Lutherbibel 1984 (LU84)
38

Lob des Arztes

381Ehre den

38,1
Kol 4,14
Arzt mit gebührender Verehrung, damit du ihn hast, wenn du ihn brauchst; 2denn der Herr hat ihn geschaffen, und
38,2
2. Mose 15,26
die Heilung kommt von dem Höchsten, und Könige ehren ihn mit Geschenken. 3Die Kunst des Arztes erhöht ihn und macht ihn groß bei Fürsten und Herren.

4Der Herr lässt die

38,4
Hes 47,12
Arznei aus der Erde wachsen, und ein Vernünftiger verachtet sie nicht. 5Wurde nicht
38,5
2. Mose 15,23-25
das bittere Wasser süß durch Holz, damit man seine Kraft erkennen sollte? 6Und er hat solche Kunst den Menschen gegeben, um sich herrlich zu erweisen durch seine wunderbaren Mittel. 7Damit heilt er und vertreibt die Schmerzen, und der Apotheker macht Arznei daraus, 8damit
38,8
Joh 5,17
Gottes Werke kein Ende nehmen und es
38,8
Mt 4,23-24
Heilung durch ihn auf Erden gibt.

9

38,9-10
Jes 38,1-516-17
Jak 5,14-16
Mein Kind, wenn du krank bist, so missachte dies nicht; sondern bitte den Herrn, dann wird er dich gesund machen. 10Lass ab von der Sünde und handle rechtschaffen und reinige dein Herz von aller Missetat. 11Opfre lieblichen Geruch und
38,11
3. Mose 2,1-2
feinstes Mehl zum Gedenkopfer, und gib ein fettes Opfer, als müsstest du sterben.

12Danach lass den Arzt zu dir, denn der Herr hat ihn geschaffen; und weise ihn nicht von dir, denn du brauchst auch ihn. 13Es kann die Stunde kommen, in der dem Kranken allein durch die Hand der Ärzte geholfen wird; 14denn auch sie werden den Herrn bitten, dass er’s ihnen gelingen lässt, damit es sich mit ihm bessert und er gesund wird und wieder für sich sorgen kann.

15Wer vor seinem Schöpfer sündigt, der soll dem Arzt in die Hände fallen!

38,15
Ps 107,17-18
Joh 5,14

Von der Trauer um einen Toten

16Mein Kind, wenn einer stirbt, so beweine ihn und klage wie einer, dem großes Leid geschehen ist, und verhülle seinen Leib, wie es ihm zukommt, und bestatte ihn mit Ehren.

38,16
Tob 2,2-9
17
38,17-18
Kap
Du sollst bitterlich weinen und von Herzen betrübt sein und Leid tragen, wie er es verdient hat, 18etwa einen Tag oder zwei, damit man nicht schlecht von dir redet; und tröste dich auch wieder, damit du nicht allzu traurig wirst. 19Denn vom Trauern kommt der Tod, und die Traurigkeit des Herzens schwächt die Kräfte. 20In der Anfechtung bleibt die Traurigkeit, und ein Leben in Armut tut dem Herzen weh.

21

38,21-22
1. Thess 4,13-14
Lass die Traurigkeit nicht in dein Herz, sondern weise sie ab und denk ans Ende und vergiss es nicht; 22denn es gibt kein Wiederkommen. Du hilfst ihm nicht, und dir tust du Schaden. 23Denke daran: wie er gestorben, so musst du auch sterben. Gestern war’s an mir, heute ist’s an dir. 24Weil der Tote nun seine Ruhe hat, so höre auch du auf, ihn zu beklagen, und tröste dich wieder, weil sein Geist von ihm geschieden ist.
38,24
2. Sam 12,19-23

Vom Erlernen der Weisheit

25Wer Weisheit lernt, braucht viel Zeit, und nur wer sonst nichts zu tun hat, wird Weisheit gewinnen.

26Wie kann der Weisheit erlernen, der den Pflug führt und stolz die Ochsen mit dem Stecken antreibt und nur mit solchen Arbeiten umgeht und mit nichts anderm als mit Ochsen zu reden weiß? 27Er muss daran denken, wie er ackern soll, und muss spät und früh den Kühen Futter geben.

28Ebenso geht es den Zimmerleuten und Baumeistern, die Tag und Nacht arbeiten, oder denen, die Siegel stechen und fleißig Bilder malen; die müssen daran denken, dass das Bild ähnlich wird, und früh und spät darauf bedacht sein, dass sie es vollenden.

29Ebenso geht es dem Schmied bei seinem Amboss, der auf das Schmiedewerk achtet und vom Feuer versengt wird und sich in der Hitze des Ofens müde arbeitet. 30Das Hämmern dröhnt ihm in die Ohren, und er sieht darauf, wie er das Werk richtig macht, 31und muss daran denken, wie er’s fertig bringt, und früh und spät darauf bedacht sein, dass es schön aussieht.

32Ebenso geht es dem

38,32
Jer 18,3-4
Töpfer; der muss bei seiner Arbeit sitzen und die Scheibe mit seinen Füßen drehen und muss immer um sein Werk besorgt sein und sein bestimmtes Maß an Arbeit tun. 33Er muss mit seinen Armen aus dem Ton sein Gefäß formen und muss sich mit seinen Füßen abmühen. 34Er muss daran denken, wie er’s fein glasiert, und früh und spät den Ofen fegen.

35Diese alle vertrauen auf ihre Hände, und jeder versteht sich auf sein Handwerk. 36Man kann sie beim Bau der Stadt nicht entbehren, 37sie sind weder Beisassen noch brauchen sie umherzuziehen – doch zur Beratung des Volks werden sie nicht herangezogen, und in der Gemeinde treten sie nicht hervor; 38auf dem Stuhl des Richters sitzen sie nicht, auf Bund und

38,38
Joh 7,49
Gesetz verstehen sie sich nicht; sie können Recht und Gerechtigkeit nicht lehren, 39und weise Sprüche werden bei ihnen nicht gefunden: doch sie
38,39
Spr 18,9
stützen den Bestand der Welt und denken daran, wie sie ihre Arbeit verrichten können.

39

391

39,1-3
Ps 1,2
78,2-3
Wer sich aber vorgenommen hat, über das Gesetz des Höchsten nachzusinnen, der muss die Weisheit aller Alten erforschen und in den Propheten studieren. 2Er muss die Geschichten berühmter Leute kennen und über die Sprüche nachdenken, was sie bedeuten und lehren. 3Er muss den verborgenen Sinn der Gleichnisse erforschen und mit Rätselsprüchen vertraut sein. 4Der kann den Fürsten dienen und vor den Herren erscheinen. 5Er durchzieht fremde Länder; denn er sucht zu erfahren, was bei den Menschen gut und böse ist.
39,5
Kap

6Er denkt daran,

39,6
Weish 16,28
in der Frühe den Herrn zu suchen, der ihn geschaffen hat, und betet vor dem Höchsten. 7Er tut seinen Mund getrost auf und betet für seine Sünden. 8Und wenn es dem großen Gott gefällt, so
39,8
Jak 1,5
Joh 3,34
gibt er ihm den Geist der Weisheit reichlich. 9Er kann weisen Rat und Lehre geben in Fülle, dafür dankt er dem Herrn in seinem Gebet. 10Er richtet sein Wollen und sein Wissen darauf, die
39,10
Kol 2,2-3
Geheimnisse des Herrn zu verstehen. 11Danach gibt er seine Belehrung und rühmt sich des Gesetzes des Herrn.

12Und viele preisen seine Weisheit, und sie wird niemals untergehen. 13Er wird niemals mehr vergessen werden, und

39,13
Kap
noch nach seinem Tode bleibt ihm dieser Name. 14Was er gelehrt hat, wird man in aller Welt verkünden, und die Gemeinde wird ihn rühmen. 15Solange er lebt, hat er einen größern Namen als tausend andre; und noch nach seinem Tode bleibt er ihm.

Lobpreis der Werke Gottes

16Ich habe mir noch mehr überlegt und will es sagen; denn rund wie der Vollmond bin ich

39,16
Hiob 32,18
voll von Gedanken. 17Gehorcht mir, ihr frommen Söhne, und ihr werdet wachsen wie die Rosen,
39,17
Ps 1,3
an den Bächen gepflanzt, 18und werdet
39,18
Kap
lieblichen Duft geben wie Weihrauch und blühen wie die Lilien. Verbreitet Wohlgeruch 19und singt ein Loblied! Lobt den Herrn für alle seine Werke, preist seinen Namen herrlich! 20Dankt ihm und lobt ihn mit Singen und Klingen und stimmt dies Danklied an:

21

39,21
1. Mose 1,31
Ps 104,24
Alle Werke des Herrn sind sehr gut; und was er gebietet, das geschieht
39,21
Ps 104,27
zur rechten Zeit. 22Und man darf nicht sagen: Was ist das? Was soll das? Denn
39,22
Pred 3,11
zur rechten Zeit trifft alles ein, wie damals,
39,22
2. Mose 14,21-22
Jos 3,14-16
1. Mose 1,9
als durch sein Gebot das Wasser stand wie eine Mauer und durch sein Wort die Wasser standen, wie in ein Gefäß gefasst. 23
39,23
Ps 33,9
Durch sein Gebot schafft er alles, was er will, und
39,23
Dan 4,32
wenn er hilft, kann’s niemand hindern.

24Die Werke aller Menschen sind vor ihm, und

39,24
Kap
vor seinen Augen ist nichts verborgen. 25Er sieht alles vom Anfang der Welt bis ans Ende der Welt, und vor ihm ist kein Ding zu wunderbar. 26Man darf nicht sagen: Was ist das? Was soll das? Denn er hat alles geschaffen, damit es zu etwas dienen soll. 27Denn sein Segen fließt daher wie ein Strom und
39,27
Ps 65,10
tränkt die Erde wie eine große Flut. 28Ebenso trifft sein Zorn die Heiden, wie damals, als er
39,28
1. Mose 14,3
19,24-26
ein wasserreiches Land in ein Salzmeer verwandelte.

29Sein Tun ist bei den Heiligen recht; aber die Gottlosen stoßen sich daran.

39,29
Ps 18,27
30
39,30-32
Weish 16,24
1. Tim 4,4
Von Anfang an ist das Gute für die Frommen geschaffen und ebenso das Böse für die Gottlosen. 31Der Mensch bedarf zu seinem Leben vor allem Wasser, Feuer, Eisen, Salz, Mehl, Milch, Honig, Wein, Öl und Kleider. 32Das alles kommt den Frommen zugut, aber für die Gottlosen wandelt es sich zum Bösen. 33
39,33-34
Ps 104,4
Jes 2,12-17
Es gibt Winde, die sind zur Strafe geschaffen, und durch ihr Stürmen richten sie schweren Schaden an; 34und wenn die Strafe kommen soll, so toben sie und besänftigen dadurch den Zorn dessen, der sie geschaffen hat. 35Feuer, Hagel, Hunger, Tod, das alles ist zur Strafe geschaffen.
39,35
2. Mose 9,22-25
Weish 5,21-23
36Wilde Tiere, Skorpione, Schlangen und das Schwert sind auch zur Strafe geschaffen,
39,36
Kap
um die Gottlosen zugrunde zu richten. 37Mit Freuden
39,37
Ps 148,8
erfüllen sie seinen Befehl und sind bereit, wenn er sie auf Erden braucht; und wenn ihre Zeit kommt, widersetzen sie sich ihm nicht.

38Darum war ich von Anfang an meiner Sache gewiss und bedachte es und schrieb’s nieder, 39dass

39,39
alle Werke des Herrn gut sind und jedes zu seiner Zeit einen Zweck erfüllt 40und dass man nicht sagen darf: Es ist nicht alles gut; denn alles ist zu seiner Zeit sinnvoll. 41Darum soll man den Namen des Herrn loben und danken mit Herz und Mund.

40

Vom Elend des Menschen

401Großes Elend ist jedem Menschen zugeteilt, und

40,1
Hiob 7,1-4
Ps 90,10
ein schweres Joch liegt auf den Menschenkindern von Mutterleib an, bis sie zur Erde zurückkehren, die unser aller Mutter ist. 2Da sind immer Sorge,
40,2
Hebr 2,15
Furcht, Hoffnung und zuletzt der Tod 3
40,3-4
Weish 7,1-6
sowohl bei dem, der in hohen Ehren sitzt, wie bei dem, der im Staube liegt; 4sowohl bei dem, der Purpur und Krone trägt, wie bei dem, der einen groben Kittel anhat. Da sind immer Zorn, Eifersucht, Kummer, Unfriede und Todesfurcht, Hass und Streit.

5Und wenn einer des Nachts auf seinem Bett ruhen und schlafen soll, beunruhigen ihn allerlei Gedanken.

40,5
Pred 2,23
1. Mose 41,8
6Wenn er schon ein wenig ruht, so ist’s doch nichts damit; denn bald ist ihm im Schlaf, als wäre es Tag und er sähe die Feinde kommen, und er erschrickt im Traum, als fliehe er aus der Schlacht; 7und im Augenblick der Not wacht er auf und ist heilfroh, dass die Furcht umsonst war.

8

40,8-10
Kap
Dies widerfährt allem Fleisch, sowohl Menschen wie Vieh, aber den Gottlosen siebenmal mehr: 9Mord, Blutvergießen, Streit, Schwert, Unglück, Hunger, Verderben und Plage: 10Das alles ist den Gottlosen zugeteilt; denn auch die
40,10
1. Mose 6,13
Sintflut musste um ihretwillen kommen. 11Alles,
40,11
1. Mose 3,19
Pred 3,20
was aus der Erde kommt, muss wieder zu Erde werden, wie
40,11
Pred 1,7
alle Wasser wieder ins Meer fließen.

Unrecht Gut gedeihet nicht

12Alle Geschenke und unrechten Zuwendungen werden untergehen; aber die Redlichkeit bleibt ewig.

40,12
1. Chr 29,17
13Die Güter der Gottlosen versiegen wie ein Bach, wie ein starker Donner im Regen verhallt. 14Sie sind fröhlich, solange sie Geschenke nehmen; aber zuletzt gehen sie doch zugrunde. 15Die Nachkommen der Gottlosen bringen keine Zweige hervor, und die Wurzel der Ungerechten steht auf einem nackten Felsen.
40,15
Kap
16Und selbst wenn sie
40,16
Hiob 8,11-13
wie das Riedgras sehr feucht und am Wasser ständen, werden sie doch ausgerottet eher als alles Gras.

17

40,17
Jes 58,10-11
Wohltun aber ist wie ein gesegneter Garten, und Barmherzigkeit bleibt ewig.

Vom Guten und vom Besseren im Leben des Menschen

18Wer von seiner Arbeit lebt und wer

40,18
1. Tim 6,6-8
bescheiden ist, der hat ein gutes Leben; aber besser als beide hat es der, der einen
40,18
Mt 6,19-21
13,44
Schatz findet. 19Kinder zeugen und Städte gründen machen einen bleibenden Namen; aber eine untadelige
40,19
Kap
Frau wird mehr geschätzt als beides.

20Wein und Saitenspiel erfreuen das Herz; aber die Weisheit ist liebenswerter als sie beide. 21Flöte und Harfe klingen schön; aber

40,21
Spr 16,24
eine freundliche Rede ist besser als sie beide. 22Anmut und Schönheit sieht das Auge gern, aber eine grüne Saat lieber als beides.

23Einem Freund und einem Gefährten begegnet man gern, aber lieber hat man die Frau, mit der man lebt. 24Brüder und Helfer sind gut in der Not, aber mehr als beide rettet Almosengeben.

40,24
Kap
25Gold und Silber lassen einen Mann sicher stehen, aber mehr als beides ein guter Rat.

26Reichtum und Macht erhöhen den Mut, aber mehr als beides die Furcht des Herrn.

40,26
Ps 33,16-18
Jdt 9,11
27In der Furcht des Herrn
40,27
Ps 34,11
fehlt einem nichts, und man braucht keine Hilfe. 28Die Furcht des Herrn ist wie ein
40,28
gesegneter Garten, und nichts ist so schön wie sie.

Warnung vor dem Betteln

29Mein Kind, verleg dich nicht aufs Betteln; es ist besser, zu sterben als zu betteln.

40,29
Kap
30Wer sich nach fremden Tischen umsieht, dessen Leben kann nicht als rechtes Leben gelten; denn er
40,30
Dan 1,8
1. Makk 1,65
macht sich unrein mit fremden Speisen; 31aber gerade davor hütet sich ein vernünftiger, wohlerzogener Mann. 32Betteln schmeckt dem unverschämten Maul gut; aber im Bauch wird es wie Feuer brennen.