Lutherbibel 1984 (LU84)
14

141Ebenso tut der, der sich einschiffen will und durch wilde Fluten zu fahren gedenkt und ein Holz anruft, das viel morscher ist als das Schiff, auf dem er fährt. 2Denn es ist erfunden worden, um Handel zu treiben, und die Künstlerin Weisheit hat es gebaut. 3

14,3-4
Ps 107,23-32
Mt 8,26
Aber deine Vorsehung, Vater, steuert es hindurch; denn du gibst auch im Meer Wege und mitten in den Wellen sichere Fahrt 4und zeigst dadurch, wie du aus aller Not zu retten vermagst, damit man ein Schiff besteigen kann, auch ohne die Kunst des Seemanns zu verstehen.

5

14,5-6
Kap
Du willst aber, dass nicht ungenutzt bleibt, was du durch deine Weisheit geschaffen hast. Deshalb vertrauen die Menschen ihr Leben auch ganz geringem Holz an und werden auf einem Floß gerettet, wenn sie durch die Meereswellen fahren. 6Denn auch vor alters, als die hochmütigen Riesen umkamen, flüchteten die, an denen die Hoffnung der Welt hing, auf ein Floß, das deine Hand lenkte, und hinterließen so der Welt die Stammeltern für ein neues Geschlecht. 7Denn ein solches
14,7
1. Petr 2,24
Holz, das einer gerechten Sache dient, soll gesegnet sein; 8aber
14,8
5. Mose 27,15
verflucht soll das sein, was mit Händen geschnitzt ist, wie auch der, der es schnitzte; dieser, weil er’s machte, jenes, weil es Gott genannt wird, obwohl es doch vergänglich ist.

9Denn Gott sind beide gleich verhasst, der Gottlose und sein gottloses Werk; 10denn das Werk wird samt dem Meister bestraft werden. 11Darum werden auch

14,11
Jer 46,25
die Götzen der Heiden heimgesucht; denn sie sind in der Schöpfung Gottes zum Gräuel und zum Ärgernis für die Seelen der Menschen geworden und zum Fallstrick für die Füße der Unverständigen. 12Denn
14,12
Hes 16,17
Götzenbilder zu ersinnen ist der Anfang der Hurerei, und sie zu erfinden ist des Lebens Verderben.

13Von Anfang an sind sie nicht gewesen und werden auch nicht ewig bleiben; 14sondern durch eitlen Wahn der Menschen sind sie in die Welt gekommen, und darum ist ihnen auch ein schnelles Ende zugedacht. 15Denn als ein Vater über seinen Sohn, der ihm allzu früh genommen wurde, Leid und Schmerzen trug, ließ er ein Bild machen und

14,15
2. Makk 11,23
verehrte den, der längst tot war, jetzt als Gott und stiftete für die Seinen geheime Gottesdienste und Feiern. 16Danach festigte sich mit der Zeit solch gottloser Brauch und wurde wie ein Gesetz gehalten.

Auch

14,16
Dan 3,1-7
musste man Bilder verehren auf das Gebot der Tyrannen hin. 17Die Leute konnten sie nicht von Angesicht zu Angesicht ehren, weil sie zu ferne wohnten, und machten sich aus der Ferne eine Vorstellung von ihrem Aussehen und fertigten ein sichtbares Bild des Königs an, den sie ehren wollten, damit sie durch ihren Eifer dem Abwesenden schmeichelten, als ob er anwesend wäre. 18Damit er noch mehr verehrt würde, lockte der Ehrgeiz der Künstler auch die an, die ihn nicht kannten. 19Denn der, der vielleicht dem Fürsten gefallen wollte, machte das Bild durch seine Kunst so, dass es nicht nur ähnlich, sondern auch schön aussah. 20Die Menge aber, die von der Anmut des Werkes angezogen wurde, hielt jetzt den für einen Gott, der kurz zuvor nur als Mensch geehrt worden war.

21Dies wurde zu einer Gefahr für das Leben:

14,21
Jer 2,27
Wenn den Leuten etwas Schlimmes zugestoßen war oder wenn sie den Tyrannen dienen mussten, gaben sie den Steinen und dem Holz den Namen, der keinem andern gebührt.
14,21
Offb 9,20
16,9

22Sodann ließen sie sich nicht daran genügen, dass sie in der Erkenntnis Gottes irrten, sondern, obwohl sie in ihrer Unwissenheit wie im Kriege lebten, nannten sie das auch noch

14,22
Jer 6,13-15
7,9-10
Frieden. 23Denn entweder
14,23
Kap
töten sie ihre Kinder zum Opfer oder kommen zu Gottesdiensten zusammen, die sie geheim halten müssen, oder feiern wilde Gelage nach absonderlichen Satzungen 24und halten so weder ihren Wandel noch ihre Ehen rein, sondern einer tötet den andern mit List oder kränkt ihn durch Ehebruch; 25
14,25-26
Röm 1,26-32
und überall herrschen ohne Unterschied Blutvergießen, Mord, Diebstahl, Betrug, Schändung, Untreue, Streit, Meineid, Beunruhigung der Guten, 26Undank, Befleckung der Seelen, widernatürliche Unzucht, Zerrüttung der Ehen, Ehebruch und Ausschweifungen.

27Denn den namenlosen Götzen zu dienen, das ist Anfang, Ursache und Ende alles Bösen. 28Feiern sie ein Fest, so geraten sie in Raserei; weissagen sie, so ist’s lauter Lüge. Sie leben nicht recht und schwören leichtfertig falsche Eide. 29Denn weil sie an leblose Götzen glauben, fürchten sie keinen Schaden, wenn sie falsch schwören.

30Doch wird für beides gerechte Strafe über sie kommen: dafür, dass sie nicht recht von Gott denken, weil sie sich zu den Götzen halten, und dafür, dass sie unrecht und falsch schwören und Frömmigkeit verachten. 31Denn über die Bosheit der Ungerechten kommt nicht die Macht derer,

14,31
Am 8,14
bei denen sie schwören, sondern immer die Strafe, die sie mit ihrem Sündigen verdienen.

15

151Aber du, unser Gott, bist freundlich und treu und geduldig und regierst alles mit Barmherzigkeit.

15,1
2. Mose 34,6
2Wenn wir auch sündigen, gehören wir doch dir und kennen deine Macht.
15,2
1. Joh 3,6
Weil wir aber wissen, dass wir dir angehören, sündigen wir nicht. 3Denn dich kennen ist vollkommene Gerechtigkeit, und von deiner Macht wissen ist die Wurzel der Unsterblichkeit.
15,3
Joh 17,3
4Denn uns verführen nicht die arglistigen Einfälle der Menschen noch die unnütze Arbeit der Maler, nämlich eine Gestalt, die mit mancherlei Farbe beschmiert ist, 5deren Anblick die Unverständigen reizt, sodass sie Verlangen haben nach dem leblosen und toten Bild.

6Denn die es anfertigen und die danach verlangen und die es verehren, lieben das Böse und sind dessen wert, worauf sie hoffen. 7Denn auch ein Töpfer, der den weichen Ton mühevoll knetet, macht jedes Gefäß zu unserm Gebrauch. Er macht aber aus demselben Ton Gefäße, die zu sauberen Zwecken dienen, und andere zu gegenteiligen Zwecken, alle in gleicher Weise. Wozu aber jedes einzelne von den Gefäßen dann gebraucht wird, darüber entscheidet der Töpfer.

15,7
Röm 9,21
8Aber es ist ein böses Werk, wenn er aus demselben Ton einen nichtigen Gott macht, wo er doch selbst nicht lange zuvor aus Erde geschaffen worden ist und
15,8
Pred 12,7
nach kurzer Zeit wieder dahinfährt, von wo er genommen worden ist,
15,8
Lk 12,20
wenn die anvertraute Gabe der Seele zurückgefordert wird.

9Aber das macht ihm keine Sorge, dass er

15,9
Ps 39,5
davonmuss und dass er ein kurzes Leben hat, sondern er wetteifert mit den Gold- und Silberschmieden und ahmt die Erzgießer nach und hält es für eine Ehre, Trugbilder zu machen. 10Die Gedanken seines Herzens sind wie
15,10
Hiob 13,12
Jes 44,20
Asche, und seine Hoffnung ist geringer als Erde und sein Leben verächtlicher als Ton, 11weil er den nicht kennt, der ihn geschaffen und der ihm die wirkende Seele eingehaucht und den lebendigen Geist eingeblasen hat; 12er hält vielmehr unser menschliches Leben für ein
15,12
1. Kor 10,7
Spiel und unser menschliches Treiben für einen Jahrmarkt; denn er gibt vor,
15,12
Apg 19,24-26
man müsse überall Gewinn suchen, auch aus bösen Dingen. 13Solch einer weiß besser als alle andern, dass er sündigt, wenn er zerbrechliche Gefäße und Bilder aus irdischem Stoff schafft.

14Alle aber sind sie törichter und elender als ein kleines Kind – nämlich die Feinde deines Volks, die es unterdrücken –,

15,14
Ps 8,3
15da sie alle Götzenbilder der Heiden für Götter halten, die mit ihren Augen nicht sehen, mit ihren Nasen nicht Luft holen, mit ihren Ohren nicht hören, mit ihren Fingern an den Händen nicht fühlen können und deren Füße zu faul zum Gehen sind.
15,15
Ps 115,4-7
16Denn ein Mensch hat sie gemacht, und einer, dem der Geist nur geliehen ist, hat sie gebildet.
15,16

17Ein Mensch kann ja nicht einmal einen Gott machen, der wenigstens einem lebendigen Menschen gleich ist; sondern weil er sterblich ist, schafft er nur etwas Lebloses mit seinen ruchlosen Händen. Denn er selbst ist ja besser als das, was er verehrt; denn er lebt doch, jenes aber nie. 18Sie verehren sogar die feindseligsten Tiere, die, an ihrem Verstand gemessen, noch tiefer stehen als die andern.

15,18
Kap
19Auch sind sie nicht schön wie andre Tiere, sodass man an ihrem Anblick Gefallen haben könnte;
15,19
1. Mose 3,14-15
vielmehr ist ihnen das Lob und der Segen Gottes verloren gegangen.

16

Die verschiedene Behandlung der Ägypter und der Israeliten bei sechs weiteren Plagen

(Kapitel 16,1–19,21)

Plage durch Hunger – Speisung mit Wachteln

161Darum wurden die Ägypter mit Recht durch solche Tiere geplagt und durch eine Menge

16,1
Kap
Ungeziefer gequält. 2Statt solcher Plage tatest du deinem Volk Gutes und bereitetest ihm, weil es danach Verlangen trug, eine wunderbare Speise, nämlich
16,2
2. Mose 16,12-13
Wachteln, zur Nahrung; 3so sollte den Ägyptern, wenn sie nach Nahrung verlangten, wegen des scheußlichen Anblicks der
16,3
2. Mose 7,26-29
Tiere, die ihnen gesandt wurden, die natürliche Lust am Essen vergehen; die Israeliten aber, die nur kurze Zeit Mangel litten, sollten eine wunderbare Speise empfangen. 4Denn es sollte über die, die so tyrannisch handelten, ein unabwendbarer Mangel kommen; diesen aber sollte nur gezeigt werden, wie ihre Feinde gequält wurden.

Tod durch Insektenstich – Rettung vom Schlangenbiss

5

16,5-7
4. Mose 21,4-9
Joh 3,14-15
Es kamen zwar über die Israeliten auch böse, zornige Tiere, und sie wurden gebissen und vernichtet durch die sich krümmenden Schlangen. 6Doch blieb dein Zorn nicht bis zum Ende, vielmehr wurden sie nur kurze Zeit zur Warnung erschreckt und erhielten ein rettendes Zeichen, damit sie an das Gebot deines Gesetzes denken sollten. 7Denn die sich zu diesem Zeichen hinwandten, die wurden errettet, nicht durch das, was sie anschauten, sondern durch dich, den
16,7
1. Tim 4,10
Heiland aller Menschen.

8Und damit bewiesest du unsern Feinden, dass du es bist, der aus allem Unheil erlösen kann.

16,8
2. Mose 15,26
9Denn über die Ägypter kam durch
16,9
2. Mose 10,12-15
Offb 9,3
Heuschrecken und
16,9
2. Mose 8,16-20
Fliegen Tod und Verderben, und sie konnten keine Hilfe für ihr Leben finden; denn sie hatten’s verdient, von solchen Tieren geplagt zu werden. 10Aber deinen Kindern konnten auch die Zähne der giftigen Drachen nicht schaden; denn deine Barmherzigkeit trat dazwischen und machte sie gesund.
16,10
11Denn sie wurden dadurch angestachelt, an deine Worte zu denken, und wurden schnell wieder geheilt, damit sie nicht in tiefes Vergessen versinken, sondern deinen Wohltaten zugewandt bleiben sollten. 12Denn es heilte sie weder Kraut noch Pflaster, sondern
16,12
Ps 107,20
Mt 8,8
dein Wort, Herr, das alles heilt. 13Denn du
16,13
5. Mose 32,39
hast Gewalt über Leben und Tod; und
16,13
Tob 13,2
du führst hinunter zu den Pforten des Totenreichs und führst wieder herauf.

14Wenn aber ein Mensch in seiner Bosheit jemanden tötet, so kann er den entflohenen Geist nicht zurückholen und die hingeraffte Seele nicht wieder befreien.

Plage mit Unwetter – Speisung mit Manna

15Aber unmöglich ist’s, deiner Hand zu entfliehen.

16,15
Ps 139,7
16Denn die Gottlosen, die dich nicht kennen wollten, sind durch deinen mächtigen Arm gegeißelt worden, als sie durch ungewöhnliche Regengüsse, Hagelschläge und Unwetter, denen sie nicht entgehen konnten, verfolgt und vom Feuer verzehrt wurden.
16,16
2. Mose 9,22-26
17Und das war das Verwunderlichste, dass
16,17
Kap
das Feuer noch stärker im Wasser brannte, das doch sonst alles auslöscht. Denn
16,17
Kap
die Schöpfung streitet für die Gerechten. 18Zuweilen nämlich brannte die Flamme schwächer, um nicht die
16,18
2. Mose 8,11220
Tiere zu verbrennen, die gegen die Gottlosen geschickt worden waren; sie sollten ja sehen und erkennen, dass sie von Gottes Gericht so bedrängt wurden. 19Zuweilen aber brannte die Flamme im Wasser stärker als sonst, um die Früchte des ungerechten Landes zu verderben.

20Dagegen nährtest du dein Volk mit

16,20
Ps 78,25
Engelspeise, und unermüdlich gewährtest du ihnen
16,20
2. Mose 16,413-1531
Brot vom Himmel, das ihnen Genuss bereitete und jedem nach seinem Geschmack war. 21Denn deine Gabe machte offenbar, wie freundlich du zu deinen Kindern bist. Denn jedem, der davon aß, verwandelte sie sich nach seinem Verlangen in das, was er gern wollte. 22Schnee und
16,22
Kap
Eis hielten das Feuer aus und schmolzen nicht, damit man erkennen sollte, wie
16,22
2. Mose 9,24-25
die Früchte der Feinde vom Feuer vernichtet wurden, das im Hagel brannte und in den Regengüssen aufblitzte, 23und wie dasselbe Feuer seine eigne Kraft vergessen musste, damit die Gerechten sich nähren konnten.

24Denn die Schöpfung, die dir als dem Schöpfer dient, steigert ihre Kräfte, um die Ungerechten zu bestrafen, und mindert sie, um denen wohlzutun, die dir vertrauen.

16,24
Sir 39,29-32
25Darum ließ sie sich auch damals in mancherlei verwandeln und diente damit dir, der mit seinen Gaben alle nährt, nach dem Wunsch und der Bitte eines jeden, 26damit deine Kinder, die du, Herr, lieb hast, lernen, dass nicht die verschiedenen Früchte den Menschen ernähren, sondern dass dein Wort die erhält, die an dich glauben.
16,26
5. Mose 8,3

27Denn das, was vom Feuer nicht verzehrt wurde, zerschmolz,

16,27
2. Mose 16,21
sobald es von einem flüchtigen Strahl der Sonne erwärmt wurde, 28damit deutlich würde, dass man,
16,28
Ps 5,4
57,9
Mk 1,35
ehe die Sonne aufgeht, dir danken soll und vor dich treten, wenn es hell wird. 29Denn
16,29
Kap
die Hoffnung des Undankbaren wird wie Reif und Frost vergehen und wie unnützes Wasser wegfließen.