.

72,8-11
2,8
72,8
Sach 9,10

9Vor ihm müssen sich beugen die Bewohner der Wüste,

und seine Feinde sollen den Staub lecken.

72,9
Mi 7,17

10Die Könige von Tarschisch und den Inseln

müssen Geschenke bringen,

die Könige von Saba und Seba

Tribut entrichten.

72,10
45,13
68,30321Kön 10,1-13
Jes 49,23
60,5-6

11Vor ihm sollen sich niederwerfen alle Könige,

alle Nationen sollen ihm dienen.

72,11
2,10-11

12Denn er rettet den Armen, der um Hilfe schreit,

den Elenden, dem keiner hilft.

72,12
Hiob 29,12

13Er erbarmt sich des Schwachen und Armen,

das Leben der Armen rettet er.

14Aus Bedrückung und Gewalttat erlöst er ihr Leben,

und kostbar ist ihr Blut in seinen Augen.

72,14
116,15

15So möge er leben, und man gebe ihm

Gold aus Saba,

allezeit bete man für ihn

und wünsche ihm Segen den ganzen Tag.

72,15
61,7-8

16Korn in Fülle möge es geben im Land,

auf dem Gipfel der Berge rausche es,

wie der Libanon sei seine Frucht,

und seine Halme mögen blühen wie das Kraut der Erde.72,16 Der Massoretische Text wurde korrigiert; er lautet übersetzt: «..., und sie sollen hervorblühen aus der Stadt wie das Kraut ...»

17Ewig soll sein Name bestehen,

solange die Sonne scheint, sprosse sein Name.

Und in ihm sollen sich Segen wünschen,

ihn sollen glücklich preisen alle Nationen.

72,17
21,7
Gen 12,2

18Gepriesen sei der Herr, Gott, der Gott Israels,

der allein Wunder tut.

72,18-19
41,14136,3-4

19Und gepriesen sei sein herrlicher Name in Ewigkeit,

und die ganze Erde werde voll seiner Herrlichkeit.

Amen, Amen.

72,19
Jes 6,3

20Zu Ende sind die Gebete Davids, des Sohnes Isais.

73

Drittes Buch (Ps 73-89)

Nun aber bleibe ich stets bei dir

731Ein Psalm Asafs.

Lauter Güte ist Gott gegen Israel,

gegen die, die reinen Herzens sind.

73,1
Mt 5,8

2Ich aber wäre beinahe ausgeglitten mit meinen Füssen,

um ein Haar wären meine Schritte ins Wanken geraten.

3Denn ich ereiferte mich über die Prahler,

als ich sah, dass es den Frevlern gut geht.

73,3
37,1
Hiob 21,7
Jer 12,1

4Sie leiden keine Qualen bis zu ihrem Tod,

und fett ist ihr Leib.

5Von der Mühsal der Sterblichen sind sie frei,

sie werden nicht geplagt wie andere Menschen.

6Darum ist Hochmut ihr Halsgeschmeide,

Gewalttat das Gewand, das sie umhüllt.

7Sie sehen kaum aus den Augen vor Fett,

ihr Herz quillt über von bösen Plänen.

8Bösartig höhnen und reden sie,

gewalttätig reden sie von oben herab.

9Sie reissen ihr Maul auf bis an den Himmel,

und ihre Zunge hat auf Erden freien Lauf.

10Darum wendet sich sein Volk ihnen zu,

in vollen Zügen schlürfen sie Wasser.

11Sie sagen: Wie sollte Gott es wissen,

gibt es ein Wissen beim Höchsten?

12Sieh, das sind die Frevler,

immer im Glück häufen sie Reichtum.

13Ganz umsonst hielt ich mein Herz rein,

wusch ich meine Hände in Unschuld.

73,13
26,6

14Ich war geplagt jeden Tag,

Morgen für Morgen traf mich Züchtigung.

15Hätte ich gesagt: So will auch ich reden,

dann hätte ich die Generation deiner Söhne verraten.

16Da sann ich nach, es zu verstehen,

Qual war es in meinen Augen,

17bis ich zum Heiligtum Gottes kam

und achthatte auf ihr Ende.

18Du stellst sie auf schlüpfrigen Boden,

du lässt sie ins Leere fallen.

73,18
35,6

19Wie werden sie zum Entsetzen im Nu!

Sie verschwinden, nehmen ein Ende mit Schrecken.

73,19
104,35

20Wie einen Traum nach dem Erwachen, Herr,

so verachtest du, wenn du aufwachst, ihr Bild.

21Als mein Herz verbittert war

und ich stechenden Schmerz in den Nieren spürte,

22da war ich ein Narr und hatte keine Einsicht,

dumm wie ein Vieh war ich vor dir.

23Nun aber bleibe ich stets bei dir,

du hältst mich an meiner rechten Hand.

24Nach deinem Ratschluss leitest du mich,

und hernach nimmst du mich auf in Herrlichkeit.

73,24
49,16
Gen 5,24
2Kön 2,3511

25Wen hätte ich im Himmel!

Bin ich bei dir, so begehre ich nichts auf Erden.

26Mögen mein Leib und mein Herz verschmachten,

der Fels meines Herzens und mein Teil ist Gott auf ewig.

73,26
16,5

27Denn sieh, die dir fern sind, kommen um,

du vernichtest jeden, der treulos dich verlässt.

28Mein Glück aber ist es, Gott nahe zu sein;

bei Gott dem Herrn habe ich meine Zuflucht.

Alle deine Werke will ich verkünden.

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