Lutherbibel 1984 (LU84)
13

Die Torheit des Götzendienstes

131Es sind von Natur alle Menschen nichtig, die von Gott nichts wissen und

13,1
Röm 1,18-21
an den sichtbaren Gütern den, der wirklich Gott ist, nicht zu erkennen vermögen und die, obwohl sie auf seine Werke achten, nicht begreifen, wer der Meister ist, 2sondern das Feuer oder den Wind oder die flüchtige Luft oder die Sterne oder mächtige Wasser oder
13,2
Hiob 31,26-28
die Lichter am Himmel für Götter halten, die die Welt regieren. 3Wenn sie aber an ihrer Schönheit sich freuten und sie darum für Götter hielten, hätten sie wissen sollen,
13,3
Sir 43,30
um wie viel herrlicher der ist, der über das alles der Herr ist. Denn der aller Schönheit Meister ist, hat das alles geschaffen. 4Wenn sie aber schon über ihre Macht und Kraft staunten, hätten sie merken sollen, um wie viel mächtiger der ist, der das alles bereitet hat. 5Denn es wird an der Größe und Schönheit der Geschöpfe ihr Schöpfer wie in einem Bild erkannt.
13,5
Ps 104,1-2

6Trotzdem sind sie nicht zu sehr zu tadeln; denn sie irren vielleicht und

13,6
Apg 17,27
suchen doch Gott und hätten ihn gern gefunden. 7Denn sie gehen zwar mit seinen Werken um und erforschen sie, aber sie lassen sich durch das, was vor Augen ist, gefangen nehmen, weil so schön ist, was man sieht. 8Doch sind sie damit nicht entschuldigt. 9Denn wenn sie so viel zu erkennen vermochten, dass sie die Welt durchdringen konnten, warum haben sie nicht viel eher den Herrn über das alles gefunden?

10

13,10-19
Ps 115,3-9
Bar 6,4-73
St zu Dan 2,4-622-26
Aber die sind unglückselig und setzen ihre Hoffnung auf tote Dinge, die Werke von Menschenhand als Götter anrufen, Gold und Silber, kunstvoll verarbeitet, und Abbilder von Tieren oder unnütze Steine, behauen in alter Zeit. 11Oder es sägt ein Holzschnitzer ein handliches Stück Holz heraus, schabt geschickt seine ganze Rinde ringsum ab, bearbeitet es kunstgerecht und macht daraus ein Gerät, das für den Gebrauch im Leben nützlich ist. 12Die Abfälle von solcher Arbeit aber verbraucht er, um Speise zu kochen und sich zu sättigen. 13Ein Stück Abfall aber, das zu nichts taugt, ein krummes, mit Ästen durchwachsenes Stück Holz nimmt er und schnitzt es mit Sorgfalt, wenn er Muße hat, und gestaltet es mit Geschick, wenn er Ruhe hat, und macht’s dem Bild eines Menschen oder einem gewöhnlichen Tier gleich. 14Er bemalt es mit roter Farbe und färbt mit Schminke seine Oberfläche rot, und wo ein Flecken daran ist, übermalt er ihn. 15Und er macht ihm ein Haus, das seiner würdig ist, und bringt es an der Wand an und befestigt es mit einem Stück Eisen. 16Er sorgt dafür, dass es nicht umfällt; denn er weiß, dass es sich selber nicht helfen kann, denn es ist ein Bild und bedarf der Hilfe.

17Aber wenn er betet für sein Hab und Gut, für seine Ehe und für seine Kinder, schämt er sich nicht, mit etwas Leblosem zu reden. 18Er ruft das Schwache um Gesundheit an, bittet das Tote um Leben, fleht zu dem Unfähigsten um Hilfe und zu dem um glückliche Reise, was nicht einmal den Fuß gebrauchen kann; 19und für sein Geschäft und sein Gewerbe und das Glück seiner Hände ruft er das um Kraft an, dessen Hände ganz kraftlos sind.

14

141Ebenso tut der, der sich einschiffen will und durch wilde Fluten zu fahren gedenkt und ein Holz anruft, das viel morscher ist als das Schiff, auf dem er fährt. 2Denn es ist erfunden worden, um Handel zu treiben, und die Künstlerin Weisheit hat es gebaut. 3

14,3-4
Ps 107,23-32
Mt 8,26
Aber deine Vorsehung, Vater, steuert es hindurch; denn du gibst auch im Meer Wege und mitten in den Wellen sichere Fahrt 4und zeigst dadurch, wie du aus aller Not zu retten vermagst, damit man ein Schiff besteigen kann, auch ohne die Kunst des Seemanns zu verstehen.

5

14,5-6
Kap
Du willst aber, dass nicht ungenutzt bleibt, was du durch deine Weisheit geschaffen hast. Deshalb vertrauen die Menschen ihr Leben auch ganz geringem Holz an und werden auf einem Floß gerettet, wenn sie durch die Meereswellen fahren. 6Denn auch vor alters, als die hochmütigen Riesen umkamen, flüchteten die, an denen die Hoffnung der Welt hing, auf ein Floß, das deine Hand lenkte, und hinterließen so der Welt die Stammeltern für ein neues Geschlecht. 7Denn ein solches
14,7
1. Petr 2,24
Holz, das einer gerechten Sache dient, soll gesegnet sein; 8aber
14,8
5. Mose 27,15
verflucht soll das sein, was mit Händen geschnitzt ist, wie auch der, der es schnitzte; dieser, weil er’s machte, jenes, weil es Gott genannt wird, obwohl es doch vergänglich ist.

9Denn Gott sind beide gleich verhasst, der Gottlose und sein gottloses Werk; 10denn das Werk wird samt dem Meister bestraft werden. 11Darum werden auch

14,11
Jer 46,25
die Götzen der Heiden heimgesucht; denn sie sind in der Schöpfung Gottes zum Gräuel und zum Ärgernis für die Seelen der Menschen geworden und zum Fallstrick für die Füße der Unverständigen. 12Denn
14,12
Hes 16,17
Götzenbilder zu ersinnen ist der Anfang der Hurerei, und sie zu erfinden ist des Lebens Verderben.

13Von Anfang an sind sie nicht gewesen und werden auch nicht ewig bleiben; 14sondern durch eitlen Wahn der Menschen sind sie in die Welt gekommen, und darum ist ihnen auch ein schnelles Ende zugedacht. 15Denn als ein Vater über seinen Sohn, der ihm allzu früh genommen wurde, Leid und Schmerzen trug, ließ er ein Bild machen und

14,15
2. Makk 11,23
verehrte den, der längst tot war, jetzt als Gott und stiftete für die Seinen geheime Gottesdienste und Feiern. 16Danach festigte sich mit der Zeit solch gottloser Brauch und wurde wie ein Gesetz gehalten.

Auch

14,16
Dan 3,1-7
musste man Bilder verehren auf das Gebot der Tyrannen hin. 17Die Leute konnten sie nicht von Angesicht zu Angesicht ehren, weil sie zu ferne wohnten, und machten sich aus der Ferne eine Vorstellung von ihrem Aussehen und fertigten ein sichtbares Bild des Königs an, den sie ehren wollten, damit sie durch ihren Eifer dem Abwesenden schmeichelten, als ob er anwesend wäre. 18Damit er noch mehr verehrt würde, lockte der Ehrgeiz der Künstler auch die an, die ihn nicht kannten. 19Denn der, der vielleicht dem Fürsten gefallen wollte, machte das Bild durch seine Kunst so, dass es nicht nur ähnlich, sondern auch schön aussah. 20Die Menge aber, die von der Anmut des Werkes angezogen wurde, hielt jetzt den für einen Gott, der kurz zuvor nur als Mensch geehrt worden war.

21Dies wurde zu einer Gefahr für das Leben:

14,21
Jer 2,27
Wenn den Leuten etwas Schlimmes zugestoßen war oder wenn sie den Tyrannen dienen mussten, gaben sie den Steinen und dem Holz den Namen, der keinem andern gebührt.
14,21
Offb 9,20
16,9

22Sodann ließen sie sich nicht daran genügen, dass sie in der Erkenntnis Gottes irrten, sondern, obwohl sie in ihrer Unwissenheit wie im Kriege lebten, nannten sie das auch noch

14,22
Jer 6,13-15
7,9-10
Frieden. 23Denn entweder
14,23
Kap
töten sie ihre Kinder zum Opfer oder kommen zu Gottesdiensten zusammen, die sie geheim halten müssen, oder feiern wilde Gelage nach absonderlichen Satzungen 24und halten so weder ihren Wandel noch ihre Ehen rein, sondern einer tötet den andern mit List oder kränkt ihn durch Ehebruch; 25
14,25-26
Röm 1,26-32
und überall herrschen ohne Unterschied Blutvergießen, Mord, Diebstahl, Betrug, Schändung, Untreue, Streit, Meineid, Beunruhigung der Guten, 26Undank, Befleckung der Seelen, widernatürliche Unzucht, Zerrüttung der Ehen, Ehebruch und Ausschweifungen.

27Denn den namenlosen Götzen zu dienen, das ist Anfang, Ursache und Ende alles Bösen. 28Feiern sie ein Fest, so geraten sie in Raserei; weissagen sie, so ist’s lauter Lüge. Sie leben nicht recht und schwören leichtfertig falsche Eide. 29Denn weil sie an leblose Götzen glauben, fürchten sie keinen Schaden, wenn sie falsch schwören.

30Doch wird für beides gerechte Strafe über sie kommen: dafür, dass sie nicht recht von Gott denken, weil sie sich zu den Götzen halten, und dafür, dass sie unrecht und falsch schwören und Frömmigkeit verachten. 31Denn über die Bosheit der Ungerechten kommt nicht die Macht derer,

14,31
Am 8,14
bei denen sie schwören, sondern immer die Strafe, die sie mit ihrem Sündigen verdienen.

15

151Aber du, unser Gott, bist freundlich und treu und geduldig und regierst alles mit Barmherzigkeit.

15,1
2. Mose 34,6
2Wenn wir auch sündigen, gehören wir doch dir und kennen deine Macht.
15,2
1. Joh 3,6
Weil wir aber wissen, dass wir dir angehören, sündigen wir nicht. 3Denn dich kennen ist vollkommene Gerechtigkeit, und von deiner Macht wissen ist die Wurzel der Unsterblichkeit.
15,3
Joh 17,3
4Denn uns verführen nicht die arglistigen Einfälle der Menschen noch die unnütze Arbeit der Maler, nämlich eine Gestalt, die mit mancherlei Farbe beschmiert ist, 5deren Anblick die Unverständigen reizt, sodass sie Verlangen haben nach dem leblosen und toten Bild.

6Denn die es anfertigen und die danach verlangen und die es verehren, lieben das Böse und sind dessen wert, worauf sie hoffen. 7Denn auch ein Töpfer, der den weichen Ton mühevoll knetet, macht jedes Gefäß zu unserm Gebrauch. Er macht aber aus demselben Ton Gefäße, die zu sauberen Zwecken dienen, und andere zu gegenteiligen Zwecken, alle in gleicher Weise. Wozu aber jedes einzelne von den Gefäßen dann gebraucht wird, darüber entscheidet der Töpfer.

15,7
Röm 9,21
8Aber es ist ein böses Werk, wenn er aus demselben Ton einen nichtigen Gott macht, wo er doch selbst nicht lange zuvor aus Erde geschaffen worden ist und
15,8
Pred 12,7
nach kurzer Zeit wieder dahinfährt, von wo er genommen worden ist,
15,8
Lk 12,20
wenn die anvertraute Gabe der Seele zurückgefordert wird.

9Aber das macht ihm keine Sorge, dass er

15,9
Ps 39,5
davonmuss und dass er ein kurzes Leben hat, sondern er wetteifert mit den Gold- und Silberschmieden und ahmt die Erzgießer nach und hält es für eine Ehre, Trugbilder zu machen. 10Die Gedanken seines Herzens sind wie
15,10
Hiob 13,12
Jes 44,20
Asche, und seine Hoffnung ist geringer als Erde und sein Leben verächtlicher als Ton, 11weil er den nicht kennt, der ihn geschaffen und der ihm die wirkende Seele eingehaucht und den lebendigen Geist eingeblasen hat; 12er hält vielmehr unser menschliches Leben für ein
15,12
1. Kor 10,7
Spiel und unser menschliches Treiben für einen Jahrmarkt; denn er gibt vor,
15,12
Apg 19,24-26
man müsse überall Gewinn suchen, auch aus bösen Dingen. 13Solch einer weiß besser als alle andern, dass er sündigt, wenn er zerbrechliche Gefäße und Bilder aus irdischem Stoff schafft.

14Alle aber sind sie törichter und elender als ein kleines Kind – nämlich die Feinde deines Volks, die es unterdrücken –,

15,14
Ps 8,3
15da sie alle Götzenbilder der Heiden für Götter halten, die mit ihren Augen nicht sehen, mit ihren Nasen nicht Luft holen, mit ihren Ohren nicht hören, mit ihren Fingern an den Händen nicht fühlen können und deren Füße zu faul zum Gehen sind.
15,15
Ps 115,4-7
16Denn ein Mensch hat sie gemacht, und einer, dem der Geist nur geliehen ist, hat sie gebildet.
15,16

17Ein Mensch kann ja nicht einmal einen Gott machen, der wenigstens einem lebendigen Menschen gleich ist; sondern weil er sterblich ist, schafft er nur etwas Lebloses mit seinen ruchlosen Händen. Denn er selbst ist ja besser als das, was er verehrt; denn er lebt doch, jenes aber nie. 18Sie verehren sogar die feindseligsten Tiere, die, an ihrem Verstand gemessen, noch tiefer stehen als die andern.

15,18
Kap
19Auch sind sie nicht schön wie andre Tiere, sodass man an ihrem Anblick Gefallen haben könnte;
15,19
1. Mose 3,14-15
vielmehr ist ihnen das Lob und der Segen Gottes verloren gegangen.