Zürcher Bibel (ZB)
102

Aufgeschrieben für eine künftige Generation

1021Gebet eines Elenden, wenn er verzagt und vor dem Herrn seine Sorge ausschüttet.

2Herr, höre mein Gebet,

mein Schreien dringe zu dir.

3Verbirg dein Angesicht nicht vor mir

am Tag meiner Not.

Neige dein Ohr zu mir;

wenn ich rufe, erhöre mich bald.

102,3
69,18

4Denn im Rauch sind meine Tage entschwunden,

wie im Feuer glühen meine Gebeine.

5Versengt wie Kraut und verdorrt ist mein Herz,

ich vergesse gar, mein Brot zu essen.

6Vor lauter Seufzen

bin ich nur Haut und Knochen.

102,6
Hiob 19,20

7Ich gleiche der Eule in der Wüste,

bin wie das Käuzchen in den Ruinen.

8Ich liege wach und bin

wie ein Vogel, einsam auf dem Dach.

9Den ganzen Tag schmähen mich meine Feinde,

die mich zum Gespött machen, fluchen mit meinem Namen.

10Staub muss ich essen wie Brot,

und mit Tränen mische ich meinen Trank

102,10
42,4

11unter deinem Zorn und deinem Grimm,

denn du hast mich aufgehoben und mich hingeworfen.

12Meine Tage sind wie lange Schatten,

und wie Kraut muss ich verdorren.

102,12
39,7
109,23
144,4
Hiob 14,2
102,12
90,5!-6

13Du aber, Herr, thronst ewig,

und dein Name bleibt von Generation zu Generation.

102,13
9,8
102,13
135,13

14Du wirst aufstehen, dich Zions erbarmen.

Die Zeit ist da, ihm gnädig zu sein, die Stunde ist gekommen.

15Denn deine Diener lieben seine Steine,

und um seinen Schutt tragen sie Leid.

102,15
Jes 52,2

16Dann werden die Völker den Namen des Herrn fürchten

und alle Könige der Erde deine Herrlichkeit,

102,16
Jes 59,19

17wenn der Herr Zion wieder gebaut hat

und erschienen ist in seiner Herrlichkeit,

102,17
51,20
102,17
Jes 60,1

18wenn er sich zuwendet dem Gebet der Entblössten

und ihr Gebet nicht verachtet.

19Das sei aufgeschrieben für eine künftige Generation,

und ein neu geschaffenes Volk wird den Herrn preisen,

102,19
22,31!-32

20wenn der Herr von seiner heiligen Höhe herabschaut,

vom Himmel auf die Erde blickt,

102,20
11,4

21das Stöhnen der Gefangenen zu hören,

die dem Tod Geweihten zu befreien.

102,21
79,11

22Dann wird man in Zion den Namen des Herrn verkünden

und sein Lob in Jerusalem,

23wenn sich die Völker alle versammeln

und die Königreiche, um dem Herrn zu dienen.

24Auf meinem Weg hat er mir die Kraft gebrochen,

meine Tage verkürzt.

102,24-25
89,46

25Ich spreche: Mein Gott,

nimm mich nicht hinweg in der Hälfte meiner Tage,

du, dessen Jahre Generation um Generation überdauern.

26Vor Zeiten hast du die Erde gegründet,

und der Himmel ist das Werk deiner Hände.

102,26-28
Hebr 1,10-12
102,26
89,12
102,26
8,4

27Sie werden vergehen, du aber bleibst,

sie alle zerfallen wie ein Gewand.

Wie ein Kleid wechselst du sie,

und sie gehen dahin.

102,27
Jes 51,6
65,17
66,22
Lk 21,33
2Petr 3,10
Offb 21,1

28Du aber bleibst derselbe,

und deine Jahre nehmen kein Ende.

29Die Söhne deiner Diener werden wohnen bleiben,

und ihre Nachkommen werden Bestand haben vor dir.

102,29
69,37

103

Lobe den Herrn, meine Seele

1031Von David.

Lobe den Herrn, meine Seele,

und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen.

2Lobe den Herrn, meine Seele,

und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

3Der all deine Schuld vergibt

und alle deine Krankheiten heilt,

103,3
130,4

4der dein Leben aus der Grube erlöst,

der dich krönt mit Gnade und Erbarmen,

5der dich mit Gutem sättigt dein Leben lang.103,5 Der Massoretische Text wurde korrigiert; er lautet übersetzt: «der mit Gutem sättigt deinen Schmuck. ...»

Dem Adler gleich erneuert sich deine Jugend.

103,5
Jes 40,31

6Taten der Gerechtigkeit vollbringt der Herr

und Recht für alle Unterdrückten.

103,6
146,7-8

7Seine Wege hat er Mose kundgetan,

den Israeliten seine Taten.

8Barmherzig und gnädig ist der Herr,

langmütig und reich an Güte.

103,8
86,15

9Nicht für immer klagt er an,

und nicht ewig verharrt er im Zorn.

103,9
Jes 57,16
Jer 3,12

10Nicht nach unseren Sünden handelt er an uns,

und er vergilt uns nicht nach unserer Schuld.

11So hoch der Himmel über der Erde,

so mächtig ist seine Gnade über denen, die ihn fürchten.

12So fern der Aufgang ist vom Untergang,

so fern lässt er unsere Verfehlungen von uns sein.

13Wie ein Vater sich der Kinder erbarmt,

so erbarmt der Herr sich derer, die ihn fürchten.

103,13
Lk 1,50

14Denn er weiss, welch ein Gebilde wir sind,

bedenkt, dass wir Staub sind.

103,14
90,3

15Des Menschen Tage sind wie Gras,

er blüht wie eine Blume des Feldes:

103,15-16
90,5!-6

16Wenn der Wind darüber fährt, ist er dahin,

und seine Stätte weiss nicht mehr von ihm.

17Aber die Gnade des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit

über denen, die ihn fürchten,

und seine Gerechtigkeit über Kindeskindern,

103,17-18
25,10
Ex 20,6
Lk 1,50

18über denen, die seinen Bund halten

und seiner Gebote gedenken in der Tat.

19Der Herr hat im Himmel seinen Thron errichtet,

und sein Königtum herrscht über das All.

103,19
145,13

20Lobt den Herrn, ihr seine Boten,

ihr starken Helden, die ihr sein Wort vollbringt,

gehorsam seinem gebietenden Wort.

103,20-22
Ps 148

21Lobt den Herrn, all seine Heerscharen,

ihr seine Diener, die ihr seinen Willen tut.

22Lobt den Herrn, all seine Werke,

an allen Orten seiner Herrschaft.

Lobe den Herrn, meine Seele.

103,22
104,1145,10

104

Wie zahlreich sind deine Werke
104,1
Gen 1
Spr 8,22-31

1041Lobe den Herrn, meine Seele.

Herr, mein Gott, du bist so gross.

In Hoheit und Pracht bist du gekleidet,

104,1
103,22
104,35
104,1
93,1

2der du dich hüllst in Licht wie in einen Mantel,

der den Himmel ausspannt wie ein Zelt,

104,2
Gen 1,6-8
Jes 44,24

3der im Wasser seine Gemächer baut,

der Wolken zu seinem Wagen macht,

auf Flügeln des Sturms dahinfährt,

104,3
18,11

4der Winde zu seinen Boten bestellt,

zu seinen Dienern lohendes Feuer.

104,4
Hebr 1,7

5Der die Erde auf ihre Pfeiler gegründet hat,

dass sie niemals mehr wankt.

6Mit der Urflut bedecktest du sie wie mit einem Kleid,

hoch über den Bergen standen die Wasser.

104,6
Gen 1,9-10

7Vor deinem Schelten flohen sie,

vor deiner Donnerstimme wichen sie zurück.

104,7
29,3

8Sie stiegen an Bergen hinan und sanken in Täler hinab,104,8 Möglich ist auch die Übersetzung: «Berge stiegen empor, es senkten sich Täler, ...»

an den Ort, den du ihnen bestimmt hast.

9Du hast eine Grenze gesetzt, die sie nicht überschreiten;

nie dürfen sie wieder die Erde bedecken.

104,9
Hiob 26,10
38,10-11
Spr 8,29
Jer 5,22

10Quellen schickt er in die Täler,

zwischen den Bergen fliessen sie dahin.

104,10
74,15

11Sie tränken alle Tiere des Feldes,

Wildesel stillen ihren Durst.

12An ihren Ufern wohnen die Vögel des Himmels,

aus dem Gezweig erschallt ihre Stimme.

13Von seinen Gemächern aus tränkt er die Berge,

von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt.

104,13-14
147,8-9

14Gras lässt er sprossen für das Vieh

und Kraut dem Menschen zunutze,

damit er Brot hervorbringe aus der Erde

104,14
Gen 1,11-1229-30
3,17-19

15und Wein, der des Menschen Herz erfreut,

damit er das Angesicht erglänzen lasse von Öl

und Brot das Herz des Menschen stärke.

104,15
Gen 9,20

16Die Bäume des Herrn trinken sich satt,

die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat;

17dort nisten die Vögel,

der Storch hat in den Zypressen sein Haus.

18Die Gebirge gehören den Steinböcken,

die Felsen bieten den Klippschliefern Zuflucht.

19Er hat den Mond gemacht zur Bestimmung der Zeiten,

die Sonne, die ihren Untergang weiss.

104,19
74,16
Gen 1,14-19

20Du bringst Finsternis, und es wird Nacht,

in ihr regen sich alle Tiere des Waldes.

21Die Löwen brüllen nach Beute

und fordern von Gott ihren Frass.

104,21
Hiob 38,39

22Strahlt die Sonne auf, ziehen sie sich zurück

und lagern in ihren Verstecken.

104,22
Hiob 37,8
38,40

23Der Mensch geht hinaus an sein Werk,

an seine Arbeit bis zum Abend.

24Wie zahlreich sind deine Werke, Herr.

Du hast sie alle in Weisheit gemacht,

die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.

25Da ist das Meer, so gross und so weit,

darin ein Gewimmel ohne Zahl,

Tiere gross und klein.

26Schiffe ziehen dahin,

der Leviatan, den du gebildet hast,

um mit ihm zu spielen.

104,26
107,23
104,26
74,14

27Sie alle warten auf dich,

dass du ihnen Speise gibst zur rechten Zeit.

104,27-28
145,15!-16

28Gibst du ihnen, so sammeln sie ein,

tust du deine Hand auf, so werden sie satt von Gutem.

29Verbirgst du dein Angesicht, erschrecken sie,

nimmst du ihren Atem weg, kommen sie um

und werden wieder zu Staub.

104,29
30,8
104,29
146,4
Hiob 34,14-15
104,29
90,3

30Sendest du deinen Atem aus, werden sie erschaffen,

und du erneuerst das Angesicht der Erde.

104,30
Gen 2,7
Hiob 33,4

31Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn,

der Herr freue sich seiner Werke.

32Er blickt die Erde an, und sie erbebt,

er rührt die Berge an, und sie rauchen.

104,32
144,5

33Ich will dem Herrn singen mein Leben lang,

will meinem Gott spielen, solange ich bin.

104,33
146,2

34Möge mein Dichten ihm gefallen,

ich freue mich des Herrn.

104,34
19,15

35Mögen die Sünder verschwinden von der Erde

und die Frevler nicht mehr sein.

Lobe den Herrn, meine Seele.

Hallelujah.

104,35
73,19
104,35
104,1