Zürcher Bibel (ZB)
1

Buchüberschrift

11Der Ausspruch, den Habakuk, der Prophet, geschaut hat.
1,1
Nah 1,1

Die Klage des Propheten

2Wie lange, Herr, rufe ich schon um Hilfe,

du aber hörst nicht!

Ich schreie zu dir: Gewalttat!

Du aber hilfst nicht!

1,2-3
Ps 55,10-12
1,2
Hiob 19,7

3Warum lässt du mich Unrecht sehen und schaust dem Unheil zu:

Vor mir ist Unterdrückung und Gewalttat!

Und Streit ist entstanden, und es erhebt sich Zank.

4Darum wird die Weisung kraftlos,

und niemals mehr strahlt das Recht aus.

Denn der Übeltäter umstellt den Gerechten.

Darum strahlt verdrehtes Recht aus!

Die Antwort des Herrn

5Seht euch um unter den Nationen und schaut hin,

und entsetzt euch, erstarrt!

Denn in euren Tagen tut einer ein Werk,

ihr werdet es nicht glauben, wenn es euch erzählt wird.

6Denn seht, ich lasse die Kasdäer aufstehen,

die unerbittliche und ungestüme Nation,

die die Weiten der Erde durchzieht,

um Wohnstätten in Besitz zu nehmen -

sie gehören ihr nicht!

1,6
Ez 21,36
1,6
2,6

7Schrecklich und furchterregend ist sie,

von ihr strahlt ihr eigenes Recht aus und ihre Hoheit.

8Und schneller als Leoparden sind ihre Pferde

und wilder als Wölfe am Abend.

Und ihre Rosse galoppieren daher,

und ihre Rosse kommen aus der Ferne,

fliegen herbei wie ein Adler,

der in den Sturzflug geht, um zu schlagen.

1,8
Klgl 4,19
1,8
Nah 2,5
Zef 3,3

9Sie alle kommen, um Gewalt zu üben,

entschlossen ist ihr Angesicht nach vorn gerichtet,

und Gefangene hat die Nation1,9 Wörtlich: «... hat sie eingesammelt ...» eingesammelt als wären sie Sand.

10Und sie, sie macht sich lustig über Könige,

und Würdenträger sind ihr ein Gelächter.

Sie, sie lacht über jede befestigte Stadt,

hat sie doch Erde aufgeschüttet und sie eingenommen!

11Dann fährt ein Sturm daher,

und sie ist weitergezogen und wird schuldig:

Sie, deren Gott die eigene Kraft ist!

1,11
Am 6,13
Hiob 12,6
Jes 10,13
Jer 9,22

Erneute Klage des Propheten

12Bist nicht du, Herr, seit je

mein Gott, mein Heiliger?

Wir werden nicht sterben!

Herr, als Werkzeug des Gerichts hast du sie eingesetzt,

und du, Fels, hast sie zur Zurechtweisung bestimmt.

1,12
Mal 3,6
1,12
Jes 43,15
1,12
Ps 118,17
1,12
Jes 10,5-6

13Zu rein sind deine Augen, um das Böse anzusehen,

und Unheil kannst du nicht anschauen.

Warum schaust du denen zu, die treulos handeln,

schweigst, wenn ein Übeltäter den verschlingt,

der gerechter ist als er?

1,13
Dtn 23,15
1,13
Jer 12,1

14Und die Menschen hast du gemacht wie die Fische des Meeres,

wie die Kriechtiere - niemand herrscht über sie.

15Er hat sie alle am Angelhaken herausgezogen,

in seinem Schleppnetz schleppt er sie fort,

und mit seinem Fischernetz sammelt er sie ein.

Deshalb freut er sich und jubelt!

1,15
Jer 16,16

16Deshalb schlachtet er für sein Schleppnetz

und bringt Rauchopfer dar für sein Fischernetz,

denn durch sie wird sein Anteil fett

und seine Speise saftig.

17Darf er darum sein Schleppnetz leeren,

immerfort, um Nationen umzubringen, ohne Erbarmen?

2

Die Antwort des Herrn

21Auf meinem Posten will ich stehen

und auf die Befestigung mich stellen,

und ich will Ausschau halten, um zu sehen,

was er zu mir reden wird

und was ich zu antworten habe auf meine Vorhaltung.

2,1
Jes 21,6
Ez 33,7

2Und der Herr hat mir geantwortet und gesagt:

Schreibe auf, was du geschaut hast,

und schreibe es deutlich auf die Tafeln,

damit, wer es liest, keine Zeit verliert.

2,2
Jes 8,1

3Denn die Schauung gilt für die festgesetzte Zeit,

und sie spricht vom Ende2,3 Die Übersetzung «und sie spricht vom Ende» ist unsicher; manche übersetzen: «eilt auf das Ende zu». und lügt nicht!

Wenn es sich verzögert, warte darauf,

denn es wird kommen, es bleibt nicht aus!

2,3
Dan 8,19
2,3
2Petr 3,9

4Sieh, seine Seele ist dahin,

sie war nicht rechtschaffen in ihm!

Der Gerechte aber wird durch seine Treue am Leben bleiben!

2,4
Röm 1,17
Gal 3,11
Hebr 10,38
2,4
Jes 7,9

5Wie trügerisch ist der Wein!

Ein anmassender Mann, er wird nicht ans Ziel gelangen!

Er, der seinen Rachen aufgerissen hat wie das Totenreich

und der selbst wie der Tod ist und nicht satt wird

und sich alle Nationen eingesammelt

und bei sich alle Völker versammelt hat.

2,5
Spr 27,20
2,5
1,15

Wehrufe

6Werden nicht all diese einen Spruch über ihn machen

und eine Anspielung, Doppelsinniges, auf ihn?

Und man wird sagen:

Wehe dem, der anhäuft, was ihm nicht gehört! -

Wie lange noch? -

Und der sich belastet mit Pfandgeschäften!

2,6
Mi 2,4
2,6
1,6

7Werden nicht plötzlich die sich erheben, die Zinsen von dir wollen,

und die erwachen, die dich bedrängen?2,7 Im Hebräischen hört man zugleich: «Werden nicht plötzlich die sich erheben, die dich beissen, und die erwachen, die dich anbellen? ...»

Und sie werden dich ausplündern!

8Denn du selbst hast viele Nationen ausgeplündert;

ausplündern werden dich alle, die übrig geblieben sind von den Völkern,

wegen des Menschenbluts, das vergossen wurde,2,8 «das vergossen wurde» wurde in der Übersetzung ergänzt. und der Gewalttat am Land,

an der Stadt und an all ihren Bewohnern.

2,8
Jes 33,1
Ez 39,10
2,8
3,17

9Wehe dem, der aus Bosheit Gewinn schlägt für sein Haus,

um sein Nest in die Höhe zu setzen

und sich vor der Hand des Unheils zu retten.

2,9
Obd 4

10Schande für dein Haus hast du beschlossen,

da du viele Völker ausgemerzt hast:

Damit sündigst du gegen dich selbst!

11Ja, der Stein aus der Mauer schreit um Hilfe,

und der Sparren aus dem Holz gibt ihm Antwort!

12Wehe dem, der eine Stadt auf vergossenes Blut baut

und eine Siedlung auf Unrecht gründet!

2,12
Jer 22,13
Mi 3,10
2,12
Nah 3,1

13Ist es nicht so: Sieh, es kommt vom Herrn der Heerscharen,

so dass Völker sich abmühen fürs Feuer

und Völker müde werden für nichts.

14Denn die Erde wird erfüllt sein

von der Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn,

so wie Wasser den Meeresgrund bedeckt.

2,14
3,3
Jes 11,9

15Wehe dem, der seinem Nächsten zu trinken gibt,

dabei deinen Zorn beimischt und ihn dann betrunken macht,

damit er dessen2,15 Wörtlich: «... ihre Scham ...» Scham anschauen kann.

16An Schande hast du dich gesättigt statt an Ehre,

trinke auch du und zeig deine Vorhaut!

Zu dir kommt der Kelch aus der Rechten des Herrn,

und Dreck ergiesst sich auf deine Ehre!

2,16
Klgl 4,21

17Denn die Gewalttat am Libanon wird über dich kommen,

und die Vernichtung der Tiere wird dich erschrecken lassen2,17 Der Übersetzung «und ... wird dich erschrecken lassen» liegen mehrere Textzeugen zugrunde; der Massoretische Text lautet übersetzt: «und ... wird sie erschrecken lassen».

wegen des Menschenbluts, das vergossen wurde, und der Gewalttat am Land,

an der Stadt und an all ihren Bewohnern.

2,17
2,8

18Was nützt ein Bild?

Sein Bildner hat es gestaltet!

Was nützt ein gegossenes Bild und ein Lehrer?

Lüge!

Was nützt es, dass der Bildner auf sein eigenes Gebilde vertraut

und dann stumme Götzen herstellt?

2,18-19
Ps 115,4-7Jer 10,8
Sach 10,2

19Wehe dem, der zum Holz sagt: Wach auf!,

zum schweigenden Stein: Erwache!

Kann der lehren?

Sieh, es ist überzogen mit Gold und Silber,

in seinem Innern aber ist kein Atem!

2,19
Jer 2,27

20Der Herr aber ist im Tempel seiner Heiligkeit.

Stille vor ihm, ganze Erde!

2,20
Mi 1,2
2,20
Am 6,10Sach 2,17

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