Lutherbibel 1984 (LU84)
3

Hoffnung des Gerechten – Hoffnungslosigkeit des Gottlosen

31Aber die Seelen der Gerechten

3,1
Joh 10,28-29
sind in Gottes Hand, und keine Qual rührt sie an. 2In den Augen der Unverständigen gelten sie als tot, und ihr Abscheiden wird für Strafe gehalten 3und ihr Weggehen von uns für Verderben; aber sie sind im Frieden. 4Denn wenn sie auch nach Meinung der Menschen viel zu leiden haben, so sind sie doch
3,4
2. Makk 7,92336
2. Kor 4,17–5,1
erfüllt von Hoffnung auf Unsterblichkeit. 5
3,5-6
Sir 2,5
1. Petr 1,6-7
Sie werden ein wenig gezüchtigt, aber viel Gutes wird ihnen widerfahren; denn Gott versucht sie und findet sie seiner wert. 6Er prüft sie wie Gold im Schmelzofen und nimmt sie an wie ein Ganzopfer.

7Und zur Zeit ihrer gnädigen Heimsuchung werden sie aufleuchten und aufsteigen wie Funken überm Stoppelfeld.

3,7
Dan 12,3
8Sie werden
3,8
1. Kor 6,2
die Heiden richten und über die Völker herrschen, und der Herr wird König sein über sie in Ewigkeit. 9Die auf ihn vertrauen, werden seine Zuverlässigkeit erfahren, und
3,9
1. Joh 4,16
die treu sind in der Liebe, werden bei ihm bleiben. Denn
3,9
Kap
Gnade und Barmherzigkeit wohnt bei seinen Heiligen, und er sucht seine Auserwählten gnädig heim.

10Aber die Gottlosen werden die Strafe empfangen, die ihnen nach ihrer Gesinnung zukommt; denn sie beachten den Gerechten nicht und weichen vom Herrn. 11Denn wer Weisheit und Zucht verachtet, ist ein unglückseliger Mensch. Ihre Hoffnung ist nichtig und ihre Mühe ist umsonst und ihr Tun ist unnütz. 12Ihre Frauen sind töricht und ihre Kinder böse. Verflucht ist, was von ihnen geboren wird.

Auch der Gerechte kann kinderlos sein

13Selig ist die Unfruchtbare, wenn sie

3,13
Hebr 13,4
unbefleckt ist und keine verbotene Ehe3,13 d. i. eine durchs Gesetz verbotene Ehe (vgl. 3. Mose 18,6-18; Esra 9,1-2). kennengelernt hat; sie wird die Frucht dafür genießen zu der Zeit, wenn die Menschen gerichtet werden. 14Selig ist auch ein
3,14
Jes 56,3-5
Entmannter, der nichts Unrechtes tut und nichts Böses gegen den Herrn erdenkt; dem wird für seine Treue eine auserlesene Gabe und ein besseres Los im Tempel des Herrn gegeben werden. 15Denn wer sich recht müht, empfängt herrliche Frucht, und aus Einsicht wächst hervor, was ohne Tadel ist.

16Aber die Kinder der Ehebrecher geraten nicht, und die Nachkommen aus gesetzwidriger Ehe werden vertilgt.

3,16
Sir 23,32-35
17Denn wenn sie auch lange leben, werden sie doch nichts gelten, und ihr Alter wird zuletzt doch ohne Ehre sein. 18Sterben sie aber bald, so haben sie nichts zu hoffen und keinen Trost am Tage des Gerichts. 19Denn die Ungerechten
3,19
Ps 73,19
nehmen ein schlimmes Ende.

4

41

4,1
Sir 16,1-3
Besser ist’s, keine Kinder zu haben, wenn man dabei in Tugend lebt; denn sie bringt ewigen Ruhm und wird bei Gott und den Menschen anerkannt. 2Ist sie da, nimmt man sie zum Vorbild; ist sie aber nicht da, so sehnt man sich nach ihr, und in der Ewigkeit zieht sie bekränzt einher; denn
4,2
1. Kor 9,24-25
sie hat im Ringen um einen herrlichen Kampfpreis gesiegt.

3Aber

4,3
Sir 41,8-9
die kinderreiche Menge der Gottlosen ist nichts nütze und weil sie aus unechten Schösslingen hervorgegangen ist, kann sie nicht tief wurzeln und keinen festen Grund gewinnen. 4Und wenn sie auch eine Zeit lang an den Zweigen grünt, so wird sie doch, weil sie auf lockerem Grund steht, vom Wind geschüttelt und vom Sturm entwurzelt. 5Die zu schwach gebliebenen Äste werden zerbrochen, und so wird ihre Frucht unbrauchbar, zu unreif zum Essen und taugt zu nichts. 6Denn die Kinder, die in gesetzwidriger Ehe geboren werden, sind Zeugen für die Schlechtigkeit ihrer Eltern im Gericht.

Der früh vollendete Gerechte

7Wenn aber der Gerechte zu frühzeitig stirbt, so ist er doch in der Ruhe.

4,7
Kap
8Denn ein ehrenvolles Alter muss nicht lange währen und wird nicht nach der Zahl der Jahre gemessen; 9Einsicht ist für die Menschen das wahre graue Haar und ein unbeflecktes Leben das rechte Greisenalter.

10

4,10-11
1. Mose 5,21-24
Sir 44,16
Der Gott wohlgefiel, wurde ihm lieb und weil er unter Sündern lebte, wurde er hinweggenommen; 11er wurde entrückt, damit nicht Schlechtigkeit seinen Sinn verkehren und Trug seine Seele verführen könnte. 12Denn böse Beispiele verderben das Gute, und die lockende Begierde verkehrt den arglosen Sinn. 13Obwohl früh vollendet, hat er doch viele Jahre erfüllt. 14Denn seine Seele gefiel dem Herrn; darum eilte sie fort von den bösen Menschen.

15Aber die Leute, die es sahen, beachteten es nicht und

4,15
Jes 57,1
nahmen’s nicht zu Herzen, dass
4,15
Kap
Gnade und Barmherzigkeit bei seinen Auserwählten wohnt und dass er seine Heiligen gnädig heimsucht. 16Es verurteilt aber der verstorbene Gerechte die lebenden Gottlosen und der Frühvollendete den Ungerechten mit seinem hohen Alter. 17Sie sehen wohl das Ende des Weisen, aber sie merken nicht, was der Herr über ihn beschlossen und wofür er ihn bewahrt hat. 18Sie sehen’s wohl und achten’s nicht.

Aber

4,18
Ps 2,4
der Herr wird sie verlachen, und sie werden sterben, und man ehrt ihren Leichnam nicht, und
4,18
Jes 14,4-21
sie werden unter den Toten ewig zum Gespött. 19Denn er wird sie zum Schweigen bringen und zu Boden stürzen und aus ihrem Grund reißen, sodass sie ganz und gar vernichtet 20und in der Qual sein werden; und
4,20
Spr 10,7
die Erinnerung an sie wird verloren gehen. Wenn ihre Sünden zusammengerechnet werden, dann werden sie verzagt daherkommen, und ihre Missetaten werden ihnen gegenübertreten und sie überführen.

5

Der Gerechte und der Gottlose im Endgericht

51Dann wird der Gerechte in großer Zuversicht dastehen vor denen, die ihn geängstigt haben und seine Mühen nicht gelten ließen. 2Wenn sie ihn dann sehen, werden sie in Furcht und Schrecken geraten und außer sich sein über seine Rettung, die sie nicht erwartet hatten;

5,2
Offb 1,7
3
5,3-7
Jes 53,3-9
sie werden voller Reue untereinander sprechen und in Herzensangst seufzen: »Das ist der, über den wir früher gelacht und gespottet haben, wir Narren! 4Wir hielten sein Leben für unsinnig und sein Ende für ehrlos. 5Wie konnte er nur zu den Söhnen Gottes gezählt werden, sodass
5,5
Kol 1,12
sein Erbteil bei den Heiligen ist?

6Dann sind also wir vom Weg der Wahrheit abgeirrt, und das Licht der Gerechtigkeit hat uns nicht geleuchtet, und die Sonne ist uns nicht aufgegangen. 7Wir sind unrechte und verderbliche Wege gegangen und haben unwegsame Wüsten durchwandert, aber den Weg des Herrn haben wir nicht erkannt.

5,7
Spr 22,5

8Was hilft uns nun der Übermut? Was bringt uns nun der

5,8
1. Tim 6,17
Reichtum samt dem Prahlen ein? 9Es ist alles dahingefahren wie ein Schatten und wie ein Gerücht, das vorübergeht, 10wie ein Schiff, das auf den Wasserwogen dahinfährt: wenn es vorüber ist, kann man seine Spur nicht mehr finden und nicht die Bahn seines Kiels in den Wellen. 11Oder wie man bei einem Vogel, der durch die Luft fliegt, keine Spur seines Weges finden kann: denn er regt sich und schlägt in die leichte Luft, peitscht und zerteilt sie mit seinen Flügeln; aber danach findet man in ihr kein Anzeichen seines Fluges mehr. 12Oder wie wenn ein Pfeil abgeschossen wird zum Ziel: die durchschnittene Luft schlägt sogleich wieder zusammen, sodass man seine Bahn nicht mehr erkennen kann.

13So haben auch wir, nachdem wir ins Leben gekommen sind und wieder ein Ende genommen haben, 14kein Zeichen der Tugend vorzuweisen; wir haben uns in unsrer Bosheit verzehrt.« 15Denn die Hoffnung des Gottlosen ist

5,15
Ps 1,4
wie Staub, vom Winde zerstreut, und wie feiner Schnee, vom Sturm getrieben, und wie Rauch, vom Winde verweht, und wie man einen vergisst, der nur einen Tag lang Gast gewesen ist.

16Aber die Gerechten werden ewig leben, und

5,16
1. Mose 15,1
der Herr ist ihr Lohn, und der Höchste sorgt für sie. 17Darum werden sie das
5,17
Mt 25,34
Reich der Herrlichkeit und eine schöne
5,17
2. Tim 4,8
Krone aus der Hand des Herrn empfangen. Denn er wird sie mit seiner Rechten beschirmen und mit seinem Arm verteidigen.

18

5,18-21
Jes 59,16-18
Eph 6,11-17
Er wird seinen Eifer nehmen als Rüstung und die Schöpfung bewaffnen zur Abwehr der Feinde. 19Er wird Gerechtigkeit anziehen als Panzer und unbestechliches Gericht sich aufsetzen als Helm. 20Er wird unüberwindliche Heiligkeit ergreifen als Schild, 21er wird seinen strengen Zorn schärfen zum Schwert; mit ihm zusammen aber
5,21
Kap
wird die Welt kämpfen gegen die Toren. 22Die Geschosse der Blitze werden gut gezielt dahinfliegen und aus den Wolken wie von einem straff gespannten Bogen ins Ziel treffen. 23Und wie aus einer Steinschleuder werden zornige
5,23
Kap
Hagelschauer herabstürzen. Die Wasser des Meeres werden toben gegen die Toren, und die Ströme werden sie wild überfluten. 24Der Geist göttlicher Kraft wird sich gegen sie erheben, und wie ein Wirbelwind wird er sie zerstreuen.