Lutherbibel 1984 (LU84)
3

31Da seufzte Tobias tief auf, fing an zu weinen und zu beten und sprach: 2Herr,

3,2
Ps 119,137
du bist gerecht, und alle deine Gerichte sind lauter Güte und Treue. 3Und nun, mein Herr, sei mir gnädig und strafe meine Sünden nicht, denke nicht daran, was ich oder meine Väter Böses getan haben.
3,3
Ps 25,7
79,8
4Denn weil wir deine Gebote nicht gehalten haben, hast du uns unsern Feinden preisgegeben, die uns berauben, gefangen halten und töten, und hast uns zu Spott und Hohn all der Völker gemacht, unter die du uns zerstreut hast.
3,4
5. Mose 28,153748
5Ach, Herr, schrecklich sind deine Gerichte, weil wir deine Gebote nicht gehalten und nicht aufrichtig gelebt haben vor dir. 6Und nun, Herr, erweise mir Gnade und nimm meinen Geist weg in Frieden; denn
3,6
1. Kön 19,4
ich will viel lieber tot sein als leben.

Saras Not und Gebet

7Es begab sich nun an demselben Tage, dass Sara, die Tochter Raguëls, in einer Stadt der Meder von einer Magd ihres Vaters auch geschmäht und gescholten wurde. 8Man hatte sie nämlich sieben Männern nacheinander gegeben, aber ein böser Geist, Aschmodai genannt, hatte sie alle getötet, sobald sie zu ihr eingehen wollten. 9Als nun Sara die Magd wegen eines Fehlers zurechtwies, gab die ihr zurück: 10Wenn wir nur von dir nicht auch einen Sohn oder eine Tochter auf Erden sehen müssen, du Männermörderin! 11Willst du mich auch töten, wie du schon sieben Männer getötet hast? 12Auf diese Worte hin ging Sara in eine Kammer oben im Haus, aß nicht und trank nicht drei Tage und drei Nächte lang,

3,12
Jdt 9,1
betete aber unablässig und flehte Gott unter Tränen an, sie von ihrer Schmach zu befreien.

13Als sie aber am dritten Tage ihr Gebet vollendete, lobte sie Gott und sprach: 14Gelobt sei dein Name, Herr, du Gott unsrer Väter; denn

3,14
Jes 54,8
Hab 3,2
wenn du gezürnt hast, erweist du Gnade und Güte, und in der Zeit der Trübsal vergibst du Sünde denen, die dich anrufen. 15Zu dir, mein Herr, kehre ich mein Angesicht, zu dir hebe ich meine Augen auf 16und bitte dich, dass du mich erlöst aus dieser schweren Schmach oder mich von der Erde wegnimmst. 17Du weißt, Herr, dass ich niemals einen Mann begehrt und meine Seele rein erhalten habe von aller
3,17
Sir 23,5
bösen Lust 18und mich nie zu zuchtloser und leichtfertiger Gesellschaft gehalten habe. 19Ich war bereit, einen Mann zu nehmen, weil ich dich fürchtete, und nicht, weil ich nach Lust gierig war.
3,19
1. Thess 4,3-5
20Entweder bin ich ihrer oder sie sind meiner nicht wert gewesen, und du hast mich vielleicht einem andern Mann vorbehalten. 21Denn dein Ratschluss ist von Menschen nicht zu ergründen.
3,21
Hiob 15,8
Weish 9,13

22Das weiß ich aber fürwahr: Jeder, der dir dient,

3,22
Jak 1,12
wird nach der Anfechtung gekrönt und aus der Trübsal erlöst, und nach der Züchtigung findet er Gnade. 23Denn
3,23
Ps 30,6
du hast nicht Gefallen an unserm Verderben: Nach dem Gewitter lässt du die Sonne wieder scheinen und nach Klagen und Weinen überschüttest du uns mit Freuden. Deinem Namen sei ewig Ehre und Lob, du Gott Israels.

Die Erhörung

24

3,24-25
Apg 10,3-4
In derselben Stunde wurden die Gebete dieser beiden von dem Herrn im Himmel erhört. 25Und der heilige
3,25
Kap
Rafael, der Engel des Herrn, wurde gesandt, beiden zu helfen, weil ihr Gebet zu gleicher Zeit dem Herrn vorgebracht worden war.

4

Das Vermächtnis des Tobias

41Als nun Tobias dachte, sein Gebet wäre erhört und er würde sterben, rief er seinen Sohn Tobias zu sich und sagte zu ihm: 2Lieber Sohn, höre meine Worte und behalte sie fest in deinem Herzen. 3Wenn Gott meine Seele zu sich nehmen wird, so

4,3
1. Mose 50,5
begrabe meinen Leib und
4,3
2. Mose 20,12
Spr 23,22
Sir 3,3518
ehre deine Mutter, solange sie lebt; 4denke daran,
4,4
Sir 7,29
was für Gefahren sie ausgestanden hat, als sie dich unter dem Herzen trug; 5und wenn sie gestorben ist, so
4,5
Jdt 16,28
begrabe sie neben mir.

6Und dein Leben lang habe Gott vor Augen und im Herzen und hüte dich davor, jemals in eine Sünde einzuwilligen und gegen die Gebote unsres Gottes zu handeln.7

4,7-12
5. Mose 15,7-11
Sir 4,1-5
Mt 6,3-4
Mit deinem Hab und Gut hilf den Armen und wende dich auch nicht von einem einzigen ab, dann wird sich das Angesicht des Herrn auch von dir nicht abwenden. 8Wo du kannst, da hilf den Bedürftigen.
4,8
Spr 3,27
9Hast du viel, so gib reichlich; hast du wenig, so gib doch das Wenige von Herzen.
4,9
Sir 35,11-12
10Denn so wirst du dir einen guten Lohn für den Tag der Not sammeln.
4,10
Lk 16,9
11Denn
4,11
Dan 4,24
Sir 3,33
1. Petr 4,8
Almosen erlösen von allen Sünden, auch vom Tode, und lassen die Seele nicht in die Finsternis geraten. 12Almosen schaffen große Zuversicht vor dem höchsten Gott.
4,12
Spr 19,17

13Hüte dich, mein Sohn, vor aller Hurerei, und außer mit deiner eignen Frau lass dich mit keiner andern ein.

4,13
Spr 6,23-24
14
4,14
Sir 10,14-16
Spr 29,23
Hoffart lass weder in deinem Herzen noch in deinen Worten herrschen, denn mit ihr hat alles Verderben seinen Anfang genommen. 15Wer für dich arbeitet, dem
4,15
3. Mose 19,13
gib sogleich seinen Lohn und
4,15
Sir 34,27
enthalte dem Tagelöhner den Lohn nicht vor. 16Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.
4,16
Mt 7,12
17Teile dein Brot mit den Hungrigen und bedecke die Nackten mit Kleidern von dir.
4,17
Kap
18Gib von deinem Brot und Wein beim Begräbnis der Frommen; aber
4,18
Mt 9,11
iss und trink nicht davon mit den Sündern. 19Suche deinen Rat immer bei den Weisen.
4,19
Sir 9,21
20Preise Gott allezeit und bete, dass er dich leite und dass alles, was du dir vornimmst, durch seine Hilfe gelingt.

21Du sollst auch wissen, mein Sohn, dass ich, als du noch ein Kind warst, dem

4,21
Kap
Gabaël in der Stadt Rages in Medien zehn Talente Silber geliehen habe; seinen Schuldschein habe ich hier. Darum überlege dir, wie du zu ihm gelangen, das Geld von ihm bekommen und ihm seinen Schuldschein zurückgeben kannst! 22Sorge dich nur nicht, mein Sohn! Wir führen zwar jetzt ein armes Leben, aber wir werden viel Gutes empfangen, wenn wir Gott fürchten, die Sünde meiden und Gutes tun.
4,22
Sir 11,21-23
1. Tim 6,6

5

Der Begleiter des jungen Tobias

51Da antwortete der junge Tobias seinem Vater: Alles, was du mir gesagt hast, mein Vater, das will ich tun. 2Wie ich aber versuchen soll, das Geld zu bekommen, weiß ich nicht. Dieser Gabaël kennt mich nicht und ich kenne ihn auch nicht. Was für ein Zeichen soll ich ihm vorweisen, damit er mir Glauben schenkt? Aber auch den Weg dorthin kenne ich nicht. 3Da antwortete ihm sein Vater: Seinen Schuldschein habe ich hier; wenn du ihm den vorlegst, wird er dir sogleich das Geld geben. 4Geh aber hin und suche dir einen zuverlässigen Begleiter, der gegen Entgelt mit dir geht, damit du das Geld noch bei meinen Lebzeiten zurückbekommst.

5Da ging der junge Tobias hinaus und fand einen stattlichen jungen Mann, der stand da gegürtet und wie bereit zu reisen. 6Und er

5,6
Hebr 13,2
wusste nicht, dass es ein Engel Gottes war, grüßte ihn und fragte: Woher bist du, guter Freund? 7Er antwortete: Von den Israeliten. 8Und Tobias fragte ihn: Kennst du den Weg nach Medien? 9Er antwortete: Ich kenne ihn gut und bin ihn oft gegangen und habe Herberge genommen bei unserm Bruder Gabaël, der in der Stadt Rages in Medien wohnt, die auf dem Gebirge von
5,9
Jdt 1,1
Ekbatana liegt. 10Und Tobias sagte zu ihm: Warte doch einen Augenblick auf mich, damit ich das meinem Vater sagen kann.

11Da ging Tobias hinein und sagte das alles seinem Vater; und der Vater wunderte sich und bat, der junge Mann solle zu ihm hereinkommen. 12So kam er herein, grüßte ihn und sagte:

5,12
Jak 1,1
Phil 4,4
Gott gebe dir allezeit Freude! 13
5,13-14
Jes 50,10
Aber Tobias sagte: Was soll ich für Freude haben, wenn ich im Finstern sitzen muss und das Licht des Himmels nicht sehen kann? 14Und der junge Mann sagte zu ihm: Hab Geduld, Gott wird dir bald helfen. 15Und Tobias sagte zu ihm: Kannst du meinen Sohn zu Gabaël hinführen, in die Stadt Rages in Medien? Wenn du wiederkommst, will ich dir deinen Lohn geben. 16Und der Engel sagte zu ihm: Ich will ihn hinführen und wieder zu dir zurückbringen.

17Und Tobias sagte zu ihm: Ich bitte dich: Sage mir, aus welchem Geschlecht oder aus welchem Stamme bist du? 18Und der Engel Rafael sagte: Sei doch zufrieden! Reicht es dir nicht, dass du einen Begleiter für deinen Sohn gefunden hast? Wozu willst du auch noch

5,18
Ri 13,18
wissen, woher ich bin? 19Doch um dir die Sorge zu nehmen, will ich dir’s sagen: Ich bin Asarja, der Sohn des großen Hananja. 20Und Tobias sagte: Du bist aus einem guten Geschlecht; 21ich bitte dich: Zürne mir nicht, dass ich nach deiner Herkunft gefragt habe. 22Der Engel aber sagte zu ihm: Ich will deinen Sohn wohlbehalten hin- und zurückbringen.
5,22
Jdt 13,20
23Tobias antwortete: So zieht hin! Gott sei mit euch auf dem Wege, und
5,23
1. Mose 24,7
Hebr 1,14
sein Engel geleite euch!

Der Abschied von den Eltern

24Da rüstete sich Tobias mit allem aus, was er mitnehmen wollte, nahm Abschied von Vater und Mutter und zog mit seinem Begleiter davon. 25Und als sie fort waren, fing seine Mutter an zu weinen und klagte: Den

5,25
Rut 4,14-15
Trost unsres Alters hast du uns genommen und weggeschickt. 26Ich wollte, dass das Geld nie gewesen wäre, dessentwegen du ihn weggeschickt hast. 27Wir hätten wohl zufrieden sein können in unsrer Armut und es für großen Reichtum halten sollen, dass wir unsern Sohn bei uns hatten. 28Aber Tobias sagte: Weine nicht! Unser Sohn wird frisch und gesund hin- und zurückkommen, und deine Augen werden ihn sehen. 29Denn ich glaube, dass ein guter Engel Gottes ihn geleitet und alles zum Besten lenkt, was ihm begegnet, sodass er in Freuden wieder heimkehren wird. Da schwieg seine Mutter still und gab sich zufrieden.

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