Zürcher Bibel (ZB)
2

21Ich dachte mir: Versuch es doch mit der Freude und geniesse etwas Gutes! Und siehe, auch dies war nichtig.

2,1
3,12
7,4
2Vom Lachen sagte ich: töricht! Und von der Freude: Was kann sie bewirken?

3Ich dachte mir aus, meinen Leib im Wein zu baden, doch sollte mein Verstand in Weisheit die Führung behalten. Und nach der Torheit wollte ich greifen, bis ich sehen würde, was gut ist für die Menschen, was sie tun sollten unter dem Himmel, solange sie leben.

2,3
Spr 31,4
4Ich vollbrachte grosse Werke: Ich baute mir Häuser, ich pflanzte mir Weinberge.
2,4
1Kön 7,1
5Ich legte mir Gärten an und Haine und pflanzte darin Fruchtbäume jeglicher Art. 6Ich machte mir Wasserteiche, um aus ihnen den Wald zu tränken, voller spriessender Bäume. 7Ich kaufte Sklaven und Sklavinnen und besass auch im Haus geborene.2,7 Mit «im Haus geborene» sind ebenfalls Sklaven gemeint. Auch Herden, Rinder und Schafe hatte ich mehr als alle, die vor mir in Jerusalem waren.
2,7
1Kön 5,3
8Auch häufte ich mir Silber an und Gold und den Besitz von Königen und Ländern. Ich verschaffte mir Sänger und Sängerinnen und die Lust der Männer: Frauen und nochmals Frauen.
2,8
1Kön 9,28
2,8
1Kön 11,1-3
9So wurde ich grösser und reicher als jeder, der vor mir in Jerusalem war. Auch blieb mir meine Weisheit erhalten.
2,9
1,16
10Und was immer meine Augen begehrten, verwehrte ich ihnen nicht. Keine Freude versagte ich meinem Herzen. Mein Herz freute sich nach all meiner Mühe, und das war mein Teil nach all meiner Mühe. 11Doch als ich alle meine Werke ansah, die meine Hände vollbracht hatten, und alles, was ich mit Mühe und Arbeit geschaffen hatte, siehe, da war alles nichtig und ein Greifen nach Wind, und es gab keinen Gewinn unter der Sonne.
2,11
1,14

Was hat der Mensch von all seinem Mühen?

12Da ging ich daran, Weisheit, Verblendung und Torheit zu betrachten. Was bleibt dem Menschen zu tun, der nach dem König kommt? Was man schon längst getan hat!

2,12
1,17
2,12
1,9

13Und ich sah, dass die Weisheit mehr Gewinn bringt als die Torheit, wie das Licht mehr Gewinn bringt als die Dunkelheit.

2,13
7,11-12
14Der Weise hat Augen im Kopf, aber der Tor tappt im Dunkeln. Doch erkannte ich auch, dass ein und dasselbe Geschick beide treffen kann.
2,14
9,2
Ps 49,11
Hiob 9,22
15So dachte ich: Wie dem Toren kann es auch mir ergehen. Wozu bin ich denn so weise geworden? Da dachte ich, dass auch dies nichtig war.
2,15
6,8
16Denn weder an den Weisen noch an den Toren wird man sich ewig erinnern: In den Tagen, die kommen, werden alle längst vergessen sein. Ach, der Weise muss sterben genau wie der Tor!
2,16
1,11
17Da hasste ich das Leben, denn übel erschien mir alles Tun unter der Sonne: Alles war nichtig und ein Greifen nach Wind.
2,17
1,14

18Und ich hasste alles, was ich mir mühevoll erarbeitet hatte unter der Sonne, denn dem Menschen, der nach mir kommt, muss ich es hinterlassen.

2,18
2,21
19Und wer weiss, ob es ein Weiser oder ein Tor sein wird? Und doch wird er über alles verfügen, wofür ich Mühe und Weisheit aufgewandt habe unter der Sonne. Auch das ist nichtig. 20So kam ich dazu, an allem zu verzweifeln, wofür ich mich abgemüht hatte unter der Sonne. 21Denn da müht sich nun einer ab mit Weisheit und Erkenntnis und mit Geschick, und dann muss er es einem Menschen als Erbteil überlassen, der sich nicht dafür abgemüht hat. Auch das ist nichtig und ein grosses Übel.
2,21
2,18

22Was hat denn der Mensch von all seinem Mühen und Streben, davon dass er sich abmüht unter der Sonne?

2,22
1,3
23Sein Leben bringt ihm nur Leiden und seine Mühe Verdruss, und selbst bei Nacht kommt sein Herz nicht zur Ruhe. Auch das ist nichtig.
2,23
8,16
24Nichts Gutes bringt der Mensch selbst zustande: Dass er essen und trinken und sich etwas Gutes gönnen kann bei seiner Mühe, auch das kommt, so sah ich, aus Gottes Hand.
2,24
5,17
8,15
9,7
25Wer kann essen und wer muss sich sorgen, wenn nicht ich? 26Einem Menschen, der ihm gefällt, gibt er Weisheit und Einsicht und Freude. Den aber, dessen Leben verfehlt ist, lässt er sammeln und anhäufen, um es dann dem zu geben, der Gott gefällt. Auch das ist nichtig und ein Greifen nach Wind.
2,26
Spr 13,22

3

Zeit und Stunde

31Für alles gibt es eine Stunde,

und Zeit gibt es für jedes Vorhaben unter dem Himmel:

3,1
8,6

2Zeit zum Gebären

und Zeit zum Sterben,

Zeit zum Pflanzen

und Zeit zum Ausreissen des Gepflanzten,

3Zeit zum Töten

und Zeit zum Heilen,

Zeit zum Einreissen

und Zeit zum Aufbauen,

4Zeit zum Weinen

und Zeit zum Lachen,

Zeit des Klagens

und Zeit des Tanzens,

5Zeit, Steine zu werfen,

und Zeit, Steine zu sammeln,

Zeit, sich zu umarmen,

und Zeit, sich aus der Umarmung zu lösen,

3,5
1Kor 7,5

6Zeit zum Suchen

und Zeit zum Verlieren,

Zeit zum Bewahren

und Zeit zum Wegwerfen,

7Zeit zum Zerreissen

und Zeit zum Nähen,

Zeit zum Schweigen

und Zeit zum Reden,

3,7
Spr 25,11
15,23

8Zeit zum Lieben

und Zeit zum Hassen,

Zeit des Kriegs

und Zeit des Friedens.

9Welchen Gewinn hat, wer etwas tut, davon, dass er sich abmüht?

3,9
1,3

Gott hat alles schön gemacht

10Ich sah, was Gott den Menschen zu tun überlassen hat. 11Alles hat er so gemacht, dass es schön ist zu seiner Zeit. Auch die ferne Zeit hat er den Menschen ins Herz gelegt, nur dass der Mensch das Werk, das Gott gemacht hat, nicht von Anfang bis Ende begreifen kann.

3,11
Gen 1,31
3,11
8,17
11,5
12Ich erkannte, dass sie nichts Besseres zustande bringen, als sich zu freuen und Gutes zu tun im Leben.
3,12
3,22
7,14
13Und wenn irgendein Mensch bei all seiner Mühe isst und trinkt und Gutes geniesst, ist auch dies ein Geschenk Gottes.
3,13
5,18
14Ich erkannte, dass alles, was Gott schafft, endgültig ist. Nichts ist ihm hinzuzufügen, und nichts ist davon wegzunehmen. Und Gott hat es so gemacht, dass man sich vor ihm fürchtet.
3,14
1,4
Ps 33,11
3,14
Dtn 4,2
13,1
15Was einmal geschah, ist längst wieder geschehen, und was geschehen wird, ist längst schon geschehen. Gott aber sucht, was verloren ging.
3,15
1,9

Den Gerechten und den Frevler wird Gott richten

16Und weiter sah ich unter der Sonne: Zur Stätte des Rechts dringt das Unrecht vor, und zur Stätte der Gerechtigkeit das Unrecht.

3,16
4,1
5,7
17Ich sagte mir: Den Gerechten und den Frevler wird Gott richten. Denn Zeit gibt es für jegliches Vorhaben und so auch für alles, was dort geschieht.
3,17
11,9
12,14
18Ich dachte über die Menschen: Gott hob sie heraus und sah, dass sie doch nur Tiere sind. 19Das Geschick der Menschen gleicht dem Geschick der Tiere, es trifft sie dasselbe Geschick. Jene müssen sterben wie diese, beide haben denselben Lebensgeist, und nichts hat der Mensch dem Tier voraus, denn nichtig und flüchtig sind sie alle.3,19 Die Übersetzung beruht auf einer Umvokalisierung des Massoretischen Texts; dieser lautet: «Die Menschen sind vom Schicksal bestimmt, und die Tiere sind vom Schicksal bestimmt, es trifft sie dasselbe Geschick. ...»
3,19
Ps 49,1321
20Alle gehen an ein und denselben Ort, aus dem Staub sind alle entstanden, und alle kehren zurück zum Staub.
3,20
12,7
Gen 3,19
21Wer weiss denn, ob der Lebensgeist des Menschen nach oben steigt und der Lebensgeist der Tiere hinab in die Erde?3,21 Die Übersetzung beruht auf einer Umvokalisierung des Massoretischen Texts; dieser lautet: «Wer kennt den Lebensgeist des Menschen, der nach oben aufsteigt, und den Lebensgeist der Tiere, der hinabsteigt, hinab in die Erde?»
3,21
Hiob 14,10
22So sah ich, dass es nichts Besseres gibt, als dass der Mensch sich freut bei seinem Tun, denn das ist sein Teil. Wer würde ihn denn dazu bringen zu sehen, was künftig sein wird?
3,22
3,12
3,22
6,12
7,14
8,7
9,2
10,14

4

Die Tränen der Unterdrückten

41Und wiederum sah ich all die Unterdrückung, die unter der Sonne verübt wird. Und sieh: die Tränen der Unterdrückten, und sie haben keinen, der sie tröstet. Und von der Hand ihrer Unterdrücker geht Gewalt aus, und sie haben keinen, der sie tröstet.

4,1
3,16
4,1
Ps 69,21
Klgl 1,16-17
2Da pries ich die Toten, die schon gestorben sind, glücklicher als die Lebenden, die noch da sind. 3Besser als beide aber hat es, wer noch nicht da war, wer das böse Tun noch nicht gesehen hat, das unter der Sonne verübt wird.
4,3
7,1
6,3
Hiob 3,16
Jer 20,14-18

Besser eine Hand voll Ruhe als beide Hände voll Mühe

4Und ich sah, dass alle Mühe und alles geschickte Tun Neid des einen auf den anderen ist. Auch das ist nichtig und ein Greifen nach Wind.

4,4
1,13
5Der Tor legt seine Hände ineinander und verzehrt sein eigenes Fleisch.
4,5
Spr 6,9
6Besser eine Hand voll Ruhe als beide Hände voll Mühe und Greifen nach Wind.
4,6
6,4-5
Spr 15,16

Zwei haben es besser als einer allein

7Und wiederum sah ich Nichtiges unter der Sonne: 8Da ist einer allein, ohne einen anderen, hat weder einen Sohn noch einen Bruder. Und all seine Mühe hat kein Ende. Auch kann sein Auge nicht genug Reichtum sehen. Und für wen mühe ich mich ab und versage mir jeden Genuss? Auch das ist nichtig und eine leidige Mühe.

4,8
1,8
4,8
Lk 12,20
4,8
1,13
9Zwei haben es besser als einer allein, denn sie haben einen guten Lohn für ihre Mühe.
4,9
Gen 2,18
10Wenn sie fallen, kann der eine seinem Gefährten aufhelfen. Doch wehe dem, der allein ist und fällt, und keiner ist da, der ihm aufhelfen kann. 11Auch ist zweien warm, wenn sie sich schlafen legen. Doch einer allein, wie kann ihm warm werden?
4,11
1Kön 1,2
12Und wenn einer den überwältigt, der allein ist, so halten die zwei jenem stand. Und der dreifache Faden zerreisst nicht so bald.

Der König und die Armen

13Besser ein Kind, arm aber weise, als ein König, alt aber töricht, der nicht mehr die Einsicht hat, sich warnen zu lassen. 14Selbst wenn einer aus dem Gefängnis auf den Thron kam, wurden doch auch unter seiner Herrschaft Arme geboren. 15Ich sah, wie all die Lebenden, die unter der Sonne wandeln, schon auf der Seite eines nächsten Kindes standen, das an seine Stelle treten sollte. 16Wer immer sich an ihre Spitze stellte, hatte zahlloses Volk hinter sich. Doch die Späteren hatten keine Freude mehr an ihm. Denn auch das ist nichtig und ein Greifen nach Wind.

Fürchte Gott

17Gib acht auf deine Füsse, wenn du zum Hause Gottes gehst. Und tritt hinzu, um zu hören, und nicht, um ein Schlachtopfer zu stiften wie die Toren. Sie verstehen nicht, dass sie Schlechtes tun.

4,17
1Sam 15,22Ps 40,7