Lutherbibel 1984 (LU84)
8

Hochzeitsnacht und Freudenmahl

81Nach dem Abendessen aber führten sie den jungen Tobias zu ihr in die Kammer. 2Und Tobias dachte an den Rat des Engels und nahm aus seiner Tasche ein Stück von der Leber des Fisches und legte es auf die glühenden Kohlen.

8,2
Kap
3Da
8,3
Kap
nahm der Engel Rafael den bösen Geist gefangen und
8,3
Offb 20,1-2
band ihn fest in der Wüste von Oberägypten.

4Danach forderte Tobias die Jungfrau auf: Sara, steh auf, wir wollen heute, morgen und übermorgen zu Gott beten und in diesen drei Nächten nur Gott gehören; nach der dritten Nacht aber wollen wir als Eheleute einander gehören.

8,4
Kap
5Denn wir sind
8,5
Kap
Kinder der Heiligen und können unsere Ehe
8,5
Kap
nicht beginnen wie die Heiden, die Gott nicht kennen.

6Und sie standen auf und beteten beide inständig, dass Gott sie behüten wolle. 7Und Tobias sprach: Herr, du Gott unsrer Väter, dich sollen loben Himmel, Erde, Meer, alle Quellen und Flüsse und alle deine Geschöpfe, die darin leben.

8,7
Ps 148,1-14
8Du hast Adam aus Erde vom Acker gemacht und hast ihm Eva zur Gehilfin gegeben.
8,8
1. Mose 2,718
9Und nun, Herr, du weißt, dass ich
8,9
Kap
nicht aus böser Lust meine Schwester zur Frau nehme, sondern nur, weil ich gerne Kinder haben möchte, durch die dein heiliger Name auf ewig gepriesen werde. 10Und Sara sprach: Erbarme dich unser, Herr, erbarme dich und lass uns beide gesund bleiben und alt werden.

11Und als der Hahn krähte, rief Raguël seine Diener und ging mit ihnen, ein Grab auszuheben. 12Denn er dachte: Es könnte dem Tobias vielleicht auch ergangen sein wie den sieben andern, die mit ihr vermählt waren. 13Und als sie das Grab ausgehoben hatten, kam Raguël zu seiner Frau zurück und sagte: 14Schick eine Magd hin und lass nachsehen, ob auch er tot ist, damit ich ihn begraben kann, bevor es Tag wird. 15Da schickte sie eine Magd; die trat leise in die Kammer und fand sie beide gesund und frisch im Schlaf.

16Und sie kam zurück und brachte ihnen die gute Nachricht. 17Und Raguël und seine Frau Hanna dankten Gott und sprachen: Wir danken dir, Herr, du Gott Israels, dass nicht geschehen ist, was wir befürchtet haben. Denn du hast uns deine

8,17
Jdt 13,17
Barmherzigkeit erwiesen und den Feind, der uns verfolgte, vertrieben. 18Du hast dich erbarmt über diese beiden einzigen Kinder. Und nun, Herr, gib ihnen, dass sie dir noch lange danken und dich
8,18
Lk 8,39
Eph 1,12
loben können mit dem Leben, das du ihnen erhältst, damit
8,18
Jes 37,20
alle Völker an ihnen erkennen, dass du allein Gott bist in aller Welt. 19Und sogleich befahl Raguël seinen Dienern, das Grab wieder zuzuschütten, ehe es Tag würde.

20Seiner Frau aber trug er auf, ein Mahl herzurichten und alles vorzubereiten, was man auf der Reise braucht. 21Er ließ auch zwei fette Rinder und vier Schafe schlachten und ein Festmahl zubereiten für alle seine Nachbarn und Freunde. 22Und Raguël bat Tobias dringend, zwei Wochen bei ihm zu bleiben.

8,22
1. Mose 29,27
23Und von all seinen Gütern gab er dem Tobias die Hälfte und legte schriftlich fest, dass nach seinem Tode und dem Tode seiner Frau auch die andre Hälfte dem Tobias zufallen sollte.

9

Gabaël auf der Hochzeit

91Da rief Tobias den Engel zu sich – denn er hielt ihn für einen Menschen – und sagte zu ihm: Asarja, mein Bruder, ich bitte dich, höre mich an! 2Selbst wenn ich dein Sklave würde, könnte ich dir doch deine Fürsorge nicht entgelten. 3Dennoch bitte ich dich: Nimm dir Knechte und Kamele und zieh zu Gabaël nach Rages in Medien; gib ihm diesen

9,3
Kap
Schuldschein zurück und nimm das Geld entgegen und bitte ihn, zu meiner Hochzeit zu kommen. 4Denn du weißt, mein Vater zählt die Tage; und wenn ich einen Tag zu lange fortbliebe, so wäre er betrübt. 5Du siehst auch, wie sehr mich Raguël gebeten hat, sodass ich’s ihm nicht abschlagen kann.

6Da nahm Rafael vier Knechte Raguëls und zwei Kamele und zog nach der Stadt Rages in Medien und fand Gabaël und gab ihm den Schuldschein zurück und empfing von ihm das ganze Geld. 7Und er berichtete ihm alles, was der jüngere Tobias erlebt hatte, und brachte ihn mit auf die Hochzeit.

8Und als Gabaël in das Haus Raguëls kam, fand er Tobias bei Tisch; der sprang auf und sie küssten sich. Und Gabaël weinte und lobte Gott und sprach: 9Es segne dich der Gott Israels! Denn

9,9
Kap
du bist der Sohn eines frommen, gerechten und gottesfürchtigen Mannes, der den Armen viel Gutes getan hat. 10Gesegnet seien auch deine Frau und eure Eltern! 11Und Gott gebe, dass ihr
9,11
Hiob 42,16
eure Kinder und eure Kindeskinder seht bis ins dritte und vierte Glied; und eure Nachkommen seien gesegnet vom Gott Israels, der in Ewigkeit herrscht und regiert! 12Und als alle Amen gesagt hatten, setzten sie sich zu Tische; und auch das Hochzeitsmahl feierten sie in der Furcht des Herrn.

10

Die Sorge der Eltern um ihren Sohn

101Als aber der junge Tobias wegen seiner Hochzeit lange ausblieb, fing sein Vater Tobias an, sich zu sorgen, und sagte: Warum bleibt mein Sohn so lange aus und was hält ihn auf? 2Vielleicht ist Gabaël gestorben und niemand will ihm das Geld zurückgeben? 3Und Tobias und seine Frau Hanna wurden sehr traurig und fingen beide an zu weinen, weil ihr Sohn zur bestimmten Zeit nicht heimgekommen war. 4Und seine Mutter weinte und wollte sich nicht trösten lassen und klagte: 5Ach, mein Sohn, ach, mein Sohn! Warum haben wir dich auf die Reise geschickt, du Licht unsrer Augen, unsere

10,5
Kap
Stütze im Alter, du Trost unsres Lebens, von dem wir uns Nachkommen erhofften! 6Du warst unser Ein und Alles; wir hätten dich nicht fortschicken dürfen.

7Und Tobias sagte zu ihr: Sei still und sorge dich nicht! Unserm Sohn geht’s, so Gott will, gut; er hat einen zuverlässigen Begleiter. 8Sie aber wollte sich nicht trösten lassen, sondern lief alle Tage hinaus und blickte dahin und dorthin und suchte auf allen Straßen, auf denen er kommen konnte, um ihn möglichst schon von ferne zu sehen.

Abschied von Raguël

9Raguël aber sagte zu seinem Schwiegersohn: Bleib bei uns; ich will einen Boten zu deinem Vater Tobias schicken und ihn wissen lassen, dass dir’s gut geht. 10Und Tobias antwortete: Ich weiß, dass mein Vater und meine Mutter jetzt die Tage zählen und in großer Sorge um mich sind. 11Als Raguël Tobias mit vielen Worten bat, ohne dass dieser einwilligte, gab er ihm Sara mit und dazu die Hälfte von all seinem Hab und Gut: Knechte und Mägde, Vieh, Kamele und viel Geld; dann ließ er ihn gesund und fröhlich ziehen und sprach: 12

10,12
Kap
Der heilige Engel des Herrn sei mit euch auf dem Wege und bringe euch gesund ans Ziel! Gott gebe, dass ihr eure Eltern wohlauf findet und dass meine Augen eure Kinder sehen dürfen, ehe ich sterbe. 13Und die Eltern umarmten ihre Tochter und küssten sie; dann ließen sie sie ziehen und ermahnten sie, die Eltern ihres Mannes zu ehren,
10,13
Tit 2,4-5
ihren Mann zu lieben, Kinder und Gesinde recht zu leiten,
10,13
Spr 31,10-31
dem Hause wohl vorzustehen und sich selbst untadelig zu halten.