Lutherbibel 1984 (LU84)
9

Gabaël auf der Hochzeit

91Da rief Tobias den Engel zu sich – denn er hielt ihn für einen Menschen – und sagte zu ihm: Asarja, mein Bruder, ich bitte dich, höre mich an! 2Selbst wenn ich dein Sklave würde, könnte ich dir doch deine Fürsorge nicht entgelten. 3Dennoch bitte ich dich: Nimm dir Knechte und Kamele und zieh zu Gabaël nach Rages in Medien; gib ihm diesen

9,3
Kap
Schuldschein zurück und nimm das Geld entgegen und bitte ihn, zu meiner Hochzeit zu kommen. 4Denn du weißt, mein Vater zählt die Tage; und wenn ich einen Tag zu lange fortbliebe, so wäre er betrübt. 5Du siehst auch, wie sehr mich Raguël gebeten hat, sodass ich’s ihm nicht abschlagen kann.

6Da nahm Rafael vier Knechte Raguëls und zwei Kamele und zog nach der Stadt Rages in Medien und fand Gabaël und gab ihm den Schuldschein zurück und empfing von ihm das ganze Geld. 7Und er berichtete ihm alles, was der jüngere Tobias erlebt hatte, und brachte ihn mit auf die Hochzeit.

8Und als Gabaël in das Haus Raguëls kam, fand er Tobias bei Tisch; der sprang auf und sie küssten sich. Und Gabaël weinte und lobte Gott und sprach: 9Es segne dich der Gott Israels! Denn

9,9
Kap
du bist der Sohn eines frommen, gerechten und gottesfürchtigen Mannes, der den Armen viel Gutes getan hat. 10Gesegnet seien auch deine Frau und eure Eltern! 11Und Gott gebe, dass ihr
9,11
Hiob 42,16
eure Kinder und eure Kindeskinder seht bis ins dritte und vierte Glied; und eure Nachkommen seien gesegnet vom Gott Israels, der in Ewigkeit herrscht und regiert! 12Und als alle Amen gesagt hatten, setzten sie sich zu Tische; und auch das Hochzeitsmahl feierten sie in der Furcht des Herrn.

10

Die Sorge der Eltern um ihren Sohn

101Als aber der junge Tobias wegen seiner Hochzeit lange ausblieb, fing sein Vater Tobias an, sich zu sorgen, und sagte: Warum bleibt mein Sohn so lange aus und was hält ihn auf? 2Vielleicht ist Gabaël gestorben und niemand will ihm das Geld zurückgeben? 3Und Tobias und seine Frau Hanna wurden sehr traurig und fingen beide an zu weinen, weil ihr Sohn zur bestimmten Zeit nicht heimgekommen war. 4Und seine Mutter weinte und wollte sich nicht trösten lassen und klagte: 5Ach, mein Sohn, ach, mein Sohn! Warum haben wir dich auf die Reise geschickt, du Licht unsrer Augen, unsere

10,5
Kap
Stütze im Alter, du Trost unsres Lebens, von dem wir uns Nachkommen erhofften! 6Du warst unser Ein und Alles; wir hätten dich nicht fortschicken dürfen.

7Und Tobias sagte zu ihr: Sei still und sorge dich nicht! Unserm Sohn geht’s, so Gott will, gut; er hat einen zuverlässigen Begleiter. 8Sie aber wollte sich nicht trösten lassen, sondern lief alle Tage hinaus und blickte dahin und dorthin und suchte auf allen Straßen, auf denen er kommen konnte, um ihn möglichst schon von ferne zu sehen.

Abschied von Raguël

9Raguël aber sagte zu seinem Schwiegersohn: Bleib bei uns; ich will einen Boten zu deinem Vater Tobias schicken und ihn wissen lassen, dass dir’s gut geht. 10Und Tobias antwortete: Ich weiß, dass mein Vater und meine Mutter jetzt die Tage zählen und in großer Sorge um mich sind. 11Als Raguël Tobias mit vielen Worten bat, ohne dass dieser einwilligte, gab er ihm Sara mit und dazu die Hälfte von all seinem Hab und Gut: Knechte und Mägde, Vieh, Kamele und viel Geld; dann ließ er ihn gesund und fröhlich ziehen und sprach: 12

10,12
Kap
Der heilige Engel des Herrn sei mit euch auf dem Wege und bringe euch gesund ans Ziel! Gott gebe, dass ihr eure Eltern wohlauf findet und dass meine Augen eure Kinder sehen dürfen, ehe ich sterbe. 13Und die Eltern umarmten ihre Tochter und küssten sie; dann ließen sie sie ziehen und ermahnten sie, die Eltern ihres Mannes zu ehren,
10,13
Tit 2,4-5
ihren Mann zu lieben, Kinder und Gesinde recht zu leiten,
10,13
Spr 31,10-31
dem Hause wohl vorzustehen und sich selbst untadelig zu halten.

11

Heimkehr und Heilung

111Als sie auf dem Heimweg am elften Tage nach Haran kamen, das auf halbem Wege nach Ninive liegt, 2sagte der Engel: Tobias, mein Bruder, du weißt,

11,2
Kap
wie es deinem Vater ging, als du von ihm weggingst; 3wenn es dir recht ist, so wollen wir beide vorausziehen und deine Frau mit dem Gesinde und dem Vieh langsam nachkommen lassen. 4Und als Tobias das recht war, sagte Rafael zu ihm: Nimm etwas von der Galle des Fisches mit; denn du wirst es brauchen. 5Da nahm Tobias etwas von der
11,5
Kap
Galle des Fisches und sie zogen voraus.

6Hanna aber saß täglich am Wege auf einem Berge, von wo sie weit ins Land blicken konnte. Und als sie dort nach der Heimkehr ihres Sohnes ausschaute, sah sie ihn von ferne und erkannte ihn sogleich und lief zu ihrem Mann und sagte: Siehe, dein Sohn kommt!

7

11,7-8
Ps 50,14-15
Und Rafael sagte zu Tobias: Sobald du ins Haus kommst, bete zu Gott, deinem Herrn, und danke ihm! Darauf geh zu deinem Vater und küsse ihn 8und salbe ihm sogleich die Augen mit der Galle des Fisches, die du bei dir hast; dann werden seine Augen bald geöffnet werden, und dein Vater wird das Licht des Himmels wieder schauen und über deinen Anblick sich freuen.

9Und der

11,9
Kap
Hund, den sie mitgenommen hatten, lief voraus und kam als Bote, wedelte mit dem Schwanz, sprang hoch und zeigte seine Freude. 10Da stand sein blinder Vater auf und stieß sich vor lauter Eile; darum rief er einen Knecht, der ihn bei der Hand führte, und lief seinem Sohn entgegen. 11Er schloss ihn in die Arme und küsste ihn, ebenso auch seine Mutter, und beide weinten vor Freude.

12Und als sie zum Herrn gebetet und ihm gedankt hatten, setzten sie sich zusammen nieder. 13Da nahm Tobias von der Galle des Fisches und salbte seinem Vater die Augen. Und es dauerte fast eine halbe Stunde, 14da löste sich der Star von seinen Augen wie das Häutlein von einem Ei. 15Und Tobias fasste es und zog es ihm von den Augen; sogleich wurde er wieder sehend. 16Und sie priesen Gott, er und seine Frau und alle, die ihn kannten. 17Und Tobias sprach: Ich danke dir, Herr, du Gott Israels; denn

11,17
Kap
du hast mich gezüchtigt und nun wieder geheilt, und jetzt kann ich meinen lieben Sohn Tobias wieder sehen.

18Und nach sieben Tagen kam auch Sara, die Frau seines Sohnes, wohlbehalten an mit ihrem ganzen Gesinde, dem Vieh und den Kamelen und brachte viel Geld mit und auch das Geld, das er von Gabaël empfangen hatte. Und Tobias erzählte seinen Eltern, wie viel Gutes Gott an ihm getan hatte durch seinen Begleiter. 19Und Achior und Nabat, die Vettern des Tobias, kamen zu ihm, beglückwünschten ihn und freuten sich mit ihm über all das Gute, das ihm Gott erwiesen hatte. 20Und

11,20
Kap
sieben Tage lang feierten sie miteinander und waren alle sehr fröhlich.